Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 8 › Seite 59

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Seite 59

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digen wie Unwürdigen, diesen jedoch zum Gerichte zutheil werdenden Leibe und Blute des Herrn. 3) Dieses Bekenntniß hat die reformirte Kirche nicht, und die unirte läugnet seine Fundamentalität*) und überhaupt die Wesentlichkeit der Differenzen (Unterschiede) beider Kirchen; mit beiden Kirchen geht deßhalb die lutherische keine Gemeinschaft, am wenigsten Abendmahlsgemeinschaft ein, wo sie ihres Berufs eingedenk ist und nicht von sich selber abfällt. 4) Denn alle Kirchengemeinschaft ist Ausdruck der Glaubensgemeinschaft, der Gipfel aller Kirchengemeinschaft aber ist die Abendmahlsgemeinschaft, weshalb alle Unionen von jeher durch diese vollzogen und besiegelt worden sind. 5) Die bekenntnißmäßige und grundsätzliche Stellung der lutherischen Kirche zur reformirten und unirten ist normirend**) für die Praxis des lutherischen Kirchenamts; es darf Reformirte und Unirte die es bleiben wollen nicht zur Abendmahlsgemeinschaft mit unserer Kirche zulassen, darf nicht die Glieder der lutherischen Gemeinde in Abendmahlsgemeinschaft mit jenen versetzen. 6) Gemischte Abendmahlsgemeinschaft läßt sich durch keinen Nothstand rechtfertigen, denn es kann nichts zur Liebespflicht werden was gegen die Glaubenspflicht ist. In gemischten Gemeinden lutherischen Namens und Bekenntnisses ist offen zu erklären, daß von allen welche am h. Abendmahle theilnehmen die Willigkeit, der lutherischen Kirche mit Herz und Mund, Wort und That anzugehören, erwartet wird und verlangt werden muß.

*) D. h., daß es zu den Grundlehren gehört. D. R.

**) D. h. sie gibt die Regel und Richtschnur für die Praxis. D. R.

Nur zwei Fälle haben wir noch nicht besprochen. Der erste ist die Communion Sterbender. Daß der Blick dieser nicht mehr auf den diesseitigen Kirchenstreit, sondern nur auf das himmlische Manna des Sacramentes selbst und die Bedingungen des Eingehens in das jenseitige Kanaan hinzulenken ist, versteht sich von selbst. Der andere Fall betrifft das Verhalten gegen solche, welche von der Schriftmäßigkeit unseres Bekenntnisses überzeugt, aber noch nicht zu dem Entschlusse, von der reformirten oder unirten Kirche abzutreten, hindurchgedrungen sind. Solche werden mit weiser Zartheit zu ermahnen sein, um ihres eignen Gewissens willen von ihrem Begehren vorjetzt abzustehen, weil die Gewährung ihnen Pflichten auferlegt die sie noch nicht anerkennen. Sind sie redlich, so wird ihnen daraus der Segen heilsamer Beschleunigung ihrer Krisis (entscheidenden Wendepunktes) erwachsen, während die Zulassung mit der Gefahr der Erschlaffung und der Einschläferung verbunden ist.

So können wir die scheinbar allzu rigoröse altkirchliche Praxis bis an ihre äußersten Grenzen verfolgen, und nirgens hat sie, wenn mit geistlicher Weisheit und liebevoller Zartheit geübt, das Abschreckende und Abstoßende was man ihr schuld giebt. Sie ist die unerläßliche Consequenz (Schlußfolge) unseres Glaubens sofern er seiner selbst gewiß ist. Daß wir vor dieser Consequenz zurückbeben, ist die Macht der Gewohnheit, welche uns die gute alte Ordnung der Kirche ganz aus den Augen gerückt hat. Aber wenn wir nur Ernst machen wollten mit consequenter (folgerechter) Ausübung dessen was wir glauben und bekennen, so würde sichs zeigen, daß auf unserer Seite der Sieg und der Segen ist.

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Allen denen, welche durch die bisherige Auseinandersetzung nicht überzeugt worden sind, möge nun zum Schlusse noch ein Spiegel vorgehalten sein, in welchem sie sich besehen mögen, um zu erkennen, zu welcher Klasse der nicht Ueberzeugten sie gehören.

1) Sie gehören vielleicht zu denen, welche es für gleichgültig halten, ob man in den streitigen Dogmen lutherischen oder reformirten Glaubens ist. Sie meinen, es sei genug, daß man das h. Abendmahl für ein Gnadenmittel geheimnißvoller Vereinigung mit dem Gottmenschen Jesus Christus halte, möge man über die Art und Weise, in welcher diese Vereinigung sich verwirklicht, denken wie man wolle. Der Streit hierüber gilt ihnen als ein mehr oder weniger scholastischer.*) Aber mit freudigster Zuversicht halten wir ihnen entgegen: das Abendmahlsbekenntniß unserer Kirche ist nichts anderes als das entfaltete Ja und Amen zu den Worten des Herrn: „Das ist mein Leib, Das ist mein Blut." Mehr verlangt unsere Kirche nicht als demüthige Beugung unter diese Worte dessen der wahrer Gott und Mensch in Einer Person ist. Man wird einwenden: giebt es denn nicht viele glaubenseinfältige Seelen in der reformirten Kirche, die sich wirklich demüthig unter diese Worte beugen? Allerdings, auch wir trösten uns dessen, aber die reformirte Kirche in ihren Bekenntnissen beugt sich nicht.

*) Der nur die theologischen Schulen, nicht den Christen betreffe. D. R.

2) Vielleicht aber gehören die Leser die wir nicht überzeugt zu denen, welche es für gleichgültig halten ob man äußerlich der lutherischen Kirche oder einer andern zugehöre. Sie können unser eignes Zugeständniß, daß es auch in anderen Kirchen schriftgemäß glaubende Christen giebt, dafür geltend machen, aber mit Unrecht. Denn wenn auch auf den Glauben nicht Weniger die irrige Lehre ihrer Kirche keinen trübenden Einfluß übt, so ist doch immer die Gefahr vorhanden, und auch zurechnungsweise, obwohl in vielen Gotte allein bekannten Abstufungen, ist der Zusammenhang mit der Kirche der man angehört immer ein solidarischer†). Und ist es, auch abgesehen davon, nicht ein mißlicher Widerspruch wenn man einer Kirche äußerlich angehört und innerlich nicht angehört? Dennoch sitzt dieser Indifferentismus (Religionsgleichgültigkeit) Vielen wenn nicht auf den Lippen, doch tief im Herzen. Erkennen sie die lutherische Kirche wirklich für die Kirche des schriftgemäßen Bekenntnisses, so ist es baare Unsittlichkeit; meinen sie aber, daß die schriftgemäße Wahrheit auf die Bekenntnisse aller Kirchen vertheilt sei oder gar daß die Bekenntnisse aller Kirchen Erzeugnisse einer schulmäßigen Reflexion (Nachdenkens) seien und außer aller Beziehung zu dem persönlichen Verhältnisse des Menschen zu Gott stehen, so ist das ein eklektischer, ein theosophischer Standpunkt,*), der sich über alle Kirchen erhaben dünkt und auf falschen Höhen schwebt und in keiner Kirche berechtigt ist.

†) D. i. ein solcher, der gegenseitige Verpflichtungen auferlegt und den Einzelnen für das Ganze verantwortlich macht. D. R.

*) D. i. ein solcher Standpunkt, auf welchem man meint, man müsse sich aus allen Religionen das Beste heraussuchen, weil keine ganz wahr sei. D. R.

3) Vielleicht aber auch gehören die Leser die wir nicht überzeugt zu denen welche fern von den eben bezeichneten Arten des Indifferentismus, von ganzem Herzen des Glaubens und Bekenntnisses unserer lutherischen Kirche sind und doch einige theils grundsätzliche theils unserem landeskirchlichem Thatbestande entnommene Bedenken gegen die strengere Abendmahlspraxis nicht los werden können. Mit solchen reden wir zum Schlusse noch ein Wort brüderlicher Verständigung.

Der Streit über die Abendmahlsgemeinschaft ist nun einmal da. Wie man auch urtheilen möge über die Art und Weise wie dieses Feuer angezündet und geschürt worden ist — es brennt und keine menschliche Macht kann das ungeschehen machen. Laßt uns doch die rechten Mittel ergreifen, es zu löschen!

Wie die Culmbacher Conferenz, so hat das Kirchenregiment selbst die anstößig gewordenen Zustände für Ausnahmszustände erklärt und die Ausnahmen zu „regeln" verheißen. Ist es denn recht, diesen Ausnahmszuständen die man im Grunde mißbilligt deshalb das Wort zu reden, weil man die Löhe'sche Opposition dagegen für zu stürmisch hält?

Und verdient der Gewissenskampf, in welchen redliche Seelen durch jene Zustände versetzt werden, gar keine Beachtung? Ist es nicht apostolisch, sich in seiner Freiheit zu beschränken wenn sie Anderen zum Aergerniß gereicht?

Man pflegt leider auf Löhe's Seite nur hartherzige Schroffheit zu sehen. Es ist auch wahr, daß die Schwabacher Eingabe und Erklärung nicht den Eindruck mitleidiger, geduldiger, hoffender Liebe machten. Aber sollen wir den Kern wegwerfen weil die Schale rauh ist? unser Ohr den dennoch durchklingenden Klagelauten beunruhigter Gewissen verschließen?

O daß man doch fahren ließe was nur individuelle (eigene persönliche) Ansicht ist und sich der von Anfang an in unserer Kirche gültigen Praxis und Ordnung fügte! Die Reformirten und Unirten selbst können es nicht wünschen und fordern, daß wir ihnen die Einheit und den Frieden unserer Kirche opfern. Wir sind ja zunächst unseren Hausgenossen verpflich-

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thy as well as to the unworthy, to the latter however unto judgment: the body and blood of the Lord. 3) The Reformed Church does not have this confession, and the United Church denies its fundamentality*) and, in general, the essential character of the differences (distinctions) between the two churches; therefore the Lutheran Church enters into no fellowship with either church, least of all Supper-fellowship, where she is mindful of her calling and does not fall away from herself. 4) For all church fellowship is the expression of fellowship in faith, and the summit of all church fellowship is Supper-fellowship, for which reason all unions have from of old been carried out and sealed through it. 5) The confessional and principled position of the Lutheran Church toward the Reformed and the United is normative**) for the practice of the Lutheran church ministry; it may not admit Reformed and United who wish to remain such to Supper-fellowship with our Church, and may not place the members of the Lutheran congregation in Supper-fellowship with them. 6) Mixed Supper-fellowship cannot be justified by any case of necessity, for nothing can become a duty of love which is against the duty of faith. In mixed congregations of Lutheran name and confession it is to be openly declared that from all who partake of the holy Supper the willingness to belong to the Lutheran Church with heart and mouth, word and deed, is expected and must be required.

*) That is, that it belongs to the fundamental doctrines. The Editor.

**) That is, it gives the rule and guiding line for the practice. The Editor.

Only two cases have we not yet discussed. The first is the communion of the dying. That their gaze is to be directed no longer to the church strife of this side, but only to the heavenly manna of the Sacrament itself and to the conditions for entering into the Canaan beyond, goes without saying. The other case concerns the conduct toward those who are convinced of the Scriptural character of our Confession, but have not yet pressed through to the resolution to withdraw from the Reformed or United Church. Such persons are to be admonished with wise tenderness, for the sake of their own conscience, to desist for the present from their request, because the granting of it would lay duties upon them which they do not yet acknowledge. If they are sincere, there will grow out of this for them the blessing of a salutary hastening of their crisis (decisive turning-point), whereas admission is bound up with the danger of slackening and of being lulled to sleep.

Thus we can follow the seemingly all too rigorous practice of the ancient Church to its utmost limits, and nowhere has it, when exercised with spiritual wisdom and loving tenderness, the repellent and offensive character which people charge it with. It is the indispensable consequence (conclusion) of our faith insofar as it is sure of itself. That we shrink back from this consequence is the power of habit, which has quite put the good old order of the Church out of our sight. But if we would only be in earnest with a consistent (logical) practice of what we believe and confess, it would be shown that on our side are the victory and the blessing.

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To all those who have not been convinced by the exposition thus far, let a mirror now be held up at the close, in which they may look at themselves, to recognize to which class of the unconvinced they belong.

1) Perhaps they belong to those who hold it a matter of indifference whether one is of the Lutheran or the Reformed faith in the disputed doctrines. They think it is enough that one hold the holy Supper to be a means of grace of mysterious union with the God-man Jesus Christ, whatever one may think about the manner and way in which this union is realized. The strife over this counts with them as a more or less scholastic one.*) But with most joyful confidence we hold against them: the Supper-confession of our Church is nothing other than the unfolded Yes and Amen to the words of the Lord: "This is my body, This is my blood." Our Church requires no more than humble submission to these words of Him who is true God and man in one Person. It will be objected: Are there not many simple-hearted souls in the Reformed Church who do indeed humbly bow beneath these words? To be sure, and we too take comfort in that, but the Reformed Church in her confessions does not bow.

*) Which concerns only the theological schools, not the Christians. The Editor.

2) Perhaps, however, the readers whom we have not convinced belong to those who hold it a matter of indifference whether one belongs outwardly to the Lutheran Church or to another. They can cite our own concession that there are also in other churches Christians who believe according to Scripture, but wrongly. For even if the erroneous doctrine of their church exerts no clouding influence upon the faith of some, yet the danger is always present, and also by imputation, though in many gradations known to God alone, the connection with the church to which one belongs is always a solidary one.†) And is it not, even apart from this, a wretched contradiction if one belongs to a church outwardly and does not belong to it inwardly? Nevertheless this indifferentism (indifference toward religion) sits in many, if not on the lips, yet deep in the heart. If they recognize the Lutheran Church truly as the church of the Scriptural confession, then it is sheer immorality; but if they suppose that the Scriptural truth is distributed among the confessions of all churches, or even that the confessions of all churches are products of a scholastic reflection (thinking) and stand apart from any relation to the personal relationship of man to God, then that is an eclectic, a theosophical standpoint,*) which fancies itself exalted above all churches and hovers on false heights and has no right in any church.

†) That is, one which imposes mutual obligations and makes the individual responsible for the whole. The Editor.

*) That is, such a standpoint, on which one supposes that one must pick out the best from all religions, because none is wholly true. The Editor.

3) Perhaps, however, the readers whom we have not convinced belong also to those who, far from the kinds of indifferentism just described, are with all their heart for the faith and confession of our Lutheran Church, and yet cannot get rid of some scruples, partly of principle, partly drawn from the actual state of our territorial church, against the stricter practice of the Supper. With such we will speak at the close yet a word of brotherly understanding.

The strife over Supper-fellowship is now once for all here. Whatever one may judge concerning the manner and way in which this fire was kindled and stirred up — it burns, and no human power can make it undone. Let us then seize the right means to quench it!

Like the Culmbach Conference, so the church government itself has declared the offensive conditions to be conditions of exception and has promised to "regulate" the exceptions. Is it then right to speak a word for these conditions of exception, which one basically disapproves, because one holds the Löhe opposition against them to be too stormy?

And does the conflict of conscience into which sincere souls are put by those conditions deserve no regard at all? Is it not apostolic to restrain oneself in one's freedom when it gives offense to others?

One is unfortunately accustomed to see on Löhe's side only hard-hearted harshness. It is also true that the Schwabach petition and declaration did not make the impression of compassionate, patient, hoping love. But shall we throw away the kernel because the shell is rough? shut our ear to the nevertheless resounding plaintive notes of troubled consciences?

O that one would but let go what is only an individual (one's own personal) opinion and submit to the practice and order valid in our Church from the beginning! The Reformed and United themselves cannot wish and demand that we sacrifice to them the unity and peace of our Church. We are, after all, in the first place to our own household obli-