Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 5 › Seite 37
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-10-24, Seite 37
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den—damit sie eine Frucht der Arbeit des heiligen Predigtamtes seien? Mit gleichem Recht könnte ein Wiedertäufer im Widerspruch mit V. 16: „nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seiner Maße“ aus dieser Stelle beweisen, daß alle Christen als königliche Priester das Amt verwalten sollten, wozu ein ordentlicher Beruf gehört: denn wenn man „zum Werk des Amts“ mit „zugerichtet werden“ verbinden will, so liegt der Sinn, daß sie alle geschickt sein sollen, das Werk des Amts zuthun viel näher als der, daß sie durch solche Zubereitung ein Werk des Amts werden sollen, will man diese Deutung einmal für einen Sinn gelten lassen, die baarer Un...... ist.
K. Röbbelen.
„Nun verdammt Christus hie nicht die Stände und Aemter, daß einer höher ist, denn der andere; denn auf Erden muß solcher Unterschied sein und bleiben, daß einer größer und höher ist, denn der andere; Vater und Mutter über die Kinder, der Fürst über die Unterthanen, die Pfarrherrn über die Zuhörer und Pfarrkinder, was das Amt und Wort betrifft.“
Luther.
„Daß man wohl siehet, wo Gott etwas heißt die Gemeine thun, und das Volk nennet, daß er's will nicht vom Pöbel ohne Obrigkeit, sondern durch die Obrigkeit mit dem Volk gethan haben, auf daß der Hund nicht lerne an den Riemen das Leder fressen, das ist, an den Bildern sich gewöhnen, zu rotten auch wider die Obrigkeit. Man darf den Teufel nicht über die Thür malen.“
Luther.
Wen es befremden sollte, daß ich in der Predigt, die der Lutheraner in der ersten Nummer des laufenden Jahrgangs mitgetheilt hat das Schullehrer-Seminar in Jowa unter den Anstalten nenne, die an „die übrigen Brocken“ einen Anspruch habe, der sehe nur den Schluß an, so wird „das Licht der Hoffnung, von der St. Paulus schreibet“ Licht auch auf jene dunkle Stelle meiner Predigt werfen. Jenes Seminar ist bis jetzt nicht wider uns, darum hofft die Liebe noch, es werde mit uns sein.
K. Röbbelen.
Mittheilungen
aus einem Briefe des Missionars Baierlein an unsern allgemeinen Präses.
Madras in Ostindien, den 3. Juli 1854.
.... Auch den Meisten, die hier vor viel längerer Zeit aus den Heiden gesammelt worden sind, fehlt noch gar sehr die rechte Selbstständigkeit in Christo. Doch das Werk des HErrn gedeihet und hat seinen stillen Fortgang. Kurz vor mir trafen zwei Missionare aus Schweden hier ein, die in Gemeinschaft mit uns arbeiten, und ein Viertel Jahr später kam noch Miss. Meischel, so daß wir nun zehn luth. Missionare hier sind: 1 Würtemberger, 2 Franken, 1 Hesse, 2 Hanoveraner, 2 Polen und 2 Schweden. Wir haben von Madras bis Puducottah einen Strich Landes von etwa 250 Meilen inne, und auf 116 Ortschaften über viertehalb Tausend Christen mit 34 Schulen und 20 Katecheten aus den Eingebornen. Auch im vorigen Jahre sind wieder 107 Seelen aus den Heiden gewonnen worden. So haben wir wohl alle Ursache, Gott zu preisen für seine Barmherzigkeit. Wenn wir aber auf die Menge der Heiden sehen, dann müssen wir doch sagen: Was ist das unter so Viele? Wollte Gott, daß unser Kleinglaube so wie der der Jünger beschämt würde. Doch wir sind Menschen und reden menschlich. Und darum, wenn wir auch auf die Zahl der gesammten protestantischen Missionare in Indien sehen, die sich auf 443 beläuft, und auf die Gesammtzahl der Katecheten: 698, und auf die Gesammtzahl der Christen: 112,200. mit 331 Kirchen und mehr als 1400 Schulen, in welchen über 24,000 Christen-Kinder unterrichtet werden, so müssen wir dennoch sagen: es ist wie der Tropfen am Eimer gegen die Masse von 120 Millionen Heiden dieses Landes. Freilich, wenn diese Christen alle im lebendigen Glauben ständen und in der Liebe thätig wären, und wenn aus den Schulen jährlich eine neue, immer größere und immer tüchtigere Zahl der eingebornen Evangelisten hervorginge, so wäre das schon ein guter Sauerteig zu nennen, von dem man hoffen könnte, daß er bald die ganze Masse durchsäuern werde. Aber so steht es leider nicht. Wohl mag ich, den Indien so gar nicht entzücken will, sondern ein Land doppelter Fremdlingschaft ist — in der Ansicht von den Meisten der Beurtheiler der Zustände Indiens abweichen. Und ob ich dazu ein Recht habe oder nicht, sollen Sie selbst beurtheilen. Man pflegt gewöhnlich darauf, als auf ein Zeichen der Zeit und des Einflusses des Christenthums hinzuweisen, daß seit die englische Regierung des Landes aufgehört hat, eine Stütze des Heidenthums zu sein, was sie bis vor wenigen Jahren zur ewigen Schmach ihres Christennamens gewesen ist — daß seit der Zeit die Götzentempel verfallen, ohne reparirt zu werden, „weil die Brahminen (Götzenpriester) es vorziehen, das Geld dazu in die Tasche zu stecken.“ Daß der Fanatismus des Götzendienstes aufgehört hat, indem man nun ohne Widerstand das Heidenthum angreifen und die Götter als nichtig darstellen darf; daß die Feste nicht mehr so besucht werden, die Wallfahrten aufhören ꝛc. ꝛc. Aber ob man aus dem Allen nicht vielmehr ein Zunehmen der Gottlosigkeit befürchten, als ein Zuwenden zu Christo hoffen sollte, ist eine Frage, die eben zwiefache Beantwortung findet. Die Macht des Götzenthums sehe ich auch sinken, aber die Macht des Fleisches, des gänzlichen Losseins von Gott, also des eigentlichen Heidenthums, sehe ich in ungebrochener, fast wachsender Macht. Doch ist ja gewiß, daß endlich doch das Licht den Sieg über die Finsterniß davontragen muß. Wann und wie das geschehen soll, ist GOttes, nicht unsere Sache. Mache uns der HErr zu treuen Handlangern und Waffenträgern bei diesem Kampfe! Immerhin werden doch auch jetzt dem HErrn Seelen gewonnen, die, mit seinem theuren GOttesblute besprengt, alle Schätze der Erde überwerthen.
Der sonderbare Krieg, Christen wider Christen um der Türken willen, gegen welche die Christenheit Jahrhunderte lang geseufzet und gebetet hat und von welchen sie zu leiden und zu bluten hatte, — ist zwar noch weit von Indiens Grenzen, übt aber doch einen bedeutenden Einfluß hier aus. „Es ist als ob das Reich der herzlosen Compagnie, durch Ungerechtigkeit zusammengebracht, durch Ungerechtigkeit erhalten, nicht weit von dem Gefühle des Königs Belsazar wäre, als er mitten in seinem Gelage eine Hand an die Wand schreiben sah, ob er gleich nicht wußte, was sie schreibe. Die größten Beamten, die GOtt fürchten, sehen den Untergang der brittischen Herrschaft über Indien nahen, und das als gerechte Strafe für die Sünden der Aussaugung des Landes, der Bedrückung des Volkes, der Stützung des Götzenthumes ꝛc.
Die wir für uns selbst, um von der Gerechtigkeit GOttes nicht verzehret zu werden, täglich um seine Barmherzigkeit rufen müssen, können auch über unsre Mitmenschen nur Barmherzigkeit erflehen. Aber es will mir oft scheinen, daß der liebe GOtt wohl noch eine andere Ordnung der Dinge wird herbeiführen müssen, wenn Indien zum Christenthume bekehrt werden soll. Denn zur Bekehrung in Apostolischer Weise, durch die Macht der Wahrheit allein, fehlt einerseits uns armen Boten viel zu sehr die Kraft des Glaubens und die Hingabe der Liebe, zumal auch eine falsche Theorie die meisten Missionare zu Schulmeistern macht, wodurch die Predigt des Evangeliums an das Volk liegen bleibt, und man sich immer wieder der Hoffnung hingiebt, aus den Schulen ein „besseres Geschlecht“ heranwachsen zu sehen, ohne sich durch das Fehlschlagen dieser Hoffnung in mehreren Generationen belehren zu lassen, daß die Familie und nicht die Schule der natürliche Heerd des Christenthums ist. Treibhauspflanzen gedeihen nur, so lange sie im Treibhause stehen, und die ganze Erde zum Treibhause zu machen, ist weder Beruf noch Möglichkeit vorhanden. Andrerseits aber ist das Heidenthum auch in den 1800 Jahren viel fauler und zäher geworden, wie denn alle Sünde sich mit den Jahren verknöchert, und es fehlt dem charakterlosen Volke alle Energie, sowohl die Wahrheit zu erkennen zu suchen, als auch der erkannten Wahrheit sich hinzugeben.
Nächstens ziehe ich zwei indische Tagereisen von hier nach Sadras, wo ich mit meiner treuen Gehilfin ebenso allein unter den Braunen und Schwarzen hausen werde, wie wir Anfangs allein unter den Rothen zu Bethanien hauseten; und dort wird uns dann eine überseeische Kunde sehr wohl thun, und in unsrer Einsamkeit auch zu gönnen sein.
Ich habe Sie, theuerster Bruder in Christo, um den „Lutheraner“ gebeten, u. habe die Hoff-
English translation AI translation
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den—that they might be a fruit of the labor of the holy ministry? With equal right an Anabaptist, in contradiction to v. 16, "according to the effectual working in the measure of every part," could prove from this passage that all Christians as royal priests ought to administer the office, for which a regular call is required: for if one wishes to connect "for the work of the ministry" with "perfected," the sense that they should all be fitted to do the work of the ministry lies much nearer than that they should become, through such preparation, a work of the ministry; if one will once allow to pass for a sense an interpretation which is sheer non...... .
K. Röbbelen.
"Now Christ here does not condemn the estates and offices, that one is higher than the other; for on earth there must be and remain such a difference that one is greater and higher than the other; father and mother over the children, the prince over the subjects, the pastors over the hearers and parishioners, as far as office and Word are concerned."
Luther.
"That one may plainly see, where God bids the congregation do something, and names the people, that He wills it done not by the rabble without the authorities, but through the authorities with the people, so that the dog may not learn to eat the leather from the straps, that is, grow accustomed to images, to riot even against the authorities. One must not paint the devil over the door."
Luther.
Whoever may be surprised that in the sermon which the Lutheraner printed in the first number of the current volume I name the teachers' seminary in Iowa among the institutions which have a claim to "the remaining crumbs," let him but look at the conclusion, and "the light of hope of which St. Paul writes" will cast light also upon that dark passage of my sermon. That seminary is as yet not against us; therefore love still hopes that it will be with us.
K. Röbbelen.
Communications
from a letter of Missionary Baierlein to our General President.
Madras in East India, the 3d of July 1854.
.... Even the greater part of those who were gathered out of the heathen here long ago still lack very much the right independence in Christ. Yet the work of the LORD prospers and goes forward quietly. Shortly before me two missionaries from Sweden arrived here, who labor in fellowship with us, and a quarter of a year later Missionary Meischel also came, so that we are now ten Lutheran missionaries here: 1 Württemberger, 2 Franconians, 1 Hessian, 2 Hanoverians, 2 Poles and 2 Swedes. We hold a tract of country from Madras to Puducottah of about 250 miles, and in 116 villages upward of three thousand five hundred Christians with 34 schools and 20 catechists from among the natives. Also in the past year 107 souls were again won from the heathen. So we have indeed every reason to praise God for His mercy. But when we look at the multitude of the heathen, then we must nevertheless say: What are they among so many? Would to God that our littleness of faith, like that of the disciples, might be put to shame. Yet we are men and speak after the manner of men. And therefore, when we look also at the number of all the Protestant missionaries in India, which amounts to 443, and at the total number of catechists: 698, and at the total number of Christians: 112,200, with 331 churches and more than 1400 schools, in which over 24,000 Christian children are taught, we must nevertheless say: it is like a drop in the bucket against the mass of 120 millions of heathen of this country. To be sure, if these Christians all stood in a living faith and were active in love, and if from the schools every year a new, ever greater and ever more capable number of native evangelists went forth, that would already be called a good leaven, from which one might hope that it would soon leaven the whole lump. But, alas, it is not so. I may well, who am not at all delighted with India, but find it a land of double strangeness, differ in my view from most of the judges of the conditions of India. And whether I have a right to this or not, you shall judge for yourself. It is commonly the custom to point to it as a sign of the times and of the influence of Christianity, that since the English government of the country has ceased to be a support of heathenism, which until a few years ago it was, to the eternal disgrace of its Christian name, the idol temples since that time fall into ruin without being repaired, "because the Brahmins (idol priests) prefer to put the money for it into their pockets." That the fanaticism of idolatry has ceased, since one may now attack heathenism without resistance and represent the gods as nothing; that the festivals are no longer so much attended, the pilgrimages cease, etc., etc. But whether one ought not rather to fear from all this an increase of godlessness than to hope for a turning to Christ, is a question which finds a twofold answer. The power of idolatry I also see declining, but the power of the flesh, of the complete being apart from God, that is, of true heathenism, I see in unbroken, almost growing power. Yet it is certain that at last the light must carry off the victory over the darkness. When and how that shall come to pass is God's affair, not ours. May the LORD make us faithful hodmen and armor-bearers in this battle! At any rate even now souls are being won for the LORD, who, sprinkled with His precious divine blood, are worth more than all the treasures of the earth.
The strange war, Christians against Christians for the sake of the Turks, against whom Christendom for centuries sighed and prayed, and from whom it had to suffer and bleed,—is indeed still far from the borders of India, but yet exerts a considerable influence here. "It is as if the empire of the heartless Company, brought together by injustice, maintained by injustice, were not far from the feeling of King Belshazzar when in the midst of his feast he saw a hand writing on the wall, although he did not know what it wrote. The greatest officials, who fear God, see the downfall of the British dominion over India drawing near, and that as a just punishment for the sins of the exhausting of the country, the oppression of the people, the support of idolatry, etc.
We who for ourselves, in order not to be consumed by the righteousness of GOD, must daily cry for His mercy, can also for our fellow men implore only mercy. But it often seems to me that dear GOD will yet have to bring about another order of things, if India is to be converted to Christianity. For to conversion in the apostolic manner, by the power of the truth alone, there is lacking, on the one hand, in us poor messengers far too much the power of faith and the devotion of love, especially as a false theory makes most missionaries into schoolmasters, whereby the preaching of the Gospel to the people is left lying, and one ever again indulges the hope of seeing a "better generation" grow up out of the schools, without letting oneself be taught by the failure of this hope through several generations that the family and not the school is the natural hearth of Christianity. Hothouse plants thrive only so long as they stand in the hothouse, and to make the whole earth a hothouse there is neither calling nor possibility. On the other hand, however, heathenism has also in the 1800 years become much slower and tougher, as indeed all sin grows hard as bone with the years, and the characterless people lack all energy, both to seek to know the truth and to give themselves up to the truth when known.
Shortly I shall move two Indian days' journeys from here to Sadras, where I shall dwell with my faithful helpmeet just as much alone among the brown and black people, as we dwelt at first alone among the red men at Bethany; and there news from across the sea will then do us very much good, and will also be a boon to us in our solitude.
I have asked you, dearest brother in Christ, for the "Lutheraner," and have the hope-