Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 4 › Seite 29

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-10-15, Seite 29

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ren seligmachenden Erkenntniß Gottes ich fühle, so zweifle ich nicht, wofern Du mit dem wahren Gotte nicht auch Deine stets treue Mutter verleugnest hast, Dein kindliches Herze würde über meine häufigen Thränen brechen. O Schmerzenssohn! Meine Thränen sind wohl jetzt meine Speise Tag und Nacht, indem ich arme Mutter nicht zeitliche Güter, sondern den Verlust Deiner Seligkeit, den höchsten Schaden Deiner Seele beseufzen und bejammern muß. Ich weine mit Rahel über mein Kind und will mich nicht trösten lassen, denn es scheint mit ihm aus zu sein; aber ist nicht alle Schuldigkeit zu dem vierten Gebot, nicht alle kindliche Liebe gegen Deine Mutter bei Deinen angenommenen Irrthümern erloschen, ach so höre mich, da ich durch diesen Thränenbrief mit Dir rede! Mein Sohn, Du Sohn meines Leibes, höre mich! damit Dich Dein Gott auch höre; ich bin Deine Mutter, mein Sohn, Du Fleisch von meinem Fleisch, von mir hast Du, wie mir mein Gewissen bekennt, alle mütterliche herzliche Liebe genossen. So kannst Du von meiner mütterlichen Treue Dir gewiß versprechen, daß in solchen Dingen, daran uns Christen am meisten gelegen und einer Seelen ewige Freude und Seligkeit betreffend, ich Dein Bestes suchen und verlangen werde. Verfluchte Mutter, welche entweder aus einer unbedachtsamen Übereilung, blindeingenommener Meinung oder Betrachtung zeitlicher Ehre, ingleichen Nachrede und Spott bei ihren Glaubensgenossen, oder andern zeitlichen Respects ihrem Kinde, so auf dem Wege des Lebens begriffen, den Weg zum ewigen Untergange und höllischen Schwefelpfuhl verrathen haben sollte! Wehe einer solchen Mutter! die müßte mit Recht nach Christi Befehl Luc. 15, 26. gehasset und von keinem Kinde geehrt werden, noch befreiet von dem Argwohne solchen schrecklichen Beginnens; und giebt mir Zeugniß, daß ich mein Kind aus den Klauen des Satans meinem blutigen Jesu zuzuführen mich bemühet, durch das unbetrügliche Wort des lebendigen Gottes, mein wohl unterwiesenes, unschuldiges Gewissen, so der strenge Richter der Lebendigen und der Todten, mein Jesus, einst entdecken wird. Und also zwinge Dich, lieber Sohn, Deine Mutter, die sich mit vielen tausend Thränen zu Deinen Füßen wirft, gehorsamlich anzuhören. Bei der Sorgfalt, so Du auf Deine Seligkeit tragen mußt, verachte mich nicht, mein Kind, auf Anstiften Deiner Verführer, daß ich ein Weib sei, so von Religionsstreitigkeiten zu urtheilen und mit Dir zu unterhandeln, sich unterwinde. Du weißt ja, liebes Kind, daß mich die unendliche Liebe und Gnade Gottes in einer solchen Kirche hat lassen geboren werden, allwo man auf Art der alten, heiligen, apostolischen Kirchen auch denen Weibern in der Schrift zu forschen und das ewige Leben zu suchen willig verstattet. Allwo auch Weibspersonen, wie die Großmutter und Mutter des heiligen Timotheus Eunicke, als Paulus von ihr rühmet 2 Tim. 1, 5. die Glaubensgeheimnisse zu erlernen bei Verlust ihrer Seligkeit angehalten werden, denn ein jeder Gerechter, er sei Mann oder Weibsperson, soll seines Glaubens leben Hebr. 10, 38. Wie ich diese Vermahnung allzeit in Acht genommen, und das Wort Gottes meines Herzens Freude und Lust sein lassen, wird Dich Dein eigen Gewissen überführen; eben nach diesem wahrhaftigen und unbetrüglichen Worte Gottes fasse ich mein Urtheil ab von Deiner neuen Lehre. Auf dieses Wort Gottes, so auch der Höllenpforten nicht überwältigen können, gründet und berufet sich mein Ausspruch, und schreibe mit gebrochenen Herzen, daß Du, Unglückseliger, zu einem solchen Glauben Dich verführen lassen, welcher nichts als ewige Verdammniß und Höllenqual nach sich zieht. Unsere Gottesgelehrten haben Deine Verführer gründlicher, ausführlicher und scharfsinniger schon längst verwiesen. Ich bleibe bei solchen Beweisthümern, die meine christliche Klugheit aus ihrer Bibel erlernet. Sollte das eine heilig- und seligmachende Lehre und Religion sein, die sich vor der heiligen Bibel (die doch das einzige Buch, daraus wir unsere Seligkeit erlernen können Joh. 20, 31.) scheuet, und vor der Bibel, als ihrem abgesagten Feinde sich heftig fürchtet, ihrem Urtheile sich durchaus nicht unterwerfen will, damit man hinter ihre Falschheit und Betrügerei nicht komme; das Bibelbuch, so doch Jesus allen Menschen zu lesen anbefohlen Joh. 5, 39. ihren Kindern als ein schädliches Buch aus den Händen reißet, und darinnen nachzuforschen, mit Drohung des grausamsten Fluchs verbietet? O verdammliche Lehre! So sie verachtet haben, wird sie nach Christi Ausspruch verfluchen und verdammen am jüngsten Tage Joh. 12, 48. Sollte das eine heilig- und seligmachende Lehre sein, welche des Mittels unserer Seligkeit spottet? Mußt Du mir, armes, verführtes Kind, solches nicht selbst gestehen? Bekenne mir, was Deine Augen gesehen und Deine Ohren gehört haben, wo bleibt der Kelch bei Genießung des Nachtmahls, welchen doch unser sterbender Jesus so ernstlich angeordnet und eingesetzet hat? Spottet man nicht recht höhnisch solcher Ordnung, entzieht man nicht denselben denen Communicanten, Jesu zu Trotz, und hält den Fürgang unnöthig? Mich dünket, es habe der heilige Geist über diese Lehre ein Urtheil abgefasset: wer davon thut von der Ordnung Jesu, so wird Gott abthun seinen Theil vom Buch des Lebens, und von der heiligen Stadt. Offenb. Joh. 22, 19. Hast du nicht gehört, wie der Mensch mit seinen guten Werken auch seine Seligkeit verdienen müsse? Wie dadurch das Schmerzblut des gemarterten Jesu, gleich als ob dieses nicht vollgültig zu der Menschen Seligkeit wäre gewesen, gewaltig gelästert wird, da doch meine Bibel mich versichert, daß allein durch das Blut Jesu wir selig werden? Apostelgesch. 4, 11. 12. Hergegen die durch ihre Werke den Himmel suchen, den ewigen Fluch auf sich laden. Röm. 3, 20. (Gal. 3. 10.) Sollte das eine heilige und zum Himmel führende Lehre sein, welche zu muthwilliger unzähliger Abgötterei, Anrufung der Heiligen, Niederfallung vor den Bildern, ihre Kinder anweiset? da der klare Ausspruch Gottes ist, der Abgöttischen ihr Theil wird sein in dem Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennet, welches ist der andre Tod. Offenb. Joh. 21. 8. Siehe, elendes Kind, denn ich muß schließen und andre verdammniswürdige Irrthümer mit Stillschweigen übergehen, weil die Thränen die Feder immer zurückhalten. Solche verfluchte Lehre, deren Ende die Verdammniß ist, hast Du leider angenommen, und in solchen höllischen Ketten gehest Du bei Deinem papistischen Glauben einher. Ach liebes, liebes Kind, bleibet Dir dennoch die Bibel so lieb, die Dein Dich brünstig liebender Jesus selbsten ist: so mache Dich wieder los von solchen Stricken des Teufels, gehe aus von denen päpstischen Finsternissen, damit Du nicht auch ihre Plage empfahest, und ich beschwöre Dein Gewissen, bekenne mir die Wahrheit, wie denn auch Deines Herzens Gedanken, so mein allwissender Jesus einstens offenbaren wird. Ist es nicht wahr? Nichts hat Dich zur Annehmung dieser Lehre gelocket, als ein zeitlicher Gewinnst, Verspruch eines Ehrenamts und reichen Unterhalts? Aber verachte alle diese Zusage. Was hülfe es Dich, wenn Du auch die ganze Welt gewännest und nähmest doch Schaden an Deiner Seelen? Meinest Du, daß auch die größten Reichthümer Dir gedeihen könnten, da ich bei Deiner Bosheit und Verletzung Gottes Dir zu fluchen von Gott selbst gezwungen werde? Weißt Du nicht, daß der Mutter Fluch der Kinder Häuser und Vermögen niederreißet? Wir Evangelischen haben einen reichen Gott, der alle, die auf ihn trauen und fromm leben, reichlich versorgen und ernähren kann und auch will, der auch, wenn's uns nöthig, die Elenden erhöret und die Hungrigen mit Gütern füllet. So stehet Dir auch, liebes Kind, mein mütterliches Herze offen, so sich Deiner jederzeit annehmen wird. Ach, so erbarme Dich doch, mein Sohn! Mein Sohn, Du Sohn meines Leibes! welchen ich mit so großer Beschwerniß unter meinem Herzen getragen und so sorgfältig ernährt habe! Erbarme Dich über Deine eigne arme Seele, erbarme Dich über Deine arme Mutter, die Du sonsten mit Herzeleid in die Grube bringen wirst, und kehre wieder zu der evangelischen Wahrheit, damit ich nicht alleine hier, sondern auch dort bei Deinen seligen Vätern, mit Dir in der ewigen Freude einst bei Jesu leben möge! In Entstehung*) dessen möchte ich wünschen, daß mein Leib Dein Grab gewesen wäre, damit ich Dich in der höllischen Finsterniß aus dem Schooße meines Jesu nicht erblicken dürfte. Nun kehre wieder, liebstes Kind, damit Gott, Dein himmlischer Vater, der um Christi heiligen und beständigen Bekenntnisses willen Dir Deinen schweren Fehler gewiß vergeben wird, wie er dem verleugnenden Petro vergab, und ich, Deine bisher betrübte Mutter, zu frohlocken habe: dieser mein Sohn war todt und ist wieder lebendig worden. Luc. 15, 24. Selige Post, so mich dessen berichten wird, und darum will ich Gottes Güte Tag und Nacht anrufen, zweifele auch nicht, Gott werde mein Gebet und Thränen erhören, denn es kann doch ein Weib ihres Kindes nicht vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes. Darum will ich in keinem

*) Ablehnung oder Verweigerung.

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of the saving knowledge of God that I feel, I do not doubt, if indeed together with the true God thou hast not also denied thy ever faithful mother, thy childlike heart would break at my frequent tears. O son of sorrows! My tears are now indeed my meat day and night, since I, a poor mother, must sigh and lament not over temporal goods, but over the loss of thy salvation, the highest harm to thy soul. I weep with Rachel for my child and will not be comforted, for it seems to be all over with him; but if all duty toward the fourth commandment, all childlike love toward thy mother, be extinguished by thy adopted errors, ah, then hear me, since I speak with thee by this letter of tears! My son, thou son of my body, hear me! that thy God also may hear thee; I am thy mother, my son, thou flesh of my flesh, from me thou hast had, as my conscience confesses to me, all motherly, heartfelt love. So thou canst surely promise thyself of my motherly faithfulness, that in such things as concern us Christians most, and touch the eternal joy and salvation of a soul, I shall seek and desire thy best. Accursed the mother who, whether from an inconsiderate rashness, a blindly adopted opinion, or regard for temporal honor, likewise the gossip and scorn of her fellow believers, or other temporal considerations, should have betrayed her child, who is upon the way of life, into the way to everlasting perdition and the hellish pool of brimstone! Woe to such a mother! she would have to be justly hated, according to Christ's command, Luc. 15, 26., and honored by no child, nor freed from the suspicion of such dreadful conduct; and my well-instructed, innocent conscience bears me witness, which the strict Judge of the quick and the dead, my Jesus, shall one day lay open, that I have labored to bring my child out of the claws of Satan to my bleeding Jesus, through the unfailing Word of the living God. And so compel thyself, dear son, to hear obediently thy mother, who casts herself at thy feet with many thousand tears. In the care that thou must bear for thy salvation, despise me not, my child, at the instigation of thy seducers, because I am a woman who presumes to judge of religious controversies and to treat with thee. Thou knowest indeed, dear child, that the infinite love and grace of God let me be born in such a church, where, after the manner of the old, holy, apostolic churches, women also are willingly permitted to search the Scriptures and to seek eternal life. Where also women, like the grandmother and mother of the holy Timothy, Eunice, of whom Paul speaks in praise, 2 Tim. 1, 5., are required, on pain of the loss of their salvation, to learn the mysteries of the faith, for every righteous one, be he man or woman, shall live by his faith, Hebr. 10, 38. How I have always observed this admonition, and let the Word of God be the joy and delight of my heart, thine own conscience will convict thee; according to this very true and unfailing Word of God I form my judgment of thy new doctrine. Upon this Word of God, which even the gates of hell cannot prevail against, my pronouncement is founded and rests, and I write with a broken heart that thou, unhappy one, hast let thyself be seduced into such a faith as draws after it nothing but eternal damnation and the torment of hell. Our divines have long since refuted thy seducers more thoroughly, more fully, and more acutely. I abide by such proofs as my Christian prudence learns from her Bible. Should that be a holy and saving doctrine and religion which shrinks from the holy Bible (the only book from which we can learn our salvation, Joh. 20, 31.), and is violently afraid of the Bible as of its sworn enemy, will by no means submit to its judgment, lest one come behind its falsehood and deceit; which tears out of its children's hands the Bible, though Jesus has commanded all men to read it, Joh. 5, 39., as a harmful book, and forbids searching in it under threat of the most cruel curse? O damnable doctrine! If they have despised it, it will, according to Christ's saying, curse and condemn them at the last day, Joh. 12, 48. Should that be a holy and saving doctrine which mocks the means of our salvation? Must thou not thyself confess this to me, poor, seduced child? Tell me what thine eyes have seen and thine ears have heard, where does the cup remain in the partaking of the Supper, which our dying Jesus so earnestly ordained and instituted? Does one not mock such an ordinance quite scornfully, does one not withhold it from the communicants, in defiance of Jesus, and hold the proceeding needless? It seems to me the Holy Ghost has pronounced a judgment upon this doctrine: whoso takes away from the ordinance of Jesus, God shall take away his part out of the book of life, and out of the holy city. Offenb. Joh. 22, 19. Hast thou not heard how man must merit his salvation also by his good works? How thereby the blood of sorrow of the martyred Jesus is mightily blasphemed, as though it had not been fully sufficient for the salvation of men, whereas my Bible assures me that by the blood of Jesus alone we are saved? Apostelgesch. 4, 11. 12. But they who seek heaven by their works draw upon themselves the eternal curse. Röm. 3, 20. (Gal. 3. 10.) Should that be a holy doctrine, leading to heaven, which directs its children to wanton, countless idolatry, invocation of the saints, falling down before images? when it is the clear declaration of God that the idolaters shall have their part in the lake which burneth with fire and brimstone, which is the second death. Offenb. Joh. 21. 8. Behold, wretched child, for I must conclude and pass over in silence other errors worthy of damnation, because the tears ever hold back the pen. Such an accursed doctrine, whose end is damnation, thou hast alas accepted, and in such hellish chains thou goest about in thy popish faith. Ah, dear, dear child, if the Bible still remains so dear to thee, which thy Jesus, who loves thee ardently, himself is: then loose thyself again from such snares of the devil, go out from the popish darkness, that thou receive not also their plagues, and I adjure thy conscience, confess the truth to me, as also the thoughts of thy heart, which my all-knowing Jesus will one day reveal. Is it not true? Nothing has enticed thee to the acceptance of this doctrine but temporal gain, the promise of an office of honor and ample maintenance? But despise all these promises. What would it profit thee, if thou shouldst gain the whole world and suffer loss of thy soul? Thinkest thou that even the greatest riches could prosper with thee, when, because of thy wickedness and thine offense against God, I am constrained by God himself to curse thee? Knowest thou not that the mother's curse pulls down the houses and substance of children? We Evangelicals have a rich God, who can and will richly provide for and nourish all who trust in him and live piously, who also, when it is needful for us, hears the afflicted and fills the hungry with good things. So also, dear child, my motherly heart stands open to thee, which will take thee in at all times. Ah, then have mercy, my son! My son, thou son of my body! whom I carried under my heart with so great travail and nourished so carefully! Have mercy upon thine own poor soul, have mercy upon thy poor mother, whom thou wilt otherwise bring with heartache into the grave, and return again to the evangelical truth, that I may not alone here, but also yonder, with thy blessed fathers, live with thee in eternal joy with Jesus! In default*) thereof I would wish that my body had been thy grave, that I might not have to behold thee in hellish darkness out of the bosom of my Jesus. Now return again, dearest child, that God, thy heavenly Father, who for Christ's holy and steadfast confession's sake will surely forgive thee thy grievous fault, as he forgave Peter who denied him, and I, thy hitherto afflicted mother, may rejoice: this my son was dead and is alive again. Luc. 15, 24. Blessed tidings that shall inform me of it, and therefore will I call upon God's goodness day and night, and doubt not that God will hear my prayer and tears, for a woman cannot forget her child so as not to have compassion on the son of her body. Therefore will I in no

*) Refusal or denial.