Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 5 › Seite 34
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-10-24, Seite 34
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fügten sich in das harte Looß. Den 1. Juni schrieb Oberstein zum zweitenmal an die Stadt, ermahnte sie zur Uebergabe und gebot, daß hinfürder nicht mehr Weiber und Kinder aus der Stadt gelaßen werden sollten. Weil sie aber dennoch etliche ausjagten, wurden derselben einige ins Wasser gejagt und ersäuft.
Den 2. Juni schrieben die Wiedertäuferschen Prediger heraus an den Kriegsobristen und beklagten sich, man wollte sie zu keinem ordentlichen Verhör kommen laßen, man verfolge und ächte sie ohne ihre Schuld. Wo man sie könnte eines Irrtums überweisen, wollten sie an ihnen nichts erwinden laßen ꝛc.
Der Bischof sammt dem Grafen Wirich machten nun alle Anstalt zum Sturm. Den 22. Juni ließen sie zum letztenmal die Aufforderung an die Bürger gehen, sich zu ergeben. Es half aber nichts. Einige erwarteten Hilfe vom Himmel, andere thaten den Mund nicht auf, denn der König übte ein hart Regiment und säbelte selbst oder sein Scharfrichter einem den Kopf ab, der es wagte ein schief Wörtchen zu reden.
Hernach begab es sich, daß etwa 39 Wiedertäufer bei der Nacht aus der Stadt fielen, unter welchen war Henning in der langen Straße, aus Friesland bürtig, der ein Wachtmeister in der Stadt war bisher gewesen. Und waren diese so gar verschmachtet, daß nur drei Mann sie alle 39 konnten zum Bischof führen und verwahren. Bei diesem Henning nun, welcher der vermöglichste unter allen war, erkundigten sich der Bischof und der Obrist aller Gelegenheit, und da man ihn als Befehlshaber abthun wollte, erbot er sich, wenn man ihn am Leben laßen wollte, ihnen die Stadt zu überantworten. Diese Erbietung ward in Bedenken genommen und alsdann am 22. Juni, wiederum die Aufforderung an die in der Stadt erlaßen, sich zu ergeben und den großen Haufen zu erhalten, welcher durch Hungersnot verderben mußte. Aber Rottmann antwortete mit Zustimmung des Königs, daß sie von ihrem Vorhaben nicht abstehen wollten.
Nun naht der Ausgang dieser Händel. Henning mußte sich wieder in die Stadt verfügen, mußte sich stellen, als ob er ausgefallen wäre, den Feinden etlichen Proviant zu nehmen, wie er aber ergriffen und nachher wunderbarer Weise entronnen wäre. Man gab dem Henning sein voriges Wachtmeisteramt wieder, und hatte keinen Verdacht wider ihn. Darauf gab er in der Nacht Johannis des Täufers den Feinden ein Zeichen, wo sie Leitern anstellen und die Mauren ersteigen sollten. Auf solch Zeichen kamen ihrer dreihundert über den Wassergraben, erstiegen die Mauer und kamen in die Stadt. Einige der Wächter wurden umgebracht und darnach ein Thor, genannt heilige Kreuzpforte, eröffnet, damit also der ganze Haufe möchte eindringen.
Aber der Thorhüter einer ist vom Pochen erwacht, hat darauf Lärm geblasen, darauf ist der König und seine Befehlshaber in Rüstung kommen, haben den eingestiegenen Landsknechten dermaßen zugesetzt, daß sie vom Aufhauen des Thors mußten ablaßen, haben sie auch so hart gedrängt, daß der Landesknechte viele sind erstochen worden. Aber da liefen etliche Weiber der Wiedertäufer auf den Wall und riefen denen draußen zu, ob sie nicht hernach wollten, denn ihre Gesellen würden alle todtgeschlagen, davon die draußen erst ein Herz gewannen, ihre Brüder in höchster Not nicht zu verlaßen, zogen daher mit Haufen an die Stadt ungehindert, denn die Wiedertäufer hatten mit den eingestiegenen Gesellen genug zu schaffen, daß sie weder die Pforten, noch die Wälle verwahren konnten. Darum, als das Scharmützel anderthalb Stunden in der Stadt gedauert hatte, lief ein Fähndrich, genannt Wittekind, auf den Stadtgraben und rief denen draußen zu, ihnen zu Hilfe zu kommen. Aus den Landsknechten aber liefen viele ans Thor und halfens in Eile aufhauen, daß der große Haufen von außen also ihnen zu Hilfe konnte kommen.
Nun wars um den König und seine Gesellen geschehen. Die Eingedrungenen trieben den König und die Seinen auf den Markt, beengten sie immer mehr, erschlugen viele, und als die Münsterischen sahen, daß sie übermannt waren, baten sie um Gnade, aber Rottmann, da er sah, daß alle Sachen verloren waren, begab sich mitten unter die Landsknechte und ward erstochen. Der König, Knipperdolling und Krechting, (der Kanzler) wurden gefangen, der Bürger aber viele, so nicht beim ersten Einfall umkamen, beim Leben erhalten.
Es wurden der gefangene König nebst Knipperdolling und Krechting bei verschiedenen Fürsten im Reich zur Schau herumgeführt. Dem König legten die Soldaten schimpflicher Weise eine doppelte Kette um den Hals. Das Spaßen war diesem verstockten Bösewicht dabei nicht so ganz vergangen; z. Ex. als an einem Orte einer aus dem Volke fragte, ob er der König wäre, der soviel Weiber genommen hätte, antwortete er: Nein, nicht Weiber, sondern Mädchen.
Als man nun den König und die andern Gefangenen dem Bischof nach Telkenheim lieferte, sprach er den König ernstlich an, was er doch für Ursachen gehabt, solch Unheil anzurichten, und warum er ihm seine Stadt so lange vorenthalten. Da antwortete der König dem Bischof: Wer hat dir die Stadt übergeben? Der Bischof sagte: Sie ist mir vom Capitel und der ganzen Landschaft durch ordentliche Wahl übergeben. Darauf sprach der König weiter: Die Bürger hätten ihm die Stadt zugestellt, und ehe er sie mit Willen würde übergeben haben, sollten alle Einwohner darin Hungers gestorben sein. Da nun auch der Bischof klagte, Bockold habe ihn arm gemacht, sprach dieser: Willst du meinem Rat folgen, so verhoffe ich dich auch wieder reich zu machen. Fragte der Bischof, welcher Gestalt das geschehen sollte. Antwortete der König, der Bischof möchte ihn nur in einen Vogelkorb setzen, hin und wieder laßen in deutschen Landen umher führen, und wer ihn dann sehen wollte, deren jeder müßte ihm nur einen Groschen geben, so würde er sich wol wieder erholen können.
Da nun der Bischof die Gefangenen noch am Leben erhielt, und Landgraf Philipp Prediger abgefertiget, Fleiß anzuwenden, die Leute von ihrem Irrtum abzubringen, hat Johann Bockold von Leiden, Erkönig, sich erboten, wenn ihm das Leben gelaßen würde, alle Wiedertäufer zu bekehren. Knipperdolling und Krechting aber haben sich nicht wollen weisen laßen.
Da nun aber im folgenden Jahre 1536 durch den röm. König Ferdinand und Chur- und andere Fürsten, zu Worms versammlet, ein Befehl an den Bischof ergangen war, die Gefangenen ohne längern Verzug nach Verdienst zu bestrafen, sind sie nach Münster geführt, alsdann ist des Glaubens halben wieder mit ihnen gehandelt worden, wo der König von sich gegeben, daß ihm des Geschehenen leid wäre, hat seinen Irrtum widerrufen, sich anscheinend zu Christo bekehrt und den angerufen, ihm seine Sünden gnädiglich zu verzeihen.
Am 23. Januar sind die drei Rädelsführer, Johann Bockold, Knipperdolling und Krechting zu Münster also hingerichtet worden: Es waren drei Pfäle aufgerichtet, an diese wurden sie gebunden, des Königs Pfal stand an etwas erhabenem Ort. Der Henker that nun zuerst an Johann von Leiden mit glühenden Zangen drei Griffe, zu welchen er stille geschwiegen. Darnach aber, als die Qual ärger ward, und sein Leib gezwickt und zerfleischt ward, hat er ohn Unterlaß zu Gott um Barmherzigkeit geschrieen, bis der Scharfrichter einer ist zugelaufen und hat ihm mit einem Meßer das Herz durchstochen.
Darnach sind sie mit den andern zweien gleicher Weise umgegangen. Ihre Leiber wurden in drei eiserne Körbe oder Käfige gesetzt und die oben an S. Lamberts Kirche ausgehängt, der König etwas höher denn die andern zwei.
(Auf das Ende des Königs hat ein Holländer v. Boß diese Reime gemacht.
De Wind en Lucht het Volck tot Troost der Zielen gaf,
Van d' aerd verstoten kryght de lucht hier tot sin Graf.
Der Wind und Luft dem Volk zum Trost der Seelen gab,
Dem ward, statt Erd und Staub die Luft hernach zum Grab.)
(Eingesandt.)
Was können wir zur Erhaltung der deutschen Sprache unter unserer Jugend thun?
Was auch die verschiedenen Meinungen und Erwartungen von der Zukunft der deutschen Sprache in Amerika sein mögen, so viel ist wohl unter uns ausgemacht, daß wir, deutschen Lutheraner, allen Fleiß aufwenden sollten, unsern Kindern und Enkeln ihre Muttersprache zu bewahren. Mag die Befürchtung eines allmählichen Aussterbens des Deutschen nicht ohne Grund sein und Schreiber theilt selbst diese Befürchtung, darin sind wir ohne Zweifel einig, daß wir jetzt Lebenden alles aufbieten müssen, diese unheilsvolle Epoche in eine möglichst ferne Zukunft zu verschieben. Wäre kein anderer Grund dafür vorhanden, so wäre der schon hinreichend, weil die deutsche Sprache unbestreitbar die größten Schätze christlich gesunder Literatur
English translation AI translation
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submitted to the hard lot. On the 1st of June Oberstein wrote to the city for the second time, admonished it to surrender, and commanded that henceforth no more women and children should be let out of the city. But because they nevertheless drove out some, some of these were chased into the water and drowned.
On the 2nd of June the Anabaptist preachers wrote out to the colonel-in-chief and complained that they would not be allowed to come to any proper hearing, that they were persecuted and outlawed without their fault. Wherever they could be convicted of an error, they said, they would let nothing be wanting on their part, etc.
The bishop together with Count Wirich now made all preparations for the assault. On the 22nd of June they sent out for the last time the summons to the citizens to surrender. But it was of no avail. Some expected help from heaven; others did not open their mouths, for the king exercised a harsh rule and cut off with his own sword, or had his executioner cut off, the head of anyone who dared to speak a crooked word.
Afterward it happened that about 39 Anabaptists made a sally from the city by night, among whom was Henning in the Long Street, a native of Friesland, who had been a watch-master in the city. And these were so exhausted that only three men could lead and guard them all 39 to the bishop. With this Henning, who was the wealthiest of them all, the bishop and the colonel inquired into every circumstance, and when it was proposed to put him to death as a commander, he offered, if his life were spared, to deliver the city to them. This offer was taken under consideration, and then on the 22nd of June the summons was once more sent out to those in the city to surrender and to preserve the great multitude, which must perish through famine. But Rottmann answered, with the consent of the king, that they would not desist from their purpose.
Now the end of these affairs draws near. Henning had to betake himself again into the city, had to pretend that he had made a sally to take some provisions from the enemy, and how he had been seized and afterward had wonderfully escaped. They gave Henning his former office of watch-master again, and had no suspicion against him. Thereupon, in the night of St. John the Baptist, he gave the enemy a signal where they should set up ladders and climb the walls. At this signal three hundred of them came over the moat, climbed the wall and came into the city. Some of the watchmen were killed, and thereupon a gate, called the Holy Cross Gate, was opened, so that thus the whole host might enter.
But one of the gatekeepers awoke at the knocking, sounded the alarm, whereupon the king and his officers came out under arms, and pressed the mercenaries who had climbed in so hard that they had to leave off hewing at the gate, and pressed them so sorely that many of the mercenaries were stabbed. But then some wives of the Anabaptists ran upon the rampart and called to those outside to come after, for their comrades were all being slain; whereupon those outside took heart to forsake their brethren in extreme need no longer, and came in crowds to the city unhindered, for the Anabaptists had enough to do with the comrades who had climbed in, so that they could guard neither the gates nor the ramparts. Therefore, when the skirmish had lasted an hour and a half in the city, an ensign named Wittekind ran upon the city moat and called to those outside to come to their help. But many of the mercenaries ran to the gate and hastened to hew it open, so that the great host from without could come to their help.
Now it was all over with the king and his companions. Those who had broken in drove the king and his people to the market place, pressed them ever harder, slew many, and when the men of Münster saw that they were overpowered, they begged for mercy; but Rottmann, when he saw that all was lost, betook himself into the midst of the mercenaries and was stabbed. The king, Knipperdolling and Krechting (the chancellor) were taken prisoner, but of the citizens many, who did not perish in the first onset, were kept alive.
The captive king, together with Knipperdolling and Krechting, was led about among various princes in the empire to be exhibited. The soldiers ignominiously put a double chain about the king's neck. His jesting had not wholly left this obdurate villain even then; for example, when at one place someone from the crowd asked whether he was the king who had taken so many wives, he answered: No, not wives, but maidens.
When the king and the other prisoners were delivered to the bishop at Telkenheim, he addressed the king sternly, asking what reasons he had had for bringing about such misfortune, and why he had withheld his city from him so long. Then the king answered the bishop: Who gave you the city? The bishop said: It was given me by the chapter and the whole province by regular election. Thereupon the king said further: The citizens had delivered the city to him, and before he would willingly have given it up, all the inhabitants should have starved to death in it. When the bishop also complained that Bockold had made him poor, the latter said: If you will follow my counsel, I hope to make you rich again. The bishop asked in what manner that should be done. The king answered that the bishop need only put him in a bird cage, have him carried about here and there in German lands, and whoever then wished to see him, each of them would have to give him a groschen, and so he would surely recover well again.
Now when the bishop kept the prisoners yet alive, and Landgrave Philip sent out preachers to apply diligence in turning the people from their error, John Bockold of Leiden, the ex-king, offered, if his life were spared, to convert all the Anabaptists. Knipperdolling and Krechting, however, would not be instructed.
But when in the following year 1536 an order had gone out to the bishop from the Roman king Ferdinand and the electors and other princes assembled at Worms, to punish the prisoners according to their deserts without longer delay, they were taken to Münster, and then dealing was had with them again concerning the faith, whereupon the king declared that he was sorry for what had been done, recanted his error, apparently turned to Christ, and called upon him to forgive him his sins graciously.
On the 23rd of January the three ringleaders, John Bockold, Knipperdolling and Krechting, were executed at Münster as follows: Three stakes were set up, to these they were bound, the king's stake stood in a somewhat elevated place. The executioner first did to John of Leiden three tongs-thrusts with glowing tongs, during which he kept silent. But afterward, when the torment grew worse and his body was torn and lacerated, he cried to God for mercy without ceasing, until the executioner, one of them, ran up and pierced his heart with a knife.
Afterward they dealt in like manner with the other two. Their bodies were put into three iron baskets or cages and hung up on high at St. Lambert's church, the king somewhat higher than the other two.
(Upon the end of the king a Hollander, v. Boß, made these verses.
De Wind en Lucht het Volck tot Troost der Zielen gaf,
Van d' aerd verstoten kryght de lucht hier tot sin Graf.
To the people wind and air gave comfort for their souls,
To him, instead of earth and dust, the air was afterward for a grave.)
(Submitted.)
What can we do for the preservation of the German language among our youth?
Whatever the various opinions and expectations concerning the future of the German language in America may be, this much is surely settled among us, that we German Lutherans ought to spare no diligence to preserve their mother tongue for our children and grandchildren. The fear of a gradual dying out of German may not be without ground, and the writer himself shares this fear; in this we are without doubt agreed, that we who now live must do all we can to put off this calamitous epoch to as distant a future as possible. Were there no other reason for it, this would be sufficient already, because the German language undeniably holds the greatest treasures of Christian wholesome literature