Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 16 › Seite 126

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-03-30, Seite 126

121 122 123 124 125 126 127 128

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

126

allen Völkern zu verkündigen, nicht bloß die Apostel betraf, das beweis't ja auf's klarste die mit diesem Befehle unzertrennlich verbundene Verheißung des HErrn: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Nicht in ihrer, sondern in des HErrn Kraft und Namen sollten die Apostel und andere Zeugen der Wahrheit in alle Welt gehen und allen Völkern die frohe Botschaft von der freien Gnade in Christo Jesu bringen, und dazu verheißt ihnen der HErr seine besondere geleitende, schützende, segnende Nähe. Und weil diese Verheißung bis an der Welt Ende gilt, so muß ja auch der Befehl, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen, um deß willen eben diese Verheißung gegeben ist, bis an der Welt Ende gelten, und gilt auch, so wahr Gott will, „daß Allen Menschen geholfen werde“, und nicht nur denen, die zu einer gewissen Zeit lebten.

Darum laß du dich, mein lieber Leser, durch keinerlei Wind der Lehre umhertreiben, sondern stehe du fest auf diesem Felsengrund des Wortes Gottes, so wirst du wohl bleiben.

Und damit du auch wissest, mit wie großem Unrecht der eine „Auszug“ im „Informatorium“ von Lügen redet, welche von den seligen Missionaren Ziegenbalg und Plütchau aus Ostindien nach Deutschland geschrieben worden wären, und welche, „die am besten zu erzählen wüßten, welche von dannen herauskommen“ (als ob deren Mund eitel Evangeliumbuch wäre, das nimmer Unwahrheit berichten könnte!): so will ich dir hier so ein „von dannen herausgekommenes“ Zeugniß hersetzen, das sich ohne Zweifel auch deinem Herzen als ein echt evangelisches Zeugniß erweisen wird. Es ist dies ein Auszug aus einem Briefe eines Indischen eingebornen Predigers auf der Insel Ceylon, Namens David, den derselbe vor einiger Zeit an das evang. luth. Missions-Collegium zu Leipzig geschrieben hat. Es heißt darin:

„Dem allmächtigen Gott gefiel es nach seiner unergründlichen und unerforschlichen Gnade und Barmherzigkeit und seinem vor Gründung der Welt gefaßten heiligen Rathschlusse, das Herz des frommen und großmüthigen Königs von Dänemark Friedrich's IV. zu rühren, im Jahre 1705 den ersten Missionar, den treuen und berühmten Bartholomäus Ziegenbalg nach Trankebar zu senden, damit derselbe die Finsterniß, die meine armen Landesleute umhüllte, erleuchte und unter ihnen das Panier des allerheiligsten Kreuzes aufrichte.“

„Nach seiner Ankunft in Trankebar war Ziegenbalg Tag und Nacht bemüht, das Evangelium auszubreiten, und es gelang ihm, Viele zur Erkenntniß der selig machenden Wahrheit zu bringen. Und die Pforten der Hölle sind noch nicht im Stande gewesen, die durch ihn gegründete Gemeine zu überwältigen. Viele treue und ausgezeichnete lutherische Missionare sind uns auch späterhin aus Ihrer gesegneten Heimath, unter ihnen namentlich der ehrwürdige Vater Schwarz, nachgesandt worden.“

„Ich danke meinem himmlischen Vater aufrichtig dafür, daß Er mein werthloses Leben verlängert und mir bis hieher geholfen hat, daß ich das Gedeihen der durch Ihre Gesellschaft unterstützten Mission in meinem Vaterlande sehen kann. Daher habe ich, als ich erfuhr, daß Ihre Missionare sämmtlich am 1. Juni 1846 die Feier des hundertjährigen Stiftungsfestes der Bethlehemskirche in Poreiar begangen haben, in welcher ich am 1. April 1775 von dem alten lutherischen Missionar, dem ehrwürdigen Herrn Klein, getauft worden bin, mich alsbald an Herrn Missionar Cordes gewendet, um meine freudige Theilnahme auszusprechen, auch eine Beschreibung dieses Festes im Morning-Star besonders abdrucken und vertheilen lassen.“

„Es ist Ihnen bekannt, daß durch die ausdauerndste Anstrengung und Mühe Ziegenbalgs und seiner Nachfolger zwei Buchdruckereien, eine Tamulische und eine Portugiesische gegründet und in denselben unter ihrer Leitung außer der heil. Schrift auch die köstlichen lutherischen Lieder gedruckt worden sind, die es in so reichem Maaße vermögen, das geheimnißvolle himmlische Feuer der Liebe zu Gott in den Herzen zu entzünden. Diese Bibeln und Gesangbücher fanden auf der Küste Koromandel und auf unsrer Insel (Ceylon) unter den christlichen Bewohnern eine weite Verbreitung, und wurden von denselben fleißig gebraucht und sorgfältig aufbewahrt. Noch jetzt werden sie als werthe Reliquien angesehen. Die Übersetzung ist im hohen Grade klar und einfach, so daß sie leicht von Gelehrten und Ungelehrten, von Männern und Frauen verstanden wird. Die spätern Übersetzungen, die von Missionaren der verschiedensten Gesellschaften und Confessionen herrühren, sind gekünstelt, schwülstig und dunkel, und eben deshalb fast ganz unbrauchbar. Möchte doch ein erneuerter Abdruck jener alten Übersetzung unter der Aufsicht Ihrer Missionare, von denen einige des Tamulischen besonders mächtig sein sollen, erfolgen; es würde dies von großem Segen für die Gemeinde und das heranwachsende Geschlecht sein.“

„Gedenken Sie meiner vor dem Gnadenstuhle Gottes und bitten Sie ihn, daß Er mir kraft seiner gnadenvollen Verheißung seinen heiligen Geist sende, damit ich im Glauben bis ans Ende verharre. Ich verspreche Ihnen, daß ich nicht aufhören werde, für Zion und für Ihre Gesellschaft zu beten, und für die Boten, welche Sie aussenden.“

„Da ich achtzig Jahre alt bin, so spüre ich täglich die deutlichsten und erfreulichsten Zeichen meiner baldigen Erlösung aus diesem Jammerthale, und harre der Zukunft meines HErrn. Ich weiß daher nicht, ob ich noch die Freude erleben werde, eine Antwort auf mein Schreiben zu erhalten, und von dem ferneren Gedeihen Ihrer Mission etwas zu hören; aber deß bin ich gewiß, daß ich, auch wenn ich in die ewigen Wohnungen des Friedens versetzt bin, Ihrer und Ihres Wirkens nie vergessen werde. Vor dem Throne Gottes werden wir uns wiederfinden, um Ihn, den Dreieinigen, ewig zu preisen.“

Siehe, mein christlicher Leser, welch ein Geruch des Lebens zum Leben sind die ersten Missionare unserer Kirche in Indien gewesen! Und siehe, dieser David, den du gewiß lieb gewonnen hast, ist eine der reifen Früchte von ihrer Arbeit. Und sind auch wir einst dem Lande der Thränen und des Kampfes entrückt, sind wir eingegangen zu der Ruhe, die noch vorhanden ist dem Volke Gottes: so werden wir dort noch Hundert und Tausende finden, die Gott der HErr durch seine Knechte, die Missionare unserer Kirche errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und gebracht hat zu dem wunderbaren Lichte der Erkenntniß Jesu Christi. Darum freue du dich, und preise Gott, daß Er auch noch in den letzten Tagen seine Boten aussendet, und die armen Heiden herein nöthigen läßet, weil auch für sie noch Raum vorhanden ist, in den ewigen Hütten des Friedens. Freue du dich dessen und sei gewiß, daß so lange der Tag des Heils noch währt, so lange der HErr noch ruft: „Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig, aller Welt Ende“ (Jes. 45, 22.) so lange Er selbst noch nicht gekommen ist, „seine Gäste zu besehen“: so lange sind eben noch die Pforten seiner Gnade offen für Alle Menschen; so lange „ist noch Raum da“, und daher auch der Wille des HErrn, daß seine Boten immer von Neuem ausgehen „auf die Landstraßen und an die Zäune“ Alle einzuladen und zu „nöthigen, daß sie hereinkommen, auf daß sein Haus voll werde“.

So lange daher noch Nationen ferne sind von „der Bürgerschaft Israels und von den Testamenten der Verheißung“; so lange noch Völker dahinwandeln im Schatten des Todes und den Weg des Friedens nicht wissen; so lange sie noch dahin leben „ohne Gott in der Welt“ und daher auch ohne Hoffnung im Leben, ohne Trost im Leiden, ohne Zuversicht im Tode; kurz, so lange sie den noch nicht kennen, dessen Wille es ist, daß Allen Menschen geholfen werde, und daß sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen, weil Er sein Blut, sich selbst gegeben hat „für Alle zur Erlösung, damit solches zu seiner Zeit gepredigt würde (1 Tim. 2, 4 — 6.): so lange halte auch du, als ein Christ, dich verpflichtet, das Deinige zu thun, damit der Name Gottes „bekannt den Heiden werde, und sie sich zu Gott bekehren.“

Sierakowski.

Fünf Tugenden,
welche nach Hieronym. Weller, Luthers Hausfreund,
ein Prediger haben soll.

„Die erste Tugend ist, die Predigt sorgfältig auszuarbeiten, sich aufs höchste dafür hütend, sich daran zu gewöhnen, die Predigten aus dem Stegreif zu halten.

Sodann, er trete mit Furcht und Zittern auf, d. h. er rufe Gott an, damit er ihm den heiligen Geist schenke, damit dieser seine Zunge regiere. Perikles betete jedesmal zu den Göttern, ehe er die Rednerbühne bestieg, daß er nichts sagen möchte, was Jemandem wehe thäte. Um wie viel mehr wird der Lehrer der Gemeinde Christi beten müssen, daß er nichts sage, was

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

126

to preach to all nations concerned not merely the apostles, this the promise of the LORD, inseparably bound up with this command, proves most clearly: "Lo, I am with you alway, even unto the end of the world." Not in their own strength, but in the strength and name of the LORD were the apostles and other witnesses of the truth to go into all the world and bring to all nations the glad tidings of the free grace in Christ Jesus, and to this end the LORD promises them His special guiding, protecting, blessing nearness. And since this promise holds until the end of the world, the command also, to preach the Gospel to all nations, on account of which this very promise is given, must hold until the end of the world, and does hold, as truly as God wills "that all men be helped," and not only those who lived at a certain time.

Therefore, my dear reader, let yourself not be carried about by any wind of doctrine, but stand fast upon this rock foundation of the Word of God, and you will do well.

And that you may also know with how great injustice the one "Auszug" in the "Informatorium" speaks of lies which are said to have been written from the East Indies to Germany by the blessed missionaries Ziegenbalg and Plütchau, and which, as it says, those "know best how to relate who come from thence" (as if their mouth were a mere gospel-book, that could never report an untruth!): so I will here set before you such a testimony "come from thence," which without doubt will prove to your heart also a truly evangelical testimony. It is an extract from a letter of a native Indian preacher on the island of Ceylon, named David, which he wrote some time ago to the Evangelical Lutheran Mission College at Leipzig. It reads therein:

"It pleased almighty God, according to His unsearchable and unfathomable grace and mercy and His holy counsel formed before the foundation of the world, to move the heart of the pious and magnanimous King of Denmark, Frederick IV, to send in the year 1705 the first missionary, the faithful and renowned Bartholomäus Ziegenbalg, to Tranquebar, that he might enlighten the darkness which enveloped my poor countrymen, and set up among them the banner of the all-holy cross."

"After his arrival in Tranquebar Ziegenbalg labored day and night to spread the Gospel, and he succeeded in bringing many to the knowledge of the saving truth. And the gates of hell have not yet been able to overpower the congregation founded through him. Many faithful and distinguished Lutheran missionaries have also afterwards been sent after us from your blessed homeland, among them especially the venerable Father Schwarz."

"I thank my heavenly Father sincerely that He has prolonged my worthless life and helped me hitherto, so that I can see the prosperity of the mission supported by your Society in my fatherland. Therefore, when I learned that your missionaries had all together on the 1st of June 1846 celebrated the centennial anniversary of the founding of the Bethlehem Church in Poreiar, in which I was baptized on the 1st of April 1775 by the old Lutheran missionary, the venerable Mr. Klein, I at once turned to Missionary Cordes to express my joyful sympathy, and also had a description of this festival in the Morning-Star printed separately and distributed."

"It is known to you that through the most persevering exertion and labor of Ziegenbalg and his successors two printing-offices, a Tamil and a Portuguese, were founded, and in them, under their direction, there were printed, besides the Holy Scriptures, also the precious Lutheran hymns, which have such rich power to kindle in the hearts the mysterious heavenly fire of the love of God. These Bibles and hymn-books found a wide circulation on the coast of Coromandel and on our island (Ceylon) among the Christian inhabitants, and were diligently used by them and carefully preserved. Even now they are regarded as precious relics. The translation is in a high degree clear and simple, so that it is easily understood by learned and unlearned, by men and women. The later translations, which proceed from missionaries of the most diverse societies and confessions, are artificial, turgid and obscure, and for that very reason almost wholly unusable. Might a renewed impression of that old translation but be made under the supervision of your missionaries, some of whom are said to be especially proficient in Tamil; it would be of great blessing for the congregation and the rising generation."

"Remember me before the throne of grace of God and pray Him that He would send me, by virtue of His gracious promise, His Holy Spirit, that I may persevere in faith unto the end. I promise you that I will not cease to pray for Zion and for your Society, and for the messengers whom you send out."

"Since I am eighty years old, I perceive daily the plainest and most gladdening signs of my speedy deliverance from this vale of misery, and I wait for the coming of my LORD. I know not, therefore, whether I shall yet live to see the joy of receiving an answer to my letter, and of hearing something of the further prosperity of your mission; but of this I am certain, that even when I am transferred into the eternal dwellings of peace, I shall never forget you and your work. Before the throne of God we shall find each other again, to praise Him, the Triune, eternally."

Behold, my Christian reader, what a savor of life unto life the first missionaries of our Church in India have been! And behold, this David, whom you have surely come to love, is one of the ripe fruits of their labor. And if we also, once removed from the land of tears and of strife, have entered into the rest that remaineth for the people of God, we shall find there yet hundreds and thousands whom God the LORD, through His servants, the missionaries of our Church, has rescued from the power of darkness, and brought to the marvelous light of the knowledge of Jesus Christ. Therefore rejoice, and praise God that even in the last days He sends out His messengers, and causes the poor heathen to be compelled to come in, because there is yet room also for them, in the everlasting habitations of peace. Rejoice in this, and be assured that so long as the day of salvation still lasts, so long as the LORD still calls: "Look unto me, and be ye saved, all the ends of the earth" (Isa. 45, 22.), so long as He Himself is not yet come "to see the guests": so long are the gates of His grace still open for all men; so long "there is yet room," and therefore also it is the will of the LORD that His messengers go forth again and again "into the highways and hedges" to invite all and to "compel them to come in, that my house may be filled."

So long, therefore, as nations are yet far from "the commonwealth of Israel and strangers from the covenants of promise"; so long as peoples yet walk in the shadow of death and know not the way of peace; so long as they yet live "without God in the world" and therefore also without hope in life, without comfort in suffering, without confidence in death; in short, so long as they do not yet know Him whose will it is that all men be helped, and that they come to the knowledge of the truth, because He has given His blood, Himself, "a ransom for all, to be testified in due time" (1 Tim. 2, 4 — 6.): so long do you also, as a Christian, hold yourself bound to do your part, that the name of God may be "made known to the heathen, and that they may turn to God."

Sierakowski.

Five Virtues,
which according to Hieronymus Weller, Luther's house-friend, a preacher should have.

"The first virtue is to work out the sermon carefully, guarding oneself most earnestly against accustoming oneself to deliver sermons offhand.

Next, let him come forward with fear and trembling, that is, let him call upon God, that He would give him the Holy Ghost, that this may govern his tongue. Pericles prayed every time to the gods before he mounted the speaker's platform, that he might say nothing that would hurt anyone. How much more must the teacher of the congregation of Christ pray, that he say nothing which