Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 5 › Seite 36

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-10-24, Seite 36

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reden und Mancher denkt vielleicht, wenn er dies liest: Der will auch nur zeigen, daß er Griechisch kann. Aber die Sache ist die, daß man mit dem das weiter folgt nicht zurecht kommt, wenn man nichts von dem erwähnten Unterschiede weiß. Nach dem Deutschen muß man nämlich die Worte: „zum Werk des Amts, dadurch der Leib Christi erbauet werde“ nothwendig mit dem Vorigen „daß die Heiligen zugerichtet werden“ verbinden, so daß sie wieder davon den Grund angeben, warum die Heiligen zugerichtet werden. Nach dem Griechischen aber hat man die Freiheit, sie mit den Worten: „daß die Heiligen — werden“ in einen Rang zu stellen und wie diese auf V. 11. „er hat — gesetzt“ zu beziehen. Wir wollen einmal die Probe machen. Der Leser muß sich aber erst wieder gefallen lassen, das lutherische Deutsch nach dem Griechischen höchst undeutsch umzumodeln. Das Erste freilich: „zum Werk des Amts“ ist ganz wortgetreu gegeben. Nur sei zuvor daran erinnert, daß für „zum“ an dieser Stelle ein anderes Wörtchen steht als zu Anfang des 12. V. Von dem Unterschiede nachher. Aber was nun Luther so übersetzt hat: „dadurch der Leib Christi erbauet werde“, das ist wieder für einen deutschen Mund so zu sagen ein wenig viereckig; Luther, der gute Zähne hatte, hat darum auch dies fein rund gebissen, als er es uns vorkäute. Die Worte sind nämlich im Griechischen ganz eben so gestellt, wie die vorigen: „zum Werk des Amts“, auch steht hier dasselbe zu wie da, nicht das welches Luther zu Anfang so gegeben hat: „daß — (zugerichtet) werden“. Wenn man sie ganz getreu wiedergeben will, lauten sie im Deutschen: zur Erbauung des Leibes Christi. Jeder sieht, daß sie solcher Gestalt sich nicht so leicht ihrem Geschwister, nämlich dem nächst Vorhergehenden „zum Werk des Amts“ unterordnen, wie es nach dem Deutschen zu erwarten wäre, zumal Niemand auch im Reiche Gottes gern die Stufe verläßt, auf die ihn Gottes Ordnung erhoben hat. Sonach zerfällt der 12te Vers in drei Wortreihen, die in gleichem Range neben einander, aber alle gleichermaßen unter dem 11ten Verse stehen. Und nun noch etwas von dem doppelten zu. Das erste, zu Anfang, heißt eigentlich vor: denn wenn man einen Zweck hat, so leuchtet der einem vor. Mit einem solchen zu wird das Ziel bezeichnet, auf das man lossteuert. Das andere zu heißt eigentlich in und weist in alle die Mittel und Wege, Arbeit und Sorge hinein, wozu man schreiten und die man übernehmen muß, wenn man das durch das erste zu, das griechisch vor heißt, gesteckte Ziel erreichen will. Wie sich nun im Gebrauch mit der Zeit der ursprüngliche Verstand der Worte überhaupt abschleift, gleichwie der Mensch, wenn er in der Welt ein wenig umhergestoßen worden ist, manche Eigenheiten verliert und sich immer mehr in allerlei Leute schicken lernt, so ist es auch mit unserm „zu“, gegangen: der heilige Geist hat aber, wie er immer einen guten Unterschied macht, besonders was Gesetz und Evangelium betrifft, die verschiedene Bedeutung des griechischen zu, das eigentlich vor und des, das eigentlich in heißt, nicht aus der Acht gelassen und wie es denn seine Art ist, durch solches unscheinbare Mittel denen einen Riegel vorgeschoben, welche, wie er wohl voraussah (vgl. Apg. 20, 29. 30.) auch diesen Vers zu irriger Lehre mißbrauchen würden. Nun sei noch etwas über die Worte selbst vorher bemerkt, damit wir dann alles wohl zugehauen in einander fügen und wie ein Haus aufrichten.

1. die Reihe: „daß die Heiligen zugerichtet werden,“ nach dem Griechischen: zur Zurichtung der Heiligen. — Das Wort „Zurichtung“ ist von dem Geschäft des Wundarztes hergenommen, das er thut, wenn er ein verrenktes Glied wieder einrichtet. Das führt nun nach der bildlichen Redeweise, die, wie wir aus dem Kampf wissen, den „der Lutheraner“ vor Jahren einmal mit Herrn Nast, glorreichen Andenkens, über die Worte „das ist mein Leib u. s. w. hatte, jede Sprache hat auf die Begriffe: In Ordnung bringen, wiederherstellen, erneuern, aussöhnen u. dgl. Wie herrlich paßt das alles auf den Zweck, zu welchem der HErr seiner Gemeine Gaben und Aemter verliehen hat! Dadurch soll nichts Neues geschaffen, sondern nur die aus ihren Fugen gewichne, von Gott abgefallene Menschheit wieder in die rechte Lage gebracht, in Gottes Arme zurückgeführt, gleichsam eingerenkt werden. Und die welche schon gläubig worden sind sollen dadurch fort und fort aus täglicher Sünde wieder zur Buße, zu Gott kommen. Ja, die herrliche Erneuerung, die uns der jüngste Tag verheißt, die Auferstehung der Todten ist das letzte Ziel der treuen Sorge, die der HErr zur Rechten des Vaters für seine Braut trägt, wenn er den 19ten Vers des 68. Psalms erfüllt. Man vergesse auch den Zusatz „der Heiligen“ nicht, um zu verstehen, daß der heilige Geist nichts davon wissen will, was diejenigen in dies sein Wort hineinlegen, welche davon Behelf nehmen, um die Aemter der Kirche in die Luft zu bauen, und damit, weil daselbst der Teufel herrscht unter die Obhut des Fürsten der Finsterniß zu stellen, wenn sie einen andern Grund für sie suchen als das Wort des HErrn: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Matth. 18, 17—20.

2. die Reihe: „zum Werk des Amts,“ dem Griechischen ganz entsprechend. — Was hier „Werk“ übersetzt ist, heißt nicht zunächst der Gegenstand, den man macht, wie man etwa einen Topf das Werk eines Töpfers nennt, daß also die Gemeine das Werk des Amts sein sollte, sondern die Arbeit selbst. Das Wort „Amt“ aber dient im Griechischen Text nur als eine Art Adjectiv dazu, die Arbeit, die hier gemeint ist als eine recht mühevolle zu beschreiben. Denn es ist von einem Worte hergenommen, das eigentlich durch Staub heißt, dann einen Botenläufer bedeutet, der immer durch den Staub und Dreck hindurch muß und endlich einen jeden Bedienten, niemals einen Würdenträger dann, wenn man auf etwas anderes als seine Bürde zielt. Nun das paßt auch, wenn man das h. Predigtamt beschreiben will, das immer zu thun hat, den Staub der Sünden von Gottes Geliebten abzuwischen und auch wohl mit Staub und Koth der Lästerung beworfen wird.

3. die Reihe: „dadurch der Leib Christi erbauet werde,“ Griech.: zur Erbauung des Leibes Christi. Das griech. Wort ist hier von dem Aufschichten hergenommen, das beim Bauen vorkommt. Die Arbeit, die vorher ins Einzelne verfolgt und darnach beschrieben wurde wird hier nach ihrem Umfange betrachtet. Oder mit andern Worten: Erst wird gesagt, daß die Arbeit, die ein Diener Christi hat an und für sich schwer und sauer ist und dann, daß sie sich sehr weit erstreckt und gar kein Ende nehmen will. Doch wird ein Trost mit untergemengt, wenn der heilige Geist das Arbeitsfeld nennt, den Leib Christi.

Will man, so kann man den Unterschied der 2ten und 3ten Reihe auch in den Worten „des Amts“ und „der Leib Christi“ finden, so daß auf dem ersteren in der 2ten, auf dem letzteren in der 3ten Reihe der Nachdruck läge und der Sinn beider Reihen gut deutsch etwa der wäre: das Amt soll die Arbeit haben, der Leib Christi aber den Segen, erbauet zu werden.

Obgleich es nun schon Jeder selbst finden wird, wie der 11te und 12te Vers nach diesen Andeutungen im Zusammenhange zu verstehen sind, so will ich es mir doch nicht wehren lassen, die Summa zu ziehen und V. 11 und 12 in dem Sinne, der sich aus dem was gesagt worden ist von selbst ergibt kurz zu umschreiben.

Der HErr ist's welcher seiner Kirche Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer gegeben hat zu dem Ende, daß seine Heiligen dereinst so vor ihm stehen mögen, wie es die heilige Offenbarung 21, 3. beschreibt („daß die Heiligen zugerichtet werden“) — das ist der Zweck—, also dazu, daß sie arbeiten wie Jemand dem der Staub um den Kopf fliegt („zum Werk des Amts“) und immer die Hände voll zu thun haben, weil ihnen der Leib Christi befohlen ist („dadurch der Leib Christi erbauet werde“)— das geziemt sich nun für die Apostel ꝛc., zu dem Zweck sind sie für ihre Person der Gemeine gegeben worden, damit jenes Ziel erreicht werde.

Dies ist wenigstens eine Auslegung unserer Stelle, welche der ursprünglichen Rede des heiligen Geistes entspricht. Hingegen sieht jedes einfältige Auge, daß es eine Verdrehung des Wortes Gottes oder wenigstens eine verschrobene Deutung desselben ist, wenn man die Worte: „zum Werk des Amts“ in dem Sinne zu den nächstvorhergehenden: „Daß die Heiligen zugerichtet werden“ zieht, daß der Zweck von der Zubereitung der Heiligen der sei, sie in ähnlicher Weise zu einem Werk des Amts zu machen, wie der Topf das Werk des Töpfers ist. Wie nichtssagend! Grade wie wenn man sagte: der Schmied schmiedet einen Nagel, damit der Nagel die Ehre habe, vom Schmied gemacht zu sein. Wer kann sich nur einbilden, der heilige Geist werde eine so inhaltslose Rede niederschreiben lassen: die Heiligen sollen zugerichtet wer-

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speak, and many a one will perhaps think, when he reads this: He only wants to show that he knows Greek. But the matter is this, that one cannot get along with what follows, if one knows nothing of the difference mentioned. According to the German one must namely join the words: "for the work of the ministry, whereby the body of Christ may be edified" necessarily with the preceding "that the saints be prepared," so that they in turn give the reason why the saints are prepared. According to the Greek, however, one has the liberty to place them with the words "that the saints -- be" in one rank, and like these to relate them to V. 11, "he has -- appointed." Let us make the trial once. But the reader must first let himself be pleased again to recast the Lutheran German, according to the Greek, into the most un-German form. The first, to be sure, "for the work of the ministry," is given quite literally. Only let it first be recalled that for "for" [zum] at this place there stands another little word than at the beginning of v. 12. Of the difference later. But what Luther has translated thus: "whereby the body of Christ may be edified," is again, for a German mouth, so to speak, a little angular; Luther, who had good teeth, has therefore bitten this also nicely round, as he chewed it over for us. For the words are in the Greek placed quite exactly as the preceding: "for the work of the ministry," and here stands the same "for" as there, not that which Luther gave at the beginning: "that -- (prepared) be." If one will render them quite faithfully, they read in German: for the edification of the body of Christ. Anyone can see that in such form they do not so easily subordinate themselves to their sibling, namely the next preceding "for the work of the ministry," as would be expected according to the German, especially as no one, even in the kingdom of God, gladly leaves the station to which God's order has raised him. Accordingly the 12th verse divides into three series of words, which stand in equal rank beside one another, but all alike under the 11th verse. And now something more about the double "for." The first, at the beginning, properly means before: for when one has a purpose, it shines before one. With such a "for" the goal is designated toward which one steers. The other "for" properly means in and points into all the means and ways, labor and care, to which one must proceed and which one must undertake, if one wants to reach the goal set by the first "for," which in Greek means before. As now in use, with time, the original sense of words generally wears away, just as a man, when he has been knocked about a little in the world, loses some peculiarities and learns more and more to fit himself to all sorts of people, so it has also gone with our "for": the Holy Spirit, however, as He always makes a good distinction, especially as concerns Law and Gospel, has not left out of account the different meaning of the Greek "for" which properly means before and of that which properly means in, and as it is His way, by such inconspicuous means has barred the door against those who, as He well foresaw (cf. Acts 20, 29. 30.), would misuse this verse also for false doctrine. Now let something more be remarked beforehand about the words themselves, that we may then fit everything well hewn together and raise it up like a house.

1. The series: "that the saints be prepared," according to the Greek: for the preparation of the saints. -- The word "preparation" is taken from the business of the surgeon, which he does when he sets a dislocated joint again. This leads, according to the figurative mode of speech which, as we know from the controversy which "der Lutheraner" years ago had once with Mr. Nast, of glorious memory, over the words "this is my body," etc., every language has for the ideas: to bring into order, restore, renew, reconcile, and the like. How gloriously all this fits the purpose for which the LORD has bestowed gifts and offices upon His congregation! Thereby nothing new is to be created, but only mankind, dislocated from its joints and fallen from God, is to be brought again into its right position, led back into God's arms, as it were set again. And those who have already become believers are thereby to come again, continually, out of daily sin to repentance, to God. Yes, the glorious renewal which the last day promises us, the resurrection of the dead, is the final goal of the faithful care which the LORD at the right hand of the Father bears for His bride, when He fulfils the 19th verse of the 68th Psalm. Let one also not forget the addition "of the saints," in order to understand that the Holy Spirit will know nothing of what those read into this His word who take refuge in it in order to build the offices of the Church in the air, and thereby, since the devil rules there, to place them under the protection of the prince of darkness, when they seek another foundation for them than the word of the LORD: "For where two or three are gathered together in my name, there am I in the midst of them." Matth. 18, 17-20.

2. The series: "for the work of the ministry," corresponding entirely to the Greek. -- What is here translated "work" does not mean first of all the object which one makes, as one calls a pot the work of a potter, so that the congregation should be the work of the ministry, but the labor itself. The word "ministry," however, serves in the Greek text only as a kind of adjective, to describe the labor which is here meant as a very toilsome one. For it is taken from a word which properly means through dust, then signifies a courier, who must always go through the dust and dirt, and finally any servant, never a dignitary, when one has in view something other than his burden. Now that fits also when one wishes to describe the holy ministry, which has always to do with wiping the dust of sins from God's beloved and is also, it may be, pelted with dust and mire of blasphemy.

3. The series: "whereby the body of Christ may be edified," Greek: for the edification of the body of Christ. The Greek word is here taken from the piling up which occurs in building. The labor, which was before followed into detail and afterward described, is here considered according to its extent. Or in other words: First it is said that the labor which a servant of Christ has is in and of itself hard and bitter, and then that it extends very far and will have no end at all. Yet a comfort is mingled in, when the Holy Spirit names the field of labor, the body of Christ.

If one will, one can also find the difference of the 2nd and 3rd series in the words "of the ministry" and "the body of Christ," so that the emphasis would lie on the former in the 2nd, on the latter in the 3rd series, and the sense of both series in good German would be something like this: the ministry shall have the labor, the body of Christ, however, the blessing of being edified.

Although everyone will now find for himself how the 11th and 12th verses are to be understood in connection according to these hints, yet I will not let myself be prevented from drawing the sum and briefly paraphrasing v. 11 and 12 in the sense which follows of itself from what has been said.

It is the LORD who has given to His Church apostles, prophets, evangelists, pastors and teachers to the end that His saints may one day stand before Him as the holy Revelation 21, 3, describes ("that the saints be prepared") -- that is the purpose --, thus to this end, that they labor like one around whose head the dust flies ("for the work of the ministry") and always have their hands full, because the body of Christ has been committed to them ("whereby the body of Christ may be edified") -- this is what befits the apostles, etc.; for this purpose they have been given, in their own persons, to the congregation, that that goal may be reached.

This is at least an interpretation of our passage which corresponds to the original speech of the Holy Spirit. On the other hand every simple eye sees that it is a distortion of the Word of God, or at least a perverse interpretation of it, if one draws the words: "for the work of the ministry" in the sense to the next preceding: "That the saints be prepared," so that the purpose of the preparation of the saints would be to make them in a similar way into a work of the ministry, as the pot is the work of the potter. How meaningless! Just as if one said: the smith forges a nail so that the nail may have the honor of being made by the smith. Who can imagine that the Holy Spirit would have so empty a speech written down: the saints are to be prepared