Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 20 › Seite 157

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-27, Seite 157

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Zum Schluß noch einige Bemerkungen über Einzelnes im Bericht. Das Lob, das sich der Verfasser für seine frühere Vertheidigung der Ohio-Synode wegen ihres entschiedenen Bekenntnisses unserer sämmtlichen Symbole beimessen zu wollen scheint, hat niemand von ihm verlangt, und wenn er erwartet, daß die Synode für eine zweideutige Schutzrede, in der er so pedantisch sie Mores lehren will, ihm danke, so wird sie ihm nur insofern willfahren, daß sie sich dafür bedankt, denn sein Lob und Tadel ist ihr völlig gleichgültig. Bildet er sich aber darauf viel ein, auch nur Notiz von der Synode genommen zu haben (in solchem Tone redet er ja), so weiß sie ihm noch viel weniger Dank. Wenn das Gewissen einzelner Glieder ihnen in gemischten Gemeinden die Reichung des heil. Abendmahls an solche erlaubt, die zwar nicht dem Namen, aber der Sache nach lutherisch sind, und die lutherische Lehre als Wahrheit anerkennen, so läßt sich zu ihrer Rechtfertigung sagen, daß sie nur dann unlutherisch handeln, wenn solche Anerkennung verweigert wird. Daß die Synode das Bestehen solcher Gemeinden (von denen es ohnehin nur wenige unter uns giebt) als ein Uebel betrachtet, hat sie gewiß deutlich genug erklärt, und daß sie ernstlich dahin strebt, in Mäßigung und Geduld, nicht aber im gewaltsamen Geiste der Bilderstürmer das bestehende Uebel abzuschaffen, zeigt nur, daß wir nach demselben Ziele streben, aber in anderer Weise. Auf dem langsamen, aber rechten Wege der Ueberzeugung, ohne Gewalt und Gewissensdruck, will sie ihren Zweck erreichen. Uebrigens möchte auch wohl Mancher mit Recht fragen, wer Dr. Sihler zum Richter über sein Gewissen gesetzt habe? Seine Kathedersprache wird Keinen davon überzeugen. „Ernste und gründliche Prediger", die redlich den Forderungen ihres Gewissens nachzukommen suchen, kann es vielleicht auch geben, ohne nach seinem Modell gebildet worden zu sein.

Dr. Sihler beschuldigt ferner die Synode, daß sie „selbst solche Prediger aufnimmt, die sich geradeheraus unionistisch aussprechen, und wider die kirchlichen Symbole in ihrer praktischen Ausführung sich erklären". Diese Behauptung kann nimmermehr bewiesen werden. Die Aufnahme von Pastor Gockelen kann ihm hier nicht dienen, denn er bekannte sich ja zu den sämmtlichen symbolischen Schriften. Also deshalb ist er unionistisch, weil er in der Praxis mit jenem nicht übereinstimmt. Zwar bedient er Gemeinden, die Pastor Heid Gewissens halber aufgab. Dies kann aber für uns noch kein Beweis sein, daß Pastor Gokelen gefehlt habe, denn (ohne hier über Pastor Heid's Verhältnisse urtheilen zu wollen) es giebt Fälle genug, in denen unter dem Vorwand der Gewissenhaftigkeit Prediger durch eigenmächtiges, herrschsüchtiges Benehmen ganze Gemeinden aufgelöst, die durch einsichtsvolles Wirken, ohne auch nur im Mindesten die Wahrheit preiszugeben, für unsere Kirche hätten gerettet werden können, und die durch die Herrschsucht ihrer Prediger den Sekten in die Arme getrieben wurden. Das heißt Niederreißen, nicht Bauen. Zwar sagt Dr. Sihler, daß jene Gemeinden „nur einen Predigthalter, aber keinen Seelsorger wollten", bei ihm gilt aber oft leere Muthmaßung für Thatsache; sein Dünkel ist noch kein Beweis. Ferner behauptet er, daß jene Gemeinden „unter dem Vorgeben ihrer amerikanischen Freiheit der von dem Herrn Christo (Matth. 18, 15-17) geordneten Kirchenzucht widerstrebten und trotz aller Belehrung auf keinerlei Weise ihrem Pastor gestatten wollten, sie vor dem Genuß auch nur des ersten Abendmahls einzeln zu befragen". Wenn wir dies nun ohne Beweis nur auf seine Angabe hin annähmen, so könnten leicht auch solche, die nicht das „Joch auf der Jünger Hälse laden" und sich zu einer (nicht Privat-, sondern) Ohrenbeichte zwingen lassen, verdammt werden. Nicht alle Pastoren wissen zwischen Gebrauch und Mißbrauch zu unterscheiden. Welch ein Mißgriff! daß die Synode, die durch ihren Präsidenten die Angabe von Pastor Heid, so wie auch andererseits die von Pastor Gockelen vernahm, selbst ein

wie die Schlangen, wenn diese Herren die hiesigen Volks-Sünden in ihren Gemeinen nicht scharf und ernstlich strafen, keinen ordentlichen Beruf begehren, mit ihren Gemeinden die arme Jugend kirchlich verwahrlosen helfen, auf die Matth. 18, 15 — 17. vorgeschriebene Kirchenzucht nicht mit allem Ernste dringen ꝛc., — ob dies aber sei „ohne falsch sein, wie die Tauben", das überlasse ich dem Gewissen des Herrn L. und der Seinen selber zu urtheilen, und wünsche von Herzen, daß sie früher mit sich selber ins Gericht gehen, als es Gott thut in ihrem Sterbestündlein, wenn Er ihr Weiden seiner Lämmer und Schafe besehen wird. — Böse Schäden aus Menschenfurcht gehen lassen, heißt doch wahrlich auch nicht „die Schwachen mit Geduld tragen".

Da aber schließlich Herr L. meint, daß ich armer Zelot mit Niederreißen, aber nicht mit Aufbauen zu thun habe, so ersuche ich ihn ganz freundlich, zur Ferienzeit herzukommen, und auf alle Weise unser Seminar und meine Gemeinde zu besehen. Es möchte am Ende doch sein, falls er sein Herz bezwingen kann, und keine geschwärzte Brille mitbringt, daß er einen aus Gottes Gnaden gewirkten Anfang eines gesunden Aufbaues vorfände. Auch würde er in unseren Gemeinde-Versammlungen weder „hierarchischen Despotismus" noch demokratische Willkühr, sondern die Herrschaft des göttlichen Wortes und einträchtiges Zusammenwirken von Lehrer und Hörern auf dem Grunde dieses Wortes finden.

Im ersten Stücke des Schlusses sucht Herr L. wiederum ihre oberflächliche Praxis gegen Reformirte in Hinsicht auf Reichung des heiligen Abendmahles als gründlich und genügend zu rechtfertigen, wogegen ich auf No. 14. Seite 109. Spalte 3. verweise; es ist eben wieder lauter Deklamiren und Räsonniren; denn Herr L. müßte beweisen, daß und wie jenes sachlich allein richtige Verfahren wirklich „aus dem gewaltsamen Geiste der Bilderstürmer" herstamme, und nicht vielmehr aus christlicher Gewissenhaftigkeit.

Der Herr Professor scheint überhaupt über das Wesen des Gewissens noch etwas im Unklaren zu sein, und noch nicht einzusehen, daß dessen Feinheit und Schärfe von dem Grade der Erkenntniß des göttlichen Wortes abhängig ist. Wer nun aus diesem nicht gründlich über die groben und seelenverderblichen Irrlehren der Reformirten klar geworden ist, auch noch eine sehr geringe Einsicht über die jetzige Union und den Zusammenhang zwischen Bekenntniß und Praxis der lutherischen Kirche besitzt, der kann freilich im Anfange meinen, es genüge, wenn die Reformirten die vorgelegte lutherische Lehre nicht verwerfen oder auch laut anerkennen, und da handelt er freilich noch nicht wider sein (eben noch nicht völlig aus Gottes Wort gereinigtes) Gewissen. Wenn er aber aus Gottes Wort, und anderen darauf gegründeten Schriften eine gründliche Erkenntniß auch über die reine Sakraments-Lehre der lutherischen, und die falsche der reformirten Kirche gewinnt, auch zugleich über die jetzige Union und den Zusammenhang zwischen Bekenntniß und Praxis klarer wird, so wird natürlich durch beides auch sein confessionelles Gewissen geschärft, und er kann dann nicht, wenn er nicht durch bösen Willen die jetzt geschärfte Stimme seines Gewissens gewaltsam unterdrückt, nach seinem früheren unklaren Gewissen in Hinsicht auf das Reichen des heiligen Abendmahles an Reformirte handeln, sondern kann es eben nicht anders machen, als oben angegeben ist. — Nun sind aber im „Lutheraner", den ja auch Herr Professor Lehmann und andere Pastoren halten, aus minder verhaßten Federn, als der meinigen, mehrfach Aufsätze auch über obige Stücke erschienen, also, daß man billig annehmen muß, Herr Lehmann müßte nun eines Besseren belehrt sein. Gleichwohl will er nach wie vor die frühere Praxis festhalten, ja nennt es „Gewalt und Gewissensdruck", von Reformirten zu verlangen, deren Abendmahlslehre, nachdem sie aus Gottes Wort gründlich über Wahrheit und Irrthum unterwiesen sind, als falsch zu mißbilligen, und darnach ihren Abendmahlsgenuß von einem Diener der lutherischen Kirche und mit einer lutherischen Gemeinde als gliedlichen Eintritt in die lutherische Kirche und thatsächlichen Austritt aus ihrer bisherigen Kirchen-Gemeinschaft anzuerkennen. Nun ist dies aber vor Gott und Menschen unzweifelhaft wahr; aber es meinen vielleicht welche, es sei weislicher, obiges Begehren erst später und allmählig an die Reformirten zu stellen; es wäre dies aber nicht „ohne Falsch wie die Tauben" und auch nicht einmal „klug wie die Schlangen", sondern ebenso unlauter als unklug gehandelt; denn mit Recht würden dann später die Reformirten sich ärgern und sprechen: Warum hast du es uns im Anfange verschwiegen, und zu öfteren Malen uns das heil. Abendmahl gegeben, ohne daß wir brauchten unseren reformirten Glauben

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In conclusion, a few remarks on particular points in the Report. The praise which the author seems to wish to claim for his former defense of the Ohio Synod on account of its decided confession of all our Symbols was asked of him by no one; and if he expects that the Synod will thank him for an ambiguous speech in defense, in which he so pedantically wishes to read it a lesson in morals, it will oblige him only so far as to decline with thanks, for his praise and his blame are altogether a matter of indifference to it. But if he flatters himself greatly on having taken any notice at all of the Synod (for in such a tone does he speak), then it knows still less how to thank him. If the conscience of individual members permits them, in mixed congregations, to administer the Holy Supper to such as are indeed Lutheran not in name but in fact, and who acknowledge the Lutheran doctrine as the truth, then it may be said in their justification that they act unlutheranly only when such acknowledgment is refused. That the Synod regards the existence of such congregations (of which, moreover, there are only a few among us) as an evil, it has surely declared plainly enough; and that it earnestly strives, in moderation and patience, but not in the violent spirit of the iconoclasts, to abolish the existing evil, shows only that we are striving after the same goal, but in a different manner. By the slow but right way of conviction, without force and pressure upon conscience, it wishes to attain its end. Besides, many a one might well ask with reason, who has appointed Dr. Sihler judge over his conscience? His professorial language will convince no one of it. "Earnest and thorough preachers," who honestly seek to fulfil the demands of their conscience, there may perhaps be also, without having been formed after his model.

Dr. Sihler further accuses the Synod of "admitting even such preachers as declare themselves quite openly in a unionistic sense, and declare themselves against the churchly Symbols in their practical application." This assertion can never be proved. The admission of Pastor Gockelen cannot serve him here, for he did indeed confess all the symbolical books. So then he is unionistic for this reason, that in practice he does not agree with the other? True, he serves congregations which Pastor Heid gave up for conscience' sake. But this can be no proof for us that Pastor Gokelen was at fault, for (without wishing here to judge of Pastor Heid's circumstances) there are cases enough in which, under the pretext of conscientiousness, preachers have, by arbitrary, domineering conduct, broken up whole congregations which might have been saved for our Church by judicious labor, without in the least giving up the truth, and which by the domineering spirit of their preachers were driven into the arms of the sects. That is tearing down, not building up. True, Dr. Sihler says that those congregations "wanted only a preacher-for-hire, but no pastor"; but with him an empty conjecture often passes for fact; his conceit is not yet proof. Further, he asserts that those congregations "under the pretense of their American liberty resisted the church discipline ordained by the Lord Christ (Matth. 18, 15-17), and in spite of all instruction would on no account allow their pastor to question them individually before the partaking of even the first Supper." If we should accept this, without proof, merely on his word, then perhaps also those who do not "lay the yoke upon the neck of the disciples," and let themselves be forced to an (not private, but) auricular confession, might be condemned. Not all pastors know how to distinguish between use and abuse. What a blunder! that the Synod, which through its President heard the statement of Pastor Heid, as also, on the other hand, that of Pastor Gockelen, itself a

as the serpents, if these gentlemen do not sharply and earnestly rebuke the prevailing popular sins in their congregations, desire no regular call, help with their congregations to leave the poor youth neglected in the church, do not press with all earnestness for the church discipline prescribed in Matth. 18, 15 — 17, etc., — whether this be "harmless as doves," that I leave to the conscience of Mr. L. and his people to judge, and I wish from my heart that they may enter into judgment with themselves sooner than God does it in their dying hour, when He shall inspect their feeding of His lambs and sheep. — To let grievous hurts go on from fear of men is surely not "bearing with the weak in patience" either.

But since Mr. L. finally thinks that I, poor zealot, have to do with tearing down, but not with building up, I request him quite kindly to come hither at vacation time, and in every way to look at our Seminary and my congregation. It might after all turn out, if he can master his heart and brings no blackened spectacles, that he would find a beginning, wrought by God's grace, of a sound upbuilding. Also in our congregational meetings he would find neither "hierarchical despotism" nor democratic caprice, but the dominion of the divine Word and a harmonious cooperation of teacher and hearers upon the ground of this Word.

In the first part of the Conclusion Mr. L. seeks once more to justify their superficial practice toward the Reformed, in regard to the administration of the Holy Supper, as thorough and sufficient, against which I refer to No. 14, page 109, column 3; it is again simply declaiming and reasoning; for Mr. L. would have to prove that and how that procedure, which is in fact alone right, really springs "from the violent spirit of the iconoclasts," and not rather from Christian conscientiousness.

The Professor seems in general to be still somewhat unclear about the nature of conscience, and not yet to perceive that its delicacy and keenness depend upon the degree of knowledge of the divine Word. Whoever, then, has not become thoroughly clear from this about the gross and soul-destroying false doctrines of the Reformed, and also still has but very slight insight into the present Union and the connection between confession and practice of the Lutheran Church, may indeed at the beginning think that it is enough if the Reformed do not reject the Lutheran doctrine laid before them, or even openly acknowledge it, and in so thinking he does not yet act against his (as yet not wholly purified from God's Word) conscience. But when he gains from God's Word, and other writings founded upon it, a thorough knowledge also of the pure doctrine of the Sacrament of the Lutheran Church and of the false doctrine of the Reformed Church, and at the same time becomes clearer about the present Union and the connection between confession and practice, then naturally by both his confessional conscience also is sharpened, and he cannot then, unless by evil will he violently suppress the now sharpened voice of his conscience, act according to his former unclear conscience in regard to the giving of the Holy Supper to the Reformed, but cannot do otherwise than as stated above. — Now there have appeared, however, in the "Lutheraner," which Professor Lehmann also and other pastors take, from less hated pens than mine, repeatedly essays also upon the above points, so that one must fairly assume that Mr. Lehmann ought now to have been instructed better. Nevertheless he wishes, as before, to hold fast the former practice, yes, calls it "force and pressure upon conscience" to require of the Reformed, after they have been thoroughly instructed from God's Word concerning truth and error, to disapprove their doctrine of the Supper as false, and accordingly to acknowledge their partaking of the Supper from a minister of the Lutheran Church and with a Lutheran congregation as a membership-entrance into the Lutheran Church and an actual departure from their former church-fellowship. Now this is, however, beyond doubt true before God and men; but some perhaps think it wiser to make the above demand of the Reformed only later and by degrees; but this would not be "harmless as doves," nor even "wise as serpents," but conduct as impure as it is unwise; for with right would the Reformed then later be vexed and say: Why did you conceal it from us at the beginning, and give us the Holy Supper oftentimes, without our needing to confess our Reformed faith