Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 20 › Seite 157
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-25, Seite 157
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Gemeinde verkündigen zu hören und an der Weise uns zu ergötzen und zu lernen, wie derselbe auf Canzel und an Altar die Liturgie practisch handhabt, von deren Geschichte und Bedeutung bis in jeden ihrer einzelnen Theile er bekanntlich der unstreitig größte Kenner in unseren Tagen ist. Sind wir nun auch, was die streitigen Lehrpunkte betrifft, auch während unseres diesmaligen Verweilens in dem Hause Herrn Past. Löhe's, mit demselben nicht bis auf jeden Ausdruck zum Abschluß gekommen, so können wir doch mit fröhlicher Zuversicht die lieben Leser schon jetzt versichern, daß eine Einigung in der Wahrheit und in der Liebe durch Gottes Huld und Gnade erzielt worden ist, die von größerem Werthe ist, als eine solche, die ihre Gewähr nur in einer, von beiden Seiten geleisteten und von der einen durch Bestürmung der anderen erlangten, Unterschrift unter gewisse streng formulirte Sätze hat. Je wichtiger jedoch eine bis in die letzten Fasern der Lehrentwickelung gehende wahre Einigkeit und je gewisser eine solche nicht Menschen-, sondern allein Gottes-Werk ist, desto unablässiger und desto ernstlicher u. brünstiger wolle doch der liebe christlutherische Leser Gott anrufen, daß er das angefangene Werk einer heiligen Concordia (Einträchtigkeit) fördern und vollenden wolle zu seines Namens Ehre und seiner Kirche Heil und Segen hier und jenseit des Meeres. In welchem Maaße übrigens unser Verhältniß zu Herrn P. Löhe ein immer innigeres wurde, in demselben Maaße wuchs diese Innigkeit auch zwischen uns und Herrn Katechet Bauer und Pfarrer Stirner in Fürth, mit welchen beiden wir unter allen Herrn P. Löhe Näherstehenden am häufigsten und gründlichsten uns auszusprechen Gelegenheit fanden. Herr Katechet Bauer war auch diesmal mehrere Tage mit uns in dem Neuendettelsauer Pfarrhause.
Nicht unerwähnt können wir endlich auch dieß lassen, daß wir, von Herrn Dekan Bachmann dringend eingeladen, an einem dieser Tage (am 26. Novbr.) in Begleitung Herrn P. Löhe's und Herrn Katechet Bauer's einen Spaziergang nach dem nahegelegenen Städtchen Windsbach machten, wo wir in dem hause des Herrn Dekan's, uns leiblich und geistlich erquickend, einige herrliche Stunden verlebten. Gegenwärtig waren noch Herr Pfarrer J. T. Müller aus Immeldorf (gegenwärtiger Herausgeber des Nördlinger Sonntagsblattes und Editor der Stuttgarter Prachtausgabe des deutsch-lateinischen Concordienbuchs mit historischer Einleitung und kritischen Bemerkungen) und die Herren Lehrer in dem zu Windsbach bestehenden Waisenhaus für Pfarrersöhne. Auch die nähere Bekanntschaft mit Herrn Pfarrer Müller, den wir schon einmal in Neuendettelsau gesprochen hatten, war uns eine sehr werthe, indem wir in demselben, wie in dem Herrn Dekan, einen Mann von ebenso liebenswürdiger Persönlichkeit, als christlicher Glaubenstreue kennen lernten. Ein seltener Genuß wurde uns hier u. A. auch dadurch bereitet, daß uns der Chor der, in der Stiftung sich befindenden, Pfarrers-Waisenknaben unter Leitung ihres Musiklehrers, des Herrn Candidaten Hacker, mehrere alte liturgische Gesänge vortrug. Wir müssen sagen, daß wir nie einen schöneren und ergreifenderen Chorgesang als diesen in seinen alten Rhythmen, Accorden und Harmonieenfolgen gehört haben. An Leib und Seele gestärkt, wanderten wir hierauf mit Einbruch der Nacht wieder nach Haus.
Des folgenden Tages endlich schieden wir mit dankerfülltem Herzen auch von Neuendettelsau, um nun wieder nach Norddeutschland zurückzukehren und von hier aus so bald als möglich unsere Heimreise wieder anzutreten.
(Schluß folgt.)
Etwas zu der „Zuschrift Herrn Pastor Grabau's „an Herrn Pastor, Professor Winkler, in Detroit, Hochehrwürden.“
In der 14. Nummer des Buffaloer „Informatoriums“ findet sich unter Anderem eine wie in der Ueberschrift bezeichnete Zuschrift. Darin sucht Herr Pastor Grabau seinen Herrn Amtsbruder, Pastor Winkler, wegen des, demselben von uns in No. 15. des „Lutheraner“ gethanen Vorhaltes zu beruhigen, oder, wenn man lieber will, zu belehren.
Fast dürfte es scheinen, als habe Herr Pastor Grabau die Kraft des von uns gegen Herrn Pastor Winkler geführten Beweises, wenn nicht selbst gefühlt, doch besorgt, daß Andere diese Kraft fühlen und daher durch die Entgegnung Herrn Pastor Winkler's nicht beruhigt sein würden. Doch sei dem, wie ihm wolle; Herr Pastor Grabau gesteht zu: „Wenn freilich H. Heshusius weiter nichts sagte, als was Herr Walther anführt, so könnteer damit bestätigen, daß man befugt sei, Rottenprediger in fremde Gemeinden zu senden, die nun Christi Diener wären;“ das heißt, in der Sprache Herrn P. Grabau's, daß wir s. g. Missourier befugt gewesen seien, denjenigen, welche sich von Herrn Pastor Winkler wegen gewisser Dinge getrennt hatten, auf ihr Begehren einen anderen von ihnen gewählten Prediger in seinem Amte zu bestätigen. Nun aber sagt Heshusius wirklich über den „Fall, in welchem Prediger schuldig seien, fremden guten Christen die Sacramente mitzutheilen,“ weiter nichts, als das Mitgetheilte. Also stehen wir durch Herrn Grabau's eigenes Geständniß gerechtfertigt da als Leute, die in der Pastor Winkler'schen Controverse nach der alten Praxis unserer Kirche und nach dem Rath unserer alten unverdächtigen Gottesgelehrten gehandelt haben.
Herr Pastor Grabau wirft uns zwar vor, daß wir das, was Heshusius über den Fall sagt, in welchem man fremde Pfarrleute nicht annehmen dürfe, weggelassen haben. Es ist das aber ein höchst sonderbarer Vorwurf. Es ist damit ohngefähr also bewandt, als wenn man einem, der die Rechtfertigung aus Gnaden allein durch den Glauben aus Röm. 3, 28. bewiesen hätte, es zum Vorwurf machen wollte, daß er die kurz vorhergehenden Worte ausgelassen habe: „Welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken: nehmlich Preis, und Ehre, und unvergängliches Wesen, denen, die mit Geduld in guten Werken trächten nach dem ewigen Leben.“ Röm. 2, 6—7.
Es ist übrigens merkwürdig, daß Herr Pastor Grabau in seiner „Zuschrift“ selbst in die Grube gefallen ist, die er uns graben wollte. Er wirft uns Auslassungen vor, und indem er das von uns Weggelassene abdrucken läßt, läßt er gerade die auch in dem von ihm citirten Passus für uns redenden Worte selbst weg. Nach den von Herrn P. Grabau angeführten Worten heißt es nehmlich in dem heshusischen Bedenken weiter: „Darum soll ein jeglicher Pfarrer wohl zusehen, daß er kein fremd Schäflein annehme, es sei denn der Nothfall da, wie oben gemeldet,“ ꝛc. Hiermit bezeugt Heshusius klar und deutlich, daß er auf dem von ihm oben ausgesprochenen, dem von uns im Lutheraner mitgetheilten Urtheil beharre. Wir wollen nun zwar Herrn Pastor Grabau wegen dieser Weglassung nicht mit gleicher Münze bezahlen und in die Welt hineinschreiben: „Man sieht auch hier, wie immer, wie unredlich die Herren (Buffaloer) Alles gebrauchen, was gut ist,“— diese Worte gebraucht nehmlich Herr Pastor Grabau von uns—: aber derselbe lerne doch hieraus erkennen, wie wahr es in einem alten Sprüchworte heißt: „Wer ein gläsern Dach hat, muß andere nicht mit Steinen werfen.“
Herr Pastor Grabau macht uns ferner zum Vorwurf, daß wir von dem in Heshusius' Gutachten angezogenen Votum des gottseligen Mansfeldischen Superintendenten Mentzelius nichts mitgetheilt haben. Hierauf ist zu antworten, wie auf Nummer zwei. Hierzu kommt, daß Heshusius auf Mentzels Votum, (das wir übrigens von Herzen unterschreiben) nicht zum Unterricht über den uns angehenden Fall verweist, sondern auf den vorhergenannten, daher Heshusius also fortfährt: „Wann aber der Fall sich zuträgt, daß andere Leute, so in unser Pfarr nicht gehören, sitzen aber entweder unter dem antichristischen Pabstthum . . . oder werden von ihren tyrannischen Pfarrern wider ihr Gewissen beschweret . . . , auf solchen und dergleichen Fall stehet's uns Predigern frei, einem jeden Menschen . . . die Sacrament mitzutheilen,“ ꝛc.
Spaßhaft ist es endlich, daß Herr Pastor Grabau, um an unserer Anführung eines alten theologischen Bedenkens gar nichts Gutes zu lassen, in großem Eifer uns sogar bezüchtigt, die Pagina „irrig angegeben“ zu haben. Er sollte doch billig bedacht haben, daß es werthvolle Bücher gibt, die verschiedene Auflagen erlebt und daher auch eine Veränderung in der Paginirung erfahren haben. Traut uns etwa Herr Pastor Grabau nicht, wenn wir ihm versichern, daß unsere Ausgabe von 1623 die angegebene Pagina habe, so sind wir bereit, ihm darüber nöthigenfalls ein Affidavit auszustellen. —
Was das zweite von uns angezogene theolo-
English translation AI translation
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congregation proclaim, and to delight and to learn in this manner how he practically handles the liturgy in pulpit and at altar, of whose history and meaning, down to each of its individual parts, he is, as is well known, undoubtedly the greatest connoisseur in our day. Now although, as regards the disputed points of doctrine, we did not come to a conclusion with him in every expression even during our present stay in the house of Pastor Löhe, yet we can already assure the dear readers with joyful confidence that, by God's grace and favor, a unity in the truth and in love has been attained which is of greater worth than one which has its warrant only in a signature, given on both sides and obtained by one side through importunity upon the other, beneath certain strictly formulated propositions. The more important, however, a true unity reaching into the finest fibers of the development of doctrine is, and the more certainly such a unity is not the work of men but of God alone, so much the more unceasingly and earnestly and fervently let the dear Christian Lutheran reader call upon God that He would further and complete the work begun of a holy Concordia (concord) to the honor of His name and to the welfare and blessing of His Church here and beyond the sea. In the measure, moreover, in which our relation to Pastor Löhe became ever more intimate, in the same measure this intimacy grew also between us and Catechist Bauer and Pastor Stirner in Fürth, with whom two, among all those standing nearest to Pastor Löhe, we found opportunity to converse most frequently and most thoroughly. Catechist Bauer was this time also several days with us in the parsonage at Neuendettelsau.
We cannot, finally, leave unmentioned that, being urgently invited by Dean Bachmann, we made on one of these days (the 26th of November), in the company of Pastor Löhe and Catechist Bauer, a walk to the nearby little town of Windsbach, where in the house of the Dean we spent some glorious hours, refreshing us bodily and spiritually. Also present were Pastor J. T. Müller of Immeldorf (the present editor of the Nördlinger Sonntagsblatt and editor of the Stuttgart splendid edition of the German-Latin Book of Concord with a historical introduction and critical remarks) and the teachers in the orphanage for pastors' sons existing at Windsbach. The closer acquaintance with Pastor Müller, with whom we had already spoken once in Neuendettelsau, was also a very welcome one to us, in that we came to know in him, as in the Dean, a man of as amiable a personality as of Christian faithfulness. A rare enjoyment was prepared for us here, among other things, by the choir of the pastors' orphan boys in the foundation, who, under the direction of their music teacher, Candidate Hacker, performed several old liturgical chants. We must say that we have never heard a more beautiful and more moving choral song than this one in its old rhythms, chords and sequences of harmonies. Strengthened in body and soul, we then walked back home at nightfall.
On the following day, finally, we departed with thankful hearts also from Neuendettelsau, in order to return once more to North Germany and from there to begin our homeward journey as soon as possible.
(To be concluded.)
Something on the "Letter of Pastor Grabau "to Pastor and Professor Winkler in Detroit, Right Reverend."
In the 14th number of the Buffalo "Informatorium" there is found, among other things, a letter as designated in the heading. Therein Pastor Grabau seeks to quiet, or, if one prefers, to instruct, his fellow minister Pastor Winkler regarding the reproof administered to him by us in No. 15 of the "Lutheraner."
It might almost seem as if Pastor Grabau, if he has not himself felt the force of the proof conducted by us against Pastor Winkler, had at least feared that others would feel this force and would therefore not be quieted by Pastor Winkler's reply. But be that as it may; Pastor Grabau concedes: "If indeed H. Heshusius said nothing further than what Mr. Walther cites, he could thereby confirm that one is authorized to send mob-preachers into foreign congregations, who would then be Christ's servants;" that is, in the language of Pastor Grabau, that we so-called Missourians were authorized to confirm in his office another preacher chosen by them, at their request, for those who had separated from Pastor Winkler on account of certain matters. Now, however, Heshusius really says nothing further than what was communicated about the "case in which preachers are obliged to impart the sacraments to strange good Christians." Thus we stand justified by Pastor Grabau's own confession as people who in the Pastor Winkler controversy acted according to the old practice of our Church and according to the counsel of our old, unsuspected divines.
Pastor Grabau indeed reproaches us that we left out what Heshusius says about the case in which one may not accept strange parishioners. But that is a most singular reproach. It is about as if one wished to reproach a man who had proved justification by grace alone through faith from Rom. 3:28 with having omitted the words immediately preceding: "Who will render to every man according to his deeds: namely, glory and honor and imperishable being, to them who with patience in good works seek after eternal life." Rom. 2:6-7.
It is, moreover, remarkable that Pastor Grabau in his "Letter" has himself fallen into the pit which he wished to dig for us. He charges us with omissions, and in having what we left out printed, he himself leaves out precisely the words in the passage cited by him that speak for us. After the words cited by Pastor Grabau it says, namely, in the Heshusian opinion further: "Therefore let every pastor look well to it that he receive no strange little sheep, unless the case of necessity be present, as mentioned above," etc. Herewith Heshusius testifies clearly and distinctly that he persists in the judgment pronounced by him above, which was communicated by us in the Lutheraner. We will indeed not pay Pastor Grabau back in the same coin for this omission and write out into the world: "One sees here also, as always, how dishonestly the gentlemen (of Buffalo) use everything that is good,"—these words, namely, Pastor Grabau uses of us—: but let him learn from this how true it is, as an old proverb says: "He who has a glass roof must not throw stones at others."
Pastor Grabau further makes it a reproach to us that we communicated nothing of the vote of the godly Mansfeld superintendent Mentzelius, cited in Heshusius' opinion. To this the answer is the same as to number two. In addition, Heshusius does not refer to Mentzel's vote (which, moreover, we subscribe to from the heart) for instruction concerning the case that concerns us, but to the one previously named, whence Heshusius continues thus: "But when the case occurs that other people, who do not belong in our parish, sit either under the antichristian papacy . . . or are burdened by their tyrannical pastors against their conscience . . . , in such and the like case it is free to us preachers to impart to every man . . . the sacrament," etc.
It is droll, finally, that Pastor Grabau, in order to leave nothing good in our citation of an old theological opinion, in great zeal even accuses us of having "erroneously given" the page number. He should in fairness have considered that there are valuable books which have passed through various editions and therefore have also undergone a change in pagination. If perchance Pastor Grabau does not trust us when we assure him that our edition of 1623 has the page number given, we are ready, if necessary, to make out an affidavit for him about it. —
As to the second theolo-