Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 14 › Seite 87
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-03-01, Seite 87
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trirte antichristische Macht innerhalb der Kirche Christi erkannt und nachgewiesen; und die gelehrten Herrn von der modischen selbstgemachten Union unsrer Zeit thäten besser, diesen Nachweis, so sie es vermögen, gründlich zu entkräften, als mit spöttischem Mitleid und hoffärtigem Achselzucken als lutherische Beschränktheit zu belächeln und vornehm darüber abzusprechen.
Wie friedsam aber der Unionismus gegen das Papstthum gesinnt sei, das beweist Herr Schaff in folgendem Satze: „Selbst das Papstthum wird von den größten neueren Kirchenhistorikern und ebenso von Profanhistorikern wie Johann von Müller, Leo, Ranke, Macauley als ein für jene Zeit durchaus unentbehrliches und im Ganzen höchst wohlthätiges Institut zur Erziehung der germanischen Nationen, zur Erhaltung der Einheit und zur Sicherung der Freiheit und Unabhängigkeit der Kirche von der weltlichen Gewalt angesehen. Was man auch, sagt der protestantische Historiker Ranke, von den Päpsten früherer Zeiten urtheilen mag, so hatten sie immer große Interessen vor Augen: die Pflege einer unterdrückten Religion, den Kampf mit dem Heidenthum, die Ausbreitung des Christenthums über die nordischen Nationen, die Gründung einer unabhängigen hierarchischen Gewalt; zu der Würde des menschlichen Daseins gehört es, daß man etwas Großes wolle, vollführe: diese ihre Tendenzen erhielten die Päpste in einem höheren Schwunge.“
Möge es nämlich auch sein, daß allerdings ein gewisser Unterschied in der persönlichen Gesinnung der Päpste war, und daß von diesen und jenen manches Gute geschah wider die Uebergriffe der weltlichen Obrigkeit in die Gerechtsame der Kirche und für die christliche Zucht und Sittigung der sich bekehrenden germanischen Stämme ꝛc., so ist und bleibt es doch das stehende Zeugniß der heiligen Schrift und die fortlaufende Bestätigung der Geschichte, daß der wesentliche Grundcharakter und die herrschende Gesinnung des Papstthums im Laufe der Jahrhunderte dieselbe geblieben ist, und daß es ebenso unwissenschaftlich und ungeschichtlich, als schriftwidrig ist, den antichristischen Grundcharakter des Papstthums so ganz und gar aus dem Auge zu verlieren, daß man wider alles evangelische Licht behauptet, das Papstthum sei ein für jene Zeit (des Mittelalters) durchaus unentbehrliches und im Ganzen höchst wohlthätiges Institut“ ꝛc. gewesen.
Wenn ein blinder fanatischer Papist also redete, so könnte man es ihm wohl zu gute halten; aber wenn sogenannte Evangelische also reden, die zudem sich einbilden, auf der Höhe der Zeitbildung zu stehen, und wo möglich rückschauende Geschichtsforscher und vorschauende Propheten zu sein, so ist das eben ein unwidersprechlicher Beweis, wie das Blendwerk und Gaukelspiel der falschen Union den scharfen und gesunden Sinn zur Unterscheidung der Wahrheit und der Lüge so kläglich abgestumpft hat.
Oder, ich frage Herrn Schaff, den Lehrer der evangelischen Kirche, auf sein evangelisches Gewissen, ob nicht das Papstthum, wie in seiner Wurzel, so in seinem ganzen Auftreten und Bezeigen durch den Lauf der Jahrhunderte ein schnurstracks antievangelisches Gemächte sei. Denn der gelehrte Herr Professor weiß ja besser, als ich, aus den unzweifelhaften Urkunden der Geschichte, daß der Papst sich aufgeworfen hat als den Statthalter Christi und das sichtbare Oberhaupt der Kirche Gottes auf Erden, der aus göttlichem Rechte mittelst des von ihm bestellten Priesterstandes dieselbe regiere; dem kraft dieses seines Amtes allein zustehe, den Schriftverstand zu bestimmen, da in seines Herzens Schrein, er möge persönlich so gottlos sein als er wolle, kraft seiner amtl. Machtvollkommenheit der h. Geist seinen Sitz u. Wohnung habe; der deshalb auch der unfehlbare Ausleger des göttlichen Wortes und der sogenannten apostolischen Traditionen und der oberste unfehlbar entscheidende Richter in allen Glaubens- und Lehrstreitigkeiten und über allen Kirchenversammlungen sei, und der die Macht habe, der Christenheit neue das Gewissen bindende und zum Gehorsam verpflichtende Gesetze, Ordnungen und Ceremonien zu befehlen, ja die Einsetzungen des HErrn Christi selbst zu ändern und z. B. den sogenannten Laien den Kelch zu entziehen, dem geistlichen Stand die Ehelosigkeit anzubefehlen, für alle Sünden aber, geschehene und zukünftige, aus dem erdichteten Gemeinschatze Christi und der Heiligen Ablaß zu ertheilen?
Ich frage Herrn Professor Schaff auf sein evangelisches Gewissen — sind diese und andere Stücke des Papstthums nicht schändliche antievangelische und demnach auch antichristische Greuel, da sie ja doch wesentlich und wahrhaftig wider die Stimme Christi im Evangelium sind, den 3ten Artikel des christlichen Glaubens auf das Verderblichste fälschen, Selbstgerechtigkeit und Werkheiligkeit kirchlich sanktioniren, dagegen Christi allein- und vollgültiges Verdienst und den dasselbe sich aneignenden rechtfertigenden Glauben untertreten und ersticken, Gesetz und Evangelium auf heillose Weise durch einander wirren und sich ohne sonderliche Dazwischenkunft der göttlichen Gnade und des heiligen Geistes als durchaus seelenverderblich, ja seelenmörderisch erzeigen?
Sollte solch Teufelsgemächte, zu irgend welcher Zeit, sei es das Mittelalter oder unsre Zeit, „ein unentbehrliches und im ganzen höchst wohlthätiges Institut“ ꝛc. gewesen oder etwa noch sein, also nach Gottes gutem und gnädigem Willen solche Gewalt in der Kirche erlangt haben? Dann fürwahr war Judas Verrath auch eine unentbehrliche und für die Kirche durchaus wohlthätige Handlung; und fast scheint es, der HErr Christus — Er verzeihe meinem gerechten Eifer um seine Ehre diese Scheinlästerung — habe ungerecht geurtheilt, da Er sagt „es wäre dem Judas besser, daß er nie geboren wäre,“ weil ja doch durch seinen Verrath und Christi Kreuzestod der Welt das Heil erwachsen ist. Ja es läßt sich fast an, als wollten die weitherzigen Herrn Unionisten den Teufel selber fromm machen; denn da durch seinen Widerstand wider Christum und sein Reich nach Lehre und Leben doch nur Gutes heraus kommt und er das Reich Gottes nur bauen hilft — warum sollte er so übel gerichtet werden und auch für ihn nicht noch Raum zur Bekehrung sein?
Auf solche treffliche Schlußfolgerungen muß aber Herr Professor Schaff und seine gelehrten Gewährsmänner, jene berühmten deutschen Geschichtsschreiber, nothwendig gerathen, wenn sie bei Beurtheilung des Papstthums nicht, sowohl Gottes Wort als der Moral der natürlichen Vernunft gemäß, sorgfältig aus einander halten, was das Papstthum an sich sei, seinem Wesen und seiner herrschenden Gesinnung und Handlungsweise nach, durch den Lauf der Jahrhunderte, und was es hin und her zufallens und beziehweise Gutes gewirkt habe d. i. was einzelne römische Bischöfe, so weit sie Christen waren, (den sofern sie Päpste waren, konnten sie schwerlich wahre Christen sein) zur Förderung des Reiches Gottes gethan, wie sie die Gerechtsame der Kirche gegen die Uebergriffe des weltlichen Armes vertheidigt haben und dergl.
Aber auch in dieser letzteren Hinsicht wird es erst der jüngste Tag offenbaren, ob und wie weit in solchen, dem Anschein nach, guten und wohlthätigen Handlungen einzelner Päpste, der Glaube und die Liebe wirklich enthalten waren, und ob nicht viel mehr, sofern sie als Päpste für die Ausbreitung der Kirche sorgten, heuchlerische Werkheiligkeit, und sofern sie die Kirche wider die Kaiser und andre weltliche Fürsten vertheidigten, geistlicher Hochmuth und Herrschsucht die treibenden Beweggründe waren?
Übrigens wird hoffentlich Herr Schaff nicht der Meinung sein, daß z. B. zur Evangelisirung der germanischen Völker im Mittelalter das Papstthum die wirkende Ursache war, sondern mit uns gerne bezeugen, daß es lediglich der heil. Geist war, der jenen Mönchen der Klöster Irlands die Liebe Christi, und den unwiderstehlichen Trieb und den heiligen Eifer für die Bekehrung unserer Väter ins Herz gab. Und wenn auch hin u. her dafür die Päpste Vorschub geleistet haben, so ist dieses sicherlich nicht „durchaus unentbehrlich“ gewesen. Vielmehr hätte sich das Christenthum auch ohne Vermittlung der handlangerischen Päpste, eben so gut zu jener Zeit unter den deutschen Stämmen ausbreiten können, als zur Zeit der Apostel und der apostolischen Väter in andern Theilen der Erde. Und sicherlich hatten z. B. die durch Bonifacius gegründeten friesischen und hessischen Gemeinden nicht des Papstthums, sondern nur der heiligen Schrift bedurft, um zunächst unter sich und sodann mit andern rechtgläubigen Gemeinden theils in Glaubensgemeinschaft, theils aber auch in eine ihnen entsprechende Kirchenverfassung zusammenzutreten. Im Gegentheil ist gerade das Papstthum auch hier das Hinderniß u. der Hemmschuh gewesen, daß diese wie andere Gemeinden zu keiner evangelischen Gestalt und Verfassung gelangen konnten und gerade durch Anerkennung der Päpste in gesetzlicher Knechtschaft und geistlicher Unmündigkeit darniedergehalten wurden.
Zu der freundlichen Gesinnung des Unionis-
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trated antichristian power within the Church of Christ recognized and demonstrated; and the learned gentlemen of the fashionable, self-made Union of our time would do better to refute this demonstration thoroughly, if they are able, than to smile at it with scornful pity and haughty shrugging of the shoulders as Lutheran narrow-mindedness and to pronounce loftily upon it.
How peaceably, however, Unionism is disposed toward the Papacy, Mr. Schaff proves in the following sentence: "Even the Papacy is regarded by the greatest recent church historians, and likewise by secular historians such as Johann von Müller, Leo, Ranke, Macauley, as an institution thoroughly indispensable for that age and on the whole most beneficial, for the education of the Germanic nations, for the preservation of unity and for securing the freedom and independence of the Church from the secular power. Whatever one may judge, says the Protestant historian Ranke, of the popes of earlier times, they always had great interests before their eyes: the nurture of a suppressed religion, the struggle with heathenism, the spreading of Christianity over the northern nations, the founding of an independent hierarchical power; it belongs to the dignity of human existence that one should will and accomplish something great: these their tendencies the popes pursued with a higher momentum."
Be it granted, namely, that there was indeed a certain difference in the personal disposition of the popes, and that by this one and that one much good was done against the encroachments of the secular authorities upon the rights of the Church and for the Christian discipline and civilizing of the Germanic tribes then being converted, etc., it is and remains nevertheless the standing testimony of Holy Scripture and the continuous confirmation of history that the essential fundamental character and the ruling disposition of the Papacy has remained the same in the course of the centuries, and that it is just as unscientific and unhistorical as it is contrary to Scripture to lose sight so entirely of the antichristian fundamental character of the Papacy that one asserts, against all evangelical light, that the Papacy was "an institution thoroughly indispensable for that age (of the Middle Ages) and on the whole most beneficial," etc.
If a blind, fanatical Papist spoke thus, one might well make allowance for him; but when so-called Evangelicals speak thus, who moreover imagine that they stand upon the height of the culture of the age, and are, if possible, historians looking backward and prophets looking forward, then that is precisely an irrefutable proof how the delusion and jugglery of the false Union has so pitifully blunted the sharp and sound sense for distinguishing truth and lie.
Or, I ask Mr. Schaff, the teacher of the evangelical church, upon his evangelical conscience, whether the Papacy, as in its root, so in its whole appearing and conduct through the course of the centuries, is not a straightway anti-evangelical contrivance. For the learned Professor knows, indeed, better than I, from the indubitable records of history, that the Pope has exalted himself as the vicegerent of Christ and the visible head of the Church of God on earth, who by divine right, by means of the priesthood appointed by him, governs the same; to whom by virtue of this his office alone it belongs to determine the understanding of Scripture, since in the shrine of his heart, be he personally as godless as he will, by virtue of his official plenitude of power the Holy Ghost has his seat and dwelling; who therefore is also the infallible interpreter of the divine Word and of the so-called apostolic traditions, and the supreme, infallibly deciding judge in all controversies of faith and doctrine and over all church councils, and who has the power to command to Christendom new laws, ordinances and ceremonies binding the conscience and obliging to obedience, yes, to change the institutions of the LORD Christ Himself and, for example, to withdraw the cup from the so-called laity, to enjoin celibacy upon the clergy, and for all sins, past and future, to grant indulgence out of the fictitious treasury of the merits of Christ and of the saints?
I ask Professor Schaff upon his evangelical conscience — are these and other parts of the Papacy not shameful anti-evangelical and accordingly also antichristian abominations, since they are indeed essentially and truly against the voice of Christ in the Gospel, falsify the 3d Article of the Christian faith in the most ruinous manner, give churchly sanction to self-righteousness and work-righteousness, and on the other hand trample under foot and stifle Christ's alone and fully sufficient merit and the justifying faith which appropriates it, confuse Law and Gospel in a hopeless fashion, and, without special intervention of divine grace and the Holy Ghost, show themselves thoroughly ruinous to souls, yes, murderous of souls?
Should such a devil's contrivance, at any time, whether the Middle Ages or our own time, have been or perhaps still be "an indispensable and on the whole most beneficial institution," etc., and so, according to God's good and gracious will, have attained such power in the Church? Then truly Judas' betrayal was also an indispensable and for the Church altogether beneficial act; and it almost seems that the LORD Christ — may He forgive my righteous zeal for His honor this seeming blasphemy — judged unjustly when He says, "It had been good for that man if he had not been born," because indeed out of his betrayal and Christ's death upon the cross salvation has sprung up for the world. Yes, it almost appears as though the broad-hearted gentlemen Unionists wanted to make the devil himself pious; for since from his resistance against Christ and His kingdom, in doctrine and life, only good comes forth after all, and he only helps to build the kingdom of God — why should he be so ill judged, and why should there not be room for him also for conversion?
To such excellent conclusions, however, Professor Schaff and his learned authorities, those famous German historians, must necessarily come, if in judging the Papacy they do not, according to God's Word as well as the morality of natural reason, carefully hold apart what the Papacy is in itself, in its nature and its ruling disposition and manner of action, through the course of the centuries, and what it has incidentally and relatively wrought of good here and there, that is, what individual Roman bishops, so far as they were Christians (for in so far as they were popes they could hardly be true Christians), have done for the furtherance of the kingdom of God, how they have defended the rights of the Church against the encroachments of the secular arm, and the like.
But even in this latter respect it will first be revealed by the last day whether and how far faith and love were really contained in such, to all appearance, good and beneficent acts of individual popes, and whether it was not rather, in so far as they as popes cared for the spread of the Church, hypocritical work-righteousness, and in so far as they defended the Church against the emperors and other secular princes, spiritual pride and lust of dominion that were the driving motives?
Moreover, Mr. Schaff will hopefully not be of the opinion that, for example, in the evangelizing of the Germanic peoples in the Middle Ages the Papacy was the efficient cause, but will gladly testify with us that it was solely the Holy Ghost who gave to those monks of the cloisters of Ireland the love of Christ, and the irresistible impulse and the holy zeal for the conversion of our fathers. And even if here and there the popes lent assistance thereto, this was certainly not "thoroughly indispensable." Rather would Christianity, even without the mediation of the hand-servant popes, have been able to spread among the German tribes at that time just as well as in the time of the Apostles and the apostolic fathers in other parts of the earth. And certainly the Frisian and Hessian congregations founded by Boniface, for example, would have needed not the Papacy, but only the Holy Scripture, in order to come together, first among themselves and then with other orthodox congregations, partly in fellowship of faith, partly also in a church constitution corresponding to them. On the contrary, the Papacy has precisely here also been the hindrance and the drag, so that these congregations, like others, could attain to no evangelical form and constitution, and were kept down precisely by the recognition of the popes in legal bondage and spiritual immaturity.
To the friendly disposition of Unionis-