Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 7 › Seite 54
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-25, Seite 54
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„Da wir uns seit Ihrem letzten Auftreten in der Kirche bezüglich der Verbannung mehrerer Glieder beunruhigt fühlen, finden wir nach reichlicher Überlegung und im Zartgefühl christlicher Nächstenliebe, daß Sie nicht nur partheiische, jeder christlichen Ordnung zuwiderlaufende, grobe Mißgriffe begangen, welche uns verleiten, Sie in christlicher Liebe aufzufordern, nach Gottes heiligem Wort darzulegen, daß Sie gegen diese Seelen ohne allen Grund und Ursache also handeln konnten. Wir finden gerade das Gegentheil, was Sie diesen Hinausgestoßenen zur Last legten und eben war es von Ihnen gröblich gefehlt, einem Unirten zu verstatten, Lesegottesdienste ꝛc. einzurichten — was, weil es demselben als ordnungswidrig erklärt wurde, den aufgereizten Haß hervorgebracht und Ihnen in ein falsches Licht stellen mußte.“ —
Nirgends hat aber Herr Pastor Winkler in seinen aktenmäßigen Gegenschriften diese Beschwerde als eine erdichtete, aus der Luft gegriffene dargestellt. Im Gegentheil er bezieht sich klärlich darauf, wenn es in einem Schreiben vom 16. März v. J. wörtlich also heißt:
„Aus zwei mir überreichten Schriften — einer vom 6. März und einer vom 12. geht hervor, daß sie ihrer sieben, nämlich Fr. Stricker ꝛc. ꝛc. gegen mich als Kläger auftreten — nicht wegen Lehre und Leben, sondern wie sie sagen, wegen „grober Mißgriffe“ in Handhabung der Kirchenzucht. — Nun ist männiglich bekannt, daß unsere Zeit, was Kirchenzucht betrifft, ganz und gar im Argen liegt; daß das jetzige Geschlecht im Allgemeinen ein zuchtloses ist und sein will, und daß daher die Aufrichtung christlicher Disciplin von allen Seiten gehindert wird. Kein Wunder denn aber auch, wenn das Verfahren eines einzelnen Pastors in dieser Beziehung von Verschiedenen verschieden beurtheilt wird. Unterzeichneter ist sichs vor Gott bewußt, daß er bei Ausschließung irgend eines Glieds allezeit nach bestem Wissen und Gewissen verfahren ist. Er hat jedesmal die Gründe solches Verfahrens öffentlich vorgelegt, und kann auch jetzt bei wiederholter Prüfung der Sache nicht erkennen, daß einem einzigen Ausgeschlossenen Unrecht geschehen sei.“
Demnach ist es aus Pastor Winklers eigenen Worten gewiß, welches der wahre Streitpunkt gewesen, und wenn auch er selber weiter unten die Privatbeichte mit hereinbringt, so verlautet doch davon in der angezogenen Beschwerdeschrift auch nicht eine Sylbe. Freilich erklärt dies Winkler nun nach mehr denn einem Jahre dahin, daß sich die Leute geschämt hätten, dieselbe anzuführen, doch was gewinnt er damit? Aus seiner eignen Darstellung muß jedermann erkennen, daß sich die Beschwerde auf die vielfach berührten Bannfälle bezog, wie er sich denn auch in der angezogenen Antwort ausdrücklich dahin erklärte, eben diese Sache von einem ehrlichen, competenten, bekenntnißtreuen, kirchlichen Gericht untersuchen und entscheiden zu lassen. Obwohl sich nun die Beschwerdeführenden in ihrer Erwiederung ernstlich verwahrten, daß sie ja zuvörderst nicht gegen ihren Pastor klagen, sondern ihm nur aus Gottes Wort hätten Vorstellungen machen wollen, so blieb ihnen doch, da sie sich über die vorgefallenen Banne nicht beruhigen konnten, kein anderer Ausweg, als auf Winkler's Vorschlag einzugehen, zu welchem Ende sie denn, ohne daß Schreiber dieses das Geringste davon ahnte oder wußte, sich an den Präses unserer Synode mit der Bitte wendeten, ihnen einen Mann zuzusenden, der ihrer Seits Glied einer Committee wäre, von welcher, der dortigen Constitution gemäß, die Sache gerichtet und geschlichtet werden sollte. Winkler sagt nun freilich in seiner Bemerkung zu dem Schreiben vom 6. März, daß nach 1. Tim. 5, 19. eigentlich kein christliches Kirchengericht diese Kläger hätte hören können, wenn sie nicht christliche und unverdächtige Zeugen aus der Gemeine, die von ihnen selbst anerkannt wurden, herbeibrachten. Wenn aber diese Bemerkung hier irgend einen Sinn und Zweck haben soll, so müßte es leider der sein, die Unwissenden glauben zu machen, daß wir uns bei Gewährung jener Bitte gegen 1 Tim. 5, 19. verfehlt hätten. Doch es urtheile ein jeder selbst; ob das eine unbezeugte Klage wider einen Ältesten annehmen heißt, wenn der Pastor und ein Beschwerde führender zahlreicher Theil einer Gemeine, auf des ersteren Antrag und ihrer Constitution gemäß, dahin übereinkommen, Glieder einer Committee zu berufen, die die Sache beurtheilen und entscheiden soll und eine von dem allen aktenmäßig in Kenntniß gesetzte Synode schickt auf dringende Bitte des einen Theils demselbigen einen Mann zu, der ihnen als Committeeglied dienen soll. In der That, es wird Herrn Pastor Winkler schwer werden, mit so flacher Sophistik auch nur einen einzigen Einfältigen zu täuschen. Im Gegentheil alle Redlichen werden bekennen müssen, daß der Präses unserer Synode, indem er obige Bitte gewährte, nur nach christlicher Liebe und göttlicher Ordnung nicht zuwider gehandelt hat, daß er aber den Unterzeichneten ohne dessen Wissen und Willen mit dieser Sache betraut hat, wird jeder natürlich finden, der bedenkt, daß derselbe dazumal Pastor in Frankenmut, 90 Meilen nördlich von Detroit gewesen ist, somit unter den älteren Gliedern unseres Synodalverbandes Winkler's nächster Nachbar war!
(Fortsetzung folgt)
Zweite Nachricht von unsern Delegaten aus Deutschland.
So eben ist der zweite Privatbrief des einen unsrer Freunde d. d. Erlangen vom 11. Oktober eingetroffen; und da dieser gelegentlich auf einen bereits früher abgesendeten amtlichen Bericht für den „Lutheraner“ zurückweiset, der jedoch der interimistischen Redaction bis jetzt noch nicht zu Händen gekommen ist, so geht daraus hervor, daß derselbe entweder verloren gegangen, oder irgendwie unterwegs noch aufgehalten ist.
Wir können deshalb nur auszugsweise aus dem vorliegenden Briefe unsern Lesern das sachlich Wichtige und Interessante mittheilen.
Was nun zunächst das Ergebniß ihrer Verhandlungen mit Herrn Pastor Löhe und seinen Freunden betrifft, so war dasselbe beim Absenden des Briefes noch nicht zum Abschluß gebracht. Doch sind, wie es lautete, „manche gegenseitige Bedenken gefallen und Löhe hat sich auch in mehreren wichtigen Punkten jetzt besser erklärt.“ Die Ursache der Unterbrechung ihrer Verhandlungen war eine nothwendige Conferenz, die Hr. Pastor Löhe mit seinen Freunden in Betreff ihres Austritts aus der Landeskirche am 9. Oktober zu Schwabach hielt und wo auch unsere Delegaten zugegen waren. Es war nämlich von dem Oberconsistorium ein Rescript auf ihre Vorstellung eingegangen, „welches allen strengen Lutheranern ihre Berufung auf das lutherische Bekenntniß als berechtigt zuerkannte und verhieß, daß die lutherische Kirche Baierns in die rechte Verfassung gesetzt werden sollte.“ „Es ist daher von Löhe und seinen Freunden beschlossen worden, und zwar mit unsrer völligen und fröhlichen Beistimmung, daß man in der Verbindung der Landeskirche verbleiben und auf Besserung warten wolle, nur daß man sich von aller religionsmengerischen Abendmahlsgemeinschaft, die sich noch in der Landeskirche finde, öffentlich und feierlich lossage und diese Lossagung auch praktisch durchzuführen gedenke.
In der Antwort an das Ober-Consistorium heißt es wörtlich:
„So entschieden unser Wille ist, der weitern Entwickelung einer wahrhaft lutherischen Kirche Baierns mit Vertrauen auf das Königliche Ober-Consistorium ferner entgegen zu harren, eben so entschieden müssen wir unseren väterlichen Obern bekennen, daß wir 1. keine Abendmahlsgemeinschaft mit den Reformirten und Unirten anzuerkennen vermögen; 2. daß wir keinen Pfarrer oder andern Christen, welcher bewußtermaaßen in solcher Abendmahlsgemeinschaft verharrt, für lutherisch halten können: und 3. daß wir in allen unsern amtlich praktischen Verhältnissen dieser unsrer Ueberzeugung Folge geben müssen, so schwer, seufzer- und thränenreich für uns selbst das auch hie und da werden kann.“
Ich hoffe — so schreibt der Correspondent ferner — dieser Weg wird zu einem bessern Ziele führen als ein voreiliger Austritt; ja je besser wir die deutschen Landeskirchen kennen gelernt haben: desto deutlicher haben wir einsehen müssen, daß nicht das Bleiben darin, sondern das Fortlaufen jetzt wider das Gewissen streiten würde; denn die Rechtgläubigen werden darin nur wenig in ihrer Amtsführung beengt und bedrängt und selbst die praktische Ausführung des Bekenntnisses ist ihnen nicht mehr unmöglich, geschweige das Bekenntniß selbst. Jedenfalls müssen die entschiedenen lutherischen Prediger erst sehen, was ihnen geschieht, wenn sie, treu ihrer Kirche, ihr Amt verwalten.“
„Hier in Baiern sind die sogenannten strengen Lutheraner in zwei einander schroff gegenüberstehende Heerlager getheilt, in die Anhänger
English translation AI translation
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"Since we have felt disquieted since your last appearance in the church with respect to the banning of several members, we find, after ample deliberation and in the tender feeling of Christian brotherly love, that you have not only committed partisan, grossly erroneous acts, running contrary to every Christian order, which induce us to call upon you in Christian love to show from God's holy Word that you could act thus against these souls without any ground and cause. We find just the opposite of what you laid to the charge of these cast-out ones, and it was precisely you who grievously erred in permitting a Unionist to set up reading services, etc. — which, because it was declared to him to be contrary to order, was bound to bring forth the exasperated hatred and to put you in a false light." —
Nowhere, however, has Pastor Winkler, in his counter-writings which are on record, represented this complaint as an invented one, plucked out of the air. On the contrary, he clearly refers to it, when in a letter of the 16th of March of last year it reads literally as follows:
"From two writings handed to me — one of the 6th of March and one of the 12th — it appears that they, seven in number, namely Fr. Stricker, etc., etc., appear against me as plaintiffs — not on account of doctrine and life, but, as they say, on account of 'gross errors' in the administration of church discipline. — Now it is commonly known that our time, as regards church discipline, lies wholly and altogether in evil case; that the present generation is in general undisciplined and wants to be so, and that therefore the setting up of Christian discipline is hindered on all sides. No wonder, then, if the proceeding of a single pastor in this respect is judged differently by different persons. The undersigned is conscious before God that in the exclusion of any member he has always proceeded according to his best knowledge and conscience. Each time he has set forth the grounds of such proceeding publicly, and even now, upon repeated examination of the matter, cannot recognize that wrong has been done to a single one of the excluded."
Accordingly it is certain from Pastor Winkler's own words what the true point of contention was, and even if he himself further below brings in private confession, yet nothing of it is heard in the complaint cited, not so much as a syllable. To be sure, Winkler now, after more than a year, explains this to mean that the people had been ashamed to bring it forward, but what does he gain thereby? From his own account everyone must recognize that the complaint related to the oft-mentioned cases of the ban, as he also in the answer cited expressly declared himself willing to have just this matter examined and decided by an honest, competent, confession-true church court. Although the complainants in their reply earnestly protested that they were by no means in the first place complaining against their pastor, but had only wished to make representations to him out of God's Word, yet, since they could not be set at rest concerning the bans that had occurred, no other way remained to them than to accept Winkler's proposal, to which end they then, without the writer of this having the least inkling or knowledge of it, turned to the President of our Synod with the request to send them a man who on their part should be a member of a committee by which, according to the constitution there, the matter was to be judged and settled. Winkler, to be sure, says in his remark on the letter of the 6th of March that according to 1 Tim. 5:19 properly no Christian church court could have heard these plaintiffs unless they brought forward Christian and unsuspected witnesses from the congregation, who were acknowledged by themselves. But if this remark is to have any sense and purpose here, it must unfortunately be this, to make the ignorant believe that we, in granting that request, had offended against 1 Tim. 5:19. But let each one judge for himself whether that is to be called receiving an unattested accusation against an elder, when the pastor and a numerous complaining part of a congregation, upon the former's motion and in accordance with their constitution, agree to call members of a committee to judge and decide the matter, and a Synod informed of all this according to the records sends, upon the urgent request of the one party, a man to the same, who is to serve them as a committee member. Truly, it will be hard for Pastor Winkler to deceive even a single simple person with such shallow sophistry. On the contrary, all honest persons will have to confess that the President of our Synod, in granting the above request, acted only in accordance with Christian love and divine order, not contrary to them, and that he, however, entrusted the undersigned with this matter without his knowledge and will, every one will naturally find, who considers that the same was at that time pastor in Frankenmuth, 90 miles north of Detroit, and thus among the older members of our Synodical body was Winkler's nearest neighbor!
(To be continued)
Second Report from Our Delegates in Germany.
The second private letter of one of our friends, dated Erlangen, the 11th of October, has just arrived; and since this refers in passing to an official report sent off earlier for the "Lutheraner," which, however, has not yet come to the hands of the interim editorship, it follows that it has either been lost or has somehow been detained on the way.
We can therefore communicate to our readers only by extracts from the letter before us what is of importance and interest in substance.
As to the outcome of their negotiations with Pastor Löhe and his friends, it had not yet been brought to a conclusion at the sending of the letter. Yet, as it ran, "many mutual scruples have fallen away, and Löhe has also now explained himself better on several important points." The cause of the interruption of their negotiations was a necessary conference which Pastor Löhe held with his friends, concerning their withdrawal from the Landeskirche, on the 9th of October at Schwabach, and at which our delegates were also present. For a rescript had come in from the Oberconsistorium in answer to their representation, "which acknowledged as justified the appeal of all strict Lutherans to the Lutheran Confession and promised that the Lutheran Church of Bavaria should be set in its right constitution." "It has therefore been resolved by Löhe and his friends, and indeed with our full and joyful assent, that they will remain in connection with the Landeskirche and wait for improvement, only that they will publicly and solemnly renounce all religion-mingling communion at the Lord's Supper that is still found in the Landeskirche, and intend to carry out this renunciation also in practice.
In the answer to the Ober-Consistorium it reads literally:
"As resolved as our will is to await further, with confidence in the Royal Ober-Consistorium, the further development of a truly Lutheran Church of Bavaria, just so resolved must we confess to our fatherly superiors that we 1. cannot acknowledge any communion at the Lord's Supper with the Reformed and Unionists; 2. that we cannot hold for Lutheran any pastor or other Christian who knowingly persists in such communion at the Lord's Supper; and 3. that in all our official and practical relations we must give effect to this our conviction, however hard, full of sighs and tears, it may at times become for ourselves."
I hope — so the correspondent writes further — this way will lead to a better goal than a hasty withdrawal; yea, the better we have come to know the German Landeskirchen, the more plainly have we had to perceive that not the remaining therein, but the running away would now conflict with conscience; for the orthodox are therein only little hampered and oppressed in the conduct of their office, and even the practical carrying out of the Confession is no longer impossible to them, to say nothing of the Confession itself. In any case the decided Lutheran preachers must first see what happens to them when, true to their Church, they administer their office."
"Here in Bavaria the so-called strict Lutherans are divided into two camps sharply opposed to one another, into the adherents