Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 133
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-04-11, Seite 133
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
133
zufahren habe. Es sei ihnen (den Shebahyonkern) Bedürfniß, die Sonne in den See niedertauchen zu sehen, auf seinen eisigen Feldern zu gehen und zu fahren ꝛc. Sollten sie das alles entbehren, so würde es ihnen sehr hart gehen. Was aber noch sehr zu bedenken sei, wäre das, daß die Methodisten das stille einsame Shebahyonk nicht so bedrängten, als das mit Bethanien der Fall sei. Sie, die Shebahyonker, hätten mehr Ruhe und Frieden vor ihren Feinden und seien glücklich, dem Unterrichte ihres rechtgläubigen Pastors ungestört folgen zu können. Dasselbe möchten sie auch ihren Brüdern zu Bethanien wünschen und bäten deshalb dieselben, zu ihnen zu kommen.— In Bezug auf die Versorgung einer jeden Familie mit einer gewissen Ackerzahl von Land, so wären sie erfreut, daß solches in Aussicht stände, denn der Ackerbau mache ihnen je länger, je mehr Freude und sie wären mit uns überzeugt, daß sie so allein einen Halt gegen die Gefahr gewinnen könnten, aus dem Lande gewiesen zu werden.— Wir hörten diesen Beweisführungen gern zu und mußten unsern Theils gestehen, daß wir vorläufig gleichfalls zu Gunsten der gemeinschaftlichen Ansiedlung in Shebahyonk gestimmt wären, daß aber freilich der andere Theil auch zu hören sei, ehe man ein Urtheil fällen könne. Eine auffallende Erscheinung lieferte uns noch einer der jungen Männer, der bei der Besprechung der Frage über das Bedürfniß von Ehefrauen für die letzteren die Zuversicht aussprach, daß auch wohl deutsche Mädchen von ihnen gefreit werden könnten. Da wir nun nicht genau wußten, ob die Landesgesetze dem nicht etwa entgegen wären, so gaben wir keinen endlichen Bescheid in dieser Sache, sondern sagten nur, daß es nicht unseres Amtes sei, die Jungfrauen unsrer deutschen Gemeinden zu bereden, in ein anderes Volk hinein zu heirathen, daß wir vielmehr solche Angelegenheiten den Gewissen der Einzelnen überlassen müßten. Schließlich versprachen die versammelten Indianer, daß Mehrere von ihnen uns im Winter abholen wollten, um mit uns einen Besuch in Bethanien zu machen und mit den Brüdern dort ein Council zu halten. Wir nahmen das gern an, schüttelten unsern Freunden die Hände und sagten — Boschu d. h. Lebewohl. Sie aber grüßten noch unsre Gemeinden und Familien und gingen ihrer Fischerei nach.
Es blieb uns nur noch übrig, auch die Schule in Augenschein zu nehmen. Es kamen etwa 10 Kinder, erst etwas schüchtern, dann aber zutraulicher auf die Schule zu und legten vor unsern Ohren einige Proben ihrer Kenntnisse ab, woraus wir sahen, daß auch an diesen jungen Seelen das Evangelium gewirkt hatte. Besonders gefiel uns die schöne Zucht, welche unter den Kindern herrschte, und vermöge der sie den Alten nach der Schrift Ehrfurcht erwiesen.
Doch die Zeit unsers Bleibens in Shebahyonk war für das Mal zu Ende, wir bestiegen daher unsre Ponys, die sich lange genug geruht hatten und ritten gegen Abend am Saume des Waldes dem Dörflein Sibiwaiing wieder zu. Hier übernachteten wir in denselbigen gastlichen Räumen, wie auf der Hinreise, d. h. in dem alten Missionshause, dem ersten, das hier in der Gegend für die Indianermissionare erbaut wurde und nun seit Jahren von ihnen hat geräumt werden müssen. 5 Jahre lang hatte der Miss. Auch und sein Gehilfe den damals in Sibiwaiing wohnenden Heiden das Evangelium treulich gepredigt; aber dieselben hatten es beharrlich verschmäht; daher er denn endlich den Staub von seinen Füßen schütteln und zu seiner jetzigen kleinen Heerde ziehen mußte, die das Wort Gottes williger aufnahm, als der gottlose wilde Häuptling Noktschikemä und seine Bande. Der Schreiber dieses kann ein wehmüthiges Trauern nicht unterdrücken, wenn er bedenkt, welch schreckliches Gericht die Armen ereilen wird falls sie nicht in dieser Gnadenzeit noch zur Buße kommen und dem HErrn die Ehre geben, O daß der HErr ihnen noch solche Buße gäbe und sie mit uns selig würden durch den Glauben!
Lebe wohl, lieber Leser. So Gott will, werde ich Dir bald berichten können, zu welchem Entschluß die Brüder in Bethanien vom HErrn gelenkt worden sind. Bete Du indeß mit mir, daß des HErrn Reich komme.
Frankenlust
den 2. December 1853.
Ferdinand Sievers,
luth. Pastor.
Karl Friedrich Wilhelm Katenhusen,
Superintendent des Herzogthums Lauenburg, erster geistlicher Assessor des Königl. Konsistorii, Pastor primarius an der St. Petrikirche, Ephorus der Gelehrtenschule zu Ratzeburg, Kommandeur des Dannebrogordens u. Dannebrogemann.
(Schluß.)
Werfen wir jetzt einen Blick auf sein Wirken. Im 24sten Lebensjahre in's Amt gerufen, mit Allem, was zum Prediger des Evangeliums befähigt, äußerlich und innerlich reich begabt, legte er mit unerschrockenem Muthe und jugendlichem Eifer sein Bekenntniß von Christo ab, welches als fröhlicher, unerschütterlicher Glaube in seinem Herzen lebte. Es war noch jene Zeit, wo auch im Lauenburgischen Lande der rationalistische Unglaube die meisten Kanzeln inne hatte und wo dem aus alter Zeit übrig gebliebenen Glaubensleben meistens die zum Bekennen nöthige Erkenntniß und Kraft fehlte. Wir finden ihn zu jener Zeit wie im entschiedenen muthigen Kampfe gegen den Rationalismus (er betheiligte sich auch öffentlich an dem Harmsischen Thesenstreite durch eine Druckschrift: „Zeugnisse der lutherischen Kirche über Vernunftreligion," Kiel. 1820,) so im innigen Anschlusse an die andern, damals noch wenig zahlreichen Bekenner des geoffenbarten Evangeliums in unserm Lande. Welche nun und wie groß die Früchte seiner Arbeit an den Gemeinden waren, die ihm anvertraut worden sind, (er ward 1831 als Klosterprediger nach Uetersen und 1834 als Superintendent und Hauptpastor an der St. Petrikirche nach Ratzeburg berufen,) darüber steht ja das Urtheil menschlichen Blicken nicht zu; ist es doch die Art des Wortes Gottes, daß von seinen Dienern nur Treue verlangt wird, der Erfolg aber und der Segen steht allein in Gottes Macht, ist auch in den meisten Fällen nur Gott allein bekannt; doch ist auch äußerlich erkennbar seine Wirksamkeit eine sehr bedeutende und erfolgreiche gewesen. Seine Predigten, von denen auch eine Anzahl zu verschiedenen Zeiten gedruckt sind, waren im besten Sinne einfach und populär, für alle Stände und Lebensalter gleich verständlich und anziehend, durchweg edel und schön in der Form, herzlich und des Weges zu den Herzen kundig, weniger durch Masse und blendenden Wechsel mannigfacher Gedanken, als durch vielseitige, eindringliche und geistreiche Entfaltung des Hauptgedankens ausgezeichnet, fern von aufregender, anstürmender Leidenschaftlichkeit, lehrhaft: anregende, aber ruhige, ihrer Sache gewisse Darlegungen der göttlichen Heilsthaten und des Reichthums der Schrift, die nicht durch rednerische Kunst, sondern durch die selbstwirkende Kraft der Wahrheit überzeugen und Seelen gewinnen wollen, immer aber beseelt und durchglüht von dem stillen, keuschen Feuer einer innigen Jesusliebe und eines mannhaften, unerschütterlichen Glaubens, der von den Zeugnissen Gottes vor der Welt reden muß und sich des Evangeliums von Christo nicht schämt, immer selbst Zeugnisse eines Lebens, das die Gnade Gottes in Christo durch eigne Erfahrung geschmeckt hat und in derselben seines Heils gewiß ist, Zeugnisse eines mit den Tiefen der Schrift wohlvertrauten, durch sie genährten, in der Kreuz- und Betschule des Christenlebens geprüften und geübten Herzens. Ein ähnliches Gepräge trugen auch seine Katechesationen und sein Konfirmandenunterricht, auf den er nicht allein die größte Mühe und Sorgfalt, sondern auch ein ungewöhnlich großes Maaß von Zeit verwendete. Sein Hauptaugenmerk auch hierbei war die Lehre; es kam ihm vor Allem darauf an, den Katechumenen zum klaren, rechten Verständniß der Heilswahrheiten zu verhelfen, er wollte den Kindern vor Allem eine gründliche Erkenntniß, einen Schatz von Gottes Wort mitgeben, der nicht mit augenblicklicher Stimmung und Erregung käme und verschwände, sondern im Gedächtniß und Herzen bewahrt einen Anhalt im Leben gewähren und Frucht bringen möchte zu seiner Zeit. Der vorherrschende Eindruck, den alle bei ihm Unterrichteten empfangen haben, war der einer herzgewinnenden Liebe und Milde, einer sanftmüthigen, Vertrauen erweckenden Weisheit, welche die kindlichen Gemüther eben so sehr in der Tiefe zu bewegen und zur Liebe Gottes zu erwärmen, als mit dem Ernste der Gottesfurcht zu erfüllen wußte. Darum sind auch so Viele, welche mit besonderer Dankbarkeit an den bei ihm empfangenen Konfirmationsunterricht zurückdenken.
Was aber unserm Catenhusen vor Allem Anspruch auf ein ehrenvolles Andenken giebt auch bei den Lutheranern außerhalb der Grenzen unsres Ländchens, das sind die Verdienste, die er sich als Generalsuperintendent des Herzogthums Lauenburg um die evang.-lutherische Landeskirche desselben erworben hat. Er hat unser schrift-
English translation AI translation
133
to drive. It was a necessity to them (the Shebahyonkers) to see the sun dip down into the lake, to walk and to drive on its icy fields, etc. Should they have to do without all this, it would go very hard with them. But what was still very much to be considered was this, that the Methodists did not harass the quiet, solitary Shebahyonk so much as was the case with Bethany. They, the Shebahyonkers, had more rest and peace from their enemies and were happy to be able to follow undisturbed the instruction of their orthodox pastor. The same they would wish also for their brethren at Bethany, and therefore begged them to come to them.— As to the provision of each family with a certain number of acres of land, they would be glad that this was in prospect, for farming gave them more joy the longer it went on, and they were convinced with us that only thus could they gain a hold against the danger of being driven out of the country.— We listened gladly to these arguments and had to confess, for our part, that for the present we likewise were inclined in favor of the common settlement in Shebahyonk, but that, of course, the other side also must be heard before a judgment could be passed. A striking phenomenon was furnished us besides by one of the young men, who in the discussion of the question concerning the need of wives for the latter expressed the confidence that German girls also might perhaps be wooed by them. Since we did not know exactly whether the laws of the land might not be opposed to it, we gave no final answer in this matter, but said only that it was not our office to persuade the maidens of our German congregations to marry into another people, that we must rather leave such matters to the conscience of the individual. Finally the assembled Indians promised that several of them would come and fetch us in the winter, in order to make a visit with us at Bethany and to hold a council there with the brethren. We accepted this gladly, shook our friends by the hand and said — Boschu, that is, Farewell. They, however, sent greetings besides to our congregations and families and went back to their fishing.
It remained for us only to take a look at the school also. About 10 children came, at first somewhat shyly, then more confidently, toward the school and gave before our ears some proofs of their knowledge, from which we saw that the Gospel had worked also upon these young souls. We were especially pleased with the fine discipline which prevailed among the children, and by virtue of which they showed reverence to the old people according to the Scripture.
But the time of our stay in Shebahyonk was at an end for this occasion; we therefore mounted our ponies, which had rested long enough, and toward evening rode along the edge of the forest back to the little village of Sibiwaiing. Here we spent the night in the same hospitable rooms as on the journey out, that is, in the old mission house, the first that was built in this region for the Indian missionaries and which for years now they have had to vacate. For 5 years the missionary Auch and his helper had faithfully preached the Gospel to the heathen then living in Sibiwaiing; but they had stubbornly spurned it; whereupon he finally had to shake the dust from his feet and go to his present little flock, which received the Word of God more willingly than the godless wild chief Noktschikemä and his band. The writer of this cannot suppress a sorrowful mourning when he considers what a dreadful judgment will overtake the poor people if they do not yet in this time of grace come to repentance and give the Lord the honor. O that the Lord would yet give them such repentance, and that they with us might be saved through faith!
Farewell, dear reader. God willing, I shall soon be able to report to you to what decision the brethren in Bethany have been led by the Lord. Pray with me meanwhile that the Lord's kingdom may come.
Frankenlust
the 2nd of December, 1853.
Ferdinand Sievers,
Lutheran pastor.
Karl Friedrich Wilhelm Katenhusen,
Superintendent of the Duchy of Lauenburg, first spiritual assessor of the Royal Consistory, Pastor primarius at the St. Peter's Church, Ephorus of the Latin School at Ratzeburg, Commander of the Order of the Dannebrog and Dannebrogman.
(Conclusion.)
Let us now cast a glance at his work. Called into the office in his 24th year, richly endowed, outwardly and inwardly, with everything that qualifies one to be a preacher of the Gospel, he made with undaunted courage and youthful zeal his confession of Christ, which lived in his heart as a joyful, unshakable faith. It was still that time when in the land of Lauenburg also rationalistic unbelief held most of the pulpits, and when the faith-life that remained from olden times mostly lacked the knowledge and strength needed for confessing. We find him at that time in decided, courageous conflict against rationalism (he also took part publicly in the Harms theses controversy by a printed work: "Zeugnisse der lutherischen Kirche über Vernunftreligion," Kiel, 1820,) and in close union with the others, then still few in number, who confessed the revealed Gospel in our land. What now and how great the fruits of his labor were among the congregations entrusted to him (he was called in 1831 as cloister preacher to Uetersen, and in 1834 as superintendent and chief pastor at St. Peter's Church to Ratzeburg,) concerning that the judgment does not belong to human eyes; for it is the way of the Word of God that of its servants only faithfulness is required, but the success and the blessing stand in God's power alone, and in most cases are known to God alone; yet it is also outwardly perceptible that his activity was a very significant and successful one. His sermons, of which also a number have been printed at various times, were in the best sense simple and popular, equally understandable and attractive for all classes and ages, throughout noble and beautiful in form, hearty and knowing the way to the hearts, distinguished less by mass and dazzling variety of manifold thoughts than by many-sided, impressive and spirited development of the main thought, far from excited, stormy passion, instructive: stirring, yet quiet expositions, sure of their cause, of the divine deeds of salvation and of the riches of Scripture, which would convince and win souls not by oratorical art but by the self-working power of the truth, yet always animated and glowing with the quiet, chaste fire of a heartfelt love of Jesus and of a manly, unshakable faith, which must speak of the testimonies of God before the world and is not ashamed of the Gospel of Christ, always itself testimonies of a life that has tasted the grace of God in Christ by its own experience and is certain of its salvation in it, testimonies of a heart well acquainted with the depths of Scripture, nourished by it, tried and exercised in the school of the cross and of prayer of the Christian life. A similar stamp was borne also by his catechizations and his confirmation instruction, upon which he bestowed not only the greatest pains and care but also an unusually large measure of time. His chief aim also here was doctrine; it mattered to him above all that the catechumen be helped to a clear, right understanding of the saving truths; he wished to give the children above all a thorough knowledge, a treasure of God's Word, which would not come and vanish with momentary mood and excitement, but kept in memory and heart might afford a stay in life and bring forth fruit in its time. The prevailing impression which all received who were taught by him was that of a heart-winning love and gentleness, of a mild-tempered wisdom awakening confidence, which knew how to move childlike minds so deeply and to warm them to the love of God, as well as to fill them with the earnestness of the fear of God. Therefore there are also so many who look back with special gratitude upon the confirmation instruction received from him.
But what above all gives our Catenhusen a claim to an honorable memory also among the Lutherans outside the borders of our little country, that is the services which he rendered as general superintendent of the Duchy of Lauenburg to its Evangelical Lutheran state church. He has our Scripture-