Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 22 › Seite 173
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-24, Seite 173
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bracht hatten, so ließen ihre geistlichen Väter sie in dem traurigsten und quälendsten Zweifel stecken, und verwiesen sie auf den Trost des Fegfeuers. Von diesem großen Jammer und Unfug schreibt Chemnitz in demselben Buch, im Artikel vom Ablaß: Die Papisten geben vor, daß Gott einem armen bußfertigen Sünder durch die Predigt des heil. Evangelii um des Leidens und Verdienstes Christi willen allein die Schuld vergebe; die ewige Strafe aber, die er mit seinen Sünden verdienet, werde durch Kraft der Schlüssel nicht gar vergeben, sondern in eine zeitliche Strafe verwandelt; und weil diese nach der Richtschnur göttlicher Gerechtigkeit größer sey, als daß sie ein Mensch ausstehen könne, so stehe der Beichtvater als ein geistlicher Richter in der Beichte, und lege eine solche Strafe der Sünden oder Buße auf, die eine Proportion mit unserer Schwachheit habe, und dem Sünder zu leisten möglich sey, damit durch solche Bußen der göttlichen Gerechtigkeit genug gethan werde. Wenn nun aber solche Bußen in diesem Leben nicht geleistet werden, so müssen solche nach ihrem Fürgeben im Fegfeuer bezahlt werden. Ja, ob auch diese Kirchenbußen in diesem Leben völlig geleistet würden, so erfordere dennoch die göttliche Gerechtigkeit größere Strafen der Sünden, die man im Fegfeuer leiden müsse. Solche Strafen nun werden, ihrem Vorgeben nach, durch den Ablaß entweder ganz oder zum Theil also erlassen, wenn man denselben auf gewisse und vorgeschriebene Weise erkaufe ꝛc. — Wer diese Dinge recht ansiehet, der muß erkennen, daß sie mit den Hauptartikeln christlichen Glaubens streiten. Sie laufen wider das Verdienst Christi, der nicht nur für die Schuld, sondern auch für die Strafe gelitten, sie auf sich genommen, für uns ein Fluch worden; (Esai. 53., Gal. 3.) und also alle Strafen, zeitliche und ewige, mit seinem Leiden und Tod gebüßet, die Missethat versöhnet, und die ewige Gerechtigkeit gebracht, Dan. 9. Sie streiten mit dem Artikel von gnädiger Vergebung der Sünden, Kraft dessen Gott den Gläubigen um Christi Verdienst und Genugthuung willen ihre Sünden aus lauter Gnade völlig vergibt, Schuld und Strafe erlässet, alle ihre Sünde in die Tiefe des Meeres wirft, Mich. 7. Daß derselben nicht soll gedacht werden, Ezech. 18., sie so weit von ihm seien, als fern der Morgen ist vom Abend, Ps. 103., daß die Gläubigen nicht ins Gericht kommen, Jos. 5., weil auf ihm die Strafe liegt; daß, die gerecht werden durch den Glauben an sein Blut, Friede haben, Jes. 53., Röm. 5.
Sie verkehren die Gewalt der Schlüssel; weil dadurch am Tage ist, daß, was der Priester löset, der Papst bindet, und Strafe hier oder im Fegfeuer zu leiden ankündet; und derselben Ablaß nicht aus Gnaden, durch den Glauben, bei Christo, sondern ums Geld, bei dem Papst suchen lehret. Sie sind entgegen der Lehre vom Glauben, welchen die Schrift als das einzige Mittel, die Vergebung der Sünden, durch Christi Leiden und Tod erworben, zu ergreifen und zu erlangen, beschreibet, und alle Werke, auch die, so aus dem Glauben gehen, wie Abraham's Werke waren, ausschließt, daß wir dadurch nicht gerecht werden und Vergebung der Sünden erlangen. (Siehe Ephes. 2, 8. 9., Röm. 3, 24. 25. 26. 28. — 4, 5. — 11, 6. Diese aber lehren, ein Mensch erlange durch vermeintlich gute Werke, als Wallfahrten, Geldsteuern, Ablaß. Sie sind zuwider der göttlichen Lehre von guten Werken, nach welcher alle Heiligen erkennen, sie seien unnütze Knechte, Luc. 17. allzumal, wie die Unreinen, und alle ihre Gerechtigkeit, wie ein unfläthig Kleid, Jes. 64., rufen täglich, er soll ihnen ihre Sünde vergeben, Matth. 6., so du wilt Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Ps. 130., bekennen freudig, daß dieser Zeit Leiden nicht werth sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden, Röm. 8. Wie sollten sie denn mit ihren Werken etwas verdienen wollen?" — Der Leser wolle sich dieses Angeführte nicht verdrießen lassen, weil er daraus sieht, welch eine hohe Wohlthat uns Gott durch die Reformation erwiesen, da die Hauptlehre vom Verdienst Christi, der gnadenreichen Vergebung unserer Sünden, Rechtfertigung, Gewalt der Schlüssel, Glauben und guten Werken nach göttlichem Wort rein gelehret und von den Schlacken papistischer Unsauberkeit gereinigt worden sind. Daß Chemnitz der Papisten Meinung hierinnen wohl gefaßt, kann selbst aus des Jesuiten Maimbourg, der die papistische Lehre überall so sehr als möglich zu schmücken sucht, Schrift, betitelt: Vortrag vom Ablaß, — erwiesen werden. Hinreichende Citate daraus finden sich in Seckendorf's Reformationshistorie. Ja selbst der gelehrte Bischof zu Meaur, Bossuet, bekennt in seiner histoire des variations des Eglises Protestantes, P. I. Lib. V. §. I., nach Anführung Seckendorf's,: — „Die meisten Prediger jener Zeiten (hätte wohl sagen dürfen: alle, fügt Seckendorf hinzu) haben nichts als von Ablaß, Wallfahrten, Almosen für die Mönche gepredigt, und also statt der Grundlehren Nebendinge vorgebracht, und nicht, soviel die Nothdurft erfordert, von der Gnade unsers Herrn Jesu Christi gelehret." Wie Wenige aber, fügt Seckendorf hinzu, auch heut zu Tage, in den meisten papistischen Königreichen und Provinzen (und Kirchen) etwas Besseres lehren, wird Bossuet selbst nicht unbekannt sein; wiewohl wir hoffen, daß noch Viele mitten unter den Schlacken das Gold des wahren, lebendigen Glaubens an Christum erhalten. Aber der größte Theil des gemeinen Volkes, steckt leider! in tiefster Unwissenheit, und ist von der Gottseligkeit, welche Christus und die Apostel gelehret, und von dem Gottesdienst, den man im Geist und in der Wahrheit leisten soll, weit entfernt! Aber auch wir dürfen nicht denken, sagt Chemnitz in seinen locis, die wir uns des seligmachenden Lichtes des Evangelium's erfreuen, daß wir keine Finsterniß zu fürchten haben. Denn wir tragen diesen Schatz nicht in eisernen oder ehernen, sondern in irdenen Gefäßen, 2 Cor. 4., und auf unserm Wege, darauf wir wandeln, sind allenthalben Stürme des Anstoßens, darüber wir, bei unserer großen Schwachheit, leicht fallen und Schaden nehmen können. Ich entsetze mich oft darüber, daß Luther aus einer gewissen merkwürdigen Ahnung, oft bei der Erklärung des Galaterbriefs und des ersten Buchs Mosis jene Worte wiederholt ausgesprochen hat: „Diese Lehre wird nach unserm Tode wieder verdunkelt werden. Es sind aber vornehmlich zwey Ursachen, deren Betrachtung uns besonders auch zu dieser unserer Zeit alle Schläfrigkeit und Sorglosigkeit vertreiben sollte, daß wir mit mehr Fleiß und Wachsamkeit diesen Artikel lehreten und lerneten und gegen alle Verfälschungen verwahreten und vertheidigten: Erstlich, die listige Schlange, der Teufel, weiß wohl, von welchem Orte, von welcher Vorburg her jene Geschosse kommen, und wo sie bereitet werden, wodurch sein Reich geschwächt, ja völlig gestürzt wird. Es ist darum kein Zweifel, weil er merkt und fühlt, daß der Tag des Gerichtes, nicht mehr ferne sey, daß er mit desto größerer Wuth und desto gefährlicherem Trug der Lehre dieses Artikels nachstelle. Zweitens: der Sohn Gottes hat vorhergesagt, daß die letzten Zeiten die gefährlichsten sein werden, Matth. 24, und daß in Irrthum verführet würden, so es möglich wäre, auch die Auserwählten, Luc. 18. Er wird ihnen kräftige Irrthümer senden 2 Th. 2. Meinest du auch, daß des Menschen Sohn, wenn er kommen wird, Glauben finden werde? Nun besteht aber die Lehre des Glaubens vorzüglich im Artikel von der Rechtfertigung. Und merkwürdig ist es, daß Gott vor etlichen Jahren (sagt Chemnitz zu seiner Zeit) verschiedene und mannigfaltige Pläne, Hinterlist und Nachstellungen des Teufels ans Licht gebracht, entdeckt und auf eine wunderbare Weise zunichte gemacht hat, wodurch er die Grundfesten dieses Artikels unter dem Schein und Vorwand einer Mäßigung und Milderung zu untergraben gesucht hat, wie z. B. in mehreren Einigungsformeln, die von den Papisten vorgeschlagen wurden, im Regensburger Buch, im Augsburgischen Interim, im Osiandrischen Streite, und in jenem Satz von der Nothwendigkeit der Werke zur Seligkeit. Und diese Hinterlist und Nachstellungen hat Gott nach seiner großen Barmherzigkeit ans Licht gezogen, daß wir ins Künftige sorgfältiger und vorsichtiger sein sollten. Dieser einige Artikel vornehmlich unterscheidet die wahre, rechtgläubige Kirche von allem Heidenthum, falschem Christenthum, Aberglauben und Schwärmerey, wie Augustinus sagt: „Die Kirche unterscheidet die Gerechten von den Ungerechten nicht durch das Gesetz der Werke, sondern durch das Gesetz des Glaubens. Ja, dieser Artikel ist gleichsam die Burg und Hauptfestung der ganzen christlichen Lehre und Religion: wird dieser verdunkelt oder gefälscht und untergraben, so ist es unmöglich, die Reinheit der Lehre in anderen Artikeln zu erhalten; bleibt aber dieser Artikel rein und gesund, so fällt von selbst alle Abgötterey, falscher Gottesdienst, Aberglauben und was es von Verderbnissen und Fälschungen gibt in fast allen andern Artikeln; ähnlich, wie es geschah mit der Bundeslade; da dieses Heiligthum Gottes im Tempel der Philister neben den Götzen
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accomplished, their spiritual fathers left them in the saddest and most tormenting doubt, and referred them to the comfort of purgatory. Of this great misery and mischief Chemnitz writes in the same book, in the article on indulgence: The papists pretend that God, through the preaching of the holy Gospel, forgives a poor penitent sinner, for the sake of the sufferings and merit of Christ, the guilt alone; but the eternal punishment which he has deserved by his sins is not entirely forgiven through the power of the keys, but is changed into a temporal punishment; and since this, according to the standard of divine righteousness, is greater than that a man could endure it, the father confessor therefore stands in the confession as a spiritual judge, and lays upon him such a punishment of sins or penance as has a proportion to our weakness, and is possible for the sinner to perform, in order that by such penances divine justice may be satisfied. But if such penances are not performed in this life, they must, according to their pretense, be paid for in purgatory. Yea, even if these church penances were fully performed in this life, divine justice would nevertheless require greater punishments of sins, which one must suffer in purgatory. Such punishments, then, are, according to their pretense, remitted by indulgence either wholly or in part, if one buys it in a certain and prescribed manner, etc. — Whoever looks aright upon these things must recognize that they contend with the chief articles of the Christian faith. They run counter to the merit of Christ, who suffered not only for the guilt, but also for the punishment, took it upon himself, became a curse for us; (Isa. 53., Gal. 3.) and thus atoned for all punishments, temporal and eternal, with his suffering and death, reconciled the iniquity, and brought in everlasting righteousness, Dan. 9. They contend with the article of the gracious forgiveness of sins, by virtue of which God, for the sake of Christ's merit and satisfaction, forgives believers their sins fully out of pure grace, remits guilt and punishment, casts all their sins into the depths of the sea, Mic. 7. That they shall not be remembered, Ezek. 18., that they are as far from him as the east is from the west, Ps. 103., that believers shall not come into judgment, John 5., because the punishment lies upon him; that those who are justified through faith in his blood have peace, Isa. 53., Rom. 5.
They pervert the power of the keys; because it is thereby plain that what the priest looses the pope binds, and announces punishment to be suffered here or in purgatory; and teaches that indulgence from it is to be sought not by grace, through faith, from Christ, but for money, from the pope. They are contrary to the doctrine of faith, which the Scriptures describe as the only means of grasping and obtaining the forgiveness of sins won by the sufferings and death of Christ, and exclude all works, even those that proceed from faith, such as Abraham's works were, so that we are not thereby justified and obtain forgiveness of sins. (See Eph. 2, 8. 9., Rom. 3, 24. 25. 26. 28. — 4, 5. — 11, 6. These, however, teach that a man obtains it by supposedly good works, such as pilgrimages, money-payments, indulgence. They are contrary to the divine doctrine of good works, according to which all saints acknowledge that they are unprofitable servants, Luke 17., all together, like the unclean, and all their righteousness like a filthy garment, Isa. 64., daily cry that he should forgive them their sins, Matt. 6., if thou, Lord, wilt mark iniquities, who shall stand? Ps. 130., confess joyfully that the sufferings of this present time are not worthy to be compared with the glory which shall be revealed in us, Rom. 8. How then should they think to merit anything by their works?" — Let the reader not be vexed by what has been quoted, for he sees from it what a great benefit God has shown us through the Reformation, since the chief doctrine of the merit of Christ, of the gracious forgiveness of our sins, justification, the power of the keys, faith and good works has been taught purely according to the divine Word and cleansed from the dross of papistical uncleanness. That Chemnitz has rightly grasped the opinion of the papists in this matter can be proved even from the writing of the Jesuit Maimbourg, who everywhere seeks to embellish the papistical doctrine as much as possible, entitled: Vortrag vom Ablaß. Sufficient citations from it are to be found in Seckendorf's Reformationshistorie. Yea, even the learned bishop of Meaux, Bossuet, confesses in his histoire des variations des Eglises Protestantes, P. I. Lib. V. §. I., after the quotation of Seckendorf,: — "The most of the preachers of those times (he might well have said: all, adds Seckendorf) have preached nothing but of indulgence, pilgrimages, alms for the monks, and thus have brought forward side-issues instead of the fundamental doctrines, and have not taught, as much as necessity requires, of the grace of our Lord Jesus Christ." How few, however, adds Seckendorf, even today in most papistical kingdoms and provinces (and churches) teach anything better, will not be unknown to Bossuet himself; although we hope that many still preserve, in the midst of the dross, the gold of true, living faith in Christ. But the greatest part of the common people, alas! is sunk in the deepest ignorance, and is far removed from the godliness which Christ and the apostles taught, and from the divine service which one ought to render in spirit and in truth! But we also must not think, says Chemnitz in his loci, we who rejoice in the saving light of the Gospel, that we have no darkness to fear. For we bear this treasure not in iron or brazen, but in earthen vessels, 2 Cor. 4., and on our way, on which we walk, there are on every side storms of stumbling, over which we, in our great weakness, may easily fall and take harm. I am often horrified that Luther, from a certain remarkable presentiment, often in the exposition of the Epistle to the Galatians and of the first book of Moses, repeatedly uttered those words: "This doctrine will be obscured again after our death. But there are chiefly two causes, the consideration of which should drive from us, especially in this our time also, all drowsiness and carelessness, so that we should with more diligence and watchfulness teach and learn this article and guard and defend it against all falsifications: First, the cunning serpent, the devil, knows well from what place, from what outwork those missiles come, and where they are prepared, whereby his kingdom is weakened, yea, wholly overthrown. There is therefore no doubt, because he perceives and feels that the day of judgment, is not far off, that he assails the doctrine of this article with so much the greater fury and so much the more dangerous deceit. Secondly: the Son of God has foretold that the last times shall be the most dangerous, Matt. 24, and that they would be led into error, if it were possible, even the elect, Luke 18. He will send them strong delusions, 2 Thess. 2. Thinkest thou also that the Son of man, when he cometh, shall find faith? Now the doctrine of faith consists chiefly in the article of justification. And it is remarkable that God, some years ago (says Chemnitz of his own time), brought to light, discovered, and in a wonderful manner brought to naught various and manifold plans, craft and snares of the devil, whereby he sought to undermine the foundations of this article under the semblance and pretext of moderation and mitigation, as for example in several formulas of union which were proposed by the papists, in the Regensburg Book, in the Augsburg Interim, in the Osiandrian controversy, and in that proposition of the necessity of works to salvation. And these crafts and snares God in his great mercy has drawn to the light, that we should be more careful and more circumspect in the future. This one article chiefly distinguishes the true, orthodox church from all heathenism, false Christianity, superstition and fanaticism, as Augustine says: "The church distinguishes the righteous from the unrighteous not by the law of works, but by the law of faith. Yea, this article is, as it were, the castle and chief fortress of the whole Christian doctrine and religion: if this is obscured or falsified and undermined, it is impossible to preserve the purity of doctrine in other articles; but if this article remains pure and sound, then all idolatry, false worship, superstition, and whatever there is of corruptions and falsifications in almost all other articles, falls of itself; similarly as happened with the ark of the covenant; when this sanctuary of God in the temple of the Philistines beside the idols