Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 5 › Seite 39

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-10-24, Seite 39

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zweifle nicht, daß ein jeder um seiner Gesundheit willen den Warnungen des Arztes Folge leisten würde. Nun aber gebietet der, welcher der Arzt der Seele und des Leibes, und zugleich der HErr ist, das Kraut der Trunkenheit und der Berauschung zu meiden, ebensowohl als die zeitliche Sorge, wie todtbringenden Saft. Die Berauschung mit Wein ist durchaus verderblich, denn sie allein ist es, die zugleich Seele und Leib elend macht. Denn sonst kann es geschehen, daß, nach dem Apostel, wenn der Leib schwach wird, dann der Geist desto stärker sei, und während der äußerliche Mensch verweset, daß der innerliche erneuert wird. Bei der Seuche der Trunkenheit aber verdirbt der Leib zugleich mit der Seele, und der Geist wird zugleich mit dem Fleische befleckt. Sie schwächt alle Glieder, lähmt Fuß, Hand und Zunge, verfinstert das Auge und hüllt den Geist in Vergessenheit ein, so daß er nicht weiß noch empfindet, daß er ein Mensch ist.“ (Homil. 7. in cap. 10. Levit.)

Basilius Magnus, Erzbischof von Cäsarea, gestorben im J. 379, schreibt: Trunkenheit ist ein böser Geist, der auf die Seelen einstürmt. Die Trunkenheit, diese Mutter der Bosheit, dieser Feind der Tugend, macht den Tapferen furchtsam, den Gemäßigten ausgelassen, kennt keine Gerechtigkeit, hebt die Klugheit auf. Denn wie das Wasser dem Feuer zuwider ist, so löscht Unmäßigkeit im Weintrinken die Vernunft aus. Wer sich durch Trunkenheit des Verstandes beraubt, der sinkt zum unvernünftigen Vieh herab und wird demselben gleich. Ja, ich möchte wohl sagen, daß Trunkene mehr ohne Vernunft sind, als das Vieh; denn alle Thiere haben geordnete Begierden, diejenigen aber, deren Seele von Trunkenheit gefesselt und deren Leib (so) von übernatürlicher Hitze erfüllt ist, werden zu aller Zeit und zu jeder Stunde zu unreinen und schändlichen Lüsten gereizt; und nicht nur bringt dieses Vernunftlosigkeit über sie, sondern die Zerrüttung der Sinne macht einen Trunkenen auch schlechter als jedes Thier.“ (Homil. cont. ebrios.)

Ambrosius, Bischof zu Mailand, gest. im J. 397, schreibt: „Trunkenheit, ein Zunder der sündlichen Lust, Trunkenheit, ein Reizmittel das Wahnsinns, Trunkenheit, ein Gift der Tollheit; sie verändert die Sinne und die Gestalt der Menschen; durch sie werden aus Menschen wiehernde Hengste. Sintemal sie, warm durch die natürliche Hitze des Körpers u. glühend durch die übernatürliche Wärme des Weines, sich nicht im Zaume halten können und zu viehischen Lüsten gereizt werden. Sie verlieren die Stimme, sie wechseln die Gesichtsfarbe, ihre Augen glühen, sie keichen mit dem Munde, sie werden besinnungslos. Daher kommt der gefahrvolle Wahnwitz, daher die schwere Strafe des Blasensteins, daher die verderbliche Unverdaulichkeit, daher das häufige Erbrechen der mit Unmaß genossenen Speisen, die die Eingeweide mit Blut von sich geben. Daher kommen auch die leeren Gaukelbilder, die unsicheren Augen, der taumelnde Gang; oft springen sie über Schatten wie über Graben. Mit ihrem Gesicht schwankt ihnen die Erde und scheint ihnen plötzlich erhaben und gesenkt und gleichsam umgedreht zu werden.“ (Lib. de Helia et jejun. c. 16.)

(Fortsetz. folgt später.)

Welthändel.

Mehrere Male habe ich mich daran gemacht, den Lesern des Lutheraners etwas von den neusten Welthändeln zu erzählen, allein es wollte nimmer gelingen. Was hätte ich aus den Vereinigten Staaten vorbringen können? Pestilenz, dürre Witterung, Theurung, diese Heimsuchungen Gottes sind uns begegnet, aber wer achtet ihrer? Jedes Zeitungsblatt meldet Gräuelthaten aller Art, Mordthaten, Betrügereien, Zeugnisse einer Roheit und Gottlosigkeit, die kaum unter Heiden erhört ist, Zeugnisse zum Theil auch von einer Erziehung der Jugend in den Vereinigten Staaten, die an Leichtsinn, Fahrlässigkeit, Thorheit ihres Gleichen nicht hat auf dem Erdboden. Eisenbahngesellschaften, Besitzer von Dampfböten, Fabrikherrn treiben mit ihrem Geiz und Habsucht das Morden im Großen, aber man frägt bei einem durch Mangel an Aufsicht oder an der nöthigen Zahl von Arbeitern bewirkten Unglück kaum mehr darnach, ob Menschen umgekommen sind. Capitalisten u. Geldkrämer bringen mit großartigen Schwindeleien die Armen, Witwen und Waisen um die geringe Habe, an welcher oft so viel saurer Schweiß hängt, aber man möchte den Armen ausschelten darob, daß er sich hat betrügen lassen, die Schurkerei des reichen Betrügers bleibt ungestraft. Wahrsager und Zeichendeuter zeigen in allen Zeitungen ihre Künste an; der Zeitungsschreiber steckt die Insertionsgebür in die Tasche und schreibt einen Artikel über die Aufklärung und Bildung, welche durch die Amerikanische Presse verbreitet werde; der Wahrsager findet mehr Kunden und verdient mehr als ein rechtschaffener Handwerksmann; wir endlich sollen glauben, wir wohnten unter dem aufgeklärtesten und gebildetsten Volke der Welt. Man brüllt von allen Seiten gegen die Jesuiten, und es ist wahr, das Jesuitenwesen ist antichristisch durch und durch; aber um gegen sie zu kämpfen, wählt man ein grundgemeines, niederträchtiges, feiges Mittel; man sammelt die Gegner der Jesuiten in geheime Gesellschaften und bekennt also, daß man eben so wohl wie die Jesuiten ein schlechtes, gottloses Mittel für anwendbar hält, wo es einen guten Zweck zu erreichen gilt. Mehr als die Verfassung irgend eines anderen Landes erfordert die Verfassung der V. St., daß die Einwohner und Bürger derselben die Tugend der Selbstbeherrschung, der Selbstbeschränkung besitzen und üben, sich selbst in rechter Zucht halten, sich selbst innerhalb der Grenzen der göttlichen Gebote und aller guten menschlichen Ordnung, Gesetz und Sitte behaupten, aber die solche Tugend annoch üben und Andere dazu vermahnen, werden Old Fogies (Grillenfänger, Nachtmützen) genannt, und schrankenlos stürmt das jüngere Geschlecht dahin — wohin?

In Europa hat Gott eine reich gesegnete Ernte gegeben, die Theurung ist am Ende, man denkt kaum mehr daran. Einen Augenblick richteten sich die Augen nach Spanien, wo es wieder Revolution gab, das heißt, einen der Königin abgezwungenen Wechsel des Ministeriums und Vertreibung der Königin-Mutter Maria Christine. Jetzt blickt Alles wieder nach Osten, nach dem Schauplatz des Kriegs zwischen den Türken, Engländern und Franzosen einerseits und Kaiser Nikolaus von Rußland andrerseits. In der Ostsee hat der englische Admiral Napier ein starkes russisches Fort auf einer der Alandinseln, Bomarsund, geschleift und einige Handelsschiffe weggenommen, kehrt aber jetzt, da es dort bald Eis giebt, heim; im Weißen Meere bombardirten die Engländer einige Klöster an der Küste. Mit dem Kampfe an der Donau ist es aus; Omar Pascha lagert an der Donau, Gortschakoff mit dem Russischen Heere am Sereth, wie ein Keil dazwischen geschoben liegt ein starkes Oestreichisches Heer zwischen der Donau und dem Sereth, zwischen Türken und Russen, in der Moldau und Walachei und hindert ferneren Kampf. Ein Oestreichisches Heer, fragt ihr, hat Oestreich und Deutschland mit ihm, seine neutrale Stellung aufgegeben? — Nein; aber als die Russen eben die starke türkische Festung Silistria an der Donau belagerten, die Englischen und Franzosen aber heranzogen, um den Türken zu helfen, stellte Oestreich im Einverständniß mit Preußen und den anderen Deutschen Staaten die Forderung an den Kaiser Nikolaus, er solle sogleich die Moldau und Walachei räumen; zugleich rückte ein Oestreichisches Heer an die Grenze. Nikolaus gab nach, zog sein Heer aus den genannten Fürstenthümern. Gemäß einer Uebereinkunft alsdann mit der Türkischen Regierung besetzte Oestreich die Moldau und Walachei und erklärte, die nächste Veranlassung des Kriegs, nämlich dies, daß die Russen jene Fürstenthümer in Beschlag nahmen und hielten, sei hinweggeräumt und dadurch eine Grundlage zu neuen Friedensunterhandlungen gewonnen. Allein Kaiser Nikolaus hatte die Fürstenthümer besetzt, weil er von den Türken das Zugeständniß erpressen wollte, daß er vor allen andern Großmächten der Beschützer der griechischen Christen in der Türkei sein sollte. So forderten nun von ihm die Engländer und Franzosen durch Oestreich, er solle von jener Forderung abstehen und die Mündung der Donau öffnen für Schiffe aller Nationen, u. s. f. Das schlug Nikolaus ab: er habe schon genug nachgegeben, wolle zwar den Krieg nicht durch fernere Eroberungen verwickelter machen, aber gegen alle Angriffe sich aufs Aeußerste vertheidigen. Alsbald erhielten die Admiräle der Englisch-Französischen Flotte im Schwarzen Meere Hamelin und Dundas Befehl, das schon längst vorbereitete Unternehmen gegen den stärksten Russischen Seehafen Sebastopol auf der Crim ins Werk zu setzen. Eine Flotte von mehr als 700 Schiffen mit 3000 Kanonen, 25,000 Ma[unleserlich]

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I doubt not that every one, for the sake of his health, would obey the warnings of the physician. Now, however, He who is the Physician of soul and body, and at the same time the LORD, commands us to avoid the herb of drunkenness and intoxication, just as much as the care of this present time, like deadly juice. Intoxication with wine is altogether destructive, for it alone it is that makes soul and body wretched together. For otherwise it may happen that, according to the Apostle, when the body grows weak, then the spirit is the stronger, and while the outward man perishes, the inward is renewed. But in the plague of drunkenness the body is ruined together with the soul, and the spirit is defiled together with the flesh. It weakens all the members, lames foot, hand and tongue, darkens the eye and wraps the spirit in forgetfulness, so that it neither knows nor perceives that it is a man." (Homil. 7. in cap. 10. Levit.)

Basilius Magnus, Archbishop of Caesarea, died in the year 379, writes: Drunkenness is an evil spirit, which storms upon the souls. Drunkenness, this mother of wickedness, this enemy of virtue, makes the brave timid, the temperate unrestrained, knows no justice, destroys prudence. For as water is contrary to fire, so intemperance in wine-drinking puts out reason. He who by drunkenness is robbed of understanding sinks down to the unreasoning beast and becomes like it. Yes, I might say that drunkards are more without reason than the beast; for all animals have ordered desires, but those whose soul is fettered by drunkenness and whose body (so) is filled with unnatural heat, are at all times and at every hour excited to unclean and shameful lusts; and not only does this unreason come over them, but the derangement of the senses makes a drunkard also worse than any animal." (Homil. cont. ebrios.)

Ambrosius, Bishop of Milan, died in the year 397, writes: "Drunkenness, a tinder of sinful lust, drunkenness, a stimulant of madness, drunkenness, a poison of frenzy; it changes the senses and the form of men; through it men become neighing stallions. Inasmuch as they, warm by the natural heat of the body and glowing by the unnatural warmth of the wine, cannot restrain themselves and are excited to bestial lusts. They lose their voice, they change color, their eyes glow, they pant with the mouth, they become senseless. Hence come dangerous madness, hence the heavy punishment of the stone in the bladder, hence the destructive indigestion, hence the frequent vomiting of the food taken in excess, so that the bowels give up blood. Hence come also the empty phantoms, the uncertain eyes, the staggering gait; often they leap over shadows as over ditches. With their sight the earth reels for them and seems to them suddenly raised and sunk and as it were turned upside down." (Lib. de Helia et jejun. c. 16.)

(Continuation to follow later.)

World Affairs.

Several times I have undertaken to tell the readers of the Lutheraner something of the latest world affairs, but it would never succeed. What could I have reported from the United States? Pestilence, dry weather, dearth, these visitations of God have befallen us, but who heeds them? Every newspaper reports atrocities of all kinds, murders, frauds, evidences of a rudeness and godlessness scarcely heard of among heathen, evidences in part also of an education of the youth in the United States, which has not its equal in levity, carelessness and folly upon the face of the earth. Railroad companies, owners of steamboats, manufacturers drive with their avarice and greed the murdering on a grand scale, but no one asks any more, in a mishap caused by want of supervision or of the necessary number of workmen, whether men have been killed. Capitalists and money-grubbers with grand swindles bring the poor, widows and orphans out of their small possessions, to which so much sour sweat clings, but one is inclined to scold the poor man for having let himself be cheated; the rascality of the rich swindler remains unpunished. Soothsayers and fortune-tellers advertise their arts in all the newspapers; the newspaper writer pockets the fee for the insertion and writes an article on the enlightenment and culture which is spread by the American press; the soothsayer finds more customers and earns more than an honest workman; and we, finally, are to believe that we dwell among the most enlightened and best educated people in the world. One roars from all sides against the Jesuits, and it is true, Jesuitism is antichristian through and through; but in order to fight against them one chooses a thoroughly base, mean-spirited, cowardly means; one gathers the opponents of the Jesuits into secret societies and thus confesses that one holds a bad, godless means just as well as the Jesuits to be serviceable, where it is a matter of attaining a good end. More than the constitution of any other country the constitution of the U. S. requires that the inhabitants and citizens thereof possess and practice the virtue of self-control, of self-restraint, keep themselves in right discipline, maintain themselves within the limits of the divine commandments and of all good human order, law and custom, but those who still practice such virtue and exhort others thereto are called Old Fogies (crotchet-mongers, nightcaps), and unbridled the younger generation rushes onward—whither?

In Europe God has given a richly blessed harvest, the dearth is at an end, one scarcely thinks of it any more. For a moment the eyes turned to Spain, where there was again a revolution, that is, a change of ministry forced upon the Queen and the banishment of the Queen-Mother Maria Christina. Now all look again to the East, to the theater of the war between the Turks, English and French on the one side and Emperor Nicholas of Russia on the other. In the Baltic the English Admiral Napier has razed a strong Russian fort on one of the Aland Islands, Bomarsund, and taken some merchant ships, but now, since there will soon be ice there, returns home; in the White Sea the English bombarded some monasteries on the coast. With the fighting on the Danube it is over; Omar Pasha is encamped on the Danube, Gortschakoff with the Russian army on the Sereth, and like a wedge pushed in between lies a strong Austrian army between the Danube and the Sereth, between Turks and Russians, in Moldavia and Wallachia, and prevents further fighting. An Austrian army, you ask, has Austria and Germany with it given up its neutral position? — No; but when the Russians were just besieging the strong Turkish fortress of Silistria on the Danube, and the English and French were marching up to help the Turks, Austria, in agreement with Prussia and the other German states, made the demand upon the Emperor Nicholas that he should at once evacuate Moldavia and Wallachia; at the same time an Austrian army advanced to the frontier. Nicholas yielded and withdrew his army from the said principalities. According to an agreement then with the Turkish government Austria occupied Moldavia and Wallachia and declared that the nearest occasion of the war, namely this, that the Russians seized and held those principalities, was removed and thereby a basis gained for new peace negotiations. But Emperor Nicholas had occupied the principalities because he wished to extort from the Turks the concession that he should be the protector of the Greek Christians in Turkey before all the other great powers. So the English and French now demanded of him through Austria that he should desist from that demand and open the mouth of the Danube to ships of all nations, etc. Nicholas refused: he had already conceded enough, was willing indeed not to make the war more complicated by further conquests, but to defend himself to the utmost against all attacks. Straightway the admirals of the Anglo-French fleet in the Black Sea, Hamelin and Dundas, received orders to carry out the undertaking against the strongest Russian seaport Sebastopol in the Crimea, long since prepared. A fleet of more than 700 ships with 3000 cannon, 25,000 [illegible]