Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 23 › Seite 156

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-05, Seite 156

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stus, erweckte, diese angegriffenen Grundlehren der Wahrheit zur Seligkeit, je nach der Seite des Angriffes, aus Gottes Wort um so genauer entwickelte, und gegenüber den entgegengesetzten Irrlehren — die immer die Lichtputzen des Lichtes der reinen Kirchenlehre gewesen sind, — in um so klareres Licht stellte. Und dies geschah und geschieht immer also, daß die rechtgläubige Kirche, die allezeit in der Liebe der Wahrheit und in der Wahrheit der Liebe gegründet ist, zweierlei thut; einmal, daß sie das Falsche und Schriftwidrige, das der dünkelweise Hochmuth der Irrlehrer durch des Teufels Verblendung in die reine Lehre meist von entgegengesetzter Seite her hineinträgt, und sie damit trübt und fälscht, auf das Schärfste und Strengste ausscheidet und verwirft; sodann aber auch, daß sie die durch solche Ausscheidung des angehängten Irrthums um so klarer und gegliederter wie von Neuem hervorleuchtende alte seligmachende Wahrheit von den meist gegenüberstehenden Seiten des Angriffs her gleichsam wiederum sammelte und vereinigte; und gerade in diesem bekämpfenden, das Fremdartige, die Irrthümer ausscheidenden, das Gleichartige aber, d. i. die verschiedenen Seiten der Wahrheit vereinigenden Verfahren, ist die rechtgläubige Kirche von Alters die wahre Union gewesen, außer welcher es keine andere gab, gibt und geben wird.

Man vergleiche z. B. das Nicänische und noch mehr das Athanasianische Symbolum mit dem sogenannten Apostolischen, und man wird daraus ersehen, wie jene beiden nur die bereits in diesem, als Antwort auf Gottes Wort, enthaltene Wahrheit wider die entgegengesetzten Irrlehren der Antitrinitarier von mancherlei Art und Farbe genauer entwickeln und näher bestimmen.

Es war also ganz natürlich, daß damals, in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche, die Grundlehren von dem dreieinigen Gott und von der Person Christi wegen der Angriffe der Irrlehrer vorzüglich in den Vordergrund traten; und daß die lutherische Kirche, als die rechtgläubige Kirche unserer Zeit, diesen edlen reichen Lehrschatz hoch und werth achtete, beweist sie, wie gesagt, eben dadurch, daß sie das Apostolische, Nicänische und Athanasianische Symbolum der Augsburgischen Confession voransetzt und sich zu ihnen bekennt.

Ich frage aber, ist sie deßhalb minder kirchlich u. weniger wahrhaft katholisch, weil Luther u. seine Mitarbeiter u. Nachzeugen durch die semipelagianisch-papistischen Irrlehren jener Zeit, die später im Tridentiner Concil noch kirchlich festgestellt u. bestätigt wurden, genöthigt waren, jene zwei nicht minder wichtige Grundlehren von der heiligen Schrift und vom rechtfertigenden Glauben um so entschiedener in den Vordergrund zu stellen?

Zudem ist auch dieser letztere Glaubensartikel von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott eine eben so wesentliche Grundlehre, als jene beiden von dem dreieinigen Gotte und von der Person Christi; denn was hülfe uns die Reinheit dieser beiden Lehrstücke, wenn das von der Aneignung des Heils in Christo zur Vergebung der Sünden und zur Seelen Seligkeit aus dem Evangelium, allein mittelst des Glaubens in seiner evangelischen Reinheit und Lauterkeit durch die verderbliche Einmischung des göttlichen Gesetzes und seiner Werke oder gar menschlicher Gebote und deren Erfüllung als mitwirkend zur Seligkeit auf das Schädlichste und Gefährlichste verunreinigt und gefälscht wird, wie es von den Papisten und Schwärmern gleichmäßig geschieht?

Endlich aber ist auch gewiß dieses nicht in Abrede zu stellen, daß, sofern die in der lutherischen Kirche so gründlich und allseitig durchgearbeitete und im rechten Zusammenhange mit den verwandten Lehrstücken dargestellte Lehre vom rechtfertigenden Glauben auch innerlich erlebt und erfahren wird — wie denn ein gesunder Lutheraner mit Recht darin lebt und webt — daß damit durch die Gnade des heiligen Geistes auch eine sonderliche Erleuchtung über den Sinn und Zusammenhang der heiligen Schrift zusammenhängt. Daher kömmt denn z. B. in Luthers Schriften, als vornähmlich in seiner größern Auslegung der Epistel St. Pauli an die Galater, in seiner Erklärung des 14., 15. und 16ten Capitels des Evangeliums St. Johannis und eines seiner Lieblingsbücher der heiligen Schrift, nämlich des 1. Buchs Mosis der gesunde und gründliche Schriftverstand, vorzüglich in Hinsicht auf die väterliche Gesinnung Gottes gegen die Menschenkinder und besonders seine Gläubigen, auf die völlige Verderbtheit und Ohnmacht der menschlichen Natur, in Folge von Adams Fall, auf den Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium, auf die Kraft und Herrlichkeit des Glaubens, der sich Gottes gnädige Verheißung in Christo durch das Evangelium aneignet, auf die Bethätigung dieses Glaubens durch die Liebe, auf den Trost in diesem Glauben unter allerlei Kreuz und Anfechtung, auf die Kindschaft Gottes und die zukünftige Herrlichkeit aus diesem Glauben, durch den allein schon hienieden die wahren Christen in Gott sind und Gott in ihnen. Und denselben durch und durch evangelischen Geist findet man auch in den lutherischen Predigt-, Gesang-, Erbauungs- und Gebetbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts — einen Geist, den man in seiner Reinheit, Kraft und Salbung, in seiner gesunden Anwendung auf Herz und Leben, auf Thun und Leiden, schwerlich so durchgehends, selbst in den reinen Lehrern der ersten Jahrhunderte finden möchte, in denen hin und her eine, wie es scheint, halbgesetzliche Heiligung, die klare und gründliche Erkenntniß und Erfahrung des rechtfertigenden Glaubens und des daher rührenden fröhlichen und seligen Gnadenstandes der Kinder Gottes hemmte und trübte.

Die östliche evang.-luther. Distrikts-Synode von Ohio.

Herr Pastor Bierdemann, Secretär der in der Ueberschrift genannten Synode, hat die Güte gehabt, den unten folgenden Auszug aus den Verhandlungen derselben während deren letzter Jahresversammlung uns für den „Lutheraner“ mitzutheilen. Wir theilen diesen Auszug nicht allein darum mit besonderer Freude unseren Lesern mit, weil dieselben daraus ersehen, daß die Synode den „Lutheraner“ ihren Gemeinden zu empfehlen beschlossen hat, sondern vor allem wegen mehrerer anderer vortrefflicher Beschlüsse, durch welche die Synode ihren Eifer ebensowohl in Sachen der Lehre als des Lebens bezeugt. Was den zweiten Theil des 6. Beschlusses und No. 7 betrifft, so gestehen wir freilich offen, daß wir Einwendungen dagegen haben; wir hoffen aber, unsere Ueberzeugung betreffs beider Punkte bei einer geeigneteren Gelegenheit aussprechen zu können.

Wir lassen nun den Auszug folgen.

Die Synode begann ihre diesjährigen Sitzungen am Donnerstag den 19. Mai, Morgens 9 Uhr. und es waren außer Schweizerbarth 12 Prediger und 9 Gemeinde-Abgeordnete gegenwärtig.

Diese Sitzung war eine ungewöhnlich ernste, indem es unsere traurige Pflicht war, drei Glieder aus unserer Mitte auszuschließen, und wir Alle fühlten tief, wie bald der Mensch sinkt, wenn die mächtige Hand des Herrn ihn nicht hält. Dagegen war sie aber wieder sehr erquickend durch die brüderliche Stimmung aller Glieder gegen einander, und die Bekenntnißtreue, welche sich in Aller Reden und Handeln offenbarte.

In den Sitzungen der Synode wurden vorzüglich folgende 10 Punkte verhandelt:

1. Schismatische Gemeinde. Es wurde der Grundsatz ausgesprochen, daß wir Gemeinden, welche sich ohne Grund von bestehenden Gemeinden trennen, nicht anerkennen können. Dieser Grundsatz wurde angewandt auf die „erste freie evangel.-lutherische St. Stephans-Gemeinde zu Zelienopel.“

2. Englisches Luther. Gesangbuch und Liturgie. Es wurde eine Committee ernannt, um mit Committeen des westlichen und nördlichen Distriktes zusammen zu wirken, um ein echt Lutherisches Engl. Gesangbuch herauszugeben, dem eine Engl. Liturgie mit Responsorien angehängt werden soll.

3. Mißbilligung der geheimen Gesellschaften. Es wurde beschlossen:

Daß die Synode es nicht allein bedauert, sondern es als unrecht erkennt, wenn lutherische Prediger Glieder solcher Gesellschaften werden, oder sie unterstützen.

4. Anschluß an die Generalsynode. Hierüber wurde beschlossen:

Daß die östliche evangelisch-lutherische Distriktssynode von Ohio nie sich mit der Generalsynode verbinden kann, so lange dieselbe den anti-symbolischen Standpunkt einnimmt, den sie bisher eingenommen hat.

5. Mißbilligung derer, welche christliche, bekenntnißtreue Prediger lästern, wurde ausgesprochen in Bezug auf einen Angriff im ”Missionary“ auf Pastor Hölsche.

6. In Bezug auf das Verdrängen bekenntnißtreuer Prediger beschloß die Synode folgendes:

Beschlossen: Daß unsere Synode es durchaus nicht billigen kann, daß, wenn ein bekenntnißtreuer Prediger um der reinen Lehre willen von seinen Gemeinden verdrängt wird, ein anderes Glied unseres Körpers solche Gemeinden dadurch in ihrer

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sius, awakened, to develop these assaulted fundamental doctrines of the truth unto salvation, according to the side of the attack, the more exactly out of God's Word, and to set them, over against the opposed heresies — which have always been the snuffers of the light of the pure doctrine of the Church — in so much the clearer light. And this took place and always takes place thus, that the orthodox Church, which is at all times grounded in the love of the truth and in the truth of love, does two things; first, that it excludes and rejects in the sharpest and strictest manner the false and Scripture-contradicting element which the conceited arrogance of the heretics, through the devil's blinding, carries into the pure doctrine, mostly from the opposite side, and thereby obscures and falsifies it; then also, that it, as it were, gathers again and unites the ancient saving truth, shining forth anew the clearer and more articulated by such exclusion of the appended error, from the mostly opposite sides of the attack; and precisely in this process, combating the alien, the errors, and uniting the kindred, that is, the different sides of the truth, the orthodox Church has been from of old the true Union, outside of which there was no other, is none, and will be none.

Compare, for example, the Nicene and still more the Athanasian Creed with the so-called Apostles', and one will see from it how those two only develop more exactly and determine more closely the truth already contained in this, as an answer to God's Word, against the opposed heresies of the Antitrinitarians of every sort and color.

It was therefore quite natural that at that time, in the first centuries of the Christian Church, the fundamental doctrines of the triune God and of the person of Christ came especially to the fore on account of the attacks of the heretics; and that the Lutheran Church, as the orthodox Church of our time, esteemed this noble, rich treasure of doctrine highly and dearly, she proves, as said, precisely thereby, that she places the Apostolic, Nicene and Athanasian Creed before the Augsburg Confession and confesses herself to them.

But I ask, is she therefore less churchly and less truly catholic, because Luther and his fellow laborers and later witnesses, through the semi-Pelagian-papistical heresies of that time, which afterwards in the Council of Trent were still established and confirmed as church law, were compelled to put those two no less important fundamental doctrines, of the Holy Scripture and of justifying faith, the more decidedly to the front?

Moreover, this latter article of faith, of the justification of the sinner before God, is also as essential a fundamental doctrine as those two, of the triune God and of the person of Christ; for what would the purity of these two points of doctrine help us, if that which concerns the appropriation of salvation in Christ unto the forgiveness of sins and the salvation of souls out of the Gospel, solely by means of faith, in its evangelical purity and sincerity, is by the pernicious admixture of the divine Law and its works, or even of human commandments and their fulfilment, as cooperating to salvation, in the most harmful and dangerous manner defiled and falsified, as is done alike by the Papists and the fanatics?

Finally, however, this also is certainly not to be denied, that, so far as the doctrine of justifying faith, so thoroughly and on all sides worked out in the Lutheran Church and presented in right connection with the related points of doctrine, is also inwardly lived and experienced — as a sound Lutheran with right lives and moves therein — a peculiar enlightenment concerning the sense and connection of the Holy Scripture is thereby, through the grace of the Holy Spirit, also connected with it. Hence comes, for example, in Luther's writings, as chiefly in his larger exposition of the Epistle of St. Paul to the Galatians, in his exposition of the 14th, 15th and 16th chapters of the Gospel of St. John, and of one of his favorite books of the Holy Scripture, namely the 1st Book of Moses, the sound and thorough understanding of Scripture, especially with respect to the fatherly disposition of God toward the children of men and particularly His believers, to the entire depravity and impotence of human nature in consequence of Adam's fall, to the distinction between Law and Gospel, to the power and glory of faith, which appropriates God's gracious promise in Christ through the Gospel, to the exercise of this faith through love, to the comfort in this faith under all manner of cross and trial, to the sonship of God and the future glory out of this faith, through which alone even here below the true Christians are in God and God in them. And the same thoroughly evangelical spirit one finds also in the Lutheran books of sermons, hymns, edification and prayer of the 16th and 17th centuries — a spirit which one would hardly find so consistently in its purity, power and unction, in its sound application to heart and life, to doing and suffering, even in the pure teachers of the first centuries, among whom here and there a, as it seems, semi-legal sanctification hindered and obscured the clear and thorough knowledge and experience of justifying faith and of the joyful and blessed state of grace of the children of God resulting therefrom.

The Eastern Evang. Luther. District Synod of Ohio.

Herr Pastor Bierdemann, Secretary of the Synod named in the heading, has had the kindness to communicate to us for the "Lutheraner" the extract given below from the proceedings of the same during its last annual meeting. We communicate this extract to our readers with special joy not only because they will see from it that the Synod has resolved to recommend the "Lutheraner" to its congregations, but above all on account of several other excellent resolutions, through which the Synod testifies its zeal equally in matters of doctrine and of life. As to the second part of the 6th resolution and No. 7, we admit freely and openly that we have objections to them; we hope, however, to be able to express our conviction regarding both points on a more suitable occasion.

We now let the extract follow.

The Synod began its sessions this year on Thursday the 19th of May, at 9 o'clock in the morning, and there were present, besides Schweizerbarth, 12 preachers and 9 congregational delegates.

This session was an unusually solemn one, in that it was our sad duty to exclude three members from our midst, and we all felt deeply how soon man sinks when the mighty hand of the Lord does not hold him. On the other hand, however, it was again very refreshing through the brotherly disposition of all the members toward one another, and the confessional fidelity which manifested itself in the speech and action of all.

In the sessions of the Synod the following 10 points were chiefly dealt with:

1. Schismatic Congregation. The principle was declared that we cannot recognize congregations which separate without cause from existing congregations. This principle was applied to the "first free Evangel.-Lutheran St. Stephen's Congregation at Zelienopel."

2. English Luther. Hymn-book and Liturgy. A committee was appointed to cooperate with committees of the western and northern districts to publish a genuinely Lutheran English hymn-book, to which an English liturgy with responsories is to be appended.

3. Disapproval of Secret Societies. It was resolved:

That the Synod not only regrets, but recognizes it as wrong, when Lutheran ministers become members of such societies, or support them.

4. Connection with the General Synod. Concerning this it was resolved:

That the Eastern Evangelical-Lutheran District Synod of Ohio can never connect itself with the General Synod so long as the latter takes the anti-symbolical standpoint which it has hitherto taken.

5. Disapproval of those who slander Christian, confession-faithful preachers, was expressed with reference to an attack in the "Missionary" upon Pastor Hölsche.

6. With reference to the Displacing of confession-faithful preachers the Synod resolved as follows:

Resolved: That our Synod cannot at all approve that, when a confession-faithful preacher is displaced from his congregations for the sake of the pure doctrine, another member of our body in their