Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 16 › Seite 127

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-03-30, Seite 127

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die Ehre Gottes verletze, oder schwache Seelen zum Anstoß reize!

Drittens trachte er darnach, daß er nichts Paradoxes (der Rechtgläubigkeit Widersprechendes), nichts was die Ohren jückt, vorbringe, sondern was wirklich zur Erbauung dient, was zagende Gewissen aufrichtet und eiserne Herzen zerschlägt.

Viertens hüte er sich, sowohl schöne Worte zu machen, als auch bitter und hart zu sein. Muß er tadeln, so sage er dazu: Lieben Freunde, Gott weiß, daß ich nicht aus Haß spreche.

Fünftens soll es der Prediger kurz machen. Dr. Luther sagte zu einem Theologen, der immer an die zwei Stunden predigte: Vos facitis taedium verbi d. i. Ihr bewirkt Ueberdruß an Gottes Wort; und Philippus (Melanchthon): „ein Prediger müßte schon ganz besonders beredt sein, wenn er länger als eine halbe Stunde predigen soll, ohne dem Zuhörer Langeweile zu machen.“ Gute Musici machen eine Pause, wenn das Spiel am lieblichsten ist, so sind die Prediger am besten, welche anzufangen und aufzuhören wissen.“ (Siehe: Ratio formandi studii theologici. Norimb. 1565.)

Einziger Trost.

Ein Prediger in Sachsen wurde, als er an einem fürstlichen Hofe Hofprediger war, zu einem kranken Herrn gerufen, der ihn folgender Maaßen anredete: „Herr Hofprediger! ich bin sehr krank, und befürchte, ich könnte sterben, darum habe ich Sie zu mir rufen lassen, und will Sie nun bitten, mir etwas Erbauliches zu sagen; Eins aber muß ich mir gleich von Ihnen ausbitten, daß Sie mir Nichts von Jesu sagen, denn davon will ich Nichts hören.“ — Der Prediger sagte: „Es ist mir lieb, daß Sie mir das so bald sagen, denn das würde das Erste gewesen sein, wovon ich mich mit Ihnen zu unterhalten gesucht hätte. Indessen gibt es ja sonst noch viel Erbauliches, wovon wir uns unterhalten können. Darf ich von Gott mit Ihnen reden?“ — „Ja, davon will ich gerne hören, denn vor Gott hatte ich immer viel Hochachtung.“ Der Prediger sprach nun von der Liebe Gottes zu den Menschen, was dem Kranken sehr angenehm war, daß er beim Abschiede bat, bald wieder zu kommen.

Als der Prediger das nächste Mal wieder kam, sagte der Kranke: „Nun, was werden Sie mir heute Schönes erzählen? Ich habe mich schon lange nach ihrem Besuche gesehnt.“ An diesem Tage redete er Vieles von Gottes Allmacht, Weisheit und Allwissenheit. Diese Unterhaltung war schon viel ernsthafter als die vorige, doch war sie dem Kranken noch angenehm. Bei einem dritten Besuche sprach der Geistliche von Gottes Heiligkeit. Und nun sagte er, wie Gott ein so heiliges und reines Wesen und mit nichts Anderem als reinen und heiligen Wesen umgeben sei. Diese Unterhaltung war noch ernsthafter, als die vorige. Aber noch weit mehr wurde es ein folgender Besuch, wo sich die Unterhaltung auf Gottes Gerechtigkeit bezog. Nun fing aber der Kranke an: „Herr Hofprediger, jetzt kann ich es nicht mehr aushalten, mir wird angst und bange; wenn Gott so heilig und gerecht ist, wie Sie sagen, so bin ich verloren!“ —

Nun ging aber der Prediger fort, und kam den folgenden Tag nicht wieder, denn er dachte: Mag doch das, was er jetzt fühlt, ein Wenig tief bei ihm eingehen. Endlich ließ der Patient den Prediger rufen, und da er kam, sagte er: „Mein Gott, ich weiß mich vor Angst nicht zu fassen; sagen Sie mir doch wieder etwas Tröstliches, es ist mir ja, als befände ich mich schon in der Hölle, oder die Hölle wäre in mir; wissen Sie denn Nichts, wobei ich wieder Beruhigung finden könnte?“ Der Prediger antwortete: „Gar Nichts weiß ich Ihnen sonst mehr zu sagen, als daß Gott zwar gnädig, aber auch weise, heilig und gerecht ist, und vermöge Seiner Gerechtigkeit nicht anders kann, als das Böse bestrafen. Ich wüßte wohl noch viel Schönes und Treffliches, aber davon wollen Sie ja Nichts hören, darum müssen Sie in diesem unseligen Zustande dahin sterben, und drüben Ihr Schicksal erwarten, und da muß ich Sie von Herzen bedauern.“ — „Nun, was wissen Sie denn noch Tröstliches und Gutes, sagen Sie mir's doch, kann ich noch gerettet werden?“ — „O ja! aber sonst nicht, bis daß ich Ihnen Etwas von Jesu sagen darf.“ — „Nun, sagen Sie mir denn in Gottes Namen, was Sie wollen, wenn ich nur noch aus meiner Verdammniß gerettet werden kann.“ — Nun verkündigte er ihm das Evangelium, daß dieser von ihm bisher so verachtete Jesus sein Herr und Gott, sein Schöpfer und Heiland sei, zu dem er sich mit allen seinen Sünden wenden und um Gnade bitten sollte. Für solche Sünder sei er gestorben, und habe am Kreuz sein Blut vergossen zu einem Lösegelde für ihn und die ganze Welt. — Nun war dieser Kranke froh, von einem solchen Jesus, der die Sünder annimmt, Etwas zu hören. Er nahm dann auch seine Zuflucht zu Ihm, und ging als begnadigter Sünder im Glauben an das Verdienst Christi selig aus der Zeit.

(Wölblings christl. Geschichten.)

Widerruf.

Der luth. Pastor Rauschenbusch kam an ein Krankenbett, und der Kranke konnte nicht aufhören, sich in den stärksten Ausdrücken als den größten aller Sünder zu schildern. „So ist es denn wirklich wahr, was ich von Euch gehört habe?“ sagte der Seelsorger. Bei diesen Worten richtete der Kranke sich auf: „Was haben Sie von mir gehört, Herr Pastor, mir kann Niemand mit Grund etwas Schlechtes nachsagen“, — und nun ergoß sich der vorhin so demüthige Sünder in eine Lobrede über sein vergangenes Leben, und in Verwünschungen über die Feinde und Verläumder, die ihn mit böser Nachrede gekränkt hätten. „Nicht von Feinden und Verläumdern, antwortete Rauschenbusch, sondern von Euch selbst habe ich es gehört, daß Ihr ein so böser Mensch wäret, ich sehe aber nun wohl, daß Ihr es selbst nicht glaubt.“ —

Wölblings christl. Geschichten.

Wie sich die Papisten die Kirche vorstellen.

So schreibt Luther in seiner „Verantwortung wegen der von Herzog Georgen ihm aufgelegten Aufruhr, Anno 1533“:

„Da maleten sie ein groß Schiff, das hieß die heilige Christliche Kirche, darinnen saß kein Laye, auch weder Könige noch Fürsten, sondern allein der Pabst mit den Cardinälen und Bischöfen vorne an unter dem heiligen Geist, und die Pfaffen, Mönche zu beiden Seiten mit Rudern, als wenn sie zum Himmel führen. Die Layen aber schwummen im Wasser um das Schiff, etliche ersoffen, etliche zogen sich zum Schiff an Stricken und an Seilen, welche ihnen die heiligen Väter aus Gnaden und Mittheilung ihrer guten Werke herauswarfen, und ihnen holfen, daß sie nicht ersoffen, sondern am Schiff klebend und hangend auch mit gen Himmel kämen. Und war kein Pabst, Cardinal, Bischof, Pfaffe, noch Mönch im Wasser, sondern eitel Layen. Solch Gemälde war ein Bild und kurzer Begriff ihrer Lehre, was sie von weltlichen Ständen hielten, und ist auch das rechte Bild wie sie es in ihren Büchern halten, das können sie nicht leugnen. Denn ich bin auch solcher Gesellen einer gewesen, der solches hat helfen lehren, und also gegläubt, und nicht anders gewußt.“

Dr. Wilhelm Bidenbach (Felix Bidenbach's Vater, geb. 1538), gewesener Prediger und Professor zu Tübingen, schreibt, daß er dieses oben beschriebene Bild auch noch gesehen habe, und zwar in einem Capuzinerkloster in Schönbach bei Tübingen.

Es ist leider nur zu wahr, daß dieses Bild sich auch in manche protestantische Kirche unserer Tage noch immer nicht übel schicken und ein anschauliches Conterfei der darin geführten Lehre abgeben würde, denn, ob auch unter den Protestanten wohl niemand mehr glaubt, daß die Prediger den armen Layen durch das Verdienst ihrer guten Werke in den Himmel helfen können, so geberden sich doch viele s. g. protestantische Prediger nicht anders, als seien nicht die Gläubigen, sondern eigentlich die Prediger der rechte Kern und Ausbund der christlichen Kirche, neben denen die Layen nur her schwömmen; als seien ihnen allein die Schlüssel des Himmels gegeben, daher kein Laye in den Himmel kommen könne, wenn der Prediger ihm nicht hinein hülfe; als seien sie nicht der Christen Ruderknechte, sondern ihre Befehlshaber, die Schiffsherrren.

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violate the honor of God, or provoke weak souls to offense!

Thirdly, let him strive to bring forth nothing paradoxical (contradicting orthodoxy), nothing that tickles the ears, but what truly serves for edification, what raises up fearful consciences and breaks iron hearts.

Fourthly, let him beware both of making fine words, and of being bitter and harsh. If he must rebuke, let him add: Dear friends, God knows that I do not speak out of hatred.

Fifthly, the preacher ought to be brief. Dr. Luther said to a theologian who always preached for the better part of two hours: Vos facitis taedium verbi, that is, You cause weariness of God's Word; and Philippus (Melanchthon): "a preacher would have to be quite exceptionally eloquent if he is to preach longer than half an hour without making his hearers weary." Good musicians make a pause when the playing is most delightful; so those preachers are best who know how to begin and how to stop." (See: Ratio formandi studii theologici. Norimb. 1565.)

The Only Comfort.

A preacher in Saxony, when he was court preacher at a princely court, was called to a sick nobleman, who addressed him in the following manner: "Mr. Court Preacher! I am very sick, and fear I might die; therefore I have had you called to me, and would now ask you to tell me something edifying; but one thing I must at once stipulate with you, that you tell me nothing of Jesus, for of that I will hear nothing." — The preacher said: "I am glad you tell me this so soon, for that would have been the first thing about which I should have tried to converse with you. However, there is, to be sure, much else that is edifying about which we can converse. May I speak with you of God?" — "Yes, of that I will gladly hear, for I always had much respect for God." The preacher now spoke of the love of God toward men, which was so agreeable to the sick man that at parting he asked him to come again soon.

When the preacher came the next time, the sick man said: "Well, what fine things will you tell me today? I have long been longing for your visit." On this day he spoke much of God's almighty power, wisdom and omniscience. This conversation was already much more serious than the former, yet it was still agreeable to the sick man. At a third visit the clergyman spoke of God's holiness. And now he said how God is so holy and pure a being and is surrounded by nothing but pure and holy beings. This conversation was still more serious than the former. But still far more so was a following visit, where the conversation turned upon God's righteousness. Then the sick man began: "Mr. Court Preacher, now I can bear it no longer, I grow anxious and afraid; if God is so holy and righteous as you say, I am lost!" —

Now the preacher went away, and did not come again the following day, for he thought: Let what he now feels sink in a little deeper with him. At length the patient had the preacher called, and when he came, he said: "My God, I know not how to compose myself for fear; tell me again something comforting, for it is to me as if I were already in hell, or hell were in me; do you not know anything by which I could find composure again?" The preacher answered: "I know nothing else at all to tell you, except that God is indeed gracious, but also wise, holy and righteous, and by virtue of His righteousness cannot do otherwise than punish evil. I should know much that is beautiful and excellent, but of that you will hear nothing; therefore you must die in this unhappy state, and expect your fate yonder, and then I must pity you from my heart." — "Well, what comforting and good thing do you know then? Tell me, I pray, can I yet be saved?" — "O yes! but not otherwise, until I may tell you something of Jesus." — "Well, tell me then in God's name whatever you will, if only I can yet be saved from my damnation." — Now he proclaimed to him the Gospel, that this Jesus, hitherto so despised by him, was his Lord and God, his Creator and Savior, to whom he should turn with all his sins and pray for grace. For such sinners He died, and shed His blood on the cross as a ransom for him and the whole world. — Now this sick man was glad to hear something of such a Jesus, who receiveth sinners. He then took refuge in Him also, and departed this life blessed, as a pardoned sinner, in faith in the merit of Christ.

(Wölblings christl. Geschichten.)

Recantation.

The Lutheran Pastor Rauschenbusch came to a sickbed, and the sick man could not cease describing himself in the strongest terms as the greatest of all sinners. "So it is really true, what I have heard of you?" said the pastor. At these words the sick man sat up: "What have you heard of me, Pastor? No one can say anything bad of me with justice" — and now the sinner, so humble a moment before, poured himself out in a eulogy upon his past life, and in imprecations upon the enemies and slanderers who had wounded him with evil report. "Not from enemies and slanderers," answered Rauschenbusch, "but from yourself I heard that you were so wicked a man; but I see now that you yourself do not believe it." —

Wölblings christl. Geschichten.

How the Papists Imagine the Church.

Thus Luther writes in his "Verantwortung wegen der von Herzog Georgen ihm aufgelegten Aufruhr, Anno 1533":

"There they painted a great ship, which was called the holy Christian Church, in which sat no layman, neither kings nor princes, but only the Pope with the cardinals and bishops in front under the Holy Ghost, and the priests and monks on both sides with oars, as if they were rowing to heaven. But the laymen swam in the water around the ship, some drowned, some drew themselves to the ship by cords and ropes, which the holy fathers threw out to them out of grace and the imparting of their good works, and helped them that they should not drown, but clinging and hanging to the ship might also come with them to heaven. And there was no pope, cardinal, bishop, priest, nor monk in the water, but only laymen. This painting was an image and brief summary of their doctrine, what they thought of the secular estates, and it is also the true picture of how they hold it in their books, they cannot deny it. For I too was one of such fellows, who helped to teach such things, and so believed, and knew no otherwise."

Dr. Wilhelm Bidenbach (father of Felix Bidenbach, born 1538), formerly preacher and professor at Tübingen, writes that he himself had also seen this picture described above, and indeed in a Capuchin monastery in Schönbach near Tübingen.

It is, alas, only too true that this picture would still, even now, suit not a few Protestant churches of our day, and would furnish a graphic likeness of the doctrine taught in them; for although among Protestants, to be sure, no one any longer believes that the preachers can help the poor laymen into heaven by the merit of their good works, yet many so-called Protestant preachers conduct themselves no otherwise than as if not the believers, but really the preachers were the true kernel and flower of the Christian Church, beside whom the laymen only swim along; as if to them alone the keys of heaven were given, so that no layman could come into heaven unless the preacher helped him in; as if they were not the oarsmen of Christians, but their commanders, the shipmasters.