Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 19 › Seite 146

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-13, Seite 146

145 146 147 148 149 150 151 152

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

146

stel selbst schreibt: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden aber auch erfunden falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeuget hätten, er hätte Christum auferwecket, den er nicht auferwecket hätte . . . Ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen".

Wohl giebt es nun in unseren Tagen Unglückliche, welche, weil sie selbst ohne Frieden und Trost des Herzens sind und weil sie selbst an aller Wahrheit und Gewißheit verzweifelt haben, zu dem Trost und Frieden scheel sehen, welchen die Christen aus der Auferstehung Jesu Christi haben, und die daher diese Thatsache entweder geradezu leugnen, oder doch die Gewißheit derselben wenigstens wankend und zweifelhaft zu machen suchen. Aber wohl uns Christen; der Einwürfe, welche die Feinde des Christenthums erst jetzt nach beinahe 2000 Jahren gegen die Gewißheit der Thatsachen erheben, worauf das Christenthum gegründet ist, können wir lachen: Gott hat dafür gesorgt, daß die Auferstehung JEsu Christi mehr und gewaltigere Beweise für sich hat, als irgend eine Thatsache, welche die Geschichte uns berichtet. — Jeder verständige Mensch erkennt den Grundsatz an: „Wenn es erwiesen ist, daß ein Geschichtschreiber

1. was er berichtet, gewiß wissen konnte.

und daß er

2. so redlich war, daß er auch nur die Wahrheit schreiben wollte; wenn ferner

3. nicht nur gleichzeitige Freunde, sondern selbst Feinde, welche Zeitgenossen des Geschichtschreibers waren oder doch bald nach demselben auftraten, die daher den Geschichtschreiber zu ihrer Zeit leicht hätten widerlegen können, nicht gewagt haben, den Geschichtschreiber zu jener Zeit der Lüge und des Betrugs zu beschuldigen; und wenn endlich gar

4. dargethan werden kann, daß ein Geschichtschreiber in einer solchen Lage war, daß er die Wahrheit schreiben mußte: dann ist die erzählte Thatsache unzweifelhaft wahr. „Wer diesen Grundsatz leugnet, der hebt die Gewißheit jeder Geschichte und überhaupt alle menschliche Gewißheit auf und verdient nicht mehr unter die Gesellschaft vernünftiger Menschen gerechnet zu werden.

Prüfen wir nun aber nach diesem, von Gelehrten und Ungelehrten anerkannten, Grundsatz die Geschichte von der Auferstehung JEsu Christi, so wird es alsbald offenbar, daß nur Unvernunft oder gottesfeindlicher Muthwille die Gewißheit dieser Thatsache leugnen oder auch nur beharrlich in Zweifel ziehen kann.

Haben die Apostel und Evangelisten erstlich gewiß wissen können, daß Christus auferstanden sei? — Hierüber kann kein Zweifel sein. Denn Christus ist ihnen am dritten Tage nach seinem Tode am Kreuze, wieder lebendig erschienen; nicht wie ein Gespenst, das, wie in Wolken gehüllt, jetzt erscheint und, ehe sich der Zeuge von seiner Bestürzung erholen und die Wirklichkeit der gehabten Erscheinung prüfen kann, plötzlich wieder verschwindet; sondern in einem Zeitraum von vierzig Tagen zu den verschiedensten Zeiten, bald am hellen Tage, bald zu Abend, bald zur Nachtzeit; und an den verschiedensten Orten, bald in der Stadt, bald auf dem Wege, bald am Meere, bald auf einem Berge; bald Einem, bald Zweien, bald den Eilfen insgesammt, bald mit ihnen zugleich noch 500 Brüdern. Und noch mehr: Christus ist nicht stumm vor sie hingetreten und hierauf wie ein Nebelbild zerflossen, sondern der Auferstandene, den sie durch langen vertrauten Umgang wohl kannten, hat mit ihnen ausführlich geredet, sie erinnert deß, was er vormals zu ihnen gesprochen, die, wenige Tage darauf in Erfüllung gehende, Weissagung von der Ausgießung des heiligen Geistes über sie gethan, Wunder vor ihnen verrichtet, mit ihnen gegessen und getrunken und seinen verklärten Leib mit seinen fünf Wunden von ihnen betasten lassen. Hier war keine Täuschung möglich. Und, was noch von besonderer Wichtigkeit ist, die Apostel zeigten sich hierbei nichtsweniger als leichtgläubig, sondern vielmehr höchst schwergläubig; so daß sie Christus erst nach vieler Mühe dahin bringen konnte, zu glauben, daß er es wirklich sei. Ja, wir sehen, die Apostel haben offenbar Christi Auferstehung weniger gehofft, als Christi Feinde sie gefürchtet haben. — Eine zweite Frage ist nun: Kann, ja, muß man auch annehmen, daß die Apostel und Evangelisten die Wahrheit nicht nur hiernach haben schreiben können, sondern daß sie sie auch haben schreiben wollen? — Gibt es irgend eine Frage, die alle Welt ohne Zaudern mit Ja beantworten muß, so ist es diese. Nicht nur tragen alle diese Männer die unwidersprechlichsten Kennzeichen der Einfalt, Redlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Gottesfurcht an sich, sondern — ich frage hier getrost auch die hartnäckigsten Zweifler — sagt, was hätte die lieben Jünger Christi auch bewegen können, lügenhaft vorzugeben, der Herr sei auferstanden und ihnen erschienen und vor ihren Augen endlich gen Himmel gefahren, wenn es nicht wirklich geschehen wäre? Jeder Betrüger sucht ja mit seinem Betrug, nicht seinen Nachtheil, sondern immer seinen Vortheil! Was war denn aber der Vortheil, den die heiligen Apostel und Evangelisten von ihrer Verkündigung, daß Jesus auferstanden sei, erwarten konnten und den sie wirklich erlangt haben? Sie konnten nichts anderes erwarten, als: kein Mensch werde ihnen glauben und man werde sie als Betrüger verachten, hassen verfolgen, martern und tödten. Und das und nichts anderes haben auch die Jünger Christi von ihrer Osterpredigt eingeerntet; sie haben dieselbe unter Hunger, Durst, Blöße, Hohn, Spott, Verachtung, Schande und Schlägen mit ihren Thränen und endlich mit ihrem Blute versiegeln müssen. Ist es nun nicht Wahnsinn, zu glauben, die Apostel und Evangelisten hätten zwar die Wahrheit sagen können, aber klüglich nicht sagen wollen, sondern die Welt muthwillig betrogen, um dafür — alle nur ersinnlichen Martern und Qualen und endlich den elendesten Tod leiden zu können? — Was das dritte Kennzeichen der geschichtlichen Wahrheit, das Zeugniß der Feinde, welche zur Zeit der Berichterstatter oder doch nicht lange darnach lebten, betrifft, so fehlt der Geschichte unseres Osterfestes auch dieses Siegel keinesweges. Erstlich sind eine große Menge solcher Feinde durch die Predigt von Christi Auferstehung bekehrt und so die allerwichtigsten und unverwerflichsten Zeugen für dieselbe geworden*); und was die hartnäckigen Feinde betrifft, so ist es unter allen Gelehrten, welche die Geschichte des Alterthums kennen, bekannt, daß kein noch so feindseliger Schriftsteller, der zur Zeit der Apostel oder bald darauf gelebt hat, es auch nur versucht hat, zu beweisen, daß die heiligen Apostel und Evangelisten, was sie von Christo Wunderbares erzählen, selbst erdichtet und erfunden hätten. Diese ersten in Schriften wider das Christenthum auftretenden Gegner, denen es so leicht-gewesen wäre, zu beweisen, daß die neutestamentlichen Erzähler Betrüger gewesen seien, wenn sie es gewesen wären; sie, die damit das ganze Christenthum so leicht hätten widerlegen und wie mit Einem Schlage hätten zu Boden werfen können, sie versuchen es nicht. Der erste, welcher ein eigenes Buch gegen das Christenthum geschrieben hat, mit Namen Celsus, gibt die Wunderwerke Christi zu und sucht den in der Auferstehung Christi liegenden Beweis nur dadurch zu entkräften, daß er ungereimt genug vorgibt, den Aposteln sei nur der Schatten Jesu erschienen **)! Ein zweiter schriftstellerischer Gegner des Christenthums, Philostratus, sucht sich damit zu helfen, daß er

*) Wer kann so thöricht sein, zu glauben, daß diejenigen, welche erst die heftigsten Widersacher Christi gewesen waren, sobald die Jünger Christi Auferstehung als geschehen verkündigten, ungeprüft diese wunderbare Kunde angenommen und für die Wahrheit derselben nun zum Theil selbst ihr Leben gelassen haben! In jener Zeit, wo die Apostel, wenn sie Betrüger gewesen wären, so leicht hätten entlarvt werden können! Die jetzigen Feinde des Christenthums suchen freilich, um diesen gewaltigen Zeugen, den damals bekehrten Feinden, den Mund zu stopfen, die Unwissenden glauben zu machen, diejenigen, welche zu der Apostel Zeit und bald darauf das Christenthum angenommen, seien nur ungebildete leichtgläubige Leute gewesen, die weder gewohnt, noch fähig gewesen seien, den Grund dessen, was sie annahmen, streng zu prüfen; allein es ist Unwahrheit. Selbst der oberflächlichste Kenner der Geschichte weiß, daß von Anfang an auch eine große Menge jüdischer Schriftgelehrten, Pharisäer, Sadducäer und Obersten des Volks und noch bei Lebzeiten der Apostelschüler auch viele heidnische Gelehrte, Philosophen und Andere das Christenthum erst nach der strengsten Prüfung angenommen haben. Was die ersteren betrifft, erinnere ich nur an Saulus, den nachmaligen Paulus; und rücksichtlich der letzteren, an die zum Christenthum bekehrten vormaligen heidnischen Gelehrten und Philosophen Quadratus, Aristides und Athenagoras, die Athenienser; an Justinus Martyr, den Samaritaner; an Tatianus und Theophilus, die Syrer; an Tertullianus, den Carthaginenser; an Pantänus und Clemens, die Alexandriner; der später bekehrten ausgezeichneten Philosophen nicht zu gedenken.

**) Diesen Einwand, wie die anderen wichtigsten Einwürfe des Celsus hat uns der gelehrte Origenes in einer eigenen Schrift aufbehalten, welche er wider Celsus geschrieben. Wir sehen hieraus, wie armselig die Gründe gewesen sind, welche die Gelehrtesten in jener Zeit wider die geschichtliche Grundlage des Christenthums allein vorzubringen sich getrauten, als man das Geschehene noch nicht so frech ableugnen konnte, ohne sich vor aller Welt lächerlich zu machen.

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

146

stle himself writes: "If Christ be not risen, then is our preaching vain, and your faith is also vain. Yea, and we are found false witnesses of God; because we have testified of God that he raised up Christ: whom he raised not up . . . If Christ be not raised, your faith is vain; ye are yet in your sins. Then they also which are fallen asleep in Christ are perished. If in this life only we have hope in Christ, we are of all men most miserable".

Indeed there are in our days unhappy persons who, because they themselves are without peace and comfort of heart, and because they themselves have despaired of all truth and certainty, look askance at the comfort and peace which Christians have from the resurrection of Jesus Christ, and who therefore either flatly deny this fact, or at least seek to make the certainty of it wavering and doubtful. But well for us Christians; at the objections which the enemies of Christianity raise only now, after nearly 2000 years, against the certainty of the facts upon which Christianity is founded, we can laugh: God has provided that the resurrection of JESUS Christ has more and mightier proofs in its favor than any fact which history reports to us. — Every sensible man acknowledges the principle: "When it is proven that a historian

1. could know with certainty what he reports,

and that he

2. was so honest that he wished to write nothing but the truth; if further

3. not only contemporary friends, but even enemies, who were contemporaries of the historian or appeared soon after him, and who therefore could easily have refuted the historian in their time, have not dared to accuse the historian of falsehood and deceit in that time; and if finally

4. it can be shown that a historian was in such a position that he had to write the truth: then the narrated fact is beyond doubt true. Whoever denies this principle, overthrows the certainty of all history and indeed all human certainty, and no longer deserves to be reckoned among the society of rational men.

Let us now, however, examine according to this principle, recognized by the learned and the unlearned, the history of the resurrection of JESUS Christ, and it will soon become evident that only unreason or a willfulness hostile to God can deny the certainty of this fact, or even obstinately call it in question.

Could the apostles and evangelists, in the first place, know with certainty that Christ had risen? — Concerning this there can be no doubt. For Christ appeared to them alive again on the third day after His death on the cross; not like a specter which, as if wrapped in clouds, appears now and, before the witness can recover from his alarm and examine the reality of the apparition he has had, suddenly vanishes again; but in a period of forty days, at the most various times, now in broad day, now at evening, now in the night-time; and in the most various places, now in the city, now on the way, now by the sea, now on a mountain; now to one, now to two, now to the Eleven together, now with them at the same time to above 500 brethren. And more: Christ did not step before them mute and thereupon dissolve like a vision of mist, but the Risen One, whom they knew well from long familiar intercourse, spoke with them at length, reminded them of that which He had formerly spoken to them, made the prophecy, to be fulfilled a few days afterward, of the outpouring of the Holy Ghost upon them, wrought miracles before them, ate and drank with them, and let them touch His glorified body with its five wounds. Here no deception was possible. And, what is of special importance, the apostles showed themselves herein anything but credulous, but rather most slow of belief; so that Christ could bring them to believe that it was really He only after much trouble. Yea, we see that the apostles evidently hoped for Christ's resurrection less than Christ's enemies feared it. — A second question is now: Can we, nay, must we also assume, that the apostles and evangelists not only could write the truth hereafter, but that they also were willing to write it? — If there is any question which all the world must answer without hesitation with Yes, it is this. Not only do all these men bear the most indisputable marks of simplicity, honesty, conscientiousness and fear of God, but — I ask here confidently even the most obstinate doubters — say, what could have moved the dear disciples of Christ to pretend falsely that the Lord had risen and appeared to them and before their eyes finally ascended into heaven, if it had not really happened? Every deceiver seeks by his deceit, not his disadvantage, but always his advantage! But what was the advantage which the holy apostles and evangelists could expect from their proclamation that Jesus had risen, and which they actually obtained? They could expect nothing else than this: that no man would believe them, and that they would be despised as deceivers, hated, persecuted, tortured and killed. And that, and nothing else, the disciples of Christ also reaped from their Easter preaching; they had to seal it with hunger, thirst, nakedness, scorn, mockery, contempt, disgrace and blows, with their tears, and finally with their blood. Is it not madness, then, to believe that the apostles and evangelists indeed could have told the truth, but shrewdly would not tell it, and wantonly deceived the world, in order to be able to suffer for it — all conceivable tortures and torments and at last the most wretched death? — As to the third mark of historical truth, the testimony of enemies who lived at the time of the narrators, or at least not long afterward, the history of our Easter festival lacks this seal also in no way. In the first place, a great multitude of such enemies were converted by the preaching of Christ's resurrection, and so became the most important and unimpeachable witnesses for it*); and as to the obstinate enemies, it is known among all scholars who know the history of antiquity, that no writer, however hostile, who lived in the time of the apostles or soon after, has so much as attempted to prove that the holy apostles and evangelists had themselves invented and made up what they relate of Christ that is wonderful. These first opponents appearing in writings against Christianity, to whom it would have been so easy to prove that the New Testament narrators were deceivers, if they had been such; they, who could thereby have so easily refuted all Christianity and, as with a single blow, have cast it to the ground, they do not attempt it. The first who wrote a book of his own against Christianity, by name Celsus, admits the miracles of Christ, and seeks to weaken the proof lying in the resurrection of Christ only by pretending, absurdly enough, that only the shadow of Jesus appeared to the apostles **)! A second writer-opponent of Christianity, Philostratus, seeks to help himself by this, that he

*) Who can be so foolish as to believe that those who had at first been the fiercest adversaries of Christ, as soon as the disciples proclaimed Christ's resurrection as having occurred, accepted this wonderful tidings unexamined, and for the truth of it have now in part even given their life! In that time, when the apostles, if they had been deceivers, could so easily have been exposed! The present enemies of Christianity seek indeed, in order to stop the mouth of these mighty witnesses, the enemies converted at that time, to make the ignorant believe that those who in the time of the apostles and soon after accepted Christianity were only uneducated, credulous people, who were neither accustomed nor able to examine strictly the ground of what they accepted; but it is untruth. Even the most superficial student of history knows that from the beginning also a great multitude of Jewish scribes, Pharisees, Sadducees and chief men of the people, and while the disciples of the apostles were yet living also many heathen scholars, philosophers and others, accepted Christianity only after the strictest examination. As to the former, I remind you only of Saul, afterward Paul; and as to the latter, of the former heathen scholars and philosophers converted to Christianity, Quadratus, Aristides and Athenagoras, the Athenians; Justin Martyr, the Samaritan; Tatian and Theophilus, the Syrians; Tertullian, the Carthaginian; Pantaenus and Clement, the Alexandrians; not to mention the distinguished philosophers converted later.

**) This objection, like the other most important objections of Celsus, the learned Origen has preserved for us in a separate treatise which he wrote against Celsus. We see from this how wretched were the grounds which the most learned in that time ventured alone to bring forward against the historical foundation of Christianity, when one could not yet deny what had happened so impudently without making oneself ridiculous before all the world.