Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 114
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 114
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heit nimmermehr erkannt, und doch nichts destoweniger, von wegen solcher falschen heuchlerischen Freundlichkeit, dafür gehalten wird, als werde der Schade geheilet. Also wird erfüllet der Spruch Jerem. 8, 11: Sie trösten mein Volk in ihrem Unglück, daß sie es gering achten sollen. Und noch einmal Cap. 23, 14: Sie stärken die Boshaftigen, auf daß sich ja niemand bekehre von seiner Bosheit.
Ich hoffe nicht, daß wir uns je dermaßen erzeigt haben, daß man uns könnte vorwerfen, es habe uns an Liebe, die Schwachen aufzunehmen und zu dulden, gemangelt: so mangelts uns auch nicht an Sanftmüthigkeit, Gütigkeit, Friede und Freude, so einer unser Wort annimmt, ob er gleich nicht bald kann vollkömmlich sein. Denn wir lassen uns dieweil gnügen, so er nur die Wahrheit erkannt, und derselben nicht widerstrebet, oder sie verdammt hat. Was wir darnach thun, das ist ein Werk christlicher Liebe, welche ihn vermahnet, daß er auch das thue, das er erkannt hat.
Aber zu denen, welche die Lehre und Amt des Worts verachten, listiglich verfolgen und verdammen, haben wir weder Gnade, Liebe noch Gunst. Wiewohl doch eben die höchste Liebe ist, daß man ihrer gottlosen Wütherei mit allen Kräften, auf allerlei Weise und Wege widerstehe.
Suchest du einen solchen Mann am Luther, der euch zu alle dem, so ihr vorgehabt, durch die Finger sehe, wenn er allein mit einem Schmeichelbriefe bestrichen wird? Weil ihr doch in so unsäglichem bösem Vornehmen seid, und euch nicht gnügen lasset, daß wir bereit sind, euch zu vergeben, und von Liebe wegen mit euch Geduld zu haben!
Warum fordert ihr auch, daß wir euch rechtfertigen, das ist, so gottlos sein, daß wir die Lehre verleugnen? Ihr versucht mich, mein Fabrici, sehr genug, und mehr, denn genug. Ich antworte euch auch freundlich genug, und mehr denn genug: so ihr doch wohl eine schärfere Antwort verdienet hättet, weil ihr in eurem Thun immer fortfahret und dazu spottet und lachet, beschönigts auch, wie ihr euch dünket lasset, mit sehr gleißenden Farben, aber meines Bedünkens mit sehr tölpischen Farben.
Wir wollen die göttliche Lehre verfechten mit allen Kräften, es mag der Himmel oder die Hölle zürnen. Derhalben hast du am Luther, wie zuvor, allezeit einen unterthänigen gehorsamen Knecht, sofern du der göttlichen Lehre hold bist; dagegen einen freien Verächter, wo du und dein Cardinal werdet fortfahren aus Gottes Wort euren Sott zu treiben.
Summa, dabei soll's bleiben. Meine Liebe ist bereit für euch zu sterben. Wer aber den Glauben rühret, der tastet unsern Augapfel an. Hier stehet die Liebe, die mögt ihr verspotten oder ehren, wie wie ihr wollt; den Glauben aber oder das Wort sollt ihr anbeten und für das Allerheiligste halten. Das wollen wir von euch haben. Zu unsrer Liebe versehet euch alles, was ihr wollt; unsren Glauben aber fürchtet in allen Dingen.
Bewahre dich Gott, mein lieber Fabrici, und zweifle nicht, daß mein Herz rechtschaffen gegen dir ist.
Du siehest selbst, daß die Sache groß und heilig ist. Darnach müssen wir uns richten, auf daß wir unsre Brüder und Schwestern nicht lieber haben, denn Christus.
Aus meiner Wüste am Tage Antoni 1522.
Kleines Cabinet
einiger
merkwürdiger Geschichtsverfälschungen, welche sich in dem St. Louiser „Friedensboten“ vorfinden, nebst dem nöthigen Nachweis.
Zweites Stück.
Es hat einst bekanntlich einen Schuhmacher gegeben, der wegen seiner Liebe und Freigebigkeit gegen die Armen vor vielen Anderen belobt war, von dem es aber endlich bekannt wurde, daß er das Leder zu den Schuhen, die er den Armen geschenkt, — gestohlen hatte. Wie gefällt dir, lieber Leser, des Schusters Mildthätigkeit? Du wirst sagen: Ei, eine schöne milde Hand, die erst lange Finger macht und sich dann mit fremdem Gute in den Geruch der Heiligkeit und Liebe gegen die Armuth setzt! Du hast Recht. Was aber dieser Schuster mit leiblichen Gütern machte, das machen jetzt viele sogar mit den geistlichen, göttlichen Gütern, mit den heiligen Lehren des göttlichen Wortes. Denn was thun die Herrn Unionsleute, die sich durch ihr Nachlaßen in der Lehre den Ruf „lieber, friedfertiger Leute“ zu verschaffen suchen, anders, als daß sie, was nicht ihnen, sondern dem lieben Gott gehört, nehmen und freigebig hingeben? — Wir meinen daher, diese Liberalität sei nicht viel besser, wie die Matth. 4, 9. beschriebene, und es sei besser, man halte uns für grausam und hartherzig, als daß wir uns so mit fremdem und gar Gottes Gute die Kinder der Welt zu unseren Freunden machen sollten. Esaj. 61, 8. — Dies sei für diesmal zur Vorrede genug.
Wir haben in der letzten Nummer unseren Lesern das erste Cabinetsstückchen der Geschichtsverfälschungen mitgetheilt, deren der „evangelische Friedensbote“ allhier zur Beförderung der Union bereits so viele gemacht hat, und wir haben versprochen, von Zeit zu Zeit deren noch mehrere ans Licht zu ziehen, theils zu Steuer der Wahrheit überhaupt, theils, ob der und jener von dem Unionsrausch unserer Tage Mitergriffene vielleicht dadurch erkennen möchte, auf welchem bösen Grunde die vielbelobte Union erbaut sein müsse, wenn sie zu ihrer Stützung solcher Mittel bedürfe.
Eine zweite Geschichtsverfälschung, welche sich der genannte „Friedensbote“ erlaubt hat, besteht nun darin, daß er seinen Lesern erzählt, selbst die ungeänderte Augsburgische Confession sei eigentlich gerade in dem streitigen Artikel vom h. Abendmahl nichts anders, als ein Werkzeug, gewesen, wodurch man schon 1530 die jetzt beliebte Union habe einführen wollen! Man traut kaum seinen Augen, wenn man in der dritten Nummer des ersten Jahrgangs dieses Blattes u. a. Folgendes liest:
„Die Reformatoren waren mit Ernst darauf bedacht, den Zwiespalt über das heilige Abendmahl nicht zu einem Zerwürfniß werden zu lassen. Das bewies die Augsburg. Conf., die man 1530 zu Augsburg dem Kaiser in deutscher und lateinischer Sprache überreichte. Lies in ihr den 10. Artikel; er lautet: „„Vom Abendmahl des Herrn wird also gelehret, daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brodts und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgetheilet und genommen werde. Deshalben wird auch die Gegenlehre (—nämlich die Katholische —) verworfen““. Die streitigen Punkte sind hierin mit Stillschweigen übergangen und war mithin dieser zehnte Artikel als eine abermalige, wiewohl unvollständige Unionsakte anzusehen; wurde auch dafür angesehen und mit gutem Gewissen von Johannes Calvin *) unterschrieben“. Weiter unten heißt es sogar, es sei „von Luther selbst scharf und bestimmt ausgesprochen worden, daß der Unterschied in der Lehre keine kirchliche Trennung rechtfertige.
*) Wir haben in der letzten Nummer das eigene Geständniß Calvins mitgetheilt, daß er die Augsb. Conf. nur mit einem geheimen Vorbehalt unterschrieben habe.
Wir wissen fürwahr kaum, worüber wir uns hierbei mehr verwundern sollen, ob über den hieraus in die Augen springenden Zweck, eine solche Verwirrung anzurichten, daß endlich niemand mehr Schwarz von Weiß, und Weiß von Schwarz unterscheiden können und Wahrheit und Irrthum für gleichbedeutende Dinge ansehen soll, oder über das Mittel, welches hier der „Friedensbote“ zur Erreichung jenes Zwecks anwendet. Mancher einfältige Leser mag wohl denken, der „Friedensbote“ zeige sich ja hier bereit, auf Grund der Augsburgischen Confession eine Union einzugehen, und das sei ja recht gut. Aber möchte dem so sein! Dann wollten wir wahrlich! nicht die letzten unter denen sein, die dem „Friedensboten“ die Bruderhand reichten! Von solchen Gedanken ist aber der „Friedensbote“ so weit entfernt, wie der Himmel von der Erde. Denn wozu würde er dann seine neue Union machen? Eine solche Union besteht ja schon seit dreihundert Jahren, in der Kirche der Augsburgischen Confession. Nein, darum ist es dem „Friedensboten“ zu thun: er will seine Leser überreden, Augsburg. Confession und Zwingli's Confession, Luthers Katechismus und Heidelberger Katechismus, lutherischer Glaube und reformirter Glaube, das alles sei im Grunde Eins, die angeblichen Lehr-Unterschiede seien nicht der Rede werth, jeder möge bei seinem Glauben bleiben, und Eine große Unionskirche aus allen bestehenden und gesonderten sich bilden, in welcher jeder lehren könne, was ihn gut dünke; das sei auch der Sinn Luthers und aller der anderen sogenannten Reformatoren gewesen.
Um aber diese babylonische Verwirrung anzurichten und diesen babylonischen Thurm zu erbauen, bedient sich der Bote des Mittels, daß er behauptet, die Stelle der Augsb. Confession, in welcher die reformirte Irrlehre mit klaren Worten verworfen worden ist, sei gegen die „Katholische“ (oder vielmehr römische) Kirche gerichtet.
Diese Verfälschung der Geschichte ist so plump, daß es fast überflüssig zu sein scheint, sie aufdecken zu wollen. Um der Einfältigen willen sei es uns jedoch erlaubt, auf Folgendes hinzuweisen.
English translation AI translation
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truth is never recognized, and yet, nevertheless, by reason of such false, hypocritical friendliness it is held that the injury is healed. Thus is fulfilled the saying Jerem. 8, 11: They comfort my people in their misfortune, that they should make light of it. And once more Chap. 23, 14: They strengthen the wicked, that none should turn from his wickedness.
I hope that we have never so conducted ourselves that it could be charged against us that we lacked love to receive and to bear with the weak: neither do we lack gentleness, kindness, peace and joy, if any one receives our word, though he cannot all at once be perfect. For in the meantime we are content if he has only recognized the truth, and does not resist it, or has not condemned it. What we do thereafter is a work of Christian love, which admonishes him that he also do what he has recognized.
But toward those who despise the doctrine and office of the Word, craftily persecute and condemn them, we have neither grace, love nor favor. Although the highest love is precisely this, that one resist their godless raging with all one's powers, in every manner and way.
Do you seek such a man in Luther, who would look through the fingers at all that you have in mind, if only he is smeared over with a flattering letter? Seeing that you are engaged in such unspeakably evil undertakings, and are not content that we are ready to forgive you, and for love's sake to have patience with you!
Why do you also demand that we should justify you, that is, be so godless as to deny the doctrine? You try me, my Fabricius, enough, and more than enough. I answer you also kindly enough, and more than enough: though you well deserved a sharper answer, since you keep on in your doings and moreover mock and laugh, and gloss it over, as you suppose, with very glittering colors, but in my opinion with very clumsy colors.
We will defend the divine doctrine with all our powers, though heaven or hell be angry. Therefore you have in Luther, as before, always a submissive, obedient servant, so far as you are friendly to the divine doctrine; but, on the other hand, a free despiser, where you and your Cardinal shall continue to make sport of God's Word.
In sum, so it shall remain. My love is ready to die for you. But he who touches the faith touches the apple of our eye. Here stands love; this you may mock or honor, as as you will; but the faith, or the Word, you shall adore and hold for the Most Holy. This we will have from you. Expect from our love all that you will; but our faith fear in all things.
God keep you, my dear Fabricius, and doubt not that my heart is upright toward you.
You see yourself that the cause is great and holy. By this we must be guided, that we may not love our brothers and sisters more than Christ.
From my Wilderness, on St. Anthony's Day 1522.
Little Cabinet
of some
remarkable falsifications of history, which are found in the St. Louis "Friedensbote," together with the necessary proof.
Second Piece.
There was once, as is well known, a shoemaker who was praised above many others for his love and liberality toward the poor, but of whom it finally became known that he had stolen the leather for the shoes which he gave to the poor. How do you like, dear reader, the shoemaker's charity? You will say: Well, a fine, kind hand, which first makes long fingers and then, with another's goods, puts itself in the odor of holiness and love toward poverty! You are right. But what this shoemaker did with bodily goods, that many now do even with the spiritual, divine goods, with the holy doctrines of the divine Word. For what do the Gentlemen Unionists, who seek by their relaxing of the doctrine to procure for themselves the name of "dear, peaceable people," do otherwise than take what belongs not to them but to the dear God, and give it away liberally? — We hold, therefore, that this liberality is not much better than that described Matth. 4, 9, and that it is better that one hold us for cruel and hard-hearted than that we should thus, with another's goods, and indeed God's goods, make the children of the world our friends. Esaj. 61, 8. — Let this suffice for the present as a preface.
In our last number we communicated to our readers the first little cabinet piece of the falsifications of history, of which the "evangelische Friedensbote" here has already made so many for the promotion of the Union, and we promised to bring still more of them to light from time to time, partly in support of the truth generally, partly in the hope that this one or that one who has been seized by the union-intoxication of our days might perhaps thereby recognize on what evil foundation the much-lauded Union must be built, if it needs such means for its support.
A second falsification of history which the aforesaid "Friedensbote" permits itself consists in this, that it tells its readers that even the unaltered Augsburg Confession was really, precisely in the disputed article on the Holy Supper, nothing other than an instrument by which men wished already in 1530 to introduce the now-favored Union! One scarcely trusts one's eyes when one reads in the third number of the first year of this paper, among other things, the following:
"The Reformers were earnestly concerned not to let the dissension over the Holy Supper become a rupture. This the Augsburg Confession proved, which was presented to the Emperor in 1530 at Augsburg in German and Latin. Read in it the 10th Article; it reads: ""Of the Supper of the Lord it is thus taught, that the true body and blood of Christ are truly present under the form of bread and wine in the Supper, and are there distributed and received. Therefore the opposing doctrine (—namely the Catholic—) is also rejected"". The disputed points are here passed over in silence, and this tenth Article was therefore to be regarded as another, though incomplete, act of union; was also so regarded and signed with a good conscience by John Calvin *)". Further below it even says that it was "stated sharply and definitely by Luther himself that the difference in doctrine justifies no churchly separation.
*) In the last number we communicated Calvin's own confession that he signed the Augsb. Conf. only with a secret reservation.
We truly scarcely know which to wonder at more here, whether at the purpose leaping to the eye from this, to create such a confusion that at last no one can any longer distinguish black from white and white from black, and is to regard truth and error as things of equal meaning, or at the means which the "Friedensbote" here employs to attain that purpose. Many a simple reader may well think that the "Friedensbote" here shows itself ready to enter into a union on the ground of the Augsburg Confession, and that this is very good. But would that it were so! Then, truly! we would not be the last among those who would extend the hand of brotherhood to the "Friedensbote"! But the "Friedensbote" is as far from such thoughts as heaven from earth. For to what end would it then make its new Union? Such a union has existed for three hundred years already, in the Church of the Augsburg Confession. No, this is what the "Friedensbote" is after: it would persuade its readers that the Augsburg Confession and Zwingli's Confession, Luther's Catechism and the Heidelberg Catechism, Lutheran faith and Reformed faith, are all at bottom one, that the alleged differences of doctrine are not worth mentioning, that each may remain in his own faith, and that one great Union Church be formed out of all existing and separate ones, in which each may teach what seems good to him; that this was also the mind of Luther and of all the other so-called Reformers.
But in order to bring about this Babylonian confusion and to build this Babylonian tower, the Messenger makes use of the means of asserting that the passage of the Augsb. Confession in which the Reformed false doctrine is rejected in clear words is directed against the "Catholic" (or rather Roman) Church.
This falsification of history is so clumsy that it seems almost superfluous to wish to expose it. For the sake of the simple, however, let us be permitted to point to the following.