Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 25 › Seite 198
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-08-05, Seite 198
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vorigen Artikel schon erklärt haben, und begnügen uns damit, in den oben angeführten Stellen einige Proben von den in unserm vorigen Artikel angedeuteten klaren und unwidersprechlichen Beweisen beigebracht zu haben, daß die christliche Kirche, die den 4 kanonischen Evangelien die Namen kata Matthaion ꝛc. gab, darunter verstand, daß Matthäus ꝛc. dieselben geschrieben haben.
In den Worten Herrn S's: „Soll sofort der ganze griechische Sprachgebrauch darnach (nach 2. Makkab. und Epiphanius a. h.) zu beurtheilen sein?“ läßt er noch einmal sein Licht leuchten. Denn entweder weiß er gar nicht, was er sagt, indem es sich bei der Frage, was kata in den Überschriften der Evangelien bedeute, nicht um den ganzen griechischen Sprachgebrauch sondern um den kirchlichen handelt; oder er weiß nichts von dem Unterschiede des klassisch griechischen und des kirchlich griechischen Sprachgebrauchs, der doch so groß ist, daß er eine eigene Litteratur hervorgerufen hat.
In Verbindung mit dem vorliegenden Artikel von Herrn S. steht ein anderer „Die Kirchenväter haben Recht“ überschriebener. Der Zweck des Artikels ist, sich die Kirchen-Väter vom Halse zu schaffen, die ihm bei seinen Sudeleien über die Bibel angefangen haben, höchst unbequem zu werden. Dazu bahnt er sich den Weg durch einen wahrhaft belustigenden Eingang, der also lautet „Jagt einen Priester mittelst Vernunftgründen, gesunder Logik und nicht wegzuläugnenden Thatsachen in die Enge; weiset ihm haarscharf nach ꝛc.“ Ei freilich, Herrn S's. Beweise sind ja, wie der geneigte Leser bereits gefühlt haben wird, so haarscharf, daß einem fast die Haut schaudert.
Dann erklärt er, wie ihm jetzt zwar beim Anblick her Kirchen-Väter zu Muthe sei, wie er sich doch aber damit zu helfen gedenke, daß er das sogenannte historische Gewissen verbanne und eine eiserne Stirne mache, indem er spricht, „Man sieht und erkennt auf den ersten Blick, daß man (in den Kirchen-Vätern) eben nichts, gar nichts vor sich habe, als einen hohlen Todtenschädel, der nur Kinder und Hasenherzen Furcht einjagen kann, den der besonnene Mann aber ohne die geringste Furcht- und Respects-Anwandlung zu denandern Todtenknochen wirft“. Ei, wo bleibt doch da die zuvor so hochgerühmte Geschichts-Anschauung?
Nach dem was vorliegt muß der gesunde Menschenverstand Herrn S. mindestens eben so sehr verleidet sein, als die lieben Kirchen-Väter, indem derselbe ja noch öfter und ärger Herrn S. bloß gestellt hat, als jene. Darum ist es nicht unwahrscheinlich, daß Herr S. bald, etwa in einem Gegenstück zu dem Artikel „die Kirchen-Väter haben Recht“, auch den Regeln des gesunden Menschen-Verstandes förmlich den Abschied giebt, und den für ein Kind und einen Dummkopf erklärt, der noch an solche verjährte Grundsätze sich kehrt, wie: daß ein Ding nicht zugleich sein und nicht sein könne, daß jedes Ding eine zureichende Ursache haben müsse ꝛc., dagegen zu der Stufe der Intelligenz sich selber empor geschwungen zu haben bekennt, auf der es einem ganz natürlich ist, auch solche Sätze bald selber aufzutischen, bald zu verschlucken wie „Der Mensch ging durch sich selbst aus dem Nichts hervor, und war der Schöpfer seiner nachmaligen Größe.“
Wir gehen auf Anderes in dem zuletzt berührten Artikel nicht ein, indem wir denn überhaupt hiermit wenigstens fürs Erste, was uns Pflicht schien gegen die Welt, die Schwankenden und die Schwachen unter den Christen, denken geleistet zu haben. Schreiber dieses glaubt in diesem Artikel in Verbindung mit den früheren auf klare und überzeugende Weise dargethan zu haben — wovon er aber das Verdienst nicht sich, sondern Herrn S.’s allzu großer Schwäche beimißt, — daß Herr S. in allen von uns berücksichtigten Artikeln in seinem Blatt, das sich zur Aufgabe macht, die Bibel anzufeinden, und den Glauben der Christen zu untergraben, große Beschränktheit des Verstandes, Unwissenheit und Unredlichkeit an den Tag gelegt hat, und ferner, daß, je mehr Herr S. sich über ein und denselben Punkt ausgelassen hat, desto mehr von jenen übeln Eigenschaften an den Tag gekommen ist. Es brauchen sich nun, meinen wir, so weit unsere Artikel bekannt geworden sind, durch Herrn S.’s „Freie Blätter“ die Welt nicht in ihrer Sicherheit vor dem zukünftigen Gericht bestärken, die Schwankenden nicht zu Falle bringen, und die Schwachen nicht betrüben lassen; denn alle dürfen denken: Herrn S.’s bibelfeindliche Artikel sind nur aus Verstandes-Schwäche, Unwissenheit und Unredlichkeit hervorgegangen, und je mehr er sich über einen Punkt ausgelassen, desto mehr sind die Quellen offenbar geworden, aus denen jene bibelfeindlichen Artikel kommen; darum sind dieselben faules Geschwätz, und sollen uns nicht anfechten, sondern uns nur als Zeugniß dienen von dem traurigen Zustande derer, die in ihrem verkehrten Sinn ihre eigenen Wege gehen, und den Weg des Friedens nicht wandeln.
(Eingesandt.)
Urtheil eines älteren bewährten Lehrers unsrer Kirche über die Kirchenvereinigung der Protestanten.
Der nachfolgende Brief des theuern Theologen unsrer Kirche, des Dr. Ernst Salomo Cyprian, weil. Kirchen- und Consistorialraths zu Gotha, enthält ein kurzes, aber kräftiges Zeugniß wider die auf Kosten der reinen Lehre versuchte Vereinigung zwischen den Lutheranern und Reformirten. Ein solches Zeugniß wieder ins Gedächtniß zurückzurufen, welches den Stempel der Redlichkeit, Gottesfurcht und Wahrhaftigkeit so offen an sich trägt, wird gewiß Niemand für überflüssig halten; denn obwohl die Umstände, unter welchen damals die Union eingeführt werden sollte, nicht eben auf unsere Zeit, und auf die kirchlichen Verhältnisse unsres Landes passen, so sind doch die Lehren und Erfahrungen, welche Cyprian in Bezug auf das Unionswerk darlegt, noch heute vollkommen anwendbar und beherzigenswerth. Denn die Reformirten haben bis heute noch keinen ihrer alten Irrthümer widerrufen; sie bestehen noch immer auf ihren alten Symbolen, welche die schroffsten Lehren eines Zwingli und Calvin aussprechen; sie nehmen bis auf den heutigen Tag die Glaubens-Vereinigung nur zu einem Vorwand, sich desto mehr auszubreiten und ihren Glaubens-Meinungen Geltung zu verschaffen; sie feinden noch immer unsere lutherische Lehre vom heil. Abendmahl, von der Person Christi, von der Gnadenwahl bitter an, und wir wären warlich arg betrogen, wenn wir uns überreden ließen, sie erkenneten die Schriftmäßigkeit unsrer Lehre in diesen Punkten an. Wer wird leugnen wollen, daß es unter den reformirten Lehrern damals wie jetzt gute Ausnahmen giebt, die nicht fern von der Wahrheit sind und mit aufrichtigem Herzen sich nach einer Vereinigung sehnen; sie sinds aber nicht, von denen die neuern Unionsbestrebungen ausgegangen sind, denn diese haben, wie die Erfahrung bewiesen und noch beweis’t, nur Unterdrückung des lutherischen Bekenntnisses zum Zweck.
Das Zeugniß Cyprians muß um so mehr Gewicht haben, weil ihm selbst von Feinden das Lob eines sanften, friedfertigen und liebreichen Theologen gegeben werden muß, der vielleicht nie etwas über die Unionssache geschrieben hätte, wenn er nicht durch die wiederholten Angriffe der Gegner auf ihn, dazu gezwungen worden wäre. Der hier mitgetheilte Brief, der die Veranlassung wurde zu dem von Cyprian später geschriebenen vortrefflichen Buche über die kirchliche Vereinigung der Protestanten, kann zugleich als ein kurzer Auszug desselben dienen. Die Veranlassung zu dem Briefe selbst gab der berühmte Kanzler der Tübinger Universität Christophor. Matth. Pfaff, ein Mann, der damals an der Spitze der Unionsbewegungen stand. Dieser hatte sich an Cyprian in einem höflichen und wohlwollenden Schreiben gewendet und ihn gebeten, ihm seine Meinung über die von ihm vorgeschlagene Vereinigung zu eröffnen. Wie sehr wünschte ich, schrieb er an Cyprian, Deine Gesinnung über diese Angelegenheit zu wissen. Ich weiß, wie viel Du zu Gotha vermagst. Und fürwahr, nur durch solche Friedenshandlungen kann die evangelische Sache aus der Gefahr gerettet werden, in welcher sie heut zu Tage schwebt. Schreibe mir also ja, was Du, hochberühmter Mann, über diese Sache denkst. Sie ist von großem Gewicht und werth, sorgfältig überlegt zu werden. Das, was ich für dieselbe geschrieben habe, ist von den Englischen und Berliner Höfen vollkommen gebilligt worden. Wie sehr wünschte ich, daß mir von den Sächsischen Höfen gleiche gute Botschaft käme. Dein Urtheil wird das größte Gewicht in die Wagschale legen, wenn die Friedensvorschläge, wie ich glaube, Deinen Beifall finden sollten.“
Die Antwort des treuen und redlichen Cyprian, der sich solche süße, schmeichelnde Worte nicht
English translation AI translation
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previous article, and content ourselves with having furnished, in the passages cited above, some specimens of the clear and irrefutable proofs hinted at in our previous article, that the Christian Church, which gave to the four canonical Gospels the names kata Matthaion, etc., understood thereby that Matthew, etc., wrote them.
In Mr. S's words: “Is the whole of Greek usage forthwith to be judged accordingly (according to 2 Maccabees and Epiphanius a. h.)?” he lets his light shine once more. For either he does not know at all what he is saying, since in the question what kata means in the superscriptions of the Gospels it is not a matter of the whole of Greek usage but of the ecclesiastical; or he knows nothing of the difference between classical Greek and ecclesiastical Greek usage, which is yet so great that it has called forth a literature of its own.
Connected with the present article by Mr. S. stands another, entitled “The Church Fathers are Right.” The purpose of the article is to get the Church Fathers off his neck, who in his scribblings about the Bible have begun to become most inconvenient to him. To this end he makes his way through a truly diverting introduction, which reads thus: “Drive a priest into a corner by means of rational grounds, sound logic and undeniable facts; show him with hair-splitting exactness, etc.” Oh yes, to be sure, Mr. S's proofs are indeed, as the kind reader will already have felt, so hair-splittingly exact that one’s skin almost shudders.
Then he explains how he feels now, indeed, at the sight of the Church Fathers, yet how he intends to help himself by banishing the so-called historical conscience and putting on a brow of iron, saying: “One sees and recognizes at the first glance that one has (in the Church Fathers) just nothing, nothing at all before one but a hollow death’s head, which can frighten only children and hare-hearts, and which the sensible man, without the least fit of fear or respect, throws among the other dead men’s bones.” Oh, what then becomes here of the view of history so highly praised before?
According to what lies before us, sound common sense must be at least as much disgusting to Mr. S. as the dear Church Fathers, since the same has exposed Mr. S. still oftener and worse than those. Therefore it is not improbable that Mr. S. will soon, perhaps in a companion piece to the article “The Church Fathers are Right,” also formally bid farewell to the rules of sound human understanding, and declare him a child and a blockhead who still heeds such antiquated principles as: that a thing cannot at the same time be and not be, that every thing must have a sufficient cause, etc., but, on the contrary, professes to have raised himself up to that degree of intelligence at which it is quite natural for one to dish up, now himself, now to swallow, such propositions as “Man went forth by himself out of nothing, and was the creator of his subsequent greatness.”
We do not go into other matters in the article last touched upon, since we think that with this, at least for the first, we have done what seemed to us a duty toward the world, the wavering and the weak among Christians. The writer of this believes that in this article, in connection with the earlier ones, he has shown in a clear and convincing manner — for which, however, he ascribes the merit not to himself but to Mr. S.’s all too great weakness, — that Mr. S., in all the articles considered by us in his paper, which sets itself the task of attacking the Bible and undermining the faith of Christians, has displayed great narrowness of understanding, ignorance and dishonesty, and further, that the more Mr. S. has expatiated on one and the same point, the more of those evil qualities has come to light. There is no need now, we think, so far as our articles have become known, for the world to be confirmed in its security against the judgment to come by Mr. S.’s “Freie Blätter,” nor for the wavering to be brought to a fall, nor the weak to be grieved; for all may think: Mr. S.’s Bible-hostile articles have proceeded only from weakness of understanding, ignorance and dishonesty, and the more he has expatiated on a point, the more have the sources become manifest from which those Bible-hostile articles come; therefore the same are rotten prattle, and shall not trouble us, but serve us only as a testimony of the sad condition of those who in their perverse mind go their own ways, and walk not in the way of peace.
(Contributed.)
Judgment of an Older Approved Teacher of Our Church on the Church Union of the Protestants.
The following letter of the dear theologian of our Church, Dr. Ernst Salomo Cyprian, formerly Church and Consistorial Counsellor at Gotha, contains a short but powerful testimony against the union attempted at the expense of pure doctrine between the Lutherans and the Reformed. To recall once more to memory such a testimony, which bears so openly upon it the stamp of honesty, fear of God and truthfulness, will certainly be held superfluous by no one; for although the circumstances under which the Union was then to be introduced do not precisely fit our time and the ecclesiastical conditions of our country, yet the lessons and experiences which Cyprian sets forth in reference to the work of Union are still today perfectly applicable and worthy of heed. For the Reformed have to this day not yet recanted any of their old errors; they still insist upon their old symbols, which pronounce the harshest doctrines of a Zwingli and Calvin; they take the union of faith, down to the present day, only as a pretext for spreading themselves the more and securing currency for their opinions of faith; they still bitterly assail our Lutheran doctrine of the holy Supper, of the person of Christ, of the election of grace, and we should truly be grievously deceived if we let ourselves be persuaded that they acknowledge the Scripturalness of our doctrine in these points. Who will deny that among the Reformed teachers there were then, as now, good exceptions, who are not far from the truth and with sincere heart long for a union; but it is not they from whom the more recent efforts toward union have proceeded, for these have, as experience has proved and still proves, only the suppression of the Lutheran confession as their aim.
The testimony of Cyprian must have the more weight because even from enemies the praise of a gentle, peaceable and loving theologian must be given him, who perhaps would never have written anything on the matter of the Union if he had not been compelled to it by the repeated attacks of opponents upon him. The letter here communicated, which became the occasion of the excellent book on the church union of the Protestants written later by Cyprian, may serve at the same time as a short epitome of the same. The occasion of the letter itself was given by the famous Chancellor of the University of Tübingen, Christophor Matth. Pfaff, a man who then stood at the head of the union movements. He had turned to Cyprian in a courteous and benevolent letter and asked him to open to him his opinion on the union proposed by him. How greatly I wished, he wrote to Cyprian, to know your sentiments on this matter. I know how much you can do at Gotha. And truly, only by such acts of peace can the evangelical cause be rescued from the danger in which it hovers today. Write to me, therefore, by all means, what you, most renowned man, think about this matter. It is of great weight and worthy to be carefully considered. What I have written for it has been fully approved by the English and Berlin courts. How greatly I wished that like good tidings might come to me from the Saxon courts. Your judgment will cast the greatest weight into the scale, if the proposals of peace, as I believe, should meet your approval.”
The answer of the faithful and honest Cyprian, who would not