Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 25 › Seite 194
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-08-05, Seite 194
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
194
da er nun einmal von Straßenbuben verfolgt zu sein vorgiebt, er keinen innern Gehalt und Würde hat, und daß — statt etwa die angeblichen Buben freundlich oder ernst zu vermahnen, oder wenn es ihm dazu an sittlicher Größe fehlt, sich doch wenigstens nicht mit ihnen einzulassen — er in Wuth geräth, schimpft, ihnen nachsetzt, nach Dreck und Steinen greift, hie und dorthin rennt, und da er doch keinen trifft, indem dieselben immer „Reißaus nehmen“, immer wüthender wird. Wer Lust hat, darf nur Hrn. S's Blatt zur Hand nehmen, um in der Schreibweise jenes Artikels das eben Gesagte und von Herrn S. selber mittels Vergleichs deutlich Angezeigte thatsächlich ausgemahlt und verwirklicht zu finden.
Wir lassen also dies, und gehen in den folgenden Zeilen Herrn S's. Artikel in der Absicht durch, an demselben wiederum dem geneigten Leser darzuthun, wie Herr S. fort und fort in seinen gegen die christliche Religion unmittelbar oder mittelbar gerichteten Artikeln Dummheit, Unwissenheit und Unredlichkeit zur Schau trägt. Schreiber dieses wünscht sich aber zuvor zu verwahren. Worte, wie die obstehenden, mögen harte Worte geschienen haben, und noch scheinen. Sie sind aber nach Überzeugung nur dann gebraucht, wenn dem gesunden Menschenverstand, den also auch Christen, Juden, Türken und Heiden mit einander gemein haben, zuwider geredet ist, oder wo grober Mangel an Kenntnissen auf einem Gebiete sich zeigt, auf welchem Jemand sogar zu einem Lehrer sich aufwirft, oder wo selbst Gegner, wenn sie nur ehrlich sein wollen, zugeben müssen, hier sei eine Unredlichkeit vorgegangen. Ferner, wenn wir es als unsere Absicht aussprechen, im Folgenden Herrn S. noch einmal in seiner Blöße darzustellen, so muß der liebe Leser nicht denken, daß wir etwa einen Gefallen an der Gleichen hätten, oder daß Schreiber dieses, während er diese Zeilen zu Papier bringt, der Furcht Gottes vergessen wollte. Nein, Schreiber dieses ist sich auch jetzt bewußt, daß auch für Herrn Schmidt der liebe Heiland am Kreuz gestorben ist, obwohl Herr Schmidt Dessen Blut mit Füßen tritt; Schreiber dieses ist sich auch bewußt, daß er von einem jeglichen unnützen Wort wird Rechenschaft geben müssen, und hat deshalb Gott den Herrn gebeten, Er wolle seine Lippen und Feder bewahren. Aber eben dabei fühlt sich auch Schreiber dieses gedrungen, gegen solchen Greuel, wie er in Herrn S's. Blättern sich findet, und wodurch die Welt in ihrer Gottlosigkeit bestärkt, Schwankende zu Falle gebracht, und Schwache beunruhigt und betrübt werden, nach Vermögen Zeugniß abzulegen, was nach seinem Bedünken, nicht bündiger und kürzer geschehen kann, als wenn an den Tag gelegt wird, wie Herrn S's. Angriffe auf die christliche Religion überhaupt und die Bibel insbesondere, sie geschehen nun mittelbar oder unmittelbar, nichts sind, als ein Gewebe von Unwissenheit, Dummheit und Unehrlichkeit, und besonders, wenn dies eben in einem Artikel nachgewiesen wird, der dazu dienen soll, sich wegen der, Herrn S. vorgeworfenen, eben genannten, übeln Qualitäten zu rechtfertigen.
Wir wollen nun Herrn S's. Artikel der Reihe nach durchgehen.
Herr S. sagt in dem einleitenden Theile desselben, daß wir ihn in dem Artikel in Nummer 18 des Lutheraners „kraft kirchenväterlicher Autorität anzugreifen versucht hätten“. In jenem Artikel, dessen Länge Herr S. selber als sieben Spalten angiebt, nehmen geschichtliche Zeugnisse, die aus den Kirchenvätern angeführt sind, um Unwissenheit in Herrn S's., dem Thomas Paine entlehnten, Motto nachzuweisen, nicht eine Spalte ein. Sonst, und unmittelbar gegen Herrn S. ist nur auf Grund anderen als aus den Kirchenvätern geschöpften Wissens und kraft der Autorität des gesunden Menschenverstandes verfahren. Das wünscht freilich Herr S. seine Leser nicht wissen zu lassen; daher nimmt er seine Zuflucht zu einer Entstellung, und sagt, wir hätten ihn „kraft kirchenväterlicher Autorität angegriffen“.
In dem ersten Theil seines Artikels gebehrdet sich Herr S. sehr übel über unsern Artikel „Rückerwiederung“ überschrieben, in Nro 21 des Lutheraners. Wir hatten in demselben gesagt: Wir stellen es dem Urtheil eines jeden, dem daran liegt, der Sache auf den Grund zu sehen, er sei nun ein sogenannter Bibelgläubiger oder nicht, nur daß er Verstand genug habe, den Artikel im Lutheraner und Herrn S's. Erwiederung darauf zu fassen, und Ehrlichkeit genug, wahr sein zu lassen, was wahr ist — wir stellen es dem Urtheil eines jeden Solchen anheim, zu entscheiden, ob Herr S. in seiner Erwiederung nicht so zu Werke gegangen ist, daß er einige Punkte in dem Artikel des Lutheraners übergangen, andere (wir lassen es dahin gestellt sein, ob absichtlich, oder unabsichtlich) mißverstanden, und die übrigen entstellt und verdreht hat, und nachdem er sich so Boden verschafft, seine Witzeleien angebracht hat. Herr S. hat gewiß darauf gerechnet, daß seine Leser den Lutheraner nicht zu Gesicht bekämen, sonst würde er sich schwerlich gegen dieselben eine so große Blöße gegeben haben. So weit wir.
Herr S. sagt in Beziehung auf denselben Artikel, wir hätten drei Beschuldigungen gegen ihn erhoben, und „auch nicht eine Sylbe gesagt, um dieselben zu erweisen, sondern nichts, aber auch gar nichts als die pure Beschuldigung hingestellt.“
Dies ist nach Obigem offenbar eine Entstellung, denn wo bleibt Herr S. mit unsern Worten: Wir stellen es dem Urtheil eines jeden anheim, zu entscheiden, ꝛc.? Der Sinn derselben war — und wir meinen es bedarf nur eines mittelmäßigen Verstandes, um denselben zu fassen: — Herr S. verdient die ausgesprochenen Beschuldigungen, und dies ist so klar, daß es keines weitern Beweises unserer Seits bedarf, sondern daß ein jeder (unter den obigen Bestimmungen), gleichviel ob Freund oder Feind, nur Herrn S's. Artikel und unsern Artikel zu vergleichen braucht, um sich davon zu überzeugen, daß die gegen Herrn S. erhobenen Beschuldigungen völlig begründet sind. Heißt das „auch nicht eine Sylbe“ zum Erweise einer Sache sagen, wenn man erklärt, eine Sache sei so offenbar, daß sie Jedermann ohne weitere Anleitung selber einsehen werde, und daß selbst Gegner sie zugeben müßten? Herr S. hat sich also wieder eine Entstellung zu Schulden kommen lassen. Dazu greift er aber, weil er keine gute Sache hat. Denn wollte er nicht entstellen, so hätte er seinen Lesern sagen müssen, daß der Lutheraner es dem Urtheil eines Jeden anheim stelle, zu entscheiden ꝛc. Deßhalb fordere er, Herr S., diejenigen, denen daran liege, sich von der Wahrheit oder Unwahrheit jener Beschuldigungen zu überzeugen, auf, den Artikel im Lutheraner und den seinigen mit einander zu vergleichen, und zu urtheilen. Hätte er aber so gehandelt, so wäre er übel gefahren, so gewiß als wir glauben, daß noch nicht aller Verstand und alle Ehrlichkeit aus der Welt gewichen sind. Darum nimmt Herr S. seine Zuflucht zu der Entstellung, „wir hätten auch nicht eine Sylbe gesagt um unsere Beschuldigungen zu erweisen“, macht aber so seine Sache nur immer ärger, indem er jetzt, eben um sich von dem Vorwurf, namentlich der Entstellung, zu reinigen, zu einer neuen Entstellung greift. Wenn deßhalb Herr S. bei Strafe, daß er noch einmal auf uns zu sprechen kommen will ꝛc. „Beweise“ und zwar „bündig und klar, ohne alle Seitensprünge und Querzüge“ oder „Widerruf“ jener Beschuldigungen fordert; so können wir dem gestrengen Herrn nur mit der gehorsamsten Bitte erwiedern, sich erst ehrlich zu bezeigen, und die zweite Entstellung, durch die er die erste bemänteln wollte, zurückzunehmen, und seine Leser auf den von uns angezeigten Beweis aufmerksam zu machen. Das muß erst geschehen. Sollte es sich dann ergeben, daß der Grund der gegen Herrn S. gemachten Beschuldigungen nicht so einleuchtend schiene, wie er uns ist, so würden wir gern zu der geringen Mühwaltung erbötig sein, denselben aufs klarste und bündigste und „ohne alle Seitensprünge“ ins Licht zu setzen. Nur möchten wir freilich auch erst wissen, was Herr S., falls Solches unserer seits wirklich geschähe, zu thun gedächte? Denn er sagt wol, was er thun will, wo wir nicht Beweis oder Widerruf leisten, aber nicht, was er thun will, wenn wir Beweis liefern. Und bisher ist Herrn S's. Lesern, so viel an ihm liegt, von Aufdeckung seiner Blößen unserer Seits nichts, oder nur Witzeleien zu Gute gekommen.
Nachdem Herr S. so im ersten Bestand-Theil seines Artikels einen neuen Beweis seiner Unehrlichkeit gegeben, so tritt uns gleich ein neuer in dem zweiten entgegen. Dieser zweite Theil soll eine Entgegnung auf unsern längern Artikel in Nro. 21 des Lutheraners sein.
Ein Anlaß zu unserm Artikel war die in Nro. 2 der „Freien Blätter“ aufgestellte Behauptung „Unser Thomas-Evangelium wird in den Schriften der alten Kirchenväter so früh erwähnt, wie irgend eins der im neuen Testament enthaltenen, daß also mit Hülfe der Kirchenväter die Behaup-
English translation AI translation
194
since he, being once for all pursued by street boys, as he pretends, has no inner substance and dignity, and that — instead of, say, admonishing the supposed boys kindly or seriously, or, if he lacks the moral greatness for that, at least not engaging with them — he falls into a rage, scolds, runs after them, grabs for mud and stones, runs hither and thither, and since he hits none of them, they always "taking to their heels," grows ever more furious. Whoever has a mind to may only take Mr. S's paper in hand, in order to find, in the manner of writing of that article, what has just been said, and what Mr. S. himself has plainly indicated by means of a comparison, actually painted out and realized.
We therefore let this be, and in the following lines go through Mr. S's article with the intention of demonstrating once more to the kind reader, from that very article, how Mr. S. continually parades stupidity, ignorance and dishonesty in his articles directed directly or indirectly against the Christian religion. The writer of this, however, wishes first to guard himself. Words such as the foregoing may have seemed harsh, and still seem so. But they are, according to conviction, used only when something is said contrary to sound common sense, which Christians, Jews, Turks and heathen accordingly have in common with one another, or where a gross lack of knowledge shows itself in a field in which someone even sets himself up as a teacher, or where even opponents, if they only wish to be honest, must concede that a dishonesty has occurred here. Furthermore, when we declare it our intention in what follows to expose Mr. S. once more in his nakedness, the dear reader must not think that we take some pleasure in the like, or that the writer of this, while he is putting these lines to paper, would forget the fear of God. No, the writer of this is conscious even now that the dear Savior died on the cross also for Mr. Schmidt, although Mr. Schmidt tramples His blood under foot; the writer of this is also conscious that he shall have to give account for every idle word, and has therefore besought God the Lord that He would keep his lips and pen. But precisely thereby the writer of this feels himself constrained to bear witness, to the best of his ability, against such an abomination as is found in Mr. S's papers, and whereby the world is confirmed in its godlessness, the wavering are brought to a fall, and the weak are disquieted and grieved, which, in his opinion, cannot be done more concisely and briefly than by bringing to light how Mr. S's attacks upon the Christian religion in general and the Bible in particular, whether they be made indirectly or directly, are nothing but a web of ignorance, stupidity and dishonesty, and especially when this is demonstrated in an article that is meant to serve to justify himself against the evil qualities just named, with which Mr. S. is charged.
We will now go through Mr. S's article in order.
Mr. S. says in the introductory part of it that in the article in number 18 of the Lutheraner we had "attempted to attack him by virtue of the authority of the church fathers." In that article, whose length Mr. S. himself gives as seven columns, the historical testimonies cited from the church fathers, to prove ignorance in Mr. S's motto, borrowed from Thomas Paine, take up not one column. Otherwise, and directly against Mr. S., we proceeded only on the basis of knowledge drawn from sources other than the church fathers, and by virtue of the authority of sound common sense. That, to be sure, Mr. S. does not wish to let his readers know; therefore he takes refuge in a distortion, and says we had attacked him "by virtue of the authority of the church fathers."
In the first part of his article Mr. S. behaves very badly over our article entitled "Rückerwiederung," in No. 21 of the Lutheraner. We had said therein: We leave it to the judgment of everyone who cares to get to the bottom of the matter, whether he be a so-called believer in the Bible or not, only that he have understanding enough to grasp the article in the Lutheraner and Mr. S's reply to it, and honesty enough to let that be true which is true — we leave it to the judgment of every such person to decide whether Mr. S., in his reply, has not proceeded in such a way that he has passed over some points in the article of the Lutheraner, misunderstood others (we leave it undecided whether intentionally or unintentionally), and distorted and twisted the rest, and, having thus gained ground for himself, has brought in his witticisms. Mr. S. has certainly reckoned upon it that his readers would not get to see the Lutheraner, otherwise he would hardly have exposed himself so greatly to them. So far we.
Mr. S. says with reference to the same article that we had raised three accusations against him, and "not said so much as a syllable to prove them, but set forth nothing, nothing at all but the bare accusation."
According to the foregoing, this is plainly a distortion, for what becomes of Mr. S. with our words: We leave it to the judgment of everyone to decide, etc.? The sense of them was — and we think it requires only a moderate understanding to grasp it: — Mr. S. deserves the accusations pronounced, and this is so clear that it requires no further proof on our part, but that everyone (under the above stipulations), whether friend or foe, needs only to compare Mr. S's article and our article in order to convince himself that the accusations raised against Mr. S. are fully well founded. Is that saying "not so much as a syllable" toward the proof of a matter, when one declares that a matter is so evident that everyone will see it for himself without further guidance, and that even opponents would have to concede it? Mr. S. has therefore again been guilty of a distortion. He resorts to this, however, because he has no good cause. For had he not wished to distort, he would have had to tell his readers that the Lutheraner leaves it to the judgment of everyone to decide, etc. Therefore let him, Mr. S., call upon those who care to convince themselves of the truth or untruth of those accusations to compare the article in the Lutheraner and his own with one another, and to judge. But had he acted so, he would have fared ill, as surely as we believe that not all understanding and all honesty have yet departed from the world. Therefore Mr. S. takes refuge in the distortion, "we had not said so much as a syllable to prove our accusations," but thus only makes his cause ever worse, in that he now, precisely in order to clear himself of the reproach, namely of distortion, resorts to a new distortion. When, therefore, Mr. S., on pain of his coming to speak of us once more, etc., demands "proof," and indeed "concise and clear, without any digressions and cross-cuttings," or "retraction" of those accusations; we can only reply to the stern gentleman with the most obedient request that he first show himself honest, and take back the second distortion, by which he sought to cloak the first, and call his readers' attention to the proof indicated by us. That must happen first. Should it then turn out that the ground of the accusations made against Mr. S. appeared not so evident as it is to us, we would gladly be ready to undertake the slight trouble of setting it in the light in the clearest and most concise manner and "without any digressions." Only we should like first to know what Mr. S. intends to do, if such were really to happen on our part? For he says well enough what he will do where we render neither proof nor retraction, but not what he will do if we furnish proof. And hitherto nothing of the exposure of his nakedness on our part, or only witticisms, has been of benefit to Mr. S's readers, so far as it lies with him.
Mr. S., having thus given in the first component part of his article a new proof of his dishonesty, a new one meets us at once in the second. This second part is supposed to be a rejoinder to our longer article in No. 21 of the Lutheraner.
One occasion for our article was the assertion set forth in No. 2 of the "Freie Blätter": "Our Gospel of Thomas is mentioned in the writings of the old church fathers as early as any of those contained in the New Testament, so that, accordingly, with the help of the church fathers the assertion