Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 7 › Seite 52
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-25, Seite 52
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Gott sie und die Ihrigen heimsucht, ein Zeichen seiner Liebe und Gnade sei, und wenden sich zu verbotenen Mitteln, suchen die Hilfe bei den Ungläubigen, Abergläubigen, Mißgläubigen, und vergessen, daß dem Christen ein Gebot gegeben ist: „Ziehet nicht am fremden Joche mit den Ungläubigen! Und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß, sondern strafet sie vielmehr.“
Mich. Wenn halt die Leute recht in der Noth sind, wissen sie sich eben nicht zu helfen!
Chr. Ei, was ein wahrer Christ ist, der weiß schon, wo Hilfe zu finden ist, wenn er sich selbst nicht helfen kann. Ob er auch Alles vergessen hätte, was er im Confirmandenunterrichte und in der Christenlehre gelernt und in der Predigt Zeit seines Lebens gehört hat, Eines weiß er doch noch: daß der, auf dessen Namen er getauft ist, Jesus, d. i. Heiland, Helfer in aller Noth heißt. Im Vertrauen auf diesen Namen, im Glauben an diesen Namen ohn' Unterlaß zu bitten und zu beten — das hat Verheißung. In solchem Glauben spricht der Apostel Paulus: „Darum rühmen wir uns der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden.“ Und Jeremias in den Klageliedern 3, 26.: „Es ist ein köstliches Ding, geduldig sein, und auf die Hilfe des Herrn hoffen.
Mich. Also meinst Du, daß das Zaubern ꝛc. und das Hilfesuchen bei solchen Leuten nimmermehr zu entschuldigen sei?
Chr. Gewiß ist es nicht zu entschuldigen, am allerwenigsten bei Christen, die in der Taufe der Sünde und aller Hilfe, die nicht von Gott ist, entsagt haben, und sich bekehren sollen von der Finsterniß zum Licht und von der Gewalt Satans zu Gott, zu empfahen Vergebung der Sünde und das Erbe sammt denen, die geheiligt werden durch den Glauben an Christum.“ Aber freilich ist manchen Leuten das Bußethun eine umständliche Sache; sie finden es bequemer — daß ich so rede — zu den Zauberern und Hexenmeistern zu laufen, die nicht nachfragen, wie es um den Brustharnisch steht, sondern bei denen es vielleicht heißt: je schlimmer, desto besser.
Mich. Du machst es zu arg: mir will es manchmal vorkommen, als hätten unsre Beschwörer, Zauberer, Büßer etwas mit den alten Propheten gemein? —
Chr. Ich wüßte nicht was? Du müßtest sie denn mit den Lügenpropheten, welche der Herr verwirft, vergleichen, 5. Mos. 13, 1. — 5. Ich finde gerade das Gegentheil. Die wahren Propheten waren Diener Gottes, die nicht ihrem, sondern Gottes Willen folgten, die nicht in ihrer Kraft, sondern in Gottes Kraft, die nicht in ihrem Namen und zu ihres Namens-Ehre, sondern zu Gottes Ehre handelten! Die Zauberer messen sich selbst die Kraft zu, handeln auf eigne Faust, suchen ihre Ehre. Jene führten zu Gott: diese führen ab von Gott. Und wie stimmt mit der Uneigennützigkeit der Propheten des Zauberers und Büßers Wort: „Es muß versilbert werden, sonst hilft's nicht?“
Mich. Heißt's doch in der heiligen Schrift: „Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth.“
Chr. Das wohl, aber es heißt nicht: Es muß versilbert werden. Jenes Wort gilt nur als eine Ermahnung an diejenigen, welche Hilfe erfahren haben, nicht aber für die Helfenden. Um Dir eines Propheten Beispiel anzuführen: Elisa hat von dem reichen Naeman, dem Minister des Syrerkönigs, den er vom Aussatz gereinigt hatte, trotz seiner Bitten nicht das Mindeste als Belohnung angenommen, und sein Knabe, der sich heimlich beschenken ließ, mußte dafür mit lebenslänglichem Aussatze büßen. 2. Kön. 5. Oder wenn Dir ein Beispiel aus der neueren Geschichte lieber ist, so erinnere ich Dich an den seligen Stilling, der bei den vielen tausend Augenkuren, die er vollbrachte, die Erfahrung machen mußte, daß fast Alle, die er unentgeldlich behandelte, geheilt wurden, während bei den Uebrigen die Operation meistentheils mißlang.
Mich. Nun ich meine doch auch von Leuten in der Schrift gelesen zu haben, welche für Geld Wunder thaten.
Chr. Ja wohl erzählt sie von solchen: aber was waren's für Leute? Schwarze Teufelskünstler, wie Jannes und Jambres in Egypten, die Moses Wunder nachäfften, 2. Mos. 7, 11 — 12., vergl. 2 Tim. 3, 8. — Die Zauberin zu Endor, der der Prophet Samuel ein Schrecken ist, 1. Sam. 28. — Bar Jehu oder Elymas Apostlg. 13; 8. — Simon Apostlg. 8. — Die Zauberer zu Ephesus Apostlg. 19, 13 — 19. Diesen allen, wie ihren Anhängern, wird das Urtheil gesprochen in der Offenb. Johannis 21, 8.: „Den Verzagten aber und Ungläubigen und Gräulichen und Todtschlägern und Hurern und Zauberern und Abgöttischen und allen Lügnern, deren Theil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennet, welches ist der andere Tod.“ Ein saubere Gesellschaft, möchtest Du an ihr Antheil haben?
Mich. Gewiß nicht.
Chr. Und doch haben alle daran Theil, welche den lebendigen Gott verlassen und Hilfe bei Creaturen suchen, die aus Unglauben an Gottes Hilfe verzagen, und dem Teufel und seinen Dienern sich in die Arme werfen und abgöttisch werden. Michel, es ist ein ernstes Wort: „Verflucht ist, wer sich auf Menschen verläßt und hält Fleisch für seinen Arm und mit seinem Herzen von dem Herrn weichet;“ und: „Draußen, außer dem himmlischen Jerusalem, sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Todtschläger und die Abgöttischen und Alle, die lieb haben und thun die Lügen.“
Mich. Lieber Gott, wenn das Zaubern und Büßen Sünde ist, so ruht ja auf jedem Hause in unserm Dorfe ein Fluch.
Chr. Das kann wohl sein, und so hart es klingt, muß ich Dir doch sagen: wenn die Leute nicht umkehren und Buße thun, wird ihnen das Alles widerfahren, was der Herr in seinem Worte gedroht hat.
Mich. Da wunderts mich freilich nicht, daß so viel Unglück über so manche Leute kommt, die bekannt sind, daß sie des Teufels Spuck treiben.
Chr. Besser sagtest du: es wundere Dich nicht, daß so wenige Leute zu wahrem lebendigen Glauben kommen, weil die Meisten noch festhalten an den ungeistlichen und altvettelischen Fabeln, und im Aberglauben bis an die Ohren stecken, darin sie der Teufel so gefangen hält, daß sie kaum einen Fuß versetzen können, ohne sich darüber zu ängstigen. Ich behaupte, ein Katechismus des Aberglaubens würde mehr Seiten zählen, als der größte Katechismus des Glaubens; aber der Aberglaube wird auch der Hölle genug Zündstoff geben.
Mich. Du eiferst heute gewaltig über den Aberglauben; ich dächte, Dein Eifer sollte sich eher wider Die wenden, die gar nichts glauben.
Chr. Alles hat seine Zeit; heute haben mir die B . . . Leute den Aberglauben zwischen die Füße geworfen. Ein andermal ein Anderes. Doch zweifle ich, ob der Eifer wider den Unglauben nöthiger sei, als wider den Aberglauben. Die Ungläubigen schütten zwar das Kind mit dem Bade aus; ich weiß aber nicht, was schlimmer ist, dem Teufel mit Furcht und Zittern dienen, oder eine Weile sich geberden wie ein Narr, der nicht weiß, daß er in Ketten und Banden ist. Ich kriege des Zeugs ziemlich satt, des Einen wie des Andern. Lassen wir's, lieber Michel, und vergessen wir über dem Kampfe unsrer selbst nicht. Weder am Joche der Ungläubigen, noch der Abergläubigen wollen wir ziehen. Wir wollen's lieber mit denen halten, die mit unserem Gottesmann, dem seligen Luther, singen: „Eine veste Burg ist unser Gott ꝛc.“ Erst heute habe ich in Kraußold's Gebeten für den Katechismusunterricht die schöne Auslegung Luther's vom 1. Artikel des christlichen Glaubens gelesen, die mich so gefreut hat, daß ich sie Dir, weil sie zu unserm Gespräche paßt, vorlesen muß; sie lautet:
„Ich glaube an Gott, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Das ist: Ich entsage dem bösen Geist, aller Abgötterei, aller Zauberei und Mißglauben. Ich setze mein Vertrauen auf keinen Menschen auf Erden, auch nicht auf mich selbst, noch auf meine Gewalt, Kunst, Gut, Frömmigkeit, oder was ich haben mag. Ich setze mein Vertrauen auf keine Creatur, sie sei im Himmel oder auf Erden. Ich setze mein Vertrauen allein auf den bloßen, unsichtlichen, unbegreiflichen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und allein über alle Kreaturen ist; wiederum entsetze ich mich nicht vor aller Bosheit des Teufels und seiner Gesellschaft; denn mein Gott über sie alle ist. Ich glaube nichts desto weniger an Gott, ob ich von allen Menschen verlassen oder verfolgt wäre. Ich glaube nichts desto weniger, ob ich arm, unverständig, ungelehrt, verachtet bin, oder alles Dinges mangle. Ich glaube nichts desto weniger, ob ich ein Sünder bin, denn dieser mein Glaube soll und muß schweben über Alles, was da ist und nicht ist, über Sünde und Tugend, und über Alles, auf daß er in Gott lauterlich
English translation AI translation
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God visits them and theirs is a sign of His love and grace, and turn to forbidden means, seek help among the unbelievers, the superstitious, the false-believers, and forget that a commandment has been given to the Christian: "Be ye not unequally yoked together with unbelievers! And have no fellowship with the unfruitful works of darkness, but rather reprove them."
Mich. Well, when people are in real distress, they simply do not know how to help themselves!
Chr. Why, a true Christian knows well enough where help is to be found when he cannot help himself. Though he might have forgotten everything that he learned in the confirmation instruction and in the catechism and heard in sermons all his life, one thing he yet knows: that He in whose name he is baptized, Jesus, that is, Savior, is called Helper in every need. To pray and to call without ceasing in confidence upon this name, in faith in this name — that has a promise. In such faith the Apostle Paul says: "We glory in tribulations, knowing that tribulation worketh patience; and patience, experience; and experience, hope; and hope maketh not ashamed." And Jeremiah in the Lamentations 3, 26: "It is good that a man should both hope and quietly wait for the salvation of the LORD.
Mich. So you mean that sorcery, etc., and the seeking of help from such people is never to be excused?
Chr. Certainly it is not to be excused, least of all among Christians, who in baptism have renounced sin and all help that is not of God, and who ought to be converted from darkness to light and from the power of Satan to God, to receive forgiveness of sins and inheritance among them which are sanctified by faith in Christ." But to be sure, to many people repentance is a troublesome matter; they find it more convenient — so to speak — to run to sorcerers and witch-masters, who do not inquire how it stands with the breastplate, but with whom perhaps it is: the worse, the better.
Mich. You make it too bad: it sometimes seems to me as if our conjurers, sorcerers, charmers had something in common with the old prophets?
Chr. I know not what. You would have to compare them with the false prophets, whom the Lord rejects, Deut. 13, 1-5. I find just the contrary. The true prophets were servants of God, who followed not their own but God's will, who acted not in their own power but in God's power, not in their own name and to the honor of their own name, but to the honor of God! The sorcerers ascribe the power to themselves, act on their own hook, seek their own honor. Those led to God: these lead away from God. And how does the unselfishness of the prophets agree with the word of the sorcerer and charmer: "It must be paid in silver, else it will not help?"
Mich. Yet it says in Holy Scripture: "The laborer is worthy of his hire."
Chr. That is true, but it does not say: It must be paid in silver. That saying holds only as an exhortation to those who have experienced help, but not for the helpers. To cite to you the example of a prophet: Elisha accepted nothing at all as a reward, in spite of his entreaties, from the rich Naaman, the minister of the king of Syria, whom he had cleansed of leprosy, and his servant, who let himself be secretly presented with gifts, had to pay for it with leprosy for life. 2 Kings 5. Or if an example from more recent history is more agreeable to you, I remind you of the blessed Stilling, who in the many thousand eye-cures which he performed had to make the experience that almost all whom he treated without charge were healed, whereas with the others the operation for the most part failed.
Mich. Well, I think I have also read in Scripture of people who worked wonders for money.
Chr. Yes indeed, it tells of such: but what sort of people were they? Black necromancers, like Jannes and Jambres in Egypt, who aped the wonders of Moses, Ex. 7, 11-12, cf. 2 Tim. 3, 8. — The witch of Endor, to whom the prophet Samuel is a terror, 1 Sam. 28. — Bar-Jesus or Elymas, Acts 13; 8. — Simon, Acts 8. — The sorcerers at Ephesus, Acts 19, 13-19. Upon all these, as upon their followers, the sentence is pronounced in Rev. of John 21, 8: "But the fearful, and unbelieving, and the abominable, and murderers, and whoremongers, and sorcerers, and idolaters, and all liars, shall have their part in the lake which burneth with fire and brimstone: which is the second death." A fine company; would you like to have a share in it?
Mich. Certainly not.
Chr. And yet all have a share in it who forsake the living God and seek help from creatures, who for unbelief in God's help despair, and throw themselves into the arms of the devil and his servants and become idolatrous. Michel, it is a solemn word: "Cursed be the man that trusteth in man, and maketh flesh his arm, and whose heart departeth from the LORD;" and: "For without, outside the heavenly Jerusalem, are dogs, and sorcerers, and whoremongers, and murderers, and idolaters, and whosoever loveth and maketh a lie."
Mich. Dear God, if sorcery and charming is sin, then a curse rests upon every house in our village.
Chr. That may well be, and hard as it sounds, I must tell you: if the people do not turn and repent, there will come upon them all that the Lord has threatened in His Word.
Mich. Then it surprises me indeed not that so much misfortune comes upon so many people who are known to practice the devil's mischief.
Chr. You had better have said: let it not surprise you that so few people come to a true living faith, because the most still hold fast to the unspiritual and old-wives' fables, and are stuck up to their ears in superstition, wherein the devil so holds them captive that they can hardly set a foot down without being anxious about it. I maintain that a catechism of superstition would count more pages than the greatest catechism of faith; but superstition also will furnish hell with tinder enough.
Mich. You are zealous today, mightily, against superstition; I should think your zeal ought rather to turn against those who believe nothing at all.
Chr. Everything has its time; today the B . . . people have thrown superstition between my feet. Another time, something else. Yet I doubt whether zeal against unbelief is more needful than against superstition. The unbelievers, to be sure, throw out the child with the bath; but I know not which is worse, to serve the devil with fear and trembling, or for a while to behave like a fool who does not know that he is in chains and fetters. I am pretty well sick of the stuff, of the one as of the other. Let us leave it, dear Michel, and in the conflict let us not forget ourselves. Neither at the yoke of the unbelievers, nor at that of the superstitious will we pull. We would rather hold with those who sing with our man of God, the blessed Luther: "A mighty fortress is our God," etc. Only today I read, in Kraußold's Prayers for Catechism Instruction, the beautiful explanation by Luther of the first article of the Christian faith, which pleased me so much that I must read it to you, because it fits our conversation; it runs thus:
"I believe in God, the Almighty Maker of heaven and earth. That is: I renounce the evil spirit, all idolatry, all sorcery and false belief. I put my trust in no man on earth, not even in myself, nor in my power, art, goods, piety, or whatever I may have. I put my trust in no creature, be it in heaven or on earth. I put my trust alone in the bare, invisible, incomprehensible God, who created heaven and earth and is alone above all creatures; again I am not terrified at all the malice of the devil and his company; for my God is above them all. I believe none the less in God, though I were forsaken or persecuted by all men. I believe none the less, though I be poor, unwise, unlearned, despised, or lack all things. I believe none the less, though I be a sinner, for this my faith shall and must hover over all, whatever is and is not, over sin and virtue, and over all, so that it in God purely