Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 20 › Seite 159

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-25, Seite 159

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risch, daß sie sich dennoch vor dem Volke den Schein zu geben suchen, sie seien trotzdem durchaus moralische Menschen, auf deren Worte man sich allerdings verlassen könne; auch ihre Handlungen seien von edlen Grundsätzen geleitet ꝛc. Solcher heuchlerischer, feiger Atheisten giebt es auch hier in St. Louis, leider! die Menge, und gerade viele unserer armen Deutschen, von Gott in verkehrten Sinn dahingegeben, sind häufig stumpfsinnig genug, daß sie dem heuchlerischen Geschwätze solcher Atheisten von „Moralität, Edelsinn, reinen Beweggründen, guten Grundsätzen ꝛc.“ Glauben beimessen.

Es hat jedoch Atheisten gegeben, welche geradeheraus gesagt haben, was eigentlich ihre Religion sei. Am ehrlichsten geht damit u. A. der Busenfreund des alten Fritzen, der atheistische Doktor de la Mettrie, heraus. Derselbe schreibt z. B. Folgendes:

„Die Glückseligkeit ist das Recht eines jeden Menschen, er muß sie finden, wo sie ist, sie gehört dem Lasterhaften sowohl und so billig, als dem Besten. Der Genuß der Liebe in seinem natürlichen und den Thieren vernehmlichen Verstande, die feinste Kitzelung der Sinne ist unser einziges Gut, es macht allein, auch ohne die Ehre und den Beifall der Welt, uns glücklich. Dieses zu erhalten, muß ihn die Pedantinn (die jede Kleinigkeit aufsticht), die Tugend nicht hindern. Sie ist ein Hirngespinnst, eine Brut der Kunst und ein fremdes Gewächs, das in unserm Busen nicht von Natur keimt. Die Reue, die so hartnäckig ist, uns zu verfolgen, muß man aus den Gedanken verbannen, und das unbequeme Gewissen, eine Frucht der in unserer Kindheit empfangenen Schläge und Vorurtheile, muß man betäuben, schweigen heißen, und so lange ihm den Mund stopfen, bis es nicht mehr sprechen kann. An Gott ist nicht zu gedenken, und daß es kein anderes Leben gebe, ist erwiesen; also hat man nichts zu fürchten, als das einzige Wesen, das unserem Glücke im Wege ist: den Henker — vor diesem Richter muß der Philosoph freilich sich in Acht nehmen, da er sonst nichts weder über der Erde, noch unter derselben fürchtet.“ (Traité de la vie heureuse.)

Kirchliche Nachrichten.

Herr Candidat Jesaias Andreas Häckel, gebildet und examinirt in Fort Wayne, erhielt von den durch die Wegberufung ihres zeitherigen Pastors, Herrn M. Johannes, vacant gewordenen ev. luth. Gemeinden am Sulphurspring und am Bigriver in Jefferson Co., Mo., einen ordentlichen Beruf und wurde in der letzteren Gemeinde am Sonntag Cantate, den 9. Mai d. J., vom Pastor Bünger, im Auftrage des Herrn Präses, feierlich ordinirt.

Der HErr Jesus Christus gebe zur Arbeit dieses neuberufenen Dieners am Wort seinen reichen Segen in der weit ausgebreiteten Parochie.

Washington, D. C., 1. Mai 1852.

Geliebte Freunde in dem HErrn Christo Jesu!

Zu unserer großen Freude können wir Ihnen, theure Glaubensgenossen, eine Mittheilung machen, an welcher Sie gewiß den aufrichtigsten und innigsten Antheil nehmen werden. Wir haben es nämlich gesehen und erfahren, daß der Herr nicht ewiglich verstößt, sondern er betrübt wohl—vergl. Jeremias Klagelieder, Capitel 2, Vers 14 und 15—aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Barmherzigkeit. Er läßt sein seligmachendes Wort wieder lauter und rein unter uns predigen und seine heil. Sakramente wieder nach seinem Willen verwalten, welches beides wir so lange Zeit entbehren mußten. Ihm sei dafür Lob, Preis und Ehre!

Es war am achten Sonntage nach dem Feste der heil. Dreieinigkeit 1851, als auf unsere dringende Bitte und auf den Auftrag der Ehrwürdigen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten, an welche wir uns um die Zusendung eines Predigers gewendet hatten, der Hr. Pastor Keyl, an der evangelisch lutherischen Gemeinde zu Baltimore, zum erstenmale zu uns kam, um uns Gottes Wort zu predigen. Ihn begleitete Herr Pastor Wyneken, der damals auf der Reise nach Deutschland begriffen war. Beide ehrwürdige Herren predigten an dem genannten Sonntage, der eine Vormittags, der andere Nachmittags. Groß war unsere Freude an jenem Tage, Gottes Wort zu hören durch ihren Mund, den der Herr mit viel Weisheit zugerichtet hat.

Der Herr Pastor Keyl kam darauf auf unsern Wunsch, wie mit freudiger Zustimmung seiner Gemeinde noch ein paar Mal zu uns, und nachdem wir auf Grund einer, dem Worte Gottes und dem Bekenntniß der evangelisch-lutherischen Kirche gemäßen Constitution zu einer Gemeinde uns vereinigt hatten, beriefen wir Herrn Pastor W. Nordmann am 2. November, 1851, zu unserem Prediger und Seelsorger. Derselbe nahm die Berufung zu unserer Freude an, konnte aber nicht sogleich zu uns kommen, da seine früheren Gemeinden bei Baltimore vor der Ankunft eines Nachfolgers nur durch ihn versorgt werden konnten. Eine geraume Zeit verging, ehe der Nachfolger eintraf—von dem 2. November, 1851, bis zum Sonntag Lätare bediente Herr Pastor Nordmann uns und seine früheren Gemeinden.—Endlich kam die Zeit, der wir mit großer Sehnsucht entgegen gesehen hatten, daß er bei uns ohne Unterbrechung bleiben und in sein heil. Amt bei uns eingeführt werden konnte. Es geschah letzteres am Palmsonntag.

Der Herr Pastor Keyl, von dem Hrn. Pastor Brohm in New York, Vicepräses der Ehrw. Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten mit der Einführung beauftragt, traf zu dem Zwecke in Begleitung einiger Glaubens-Brüder und Schwestern am Vorabend des genannten Tages bei uns ein. Am andern Morgen führte uns der erste Eisenbahnzug etwa 70 unserer lieben Glaubensgenossen, Männer und Frauen, Söhne und Töchter der benachbarten lutherischen Gemeinde zu Baltimore zu. Sie wollten mit uns zum Lobe und Dank des Höchsten für seine Gnade, die er an uns erwiesen, sich vereinigen, und das Sänger- und Musikchor unter ihnen wollte mit Psalmen und Lobgesängen den HErrn für seine Barmherzigkeit preisen. Um 10 Uhr des Morgens begaben wir uns mit unseren Freunden in das Haus, dessen kleinerer Saal uns sonst für unsere Gottesdienste dienen muß. Zu dem Gottesdienste an diesem Tage hatten wir, weil eine größere Anzahl Zuhörer wie gewöhnlich zu erwarten war, die auch kam, einen größeren Saal darin gemiethet, der zum freundlichen Gotteshause wurde. Dem Eingange desselben gegenüber, an der Hinterwand, stand auf einer Erhöhung, die mit einem schönen Teppich belegt war, unser Altar, behangen mit einem purpurseidenen Gedecke, an dessen Vorderseite ein goldenes Kreuz und besetzt mit einem Crucifix, zu dessen Seiten Vasen mit Blumen und zwei silberne Leuchter mit brennenden Kerzen standen. Hinter dem Altar war eine weiße Altarwand, mit frischem Grün bekleidet, worauf die Worte aus dem Sonntags-Evangelium standen: Hosiana dem Sohne David's! Der Gottesdienst begann mit dem „Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit,“ worauf der Herr Pastor Nordmann am Altar die Herzen zu dem Vater im Himmel hinwies, indem er sang: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ welchen Zuruf die Gemeinde unter Begleitung von Instrumentalmusik der Baltimorer Gemeinde mit dem Gesang: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'!“ beantwortete. Darauf sang Herr Pastor Nordmann am Altar: „Der HErr sei mit Euch,“ und die Gemeinde: „Und mit deinem Geiste.“ Nach dem Absingen der Collecte verlas er die Epistel. Auf dieselbe folgte der Hauptgesang, No. 44, und nach demselben die Verlesung des Evangeliums. Darauf führte das Musik- und Sängerchor der Baltimorer Gemeinde ein Musikstück—es war der erste Theil des 96. Psalms—ohne Zweifel zu aller Anwesenden Erbauung mit großer Fertigkeit auf. An dieses Musikstück schloß sich sodann der Glaube. Es folgte die Predigt des Herrn Pastor Keyl über das Sonntags-Evangelium. Er zeigte, daß der HErr noch immerdar einziehe in die Herzen der Menschen mit seinem beseligenden Worte und mit seinen heiligen Sacramenten, wenn beides im wahren Glauben angenommen würde. Wie immer, so oft uns dieser theure und hochverehrte Diener des HErrn dessen Wort verkündigte, so erhielten wir auch durch diese Predigt reiche Lehre, Rath, Trost und Frieden. Am Schluß der Predigt nahm er, sichtbarlich der Freude über sein unter uns mit Gottes gnädiger Hülfe begründetes Werk sich hingebend, Bezug auf das Einziehen des HErrn zu uns, mit dessen lauterem und reinem Worte und mit den heiligen Sacramenten. Nach der Predigt sang das Baltimorer Sängerchor das Lied: „Macht hoch die Thür, die Thür macht weit!“ Darnach folgte die heilige Handlung der Einführung. Es trat Herr Pastor Nordmann sammt den Vorstehern der Gemeinde vor den Altar, und Herr Pastor Keyl ermahnte ersteren, seine Heerde mit lau-

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ical that they nevertheless seek to give themselves the appearance before the people that they are, notwithstanding, thoroughly moral men, on whose words one may indeed rely; that their actions also are guided by noble principles, etc. Of such hypocritical, cowardly atheists there are, alas! a multitude also here in St. Louis, and many of our poor Germans in particular, given over by God to a perverse mind, are often stupid enough to lend credence to the hypocritical prattle of such atheists about "morality, nobility of mind, pure motives, good principles, etc."

There have been, however, atheists who have said straight out what their religion actually is. Most honestly of all comes out with it, among others, the bosom friend of old Fritz, the atheistic Doctor de la Mettrie. He writes, for example, the following:

"Happiness is the right of every man; he must find it where it is; it belongs to the vicious as well and as justly as to the best. The enjoyment of love in its natural sense, intelligible even to the beasts, the finest titillation of the senses, is our only good; it alone, even without the honor and applause of the world, makes us happy. To obtain this, virtue, that pedant (who picks at every trifle), must not hinder him. She is a figment of the brain, a brood of art and a foreign growth which does not sprout by nature in our bosom. Remorse, which is so obstinate as to pursue us, one must banish from one's thoughts, and the inconvenient conscience, a fruit of the blows and prejudices received in our childhood, one must stupefy, bid be silent, and stop its mouth so long until it can speak no more. There is no thinking of God, and that there is no other life is proved; therefore one has nothing to fear except the one being that stands in the way of our happiness: the hangman—before this judge the philosopher must indeed be on his guard, since otherwise he fears nothing either above the earth or beneath it." (Traité de la vie heureuse.)

Church News.

Candidate Jesaias Andreas Häckel, trained and examined at Fort Wayne, received a regular call from the Ev. Luth. congregations at Sulphur Spring and at Big River in Jefferson Co., Mo., which had become vacant through the calling away of their former pastor, Mr. M. Johannes, and was solemnly ordained in the latter congregation on Sunday Cantate, the 9th of May of this year, by Pastor Bünger, by commission of the President.

May the LORD Jesus Christ give to the work of this newly called servant of the Word His rich blessing in the widely extended parish.

Washington, D. C., May 1, 1852.

Beloved friends in the LORD Christ Jesus!

To our great joy we can make you, dear fellow believers, a communication in which you will certainly take the most sincere and heartfelt interest. We have namely seen and experienced that the Lord does not cast off forever, but He indeed grieves—compare Jeremiah, Lamentations, chapter 2, verses 14 and 15—yet He has compassion again according to His great mercy. He lets His soul-saving Word be preached again purer and clearer among us and His holy Sacraments be administered again according to His will, both of which we had to do without for so long a time. To Him be praise, glory and honor for it!

It was on the eighth Sunday after the Feast of the Holy Trinity, 1851, when, upon our urgent request and upon the commission of the Reverend Synod of Missouri, Ohio and other States, to which we had turned for the sending of a preacher, Pastor Keyl, of the Evangelical Lutheran congregation at Baltimore, came to us for the first time to preach God's Word to us. He was accompanied by Pastor Wyneken, who was at that time on a journey to Germany. Both reverend gentlemen preached on the said Sunday, the one in the forenoon, the other in the afternoon. Great was our joy on that day to hear God's Word through their mouth, which the Lord has fitted with much wisdom.

Pastor Keyl came to us again afterwards a few times at our wish, and with the joyful consent of his congregation, and after we had united ourselves into a congregation on the basis of a constitution conformable to the Word of God and the confession of the Evangelical Lutheran Church, we called Pastor W. Nordmann on the 2nd of November, 1851, as our preacher and pastor. He accepted the call to our joy, but could not come to us at once, since his former congregations near Baltimore could be supplied only by him until the arrival of a successor. A considerable time passed before the successor arrived—from the 2nd of November, 1851, until Sunday Laetare Pastor Nordmann served us and his former congregations.—At last came the time to which we had looked forward with great longing, that he could remain with us without interruption and be introduced into his holy office among us. The latter took place on Palm Sunday.

Pastor Keyl, commissioned with the introduction by Pastor Brohm in New York, Vice-President of the Rev. Synod of Missouri, Ohio and other States, arrived for that purpose, in the company of some brethren and sisters in the faith, on the eve of the said day. On the next morning the first railroad train brought us about 70 of our dear fellow believers, men and women, sons and daughters of the neighboring Lutheran congregation at Baltimore. They wished to unite with us for the praise and thanksgiving of the Most High for His grace which He has shown to us, and the singers' and musicians' choir among them wished to praise the LORD with psalms and songs of praise for His mercy. At 10 o'clock in the morning we betook ourselves with our friends into the house, whose smaller hall must otherwise serve us for our worship. For the service on this day we had, because a greater number of hearers than usual was to be expected, which also came, rented a larger hall therein, which became a friendly house of God. Opposite the entrance to it, at the rear wall, stood upon a raised platform covered with a beautiful carpet our altar, hung with a purple silk cover, on the front of which was a golden cross, and set with a crucifix, at whose sides stood vases with flowers and two silver candlesticks with burning candles. Behind the altar was a white altar-wall, covered with fresh greenery, upon which stood the words from the Sunday Gospel: Hosanna to the Son of David! The service began with the "Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit," whereupon Pastor Nordmann at the altar pointed the hearts to the Father in heaven by singing: "Glory be to God on high!" which call the congregation, accompanied by instrumental music, together with the Baltimore congregation, answered with the hymn: "Allein Gott in der Höh' sei Ehr'!" Thereupon Pastor Nordmann sang at the altar: "The LORD be with you," and the congregation: "And with thy spirit." After the singing of the Collect he read the Epistle. Upon this followed the chief hymn, No. 44, and after it the reading of the Gospel. Thereupon the music and singers' choir of the Baltimore congregation performed a piece of music—it was the first part of the 96th Psalm—undoubtedly to the edification of all present, with great skill. To this piece of music then followed the Creed. There followed the sermon of Pastor Keyl on the Sunday Gospel. He showed that the LORD still enters ever and always into the hearts of men with His blessed Word and with His holy Sacraments, if both are received in true faith. As always, as often as this dear and highly revered servant of the LORD proclaimed His Word to us, so we also received through this sermon rich instruction, counsel, comfort and peace. At the close of the sermon he, visibly giving himself up to the joy over his work founded among us with God's gracious help, made reference to the entering of the LORD into us, with His pure and clear Word and with the holy Sacraments. After the sermon the Baltimore choir sang the hymn: "Macht hoch die Thür, die Thür macht weit!" Thereafter followed the holy act of the Introduction. Pastor Nordmann, together with the elders of the congregation, stepped before the altar, and Pastor Keyl admonished the former to feed his flock with pure-