Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 20 › Seite 156

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-27, Seite 156

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urtheilen, und, die allerschlimmste Deutung seinen vermeintlichen Worten unterschiebend, darauf hin beide zu verdammen! Heißt das: den Nächsten entschuldigen, Gutes von ihm reden und Alles zum Besten kehren? Das ist die Geistlichkeit aller Zeloten; es war auch die Geistlichkeit der Inquisitoren; aber Christi Geist und Sinn athmet sie nicht.

7. Unlutherisch scheint uns armen, seinem Bannfluch verfallenen, Heterodoxen sein Verfahren zu sein, wenn anders er uns erlaubt, selbst ein Urtheil über dergleichen Dinge zu fällen. Es will uns dünken, er habe vergessen, daß der 7. Artikel der Augsb. Confession nicht Alles, was er unlutherisch nennt, auch so heißt. Wenn wir nicht auf's Jota seine kirchlichen Gebräuche mitmachen, so werden wir ohne Weiteres als Ketzer von ihm guilliotinirt. Dort aber wird reine Predigt des Evangeliums und demgemäße Verwaltung der heil. Sakramente das Kennzeichen der Kirche genannt, und Gleichförmigkeit in Ceremonien als „nicht noth“ dargestellt. Wir können daher nie uns dazu verstehen, Lutherthum und papistisches Ceremonienthum zu mischen. Dann könnte er ja mit Recht uns der Kirchenmengerei beschuldigen. Wenn auch Andere seinem unduldsamen Geiste sich unterwerfen, so erwarte er nur nicht, daß die Ohio-Synode sein Commando sich gefallen lassen wird. Wir kennen unsere Rechte als Lutheraner, und sind entschlossen, kein Papstthum in irgend einer Gestalt uns auf den Hals legen zu lassen.

8. Sein unchristliches Benehmen bringt nur Schmach auf die Sache des Herrn. Die Kirche in Amerika hat eine höhere, edlere Bestimmung, als das Feld für die Herrschsucht irgend eines Mannes abzugeben, sei er wer er nur wolle. Ist es denn dahin gekommen, daß man nicht mehr nach apostolischem Wort und Beispiel Schwache mit Geduld tragen, oder nach Christi Wort: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben ächter Pastoralklugheit ihr Recht lassen kann, ohne dafür ein Wolf, Menschendiener oder Zeitknecht genannt zu werden? Dies scheint aber der unausbleibliche Lohn derer werden zu wollen, die die Wirkung der Wahrheit mit Geduld abwarten, und nicht die Pläne des Verfassers der „Denkwürdigkeit“ in kindischer Hast ihm durchzwingen helfen. Das Beispiel von Jesu Geduld mit seinen Jüngern hat für ihn keine Bedeutung. Soll denn Zwang die Stelle der Ueberzeugung einnehmen, und unbedingter Gehorsam gegen ihn für ein überzeugtes Gewissen gelten! So war's nicht vor der Reformation; so möge es nimmer werden! Ist das ächte Orthodoxie, so wird sie bald nur ein Spottname sein, und verdient es auch. Und wenn Engherzigkeit und Streitsucht, Spitzfindelei und hierarchischer Despotismus mit Rechtgläubigkeit nicht gleichbedeutend werden, so haben wir es gewiß Dr. Sihler nicht zu verdanken. Eine Verfahrungsart wie die seinige bringt den heiligen Glauben unserer Kirche in Verruf, fördert Rotten, Abfall und Sektirerei, verheert den Weinberg des Herrn, wo er nur des Umgrabens, des Düngens und der Geduld bedarf, um reichlich Frucht zu bringen. Im Reiche Christi ist Kampf nöthig, aber nicht immer und überall. Das Reich, das mit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen. Der Kampf um den Glauben und im Glauben ist edel, aber fleischlicher Eifer um elende Ceremonien und unwesentliche menschliche Dinge ist unnöthig und unwürdig, unlutherisch und unchristlich. Das Niederreißen versteht der kampflustige Berichterstatter weit besser als das Aufbauen, wie seine Vorgänger Karlstadt und Zwingli und die Bilderstürmer überhaupt. Bei Zeloten hat der Augenblick der Gegenwart und das Zufällige allen Werth, die Zukunft und das Wesentliche keinen; sie eifern, wie einst Saulus, eben so feurig um einen Lappen des Gesetzes, wie um das Kleid der edelsten Gerechtigkeit.

papistisches Ceremonienthum zu mischen“. — In welcher Kirche, fragen wir Herrn L., (denn es soll dies auch ein liebreicher Seitenhieb auf unsere Synode sein) hat er denn solches „papistische Ceremonienthum“ gesehen? Er hat ja wohl nie einem unserer Gottesdienste beigewohnt. — Da der Herr Professor nicht zu wissen scheint, was „papistisches Ceremonienthum“ sei, so möge er es hiermit lernen, wenn er nicht bereits zu gelehrt ist. Papistisches Ceremonienthum innerhalb der lutherischen Kirche wäre solches, wo entweder diese oder jene Ceremonien Ausdruck und Darstellung krypto- (d. i. geheim) papistischer Lehren wären, oder wo auf papistische Weise geboten würde, diese oder jene Ceremonien, Gewissens halber, und bei Verlust der Seligkeit zu halten. Herr L. möge so gefällig sein, statt leerer und gehässiger Behauptungen (die nach dem lügenhaften Zuschnitt von Br. Weyl und Comp. gerathen sind), Thatsachen beizubringen, und durch diese zu beweisen, daß irgendwo bei uns Ceremonien sind, die papistische Lehren ausdrücken, oder daß wir lehren, diese und jene an sich gleichgültige und gottesdienstliche Bräuche und Weisen müßten Gewissens halber gehalten werden. Daß wir aber alte erbauliche Ceremonien, die den Gesammtglauben der Kirche ausdrücken, und dabei sich auch die Gemeinden lebendig betheiligen, festhalten, wie Luther und die Seinen thaten, — daß wir nicht den reformirten „Brüdern“ zu Liebe den kahlen und nackten Gottesdienst derselben annehmen, darin der Prediger allein die handelnde Person ist, und nach seiner Stimmung und Weise den Leuten vorbetet, — oder daß wir nicht die ungesalbte und ungesalzene rationalisirende Agende der Ohio-Synode gebrauchen; — daß ist hoffentlich in den Augen gerechter und verständiger Lutheraner weder papistisch, noch „unlutherisch.“

ad 8. Hier wäre freilich viel zu antworten, da des Deklamirens oder Richtens leider wieder viel vorhanden, und von „Christi Geist und Sinn“, den mir Herr L. in No. 6 empfiehlt, nichts zu spüren ist. Er beweise doch erst, daß es „ein fleischlicher Eifer um elende Ceremonien und unwesentliche menschliche Dinge“ sei, wenn ich der mit dem Munde zu den kirchlichen Symbolen sich bekennenden Ohio-Synode ihre bekenntniswidrige Praxis ins Gewissen schiebe, wenn ich sie, nachdem ihrer Unkunde auch durch andere genugsam zu Hülfe gekommen war, darum strafte *) und noch strafe,

*) Dies geschah in No. 3. des Jahrgangs von 1848 des „Lutheraners“.

1. daß sie, nach wie vor, ihre leichtfertige und ungenügende Berichtung der Reformirten vor dem heiligen Abendmahl hartnäckig festhält; (siehe oben zu 1. und 2.)

2. daß ihre Prediger keinen „ordentlichen Beruf“ haben, sondern „gedingte“ Mieths- und Zeitprediger bleiben wollen;

3. daß sie um besseren Lohnes oder menschlicher Gründe willen leichtfertig die Gemeinden oder sogar auch ihren Beruf wechseln;

5. daß sie weder selber ordentliche Gemeinde-Schule halten, noch das Ihre thun, daß die Gemeinden Schullehrer berufen, damit die Kinder von Jugend auf sorgfältig in Gottes Wort unterrichtet werden

5. daß sie das großentheils ungläubige, unionistische „gemeinschaftliche Gesangbuch“ und die ähnlich geartete Agende beibehalten;

6. daß der Confirmanden-Unterricht von Manchen sehr leichtfertig gehandelt wird, (auch hier fordere ich Herrn L. auf, den Nachweis durch die Synode zu begehren.)

7. daß es mit der Prüfung und Anstellung der Candidaten so leichtsinnig und oberflächlich gehalten wird.

Nun frage ich jeden aufrichtigen Lutheraner, ja den geistlichen Herrn L. selber, ob das Strafen solcher groben und bösen Stücke, durch welche nothwendig die armen Gemeinden kirchlich immer mehr herunter kommen und verkümmern müssen, — ob dieses Strafen „ein fleischlicher Eifer um elende Ceremonien und unwesentliche menschliche Dinge“ sei.

Weil ich aber sachlich (und nicht persönlich und gehässig wie Herr L.) solche verderbliche Zustände strafe, so muß ich im Gerichte des Herrn L. „ein Zelot, ein Karlsstadt, ein Bilderstürmer, ein „Niederreißer“ sein, muß es nur mit „Engherzigkeit und Streitsucht, Spitzfindelei und hierarchischem Despotismus zu schaffen haben; er aber mit den Seinen besitzt die „ächte Pastoral-Klugheit“, daß sie im hergebrachten Schlendrian verharren, und zur Besserung dieser bösen Schäden keine Synodal-Beschlüsse fassen. Das heißt freilich „klug sein

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demn, and, imputing the very worst construction to his supposed words, to damn both on that account! Is that: to excuse the neighbor, to speak well of him and put the best construction on everything? That is the spirituality of all zealots; it was also the spirituality of the inquisitors; but the spirit and mind of Christ it does not breathe.

7. Unlutheran seems to us poor heterodox ones, fallen under his ban, his procedure to be, if indeed he permits us even to pass judgment on such things. It would seem to us that he has forgotten that the 7th Article of the Augsburg Confession does not call everything that he names unlutheran by that name. If we do not join in his churchly usages to a jot, we are forthwith guillotined by him as heretics. There, however, the pure preaching of the Gospel and the administration of the holy Sacraments in accordance with it are called the mark of the Church, and uniformity in ceremonies is represented as "not necessary." We can therefore never bring ourselves to mix Lutheranism and papistical ceremonialism. Then he could indeed with right accuse us of confusion of churches. Though others submit to his intolerant spirit, let him only not expect that the Ohio Synod will put up with his command. We know our rights as Lutherans, and are resolved to let no popery in any shape be laid upon our necks.

8. His unchristian behavior brings only disgrace upon the cause of the Lord. The Church in America has a higher, nobler destiny than to furnish the field for the lust of dominion of any man, be he who he may. Has it then come to this, that one can no longer, after apostolic word and example, bear with the weak in patience, or, after Christ's word: Be wise as serpents and harmless as doves, allow genuine pastoral prudence its right, without being called for it a wolf, a man-pleaser or a time-server? This, however, seems to be the inevitable reward of those who wait patiently for the working of the truth, and do not help to force through, in childish haste, the plans of the author of the "Denkwürdigkeit." The example of Jesus' patience with His disciples has for him no meaning. Shall then compulsion take the place of conviction, and unconditional obedience to him count for a convinced conscience! So it was not before the Reformation; so may it never be! If this is genuine orthodoxy, it will soon be only a name of mockery, and deserves to be. And if narrow-heartedness and contentiousness, hair-splitting and hierarchical despotism are not to become synonymous with orthodoxy, we have certainly Dr. Sihler to thank for it in no way. A mode of procedure like his brings the holy faith of our Church into disrepute, promotes factions, apostasy and sectarianism, lays waste the Lord's vineyard, where it needs only digging about, manuring and patience, in order to bring forth fruit abundantly. In the kingdom of Christ conflict is necessary, but not always and everywhere. The kingdom that is divided against itself cannot stand. The conflict about the faith and in the faith is noble, but carnal zeal about wretched ceremonies and unessential human things is unnecessary and unworthy, unlutheran and unchristian. Pulling down the combative reporter understands far better than building up, like his predecessors Carlstadt and Zwingli and the iconoclasts generally. With zealots the moment of the present and the accidental have all worth, the future and the essential none; they are zealous, as once Saul, just as fervently about a shred of the Law as about the garment of the noblest righteousness.

papistical ceremonialism." — In what church, we ask Mr. L., (for this is also meant as a loving side-thrust at our Synod) has he then seen such "papistical ceremonialism"? He has surely never attended one of our services. — Since the Herr Professor does not seem to know what "papistical ceremonialism" is, let him hereby learn it, if he is not already too learned. Papistical ceremonialism within the Lutheran Church would be such, where either these or those ceremonies were the expression and representation of crypto- (that is, secretly) papistical doctrines, or where in the papistical manner it were commanded to keep these or those ceremonies, for conscience' sake, and on pain of loss of salvation. Let Mr. L. be so kind, instead of empty and spiteful assertions (which have been cut to the lying pattern of Br. Weyl and Co.), to bring forward facts, and by these to prove that anywhere among us there are ceremonies which express papistical doctrines, or that we teach that these and those in themselves indifferent usages and forms of worship must be kept for conscience' sake. That, however, we retain old edifying ceremonies, which express the common faith of the Church, and in which the congregations also take a living part, as Luther and his followers did, — that we do not, for love of the Reformed "brethren," adopt their bare and naked worship, in which the preacher alone is the acting person, and according to his mood and fashion prays before the people, — or that we do not use the unanointed and unsalted rationalizing Agende of the Ohio Synod; — that is, it is hoped, in the eyes of just and understanding Lutherans neither papistical nor "unlutheran."

As to 8. Here, to be sure, there would be much to answer, since of declaiming or judging there is unhappily again much at hand, and of "Christ's spirit and mind," which Mr. L. recommends to me in No. 6, nothing is to be perceived. Let him first prove that it is "a carnal zeal about wretched ceremonies and unessential human things," if I press upon the conscience of the Ohio Synod, which confesses the churchly Symbols with the mouth, its practice contrary to the Confession, if I, after its ignorance had also been sufficiently helped by others, reproved it on that account *) and still reprove it,

*) This took place in No. 3 of the volume for 1848 of the "Lutheraners."

1. that it, now as before, obstinately holds fast its frivolous and insufficient examination of the Reformed before the holy Supper; (see above at 1 and 2.)

2. that its preachers will have no "orderly call," but remain "hired" hireling and temporary preachers;

3. that for the sake of better pay or human reasons they lightly change congregations or even also their calling;

5. that they neither themselves keep an orderly congregational school, nor do their part that the congregations call schoolteachers, in order that the children from youth up may be carefully instructed in God's Word

5. that they retain the for the most part unbelieving, unionistic "common hymn-book" and the similarly constituted Agende;

6. that the confirmation instruction is handled by many very frivolously, (here also I challenge Mr. L. to demand the proof through the Synod.)

7. that the examination and appointment of the candidates is conducted so lightly and superficially.

Now I ask every sincere Lutheran, yea the spiritual Mr. L. himself, whether the reproving of such gross and evil practices, through which the poor congregations must of necessity ecclesiastically decline more and more and wither away, — whether this reproving is "a carnal zeal about wretched ceremonies and unessential human things."

But because I reprove such ruinous conditions in a matter-of-fact way (and not personally and spitefully like Mr. L.), I must in the judgment of Mr. L. be "a zealot, a Carlstadt, an iconoclast, a "pulling-down man," must have to do only with "narrow-heartedness and contentiousness, hair-splitting and hierarchical despotism; he, however, with his followers possesses the "genuine pastoral prudence," that they persist in the customary slovenly routine, and adopt no synodical resolutions for the amendment of these evil injuries. That is, to be sure, "to be prudent