Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 26 › Seite 204

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-08-19, Seite 204

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der Rechtfertigung nicht so oben drüber weg gießen und schmieren, und die Wunden so oben hin zuheilen: Nein, wir müssen zugleich bei der Vergebung der Sünden durch das Blut und die Wunden Christi auch wirklich geheilet werden, daß wir auch die Herrschaft über die Sünde erlangen, und ganz andere, neue Menschen werden. Der Mensch kann auch der Absolution, Rechtfertigung und Lossprechung von der Sünde nicht theilhaftig, vielweniger derselben recht froh werden in seinem Gewissen, wenn er nicht zuvor wegen seiner Sünden die Anklagen des Gesetzes und bösen Gewissens fühlet, und darüber göttlich traurig, gebrochen und niedergeschlagen wird; denn der Herr tröstet nur alle Traurigen, Ps. 61., und richtet auf Alle, die niedergeschlagen sind, Ps. 146. und siehet nur an die Elenden, die zerbrochenen Geistes sind, und hilft denen, die zerschlagen Gemüth haben, Ps 34. die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist: ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst Du, Gott, nicht verachten. Ps. 51.

Und das ist es eben, was Chemnitz meinet, wenn er sagt: Es kann die ganze Lehre von der Rechtfertigung nicht einfältiger, richtiger und füglicher verstanden werden, und zu einem ernstlichen Gebrauch in den Uebungen der Buße und des Glaubens angewendet werden, als aus Beobachtung des gerichtlichen Sinnes des Wortes Rechtfertigung; wie vieler Väter Exempel zeigen, die oft von den Werken und Verdiensten trefflich predigen : aber in ihren andächtigen Betrachtungen und Uebungen der Buße und des Glaubens, wo sie dieses Bild des göttlichen Gerichts und diesen gerichtlichen Proceß sich vorstellen, so erklären sie die Lehre dieses Artikels mit den süßesten Sprüchen. —

Fortsetzung folgt.

(Eingesandt.)

Methodismus.

Herr Nast hatte in No. 13. und 14. die evangelisch-lutherische Kirche lügenhafter Weise beschuldigt, sie lehre: „daß das Gnadenmittel unfehlbar selig mache; daß die Sakramente eine inwohnende göttliche Kraft hätten, zufolge welcher Alle, welche sie empfangen, der Seligkeit sicher sein könnten; daß der Gebrauch des Sakramentes ohne den Gehorsam des Glaubens durch die dem Sakramente inwohnende eigene Kraft selig machen könne; daß die Sakramente eine an und für sich seligmachende Kraft hätten.“ Den Sinn dieser verschiedenen Beschuldigungen hatten wir nun kurz zusammengefaßt und gesagt: „Mit diesen Worten bürdet uns Herr Nast folgenden schändlichen Irrthum auf, als glaubten wir, wer nur einmal mit dem Taufwasser begossen sei, wer nur das Abendmahls-Brod und -Wein genossen habe, der werde unfehlbar selig, gleichviel ob er glaube oder nicht.“ Jeder unpartheiische Leser wird zugeben müssen, daß wir hiemit den in Herrn Nast's Worten liegenden und darum von selbst sich ergebenden Sinn genau und treu wiedergegeben haben. Wenn daher Herr Mulfinger in No. 27. des Apologeten dies nicht zugeben will, so bezeugt er damit nur seinen Mangel an Verstand und gutem Willen.

Wie groß überhaupt die Unwissenheit dieses armseligen Menschen sei, davon liefert er in seinem Aufsatze den traurigsten Beweis. Er wirft uns vor, wir hätten geschrieben: „Wir aber streiten gegen den Herrn Nast nicht: weil wir diesen elenden Lügner hassen.“ Das haben wir aber keineswegs gesagt. Wenn Herr Mulfinger deutsch verstünde, so hätte er uns nicht so mißverstehen können. Wir bitten den Lutheraner No. 21. nachzusehen. Da heißt es buchstäblich so: „Wir aber streiten gegen Herrn Nast, nicht: weil wir diesen elenden Lügner haßten; — wir bedauern ihn, daß er sich immer mehr verstockt; — sondern weil wir den Kindern Gottes, die in der Methodisten-Secte gefangen sind, den Trost des rechten Glaubens und den Schatz der vollen Wahrheit wünschen.“ Jeder verständige Deutsche kann diesen Satz nicht anders, als so verstehen: „Wir aber streiten gegen Herrn Nast, nicht etwa deßhalb, weil wir diesen elenden Lügner haßten“ ꝛc. Wir sagten also mit diesen Worten: Wir hassen Herrn Nast nicht, sondern wir bedauern ihn vielmehr, daß er sich selbst immer mehr verstockt. Möchte doch Herr Mulfinger seine grenzenlose Unwissenheit mit Demuth erkennen, und aufhören, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts versteht.

Auch das bezeugt Herr Mulfinger durch seinen Aufsatz auf das klarste, daß er die Heiligungsgnade nicht besitzt. denn sonst würde er Christi Gebot: „Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet“, nicht so schamlos übertreten. Er sagt von mir, daß ich „in der Verblendung meines gräulich mit Haß erfüllten Herzens den Himmel für jeden anderen, als einen Altlutheraner gern verschließen möchte.', „Solch' ein beschränkter Kopf würde gegen seine Mitchristen fürchterlicher hausen, als es je ein Papst oder Inquisitor gethan hat, wenn er die Macht dazu hätte.“ So urtheilt er über den Grund meines Herzens und greift damit Gott, dem alleinigen Herzenskündiger in sein Amt. Auch hat er gar kein Recht, mich so zu verdammen; denn ich hatte gesagt, No. 21. des Lutheraner, daß wir die Kinder Gottes, welche im methodistischen Babel gefangen sind, als unsere Brüder in Christo lieben; die methodistischen Verführer und Irrlehrer aber mit dem Worte Gottes bekämpfen. Und zwar thun wir dieß nach dem Worte Christi: Sehet euch vor vor den falschen Propheten. Matthäi 7, 15. Die methodistischen Prediger sind aber falsche Propheten, denn sie leugnen in mehreren Puncten die klare Wahrheit der hl. Schrift. Gottes Wort sagt, daß die Taufe das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des hl. Geistes ist und daß wir im hl. Abendmahle Christi Leib und Blut empfangen, Tit. 3, 5. 1 Cor. 11, 24, 25. Beides leugnen die Methodisten-Prediger, welche bekanntlich die hl. Sakramente zu leeren Zeichen herabwürdigen. Sie nehmen den Sakramenten den Kern, und lassen nur die leeren Schalen und Hülsen davon übrig; und damit rauben sie ihren Gemeinden all' den unendlichen Trost, welcher im rechten Verständnisse und im gläubigen Gebrauche der hl. Sakramente liegt. Darum dringt uns die Liebe zu den Kindern Gottes, welche auch in der Methodisten-Secte verborgen sind, daß wir die Lügen und Irrlehren der Methodisten-Prediger aufdecken und sie davor warnen. Uebrigens hassen wir die Methodistenprediger nicht, sondern bedauern sie, wenn sie sich verstocken. Darum würden wir auch keinesweges „fürchterlich“ gegen die Methodisten hausen, wenn wir die Macht dazu hätten, sondern dieselbe nur zu ihrem Besten gebrauchen. Herrn Mulfinger würden wir z. B., wenn er sich dessen werth zeigte, in eine gute Schule schicken und in der deutschen Sprache unterrichten lassen.

Wir hatten mit Joh. 1, 8. den alten methodistischen Irrthum von der Heiligungsgnade, als könne ein Mensch in diesem Leben schon zu sündloser Heiligkeit gelangen, widerlegt. Selbst auf Herrn Mulfinger macht Gottes Wort noch einigen Eindruck, denn er sagt davon: „Ich gestehe, daß mich der Herr Einsender durch diese kräftige Widerlegung beinahe betäubte.“ . . . . Doch versteht Herr Mulfinger den folgenden Vers nicht und fragt, „wie viel Sünde nach der Reinigung durch Christo noch im Herzen übrig bleiben darf.“ Wiewohl wir leider befürchten müssen, daß Herr Mulfinger mit der Wahrheit nur seinen Spott treibt, so wollen wir doch um der redlichen Seelen willen darauf antworten.

Die hl. Schrift unterscheidet zwischen Rechtfertigung und Heiligung und beschreibt die Rechtfertigung als eine richterliche Handlung Gottes. Das Gesetz nämlich verurtheilt den Menschen zur ewigen Verdammniß, weil er Gottes Gebote übertreten und Gottes Majestät unendlich beleidigt hat. Das Evangelium aber weis't den erschreckten Sünder zu Christo, der an unserer Statt das Gesetz vollkommen erfüllt und alle Strafen, die wir mit unseren Sünden verdient haben, vollkommen gebüßt hat. Wer nun Christum mit wahrem Glauben ergreift, der wird von Gott gerechtfertigt, d. h. Gott rechnet ihm Christi Gerechtigkeit und Verdienst zu und vergiebt ihm um Christi willen alle seine Sünden. Auf die Rechtfertigung des Menschen folgt sofort seine Heiligung. Wenn nämlich der Mensch durch die Gnade des heil. Geistes an Christum gläubig geworden und somit gerechtfertigt ist, beginnt der heil. Geist den Menschen zu heiligen und ihn zu erneuern nach dem Ebenbilde Gottes, indem er ihm Kraft giebt, die Herrschaft der Sünde zu brechen, Gott immer mehr zu lieben und seinen Willen immer völliger zu erfüllen. Allein die Rechtfertigung und Heiligung unterscheiden sich dadurch, daß die Rechtfertigung vollkommen, die Heiligung aber in diesem Leben noch unvollkommen ist. Denn die Gerechtigkeit Christi ist eine vollkommene, sie bleibt auch eine vollkommene, wenn

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of justification not to pour over it so superficially and smear it, and so to heal the wounds only on the surface: No, we must at the same time, with the forgiveness of sins through the blood and the wounds of Christ, also be actually healed, so that we also obtain dominion over sin, and become quite other, new men. Man also cannot become partaker of the absolution, justification and acquittal from sin, much less be truly glad of it in his conscience, unless he first, on account of his sins, feels the accusations of the Law and of an evil conscience, and is thereby made godly sorrowful, broken and cast down; for the Lord comforts only all that mourn, Ps. 61., and raises up all that are bowed down, Ps. 146. and looks only upon the afflicted, who are of a broken spirit, and helps those who are of a contrite mind, Ps 34. the sacrifices that please God are a troubled spirit: a troubled and contrite heart, Thou, God, wilt not despise. Ps. 51.

And this is just what Chemnitz means, when he says: The whole doctrine of justification cannot be understood more simply, more rightly and more fittingly, nor applied to an earnest use in the exercises of repentance and faith, than from observing the judicial sense of the word justification; as the example of many Fathers shows, who often preach excellently of works and merits: but in their devout meditations and exercises of repentance and faith, where they picture to themselves this image of the divine judgment and this judicial process, they explain the doctrine of this article with the sweetest sayings. —

Continuation follows.

(Communicated.)

Methodism.

Mr. Nast had, in Nos. 13 and 14, falsely accused the Evangelical Lutheran Church of teaching: "that the means of grace save infallibly; that the sacraments have an indwelling divine power, by virtue of which all who receive them could be sure of salvation; that the use of the sacrament, without the obedience of faith, could save by the inherent power indwelling the sacrament; that the sacraments have a power saving in and of itself." The sense of these various accusations we had briefly summed up and stated: "With these words Mr. Nast charges us with the following shameful error, as though we believed that whoever has but once been sprinkled with the baptismal water, whoever has but partaken of the bread and wine of the Lord's Supper, will infallibly be saved, no matter whether he believe or not." Every impartial reader will have to admit that we have herewith rendered exactly and faithfully the sense lying in Mr. Nast's words and therefore resulting of itself from them. If, therefore, Mr. Mulfinger in No. 27 of the Apologete will not admit this, he thereby testifies only to his want of understanding and of good will.

How great, in general, the ignorance of this wretched man is, he furnishes in his article the saddest proof. He charges us with having written: "We contend against Mr. Nast not: because we hate this miserable liar." That we have by no means said. If Mr. Mulfinger understood German, he could not have so misunderstood us. We beg him to look at Lutheraner No. 21. There it reads literally thus: "We contend, however, against Mr. Nast, not because we hated this miserable liar; — we pity him, that he hardens himself more and more; — but because we wish for the children of God who are held captive in the Methodist sect the comfort of the right faith and the treasure of the full truth." Every sensible German can understand this sentence in no other way than thus: "We contend, however, against Mr. Nast, not perhaps on this account, because we hated this miserable liar," etc. We said, therefore, with these words: We do not hate Mr. Nast, but rather we pity him, that he hardens himself more and more. Would that Mr. Mulfinger might humbly acknowledge his boundless ignorance, and cease to write about things of which he understands nothing.

This also Mr. Mulfinger testifies most plainly through his article, that he does not possess the grace of sanctification. for otherwise he would not so shamelessly transgress Christ's commandment: "Judge not, that ye be not judged." He says of me that I would gladly "in the blindness of my heart, filled hideously with hatred, shut heaven against everyone other than an Old Lutheran.", "Such a narrow head would deal more terribly with his fellow Christians than any pope or inquisitor ever did, if he had the power thereto." Thus he judges of the ground of my heart, and thereby intrudes upon the office of God, the only Searcher of hearts. Moreover, he has no right at all so to condemn me; for I had said, No. 21 of the Lutheraner, that we love the children of God who are held captive in the Methodist Babylon as our brethren in Christ; but combat the Methodist seducers and false teachers with the Word of God. And that, indeed, we do after the word of Christ: Beware of false prophets, beware of false prophets. Matthew 7, 15. But the Methodist preachers are false prophets, for in several points they deny the clear truth of the Holy Scripture. God's Word says that Baptism is the washing of regeneration and renewing of the Holy Ghost, and that in the Holy Supper we receive Christ's body and blood, Tit. 3, 5. 1 Cor. 11, 24, 25. Both of these the Methodist preachers deny, who, as is well known, degrade the holy sacraments to empty signs. They take from the sacraments the kernel, and leave only the empty shells and husks of them; and thereby they rob their congregations of all the infinite comfort which lies in the right understanding and in the believing use of the holy sacraments. Therefore the love for the children of God, who are hidden also in the Methodist sect, constrains us to uncover the lies and false doctrines of the Methodist preachers and to warn them against them. Moreover, we do not hate the Methodist preachers, but pity them, when they harden themselves. Therefore we should by no means deal "terribly" with the Methodists, if we had the power thereto, but should use it only for their good. Mr. Mulfinger, for example, if he showed himself worthy of it, we should send to a good school and have instructed in the German language.

We had, with John 1, 8, refuted the old Methodist error concerning the grace of sanctification, as though a man could already in this life attain to sinless holiness. Even upon Mr. Mulfinger God's Word makes some impression, for he says of it: "I confess that the Gentleman who sent it in almost stunned me by this powerful refutation." . . . . Yet Mr. Mulfinger does not understand the following verse, and asks "how much sin may still remain in the heart after the cleansing through Christ." Although we must sadly fear that Mr. Mulfinger is only mocking the truth, yet for the sake of honest souls we will answer thereto.

The Holy Scripture distinguishes between justification and sanctification, and describes justification as a judicial act of God. The Law, namely, condemns man to eternal damnation, because he has transgressed God's commandments and infinitely offended God's majesty. But the Gospel points the terrified sinner to Christ, who in our stead has perfectly fulfilled the Law and has fully atoned for all the punishments which we have deserved by our sins. Whoever now lays hold of Christ with true faith is justified by God, that is, God reckons to him Christ's righteousness and merit and forgives him for Christ's sake all his sins. Upon the justification of man follows at once his sanctification. When, namely, man through the grace of the Holy Ghost has become believing in Christ and is thus justified, the Holy Ghost begins to sanctify man and to renew him after the image of God, in that He gives him power to break the dominion of sin, to love God more and more and to fulfil His will ever more perfectly. But justification and sanctification differ in this, that justification is perfect, but sanctification in this life is still imperfect. For the righteousness of Christ is a perfect one, and it remains also a perfect one, though