Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 20 › Seite 153
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-25, Seite 153
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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ (Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.)
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 8. St. Louis, Mo., den 25. Mai 1852. No. 20.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle anderen aber, welches Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.
Reisebericht des Redakteurs.
(Fortsetzung.)
Da uns unsere Rückreise von München (am 12. Nov.) über Nördlingen führte, so konnten wir nicht umhin, hier einige Stunden zu verweilen. Hier steht nehmlich Herr Pastor J. F. Wucherer, bekannt als Herausgeber einer im Jahre 1848 erschienenen populären Einleitung in die Schriften des Neuen Testamentes*) und als mehrjähriger Mitradekteur des jetzt von Herrn Pastor Müller in Immeldorf redigirten Nördlinger „Sonntagsblattes,“ in welchem letzteren Blatte insonderheit derselbe nach unserer Ueberzeugung ein Muster, wie für das Volk über geistliche und weltliche Gegenstände zu schreiben ist, geliefert hat, das freilich wohl wenige zu erreichen im Stande sein dürften. (Eine gleiche Probe dieser seiner bewunderungswürdigen Gabe liefert derselbe alljährlich in dem von ihm unter dem Titel „Freimund“ herausgegebenen lutherischen Kalender.) Wir sagen gewiß nicht zu viel, wenn wir bekennen, daß wir an diesem ebenso hochbegabten, wie grundtreuen Knechte des HErrn eine wahre Zierde unserer evangel.-luther. Kirche kennen gelernt haben. Es sind uns wenige Männer bekannt geworden, die mit einem so tiefen Ernste eine so anziehende, sogleich das vollste Zutrauen erweckende Offenheit verbänden, die selbst unter den entmuthigendsten Amtserfahrungen nicht Schaden gelitten hat. Je näher wir mit Herrn Pastor Wucherer bekannt wurden, desto natürlicher mußten wir es daher finden, daß man es in München besonders tief beklagt hatte, auch ihn unter denen zu sehen, welche jetzt mit so unerbittlicher Entschiedenheit Reinigung der bairisch-lutherischen Kirche von ihrem unionistischen, reformirten und rationalistischen Sauerteige fordern — oder nicht länger im Verband derselben verbleiben zu können, öffentlich und feierlich erklären.
*) Der ganze Titel dieser geistvollen Schrift ist: „Das Wort der Wahrheit. Oder: Populäre Einleitung in die Schriften des N. T. Ein Buch für alles Volk, in zwei Theilen. Nördlingen 1848. Druck und Verlag der C. H. Beck'schen Buchhandlung.“
Die uns jetzt gebotene Gelegenheit, das bekannte theologische Antiquariats-Bücherlager des Herrn Buchhändlers Beck in Nördlingen in Augenschein zu nehmen, konnten wir unmöglich unbenützt vorübergehen lassen. Wir besuchten denselben und sahen hier mit Herzens-Freuden große Schätze der alten lutherischen Literatur aufgespeichert. Wir hörten zugleich, daß der in seinem Fach so unermüdliche Herr Beck so viele betreffende Verbindungen angeknüpft habe, daß sich nicht leicht ein älteres theologisches Werk finden wird, welches derselbe nicht auf Verlangen bald herbeizuschaffen im Stande sein sollte. Wir machen daher hierdurch alle Liebhaber der bezeichneten Literatur unter unseren Lesern hierauf aufmerksam. Es ist übrigens gewiß höchst merkwürdig und erfreulich, daß der Vertrieb alter guter Kernschriften gerade in neuester Zeit eine noch nie dagewesene Ausdehnung erlangt hat. Während nicht wenige neuere zierlich gebundene Schriften im Laden vermodern, ist jetzt von allen Seiten her wieder Nachfrage nach den alten plumpen Holzbänden; man zieht sie wieder aus dem mehr denn hundertjährigem Staube und Moder, darin sie begraben lagen, hervor, und überzeugt sich immer mehr, daß gerade in diesen rauhen Muscheln die köstlichsten Perlen sich finden. Wir sahen zwar mit Erstaunen, wie hoch die alten theologischen Bücher jetzt im Preise gestiegen sind, während sie, da wir noch in Deutschland lebten, meist nur nach dem Gewicht als Maculatur verkauft wurden, aber wer sollte sich nicht von Herzen freuen, wenn Gottes reines Wort auf diese Weise theuer wird!*) —
*) Wir reden hier jedoch nur von einem vergleichungsweise hohen Preise; an sich sind die Bücher, selbst abgesehen von ihrem inneren unbezahlbaren Werthe, noch immer sehr wohlfeil.
In der Absicht, Herrn Past. Löhe, mit welchem wir unterdessen schon eine zweite Zusammenkunft in Nürnberg gehabt, noch einmal einen Besuch in Neuendettelsau abzustatten, reisten wir am 13. Novbr. auf der Eisenbahn zunächst über Oettingen bis Gunzenhausen, wo wir im Gasthofe übernachteten, in dem wir zwar einen Herrn Pfarrer, wahrscheinlich aus der Umgegend, kennen lernten, der hier nach
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine shall never pass away, now or evermore." (Rev. John ch. 14, v. 6. 7.)
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Vol. 8. St. Louis, Mo., the 25th of May 1852. No. 20.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 Cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money etc., are to be sent hither under the address Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
Report of the Editor's Journey.
(Continuation.)
Since our return journey from Munich (on the 12th of Nov.) led us through Nördlingen, we could not refrain from tarrying here a few hours. For here resides Pastor J. F. Wucherer, known as the publisher of a popular introduction to the writings of the New Testament*) which appeared in the year 1848, and as for many years co-editor of the Nördlingen "Sonntagsblatt," now edited by Pastor Müller in Immeldorf, in which latter paper he has, in our conviction, furnished a model of how one ought to write for the people on spiritual and worldly subjects, one which indeed few are likely to be able to equal. (A like specimen of this his admirable gift he furnishes every year in the Lutheran almanac published by him under the title "Freimund.") We surely say not too much when we confess that in this man, as highly gifted as he is thoroughly faithful a servant of the LORD, we have come to know a true ornament of our evangelical Lutheran Church. Few men have become known to us who combined so deep an earnestness with so winning an openness, immediately awakening the fullest confidence, an openness which has suffered no harm even under the most discouraging experiences of office. The better we became acquainted with Pastor Wucherer, the more natural we therefore had to find it that in Munich it had been especially deeply lamented to see him also among those who now with such unrelenting determination demand the purging of the Bavarian Lutheran Church of its Unionistic, Reformed and rationalistic leaven, or declare publicly and solemnly that they can no longer remain within its fellowship.
*) The whole title of this ingenious work is: "Das Wort der Wahrheit. Oder: Populäre Einleitung in die Schriften des N. T. Ein Buch für alles Volk, in zwei Theilen. Nördlingen 1848. Druck und Verlag der C. H. Beck'schen Buchhandlung."
The opportunity now offered us of inspecting the well-known theological second-hand book depository of the bookseller Mr. Beck in Nördlingen we could not possibly let pass unused. We visited it and saw here, with heartfelt joy, great treasures of the old Lutheran literature stored up. We heard at the same time that Mr. Beck, so untiring in his line of business, has formed so many relevant connections that it will not easily happen that an older theological work is to be found which he should not be able soon to procure on request. We therefore hereby call the attention of all lovers of the literature indicated among our readers to this. It is, by the way, certainly highly remarkable and gratifying that the circulation of good old standard writings has attained, just in the most recent time, an expansion never seen before. While not a few newer, elegantly bound writings molder in the shop, there is now on all sides again a demand for the old clumsy wooden-board bindings; one draws them forth again from the dust and mold of more than a hundred years in which they lay buried, and is ever more convinced that precisely in these rough shells the most precious pearls are to be found. We did indeed see with astonishment how high the old theological books have now risen in price, whereas, when we still lived in Germany, they were mostly sold merely by weight as waste paper; but who should not rejoice from the heart when God's pure Word thus becomes dear!*) —
*) We speak here, however, only of a comparatively high price; in themselves, even apart from their inestimable inner worth, the books are still very cheap.
With the intention of paying yet another visit in Neuendettelsau to Pastor Löhe, with whom we had meanwhile already had a second meeting in Nuremberg, we traveled on the 13th of Nov. by railroad first via Oettingen to Gunzenhausen, where we spent the night at an inn, in which we indeed made the acquaintance of a clergyman, probably from the surrounding country, who here after