Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 4 › Seite 30
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-10-15, Seite 30
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Gebete Deiner, o in der größten Seelengefahr schwebender Sohn, bei meinem Gotte vergessen. Die ich verbleibe Deine, Dich zwar brünstig liebende, aber über Deinen erschrecklichen Abfall unaufhörlich seufzende und bitterlich weinende Mutter!
Hülferuf an die Glaubensgenossen um Unterstützung der deutsch-lutherischen Gemeinde zu Saginaw-City.
Es ist, in dem Herrn geliebte Brüder, für die einzeln stehenden Gemeinden ein besonderer Trost, sich auch einen Theil der ganzen heiligen christlichen Kirche zu fühlen, zu wissen, daß ein Herr ist über alle, auch unter sich unbekannten Glieder derselben, nehmlich Christus sitzend zur rechten Hand Gottes, und daß die Gebete aller für das Wohl der einzelnen Glieder und der Ganzen zu den Ohren dieses einen Mittlers dringen. Getrösten wir uns nun in viel höhern Dingen, nehmlich in dem, was unser ewiges Wohl betrifft, der Aufsicht unseres gemeinsamen Hirten und der Fürbitte aller Heiligen, warum sollten wir nicht vielmehr vertrauen, daß uns in viel geringeren und untergeordneten Dingen, nehmlich in dem, was die äußere Erhaltung der Gemeinde auf Erden angeht, uns diese herrliche Gemeinschaft werde zu Gute kommen? Und der Weg, auf welchem wir in solcher irdischen Noth Hülfe suchen sollen, ist uns ja deutlich genug vorgezeichnet, denn wenn ein Glied leidet, so leiden die andern mit, wir sollen also den andern Gliedern unsere Noth klagen, auf daß wir ihr Mitleiden erwecken. So hoffen wir denn, daß es Euch nicht befremden werde, wenn wir es wagen, Euch die Noth unserer Gemeinde vorzutragen und Eure schon oft erprobte Mildthätigkeit in Anspruch nehmen, und zwar können wir das jetzt mit um so freudigerem Muthe thun, da wir mit gutem Gewissen bezeugen können, daß die kleine, größtentheils aus armen Gliedern bestehende Gemeinde, über Vermögen ihre Opfer dargebracht hat. Die hiesige Gemeinde besteht bis jetzt nur aus 11 stehenden Gliedern, theils Familienhäuptern, theils andern selbstständigen Gliedern; unter diesen sind nur 6, welche gegenwärtig die Lasten der Gemeinde zu tragen im Stande sind; die übrigen sind durch Krankheit in solchen Umständen, daß sie selbst der Unterstützung bedürften. Nun sind aber gerade jetzt die zu tragenden Lasten sehr bedeutend, denn außerdem, daß die Gemeinde den Pastor erhalten muß, so ist auch das dringende Bedürfniß vorhanden, eine Kirche nebst einer Pfarrwohnung zu erbauen. Zwei von den wohlhabenderen Gemeindegliedern haben aus freiem Antriebe jeder eine Stadtlot im bestgelegensten Theile der Stadt für die Kirche anzukaufen übernommen, und von den Übrigen sind bedeutende Beiträge zum Baue gezeichnet. Alles dies langt aber noch weit nicht an das Bedürfniß hinan. Dazu kommt noch, daß die oben bezeichneten Stadtlots von den Besitzern unter der Bedingung um einen billigern Preiß abgegeben worden sind, daß bis zum 1. Dec. 1850 ein Gebäude darauf errichtet und wenigstens unter Dach gebracht sei. Da würden wir nun freilich in großer Verlegenheit sein, wenn wir nicht wüßten, daß der Herr, in dessen Namen wir das Werk begonnen haben, es sicherlich auch wird hinausführen helfen. Endlich wollen wir Euch auch noch darauf aufmerksam machen, wie wichtig das Bestehen einer luth. Gemeinde und Kirche in Saginaw ist. Es ist nehmlich dieser Ort gegenwärtig der Hauptplatz im nördl. Michigan, von dem aus die Cultur des Landes fortschreiten und durch welchen alle Einwanderung gehen muß. So hält sich immer hier eine ziemliche Anzahl Deutscher auf, welche ohne Mittel hieher gekommen, sich erst so viel verdienen wollen, um weiter gehen zu können; auch kommen viele aus den benachbarten Landschaften hieher, um Arbeit zu suchen, so daß Saginaw gewissermaßen als Missionsposten innerhalb der Kirche zu betrachten ist. Dies gibt sowohl uns mehr Muth und Berechtigung die Hülfe der Brüder anzusprechen, als es für jene eine Aufforderung sein möchte, unserer Bitte zu willfahren. So empfehlen wir denn unsere Sache, so die der ganzen heillgen Kirche unserem getreuen Heilande; er wird Alles hinausführen zu Ehren seines heiligen Namens und zum Frommen seiner Gläubigen. Ihm sei Ehre in Ewigkeit, Amen!
Etwaige Beiträge erbittet man sich unter folgender Adresse:
Rev. O. Clöter, Saginaw-City, Mich.
Gebetserhörung.
Eine merkwürdige Gebetserhörung erzählt als „Augen- und Ohrenzeuge“ Albert Knapp, Prediger in Stuttgart, in der Christoterpe vom Jahre 1846 S. 117 ff. mit folgenden Worten:
„Es war im Nov. 1836, als ich an einem nebligen Sonntagsvormittag, eben noch im Predigtstudium begriffen, zu einem Todtkranken in einem der entlegensten Stadttheile gerufen wurde.
Dieser Auftrag kam mir ausnehmend unbequem, und mit starker Selbstverleugnung begab ich mich auf den Weg, um dem armen Manne, der, wie ich nachgehends erfuhr, eine Operation auf Leben und Tod bestehen sollte, Glaubensmuth einzusprechen und mit ihm zu beten. Mein Herz verdammte mich nachher ob dieser Unlittigkeit, und ich fühlte tief, wie übel gethan es ist, wenn man über dem Predigen die Seelsorge in den Hintergrund schieben will. Der Kranke war ein verwittweter Weingärtner, ein Funfziger, in seiner Jugend Soldat gewesen, ein sanfter, bescheidner Mann, nicht ohne Respect gegen das Evangelium, und sein Leiden bestand in einem, am gefährlichsten Orte des Unterleibes furchtbar, in der Größe eines großen Topfs, ausgetretenen Leibschaden. In einer Stunde erwartete er den Arzt, nebst den Chirurgen, um sich dem verzweifelten Schnitte des Messers zu unterwerfen. Ich werde diesen Mann, dem ich, noch nicht vor Jahresfrist, nach vielen gesegneten Besuchen, die Leichenrede hielt, nie vergessen, mit welcher Beklommenheit er damals, von mehreren theilnehmenden Männern umgeben, vor meinen Augen lag. Er lag da wie Isaak auf dem Opferaltar Morijahs, — stillergeben, schwer athmend, im Innersten seinem nahestehenden tödtlichen Schicksal zugewandt. Nach einigem Gespräch über die Art seines Leidens erhob sich mein Herz mit besonderer Freudigkeit, und ich sagte ihm: „die alten Heiden hätten schon an einen Jupiter geglaubt, der Alles mit dem Wink seiner Augenwimpern regiere; ob es also wohl dem Christen nicht zustehe, sich unendlich zuversichtlicher der durchgrabenen Gnadenhand Dessen zu übergeben, der gesagt: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden! — Ich dürfe ihm im Namen Jesu Christi bezeugen, daß Er, der Herr der Herrlichkeit, ihm in diesem Augenblick helfen könne, wenn es ihm, dem Kranken, wahrhaft heilsam sei, und daß man es nicht bestimmen dürfe, ob ihm Jesus Christus nicht heute noch helfen, auf jeden Fall aber Alles zum Segen lenken werde, wenn er Ihm darüber, als dem königlichen Oberhaupte der Welt, in seinem Herzen ganz kindlich und unbedingt die Ehre gebe.“ — Da begann er mit schwacher, herzlicher Stimme: „O lieber Herr, das glaube ich ihm freilich! Der Heiland darf nur so machen (d. h. sein Haupt ein wenig bewegen), dann bin ich sogleich gesund; — aber ich will ihm darin nichts vorschreiben, sondern ich lege mich zu seinen Füßen; Er mache es mit mir, wie Er will!“ — „Wollen wir nicht mit einander beten, meine Freunde?“ sagte ich. — „Ja, es ist uns recht; fangen Sie nur an!“ Ich schickte mich schweigend an, vor die Allgegenwart des Herrn zu treten, und siehe da, was geschah? — Jesus! Jesus! was ist das! — rief der Kranke laut auf. — Ach Jesu! was ist das! Ich bin gesund! Grade jetzt ist mein Leibschaden in den Leib zurückgegangen!“ — Wie erstarrt standen wir da; aber einer der Umstehenden sahe behutsam nach (es war eine hernia testicularis), und wahrlich, es befand sich also: es war ohne menschliche Hände geholfen. — (Wer dächte nicht hierbei an die Worte: ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören? Jes. 65, 24.) Die darauf folgende Scene vermag ich nicht zu beschreiben. Die bärtigen Männer alle weinten wie Kinder vor Freuden, und wir beteten zusammen, dem Herrn, für dessen Gnade und Herrlichkeit keine Worte genug sind, unsern Dank stammelnd. — Nach einer Viertelstunde kamen die Ärzte. „Sehen Sie nach, liebe Herren,“ rief ich, „der Kranke ist schon ohne Sie geheilt! Eine höhere Hand, als die menschliche, — die Hand Christi hat sich hier geoffenbart und Großes an diesem Manne gethan!“ — Mit erstauntem, fragendem Blicke sah der geübte, greise Arzt nach: „Was ist das?“ sprach er, — „der Mann ist wahrhaftig gerettet und die Gefahr vorbei! Aber so etwas ist mir in meiner langjährigen Praxis noch nicht vorgekommen!“ — Wie fröhlich zogen wir gemeinsam von dem Kranken, der von jener Zeit an noch 8 Jahre in der Furcht Gottes am Leben blieb, nach Hause, und welch' ein alle Weltconvenienz durchbrechendes Element vereinigte uns
English translation AI translation
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prayers of thine, O son, who art hovering in the greatest peril of soul, before my God. Thus I remain thine, thy mother, who indeed loves thee ardently, but sighs unceasingly and weeps bitterly over thy dreadful apostasy!
Cry for Help to the Fellow Believers for Support of the German Lutheran Congregation at Saginaw-City.
It is, beloved brethren in the Lord, a special comfort for congregations that stand alone to feel themselves also a part of the whole holy Christian Church, to know that there is one Lord over all, even over the members of it unknown to one another, namely Christ, sitting at the right hand of God, and that the prayers of all for the welfare of the individual members and of the whole reach the ears of this one Mediator. If we now comfort ourselves in much higher things, namely in that which concerns our eternal welfare, with the oversight of our common Shepherd and the intercession of all the saints, why should we not much rather trust that in much lesser and subordinate things, namely in that which concerns the outward maintenance of the congregation on earth, this glorious communion will be of benefit to us? And the way in which we are to seek help in such earthly need is plainly enough marked out for us, for if one member suffer, the others suffer with it; we are therefore to complain our need to the other members, that we may awaken their compassion. So we hope, then, that it will not seem strange to you if we venture to lay before you the need of our congregation and to claim your already often proved liberality, and indeed we can do so now with the more joyful courage, since we can testify with a good conscience that the small congregation, consisting for the most part of poor members, has brought its offerings beyond its means. The congregation here consists until now of only 11 standing members, partly heads of families, partly other independent members; among these only 6 are at present able to bear the burdens of the congregation; the rest are by sickness in such circumstances that they themselves need support. Now, however, the burdens to be borne are just at this time very great, for besides the fact that the congregation must maintain the pastor, there is also the pressing need to build a church together with a parsonage. Two of the better-off members have of their own free will each undertaken to buy a town lot in the best-situated part of the town for the church, and of the others considerable contributions have been subscribed toward the building. Yet all this is still far from reaching the need. In addition to this, the town lots mentioned above have been given up by the owners at a lower price on the condition that by the 1st of Dec. 1850 a building be erected upon them and at least brought under roof. We should then indeed be in great embarrassment, if we did not know that the Lord, in whose name we have begun the work, will surely also help to carry it through. Finally we would also point out to you how important the existence of a Lutheran congregation and church in Saginaw is. For this place is at present the chief point in northern Michigan, from which the cultivation of the country advances and through which all immigration must pass. So there is always staying here a considerable number of Germans, who have come hither without means and want first to earn so much as to be able to go farther; many also come from the neighboring districts to seek work, so that Saginaw is in a manner to be regarded as a mission post within the Church. This gives us more courage and warrant to ask the help of the brethren, as it may be for them a call to comply with our request. So we commend our cause, which is that of the whole holy Church, to our faithful Savior; he will bring all things to a good end, to the honor of his holy name and to the benefit of his believers. To him be glory for ever, Amen!
Any contributions may be sent to the following address:
Rev. O. Clöter, Saginaw-City, Mich.
Answer to Prayer.
A remarkable answer to prayer is related, as "eye- and ear-witness," by Albert Knapp, preacher in Stuttgart, in the Christoterpe of the year 1846, p. 117 ff., in the following words:
"It was in Nov. 1836, when, on a foggy Sunday forenoon, being just engaged in preparing my sermon, I was called to a man sick unto death in one of the most distant quarters of the city.
This commission was exceedingly inconvenient to me, and with strong self-denial I set out on my way, to speak courage of faith to the poor man, who, as I learned afterwards, was to undergo an operation upon life and death, and to pray with him. My heart condemned me afterwards for this unwillingness, and I felt deeply how ill it is done when one, over the preaching, would push the care of souls into the background. The sick man was a widowed vine-dresser, a man of fifty, a soldier in his youth, a gentle, modest man, not without respect for the Gospel, and his affliction consisted in a rupture, in the most dangerous place of the abdomen, dreadful, the size of a large pot, protruding. In an hour he expected the physician, together with the surgeons, to submit himself to the desperate cut of the knife. I shall never forget this man, to whom, not a year ago, after many blessed visits, I gave the funeral oration, with what anxiety he lay before my eyes, surrounded by several sympathizing men. He lay there like Isaac upon the altar of sacrifice of Moriah, — resigned, breathing heavily, in his inmost soul turned toward his impending mortal fate. After some conversation about the nature of his affliction my heart was lifted up with special joyfulness, and I said to him: 'the old heathen already believed in a Jupiter who governed all with the nod of his eyelashes; whether then it would not become the Christian to commit himself infinitely more confidently to the pierced hand of Him who has said: All power is given unto me in heaven and in earth! — I might testify to him in the name of Jesus Christ that He, the Lord of glory, could help him in this very moment, if it were truly wholesome for him, the sick man, and that one must not determine whether Jesus Christ would not help him even today, and in any case turn all to blessing, if he would, in his heart, quite childlike and unconditionally give Him the honor over it, as to the royal Head of the world.' — Then he began with a weak, hearty voice: 'O dear sir, that I believe of Him indeed! The Savior need only make a sign so (that is, move his head a little), and I am well at once; — but I will prescribe nothing to Him therein, but I lay myself at His feet; let Him do with me as He will!' — 'Shall we not pray together, my friends?' said I. — 'Yes, we are willing; begin only!' I composed myself silently to come before the presence of the Lord, and behold, what happened? — Jesus! Jesus! what is this! — cried the sick man aloud. — Ah Jesus! what is this! I am well! Just now my rupture has gone back into the body!' — As though struck stiff we stood there; but one of the bystanders looked carefully (it was a hernia testicularis), and truly, it was so: it was helped without human hands. — (Who would not think here of the words: before they call, I will answer; and while they are yet speaking, I will hear? Jes. 65, 24.) The scene that followed I cannot describe. The bearded men all wept like children for joy, and we prayed together, stammering our thanks to the Lord, for whose grace and glory there are no words enough. — After a quarter of an hour the physicians came. 'Look, dear sirs,' I cried, 'the sick man is already healed without you! A higher hand than the human, — the hand of Christ has revealed itself here and done great things to this man!' — With astonished, questioning look the practiced, aged physician looked: 'What is this?' said he, — 'the man is truly saved and the danger past! But such a thing has never before happened to me in my long years of practice!' — How cheerfully we went away together from the sick man, who from that time lived yet 8 years in the fear of God, to our home, and what an element, breaking through all worldly conventions, united us