Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 20 › Seite 160

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-27, Seite 160

153 154 155 156 157 158 159 160

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

160

Hendel nit besonders. Das sprich aber ich: Wie mich die Sach ansieht, so muß der Luther entweder ein Engel vom Himmel seyn oder ein Teufel aus der Hell. Ich hab auch nur noch zehn Gulden ihm zu lieb zu verzehren, daß ich ihm beichte; dann ich glaub, er möcht und könnt mein Gewüssen wol unterrichten".

Indem kam der Wirth neben uns: „Hand nit Sorg für die Zehrung" sprach er heimlich zu uns. „Martinus hat das Nachtmal für euch ausgericht". Dis freuet uns sehr, nit von des Gelts wegen und Genieß, sondern daß er uns gastfrey gehalten hat, dieser Mann. Nach dem Nachtmal stuhnden die Kaufleuth auf und gingen im Stall, die Rösser zu versehen. Indem blieb Martinus allein bei uns in der Stuben; da dankten wir ihm seiner Zehrung und Schenkinn und ließen uns dabei merken, daß wir ihn für Ulrich ab Hutten hieltend. Er sprach aber: „ich bin es nit". Zu Hand kompt der Wirth. Spricht Martinus: „ich bin diese Nacht zu einem Edelmann worden; dann diese Schweitzer halten mich für Ulrich ab Hutten". Sprach der Wirth: „ihr seyt es nicht, aber Martinus Luther." Da lachet er mit solchem Scherz: „die halten mich für den Hutten, Ihr für-den Luther; ich solt wol bald Martinus Marcolfus heißen." Und nach solchem Gespräch nam er ein hoch Bierglas und sprach nach des Landts Brauch: „Schweitzer, trinkend mir noch einen fründtlichen Trunk zum Segen". Und wie ich das Glas empfangen wollt, verändert er das Glas, bot dafür einen Stitzen *) mit Wein, sprechend: „Das Bier ist für euch ungeheimbsch und ungewohnt. Trinket den Wein!"

*) [unleserlich] Krug.

Fünftes Kapitel.

Wie Martin Luther endlich zu Wittenberg von uns erkennet worden.

Mit dem stund er auf, warf den Wappenrock auf sein Axel und nam Urlaub, bot uns seine Hand und sprach: „Wann ihr gen Wittenberg kommt, grüsset mir den Doctor Hieronymus Schürpfen". Sprachen wir: „Wollen es gern und willig thun; aber, wie sollen wir euch nennen, daß er den Gruß von euch verstände?" Sprach er: „Saget ihm nit mer, dann das: der da kommen soll, lasset Euch grüßen, so versteht er die Wort bald". Also verschied er von uns in seine Ruh. Darnach kamen die Kauflüt wieder in die Stuben, hießen den Wirth ihnen noch ein Trunk auftragen, unter welchen sie viel Unterredungen hielten des Gasts halben, so bei ihnen gesessen wäre, wer er doch wäre. Doch der Wirth ließ sich merken, er hielt ihn für den Luther und sie, die Kaufleuth ließen sich bald bereden; bedauret und bekümmerten sich, daß sie so ungeschickt vor ihm geredt hetten und sprachen: sie wollten am Morgen desto früher aufstohn, ehe dann er hinweg reite und bitten, er welle es nit an sie zürnen, noch im Argen messen; dann sie sein Person nit erkandt haben; das ist geschehen und haben sie ihn am Morgen im Stall funden. Aber Martinus hat geantwortet; „Ihr habent Nächt über dem Nachtessen geredt, ihr wollendt zehn fl. dem Luther nach verzehren und ihm beichten; wann ihr dann ihm beichtet, werdend ihr wol sehen und erfahren, ob ich der Martinus Luther seye", und sich nit weiter zu erkennen geben, dann bald aufgesessen und auf Wittenberg zugeritten. An demselben Tag sind wir auf Wittenberg zogen und wie wir in ein Dorff kommen, liegt unter einem Berg, vermeinen, der Berg hieß Orlamünd und das Dorff Naßhaussen. Dardurch fließt ein Wasser, das war von Ueberschwall Regens übergangen und die Brügg zum Theil hinweggefürt, daß keiner mit einem Pferd konnt hinüberreiten, sind wir in demselben Dorff eingekehrt und haben ohngefähr die zween Kaufmänner in der Herberg funden, welche uns daselbst von des Luthers wegen auch bei ihnen gastfrey gehalten. Am Samstag darnach (wie Martinus am Freitag zuvor) als Morndeß der erst Sonntag in der Fasten, sind wir bei dem Doctor Hieronymo Schürpfen einkehrt, auch unsere Brieff zu überantworten. Wie man uns in die Stuben berüfft, sihe da finden wir Martinum gleichermaaßen wie zu Jena, bei Philippus Melanchthon, Justus Jodocus Jonas, Niclaus Amsdorf, Doctor Augustin Schürpf, erzälnd, was sich in seinem Abwesen zu Wittenberg verloffen habe. Er grüßt uns und lächlet, zeiget mit dem Finger und spricht: „Diß ist der Philipp Melanchthon, von dem ich euch gesagt hab". Da kehret sich Philippus gegen uns, fraget uns vil und mancherley der Läuffen ab, deß wir ihm so vil wir wüßten, Bescheid gaben. Also verzerten wir denselben Tag mit ihnen, unserthalb mit großen Freuden und starkem Verlangen.

Der Hottentott und Atheist.

Als einst der Probst Ziegenbalg auf seiner Reise nach Malabaren an der afrikanischen Küste landete und hier einen Hottentotten frug: „Glaubt ihr denn auch einen Gott?" da empfing er die Antwort: „Herr! wer will nicht glauben, daß ein Gott sei? Wer es nicht glaubt, der kann nur über und unter sich sehen, so wird er ja wohl befinden, daß ein Gott sei." (S. Malabar. Nachr. B. 1. S. 651.) — Sehet da, ihr Aufklärer und Fortschrittsmänner in der Christenheit, dahin seid ihr gekommen, daß selbst der stumpfste Hottentott eurer Unvernunft lacht. Wahrlich, der Hottentott wird an jenem Tage wider euch auftreten und durch seinen Glauben euren Unglauben verdammen!

Anzeige.

Die in voriger Nummer enthaltene Osterpredigt des Herrn Prof. Walther ist mit dessen Genehmigung auf Kosten der evang. luth. Gemeinde U. A. Conf. allhier in Pamphletform abgezogen und für — 5 Cents das Exemplar zu erhalten bei

F. W. Barthel.

Die deutsche evangel. lutherische Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten

hält ihre diesjährigen Sitzungen in

Milwaukie, Wisc.,

vom Mittwoch nach Trinitatis, den 18. Juni, an bis zum 28. ej. m. incl.

Am dortigen Landungsplatze wird sich immer ein Mann aus der Gemeinde des Herrn P. Lochner vorfinden, die ankommenden Synodalen an Ort und Stelle zu bringen; sollte derselbe aber gerade nicht da sein, so belieben dieselben in der Apotheke des Herrn Tesch, dem American house gegenüber vorzusprechen.

Ludwig W. Habel, Secr.

Empfangen

für den Bau des evangel. luth. Concordia-College bei St. Louis:

von der Gemeinde Eisleben, Scott Co., Mo $ 1. 75.

E Roschke, Cassirer.

Erhalten

1. zur Synodal-Missions-Casse:

von Gemeindegliedern in St. Louis . . . . $ 8. 25.
„ der Gemeinde des Herrn Pastor Eirich in Chester, Ill. . . . . . . . 3. 75.
„ Herrn Conrad Welge . . . . . 50.
„ der St. Johannis-Gem. U. Augsb. Conf. zu Minden, Washingt. Co., Ill. . . . 2. 65.
„ 8 Gliedern der Gem. des Herrn Pastor Birkmann. Monroe Co., Ill. . . . . 5. 00.
„ Herrn John Rudolph Aufder-Heyde in Pittsburg eingesammelt: . . . . . . 11. 00,
und zwar:
von Herrn J. Rud. Auf der Heide . . 50.
„ „ P. Zeumer . . . . . . 50.
„ „ John H. auf der Heyde . . . 50.
„ „ W. H. Strubbe . . . . 50.
„ „ John H. Evers . . . . . 50.
„ „ H. H. Schäfer . . . . . 50.
„ „ John H. Wilker . . . . 50.
„ „ H. W. Meyer . . . . . 50.
„ „ Wilh. Holenbeck . . . . 50.
„ „ John H. Succop . . . . 50.
„ „ „ Keyl . . . . . . 50.
„ „ „ Leierzapf . . . . 25.
„ „ Nicolaus Buchta . . . . 25.
„ „ Ungenannter . . . . . 25.
„ „ Heinr. Fritzsch . . . . 25.
„ „ A. Gerst . . . . . 25.
„ „ Adam Schmidt . . . . 25.
„ „ John Rud. Hinnau . . . . 50.
„ „ H. H. Succop . . . . . 25.
„ „ John R. Succop . . . . 25.
„ Cathar. Maria Succop . . . . 1. 00.
„ A. M. W. Schusters . . . . 50.
„ A. M. Wamhofs . . . . 50.
„ M. H. Peters . . . . . 50.
„ Cathar. Berghofs . . . . . 50.

2. Zur Unterstützung armer Studenten:

von der Gemeinde des Herrn Pastor Seidel in Neudettelsau, O. . . . . . . . . . $5. 00.

F. W. Barthel, Cassirer.

Bezahlt

den 6. Jahrg. die Herren Gerhard Iburg, Rud. Ohm.
„ 7. „ „ „ J. H. Evers, John Keil, Körber, Past. Lehmann, Lang, Wilh. Niemann, Past. Wolff, Past. Zeumer.

Gedruckt bei Moritz Niedner,

Nord-Ecke der dritten und Chestnutstraße.

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

160

affairs in particular. But this I say: As the matter looks to me, Luther must be either an angel from heaven or a devil out of hell. I have also only ten gulden left to spend for his sake, that I may confess to him; for I believe he might and could instruct my conscience well."

Meanwhile the host came beside us: "Take no care for the reckoning," he said secretly to us. "Martinus has paid for the supper for you." This rejoiced us greatly, not for the money's sake and profit, but that this man had kept us free of charge. After supper the merchants rose and went into the stable to see to the horses. Meanwhile Martinus remained alone with us in the room; then we thanked him for his reckoning and gift, and let him perceive that we took him for Ulrich of Hutten. But he said: "I am not he." Presently the host comes. Martinus says: "I have become a nobleman this night; for these Swiss take me for Ulrich of Hutten." The host said: "You are not he, but Martinus Luther." Then he laughed with such jest: "They take me for Hutten, you for Luther; I shall soon be called Martinus Marcolfus." And after such conversation he took a tall beer-glass and said according to the custom of the country: "Swiss, drink me yet another friendly draught for a blessing." And when I was about to receive the glass, he changed the glass, and offered instead a tankard *) with wine, saying: "The beer is strange and unaccustomed to you. Drink the wine!"

*) [illegible] jug.

Fifth Chapter.

How Martin Luther was at last recognized by us at Wittenberg.

With that he rose, threw his coat of arms upon his shoulder and took leave, offered us his hand and said: "When you come to Wittenberg, greet for me Doctor Hieronymus Schürpf." We said: "We will gladly and willingly do it; but how shall we name you, that he may understand the greeting from you?" He said: "Say to him no more than this: he who is to come bids you greet him, and he will soon understand the words." So he departed from us to his rest. Thereupon the merchants came again into the room, bade the host bring them another draught, during which they held much discourse about the guest who had sat by them, who he might be. But the host let it be perceived that he took him for Luther, and they, the merchants, were soon persuaded; they regretted and were troubled that they had spoken so unfittingly before him, and said: they would rise the earlier next morning, before he rode away, and beg that he would not be angry with them, nor take it in the worse part; for they had not known his person; this was done, and they found him in the morning in the stable. But Martinus answered: "You said last night at supper, you would spend ten florins after Luther and confess to him; when you then confess to him, you will well see and learn whether I am Martinus Luther," and without making himself further known, mounted at once and rode toward Wittenberg. On the same day we went toward Wittenberg, and as we came into a village, lying under a mountain, we supposed the mountain was called Orlamünd and the village Naßhaussen. Through it flows a water, which had overflowed with a flood of rain and carried away the bridge in part, so that no one could ride over with a horse; we put up in the same village, and found by chance the two merchants in the inn, who there also kept us free of charge, for Luther's sake. On the Saturday following (as Martinus on the Friday before), the next day being the first Sunday in Lent, we came to Doctor Hieronymus Schürpf, also to deliver our letters. As we were called into the room, behold, we find Martinus, just as at Jena, with Philip Melanchthon, Justus Jodocus Jonas, Nicholas Amsdorf, Doctor Augustine Schürpf, telling what had happened at Wittenberg in his absence. He greets us and smiles, points with his finger and says: "This is Philip Melanchthon, of whom I told you." Then Philip turned to us, asked us much and many things about the course of events, whereof we gave him information as much as we knew. So we spent the same day with them, on our part with great joy and strong desire.

The Hottentot and the Atheist.

When once Provost Ziegenbalg, on his voyage to Malabar, landed on the African coast and there asked a Hottentot: "Do you then also believe in a God?" he received the answer: "Sir! who would not believe that there is a God? Whoever does not believe it, he need only look above and beneath himself, and he will surely find that there is a God." (See Malabar. Nachr. Vol. 1, p. 651.) — Behold, you enlighteners and men of progress in Christendom, to this you have come, that even the dullest Hottentot laughs at your unreason. Verily, the Hottentot will on that day rise up against you, and by his faith condemn your unbelief!

Notice.

The Easter sermon of the Rev. Prof. Walther, contained in the previous number, has, with his consent, been printed in pamphlet form at the expense of the Evang. Luth. congregation U. A. Conf. here, and may be had for — 5 cents the copy of

F. W. Barthel.

The German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States

holds its sessions this year at

Milwaukie, Wisc.,

from the Wednesday after Trinity, the 18th of June, until the 28th of the same month inclusive.

At the landing-place there a man from the congregation of Rev. P. Lochner will always be found, to conduct the arriving synodical members to their place; should he, however, happen not to be there, they are requested to call at the apothecary shop of Mr. Tesch, opposite the American house.

Ludwig W. Habel, Secr.

Received

for the building of the Evang. Luth. Concordia College near St. Louis:

from the congregation at Eisleben, Scott Co., Mo $ 1. 75.

E Roschke, Cassirer.

Received

1. for the Synodical Mission Fund:

from members of the congregation in St. Louis . . . . $ 8. 25.
" the congregation of Pastor Eirich in Chester, Ill. . . . . . . . 3. 75.
" Mr. Conrad Welge . . . . . 50.
" the St. John's congregation U. A. Conf. at Minden, Washingt. Co., Ill. . . . 2. 65.
" 8 members of the congregation of Pastor Birkmann. Monroe Co., Ill. . . . . 5. 00.
" Mr. John Rudolph Aufder-Heyde in Pittsburg, collected: . . . . . . 11. 00,
namely:
from Mr. J. Rud. Auf der Heide . . 50.
" " P. Zeumer . . . . . . 50.
" " John H. auf der Heyde . . . 50.
" " W. H. Strubbe . . . . 50.
" " John H. Evers . . . . . 50.
" " H. H. Schäfer . . . . . 50.
" " John H. Wilker . . . . 50.
" " H. W. Meyer . . . . . 50.
" " Wilh. Holenbeck . . . . 50.
" " John H. Succop . . . . 50.
" " " Keyl . . . . . . 50.
" " " Leierzapf . . . . 25.
" " Nicolaus Buchta . . . . 25.
" " Unnamed . . . . . 25.
" " Heinr. Fritzsch . . . . 25.
" " A. Gerst . . . . . 25.
" " Adam Schmidt . . . . 25.
" " John Rud. Hinnau . . . . 50.
" " H. H. Succop . . . . . 25.
" " John R. Succop . . . . 25.
" Cathar. Maria Succop . . . . 1. 00.
" A. M. W. Schusters . . . . 50.
" A. M. Wamhofs . . . . 50.
" M. H. Peters . . . . . 50.
" Cathar. Berghofs . . . . . 50.

2. For the support of poor students:

from the congregation of Pastor Seidel in Neudettelsau, O. . . . . . . . . . $5. 00.

F. W. Barthel, Cassirer.

Paid

for the 6th year, Messrs. Gerhard Iburg, Rud. Ohm.
" 7th " " " J. H. Evers, John Keil, Körber, Past. Lehmann, Lang, Wilh. Niemann, Past. Wolff, Past. Zeumer.

Printed by Moritz Niedner,

North-East corner of Third and Chestnut Street.