Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 24 › Seite 191
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-07-17, Seite 191
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(Für den Lutheraner.)
Ermunterung zu Dank, Demuth und neuem Eifer.
In der d. J. Aprilnummer des Pittsburgh Missionary wird in einem Artikel „die Alt-Lutheraner in den Vereinigten Staaten“ überschrieben unserer Synode, der Synode von Missouri, Ohio u. a. St., rühmliche Erwähnung gethan. Es heißt in demselben unter anderm: „Der Wachsthum dieser Synode hat seines Gleichen nicht in der Geschichte unserer Kirche. Vor nicht vielen Jahren landeten einige hundert Deutsche mit sechs oder sieben Pastoren in zwei Schiffen in New-Orleans, und gingen nach St. Louis, wo sie sich niederließen und einige kleine Colonien in der Nachbarschaft gründeten. Vor wenig mehr als acht Jahren bildete sich eine Synode aus jenen und einigen andern Predigern in Ohio und Indiana, und bereits zählt diese junge Gemeinschaft 122 Synodalglieder, hat zwei theologische Seminare — eines in Fort-Wayne, das andere in St. Louis — ein College am letzteren Ort, einige achtzig Gemeine-Schulen, eine erfolgreiche Mission unter den Michigan-Indianern, und zwei Zeitschriften, die beide wohl redigirt werden, und einen ansehnlichen Kreis von Lesern haben. — Der Lutheran Standard enthält eine Nachricht über den letzten Synodalbericht der Synode von Missouri u. s. w. Ein wichtiger Umstand in ihrer Organisation ist der, daß der Allgemeine Präsident seine ganze Zeit und Kraft dem Wohle der Synode widmet, und beständig mit dem Besuchen der Gemeinen, der Inspection der Schulen und mit Beiwohnen bei den jährlichen Versammlungen der Districtsynoden beschäftigt ist. Eine treffliche Einrichtung, die auch anderwärts eingeführt zu werden verdient, und sehr erfreuliche Resultate verspricht.“ Der geneigte Leser ersieht hieraus, wie unsere Synode nicht nur in unsern eigenen Augen, sondern auch in denen Anderer wie ein großer, seine Zweige bereits über die Vereinigten Staaten erstreckender Fruchtbaum, von Gott gesegnet und gepflegt dasteht. Und so oft wir daran gedenken, oder erinnert werden, kann es nicht anders sein, als daß unser Herz voll wird von Dank gegen Gott, den Herrn, der Seinen Segen über uns ausgeschüttet hat, von Demuth gegen den Allbarmherzigen, der uns in unserer Unwürdigkeit nicht verworfen hat, und den Allmächtigen, der in den Schwachen mächtig gewesen ist, und von dem erneuerten Vorsatz, Ihm unser ganzes Leben zu weihen: Ihm zu leben, Ihm zu sterben.
Geheime Gesellschaften.
Aus einem im „Luth. Herold“ erschienenen Auszug aus den Verhandlungen der ev.-luth. westlichen Distriktssynode von Ohio und angrenzenden Staaten, welche sich vom 1. bis 5. Juni 1855 in Germantown, Montgomery Co., Ohio, versammelte, heben wir Folgendes aus:
„Ein Exemplar des, von den Gebrüdern Henkel in New-Market herausgegebenen verbesserten Concordienbuches. Dem Vorschlage der zur Durchsicht dieses Buches ernannten Committee gemäß, wurde beschlossen: daß die Gebrüder Henkel uns abermals durch die Herausgabe dieser neuen verbesserten Auflage des Concordienbuches zu innigem Danke verpflichtet haben, wir dasselbe auch unsern Gliedern dringend empfehlen.
Die lutherische Immanuels-Gemeinde in Germantown reichte ein Memorial, geheime Gesellschaften betreffend, ein, und bat, vertrauend auf die Gerechtigkeitsliebe der Synode, um Wiedererwägung und Zurücknahme des von der Allgemeinen Synode in Thompson Township am 13. Juni 1854 gefaßten Beschlusses: „in Zukunft Niemand in unsern Verband aufzunehmen, der zu geheimen Gesellschaften gehört.“ Die zur Berichtserstattung über dieses Memorial ernannte Committee, bestehend aus den Pastoren J. Leist, J. Hursch, J. Weimer und den Abgeordneten J. Leist, J. Schnepp, P. Weber, referirte zu Gunsten der Bittsteller und beantragte, gestützt auf die Behauptung: daß durch die Ausführung jenes Beschlusses der lutherischen Kirche großer Schaden erwachsen werde, wie sich solches schon durch die Erfahrung bewiesen habe, die Aufhebung desselben, so wie die Geltendmachung des von diesem Körper in Dayton gefaßten Beschlusses, nach welchem die Brüder ermahnt werden, sich keinen Gesellschaften anzuschließen, deren Grundsätze dem Geiste der evangelisch-lutherischen Kirche zuwider seien. In Verbindung mit dieser Forderung verlangte ebenfalls die Committee, das Verfahren des „lutherischen Herolds“ zu mißbilligen, indem derselbe nur solche Artikel aufnähme, wodurch geheime Gesellschaften in ein schlechtes Licht gestellt, andere aber zurückweise und so Uneinigkeit und Spaltungen hervorgerufen würden, beantragte deshalb folgenden Beschluß: daß, so lange der „Herold“ in obiger Weise fortfahre, wir ihn nicht mehr unsern Gemeinden empfehlen könnten.
Dieser Gegenstand rief eine ernste und warme, aber mit christlicher Liebe geführte Debatte hervor, die fast einen ganzen Tag einnahm und damit endete, daß an die Stelle der von der Committee vorgeschlagenen Resolutionen, folgendes Substitut beantragt wurde: Da in Bezug auf den Beschluß, worauf sich obiges Memorial bezieht, bei manchen Brüdern ernste Zweifel, hinsichtlich seiner Constitutions-Mäßigkeit und inneren Richtigkeit, obwalten; es überdem von höchster Wichtigkeit ist, daß allen Gliedern Zeit zu gründlicher Prüfung, besonders in solchen Fällen, gegeben werde; so sei es beschlossen: daß die zur nächsten Setzung der Allgemeinen Synode zu bestimmenden Delegaten hiermit instruirt seien, die Wiedererwägung des fraglichen Beschlusses auf jener Synode zu beantragen und besonders die Constitutions-Mäßigkeit und innere Richtigkeit desselben reiflich zu untersuchen.
Dieser Vorschlag wurde zum Beschlusse erhoben, indem nach beantragter Aufrufung der stimmfähigen Glieder sich fand, daß 28 Stimmen dafür, 14 aber dagegen abgegeben waren.
Kirchliche Nachrichten.
Nachdem Herr Past. F. Besel, bisher Prediger der evang. luther. Gemeinde zu Staunton, Madison Co., Ill., von der evang. luth. Gemeinde bei Ridgley, nahe Edwardsville, Madison Co., Ills., die er früher als Filial-Gemeinde schon von Staunton aus mit bedient hatte, einen Ruf als ihr bleibender Pastor erhalten und angenommen hatte, wurde derselbe am zweiten Sonntage nach Trinitatis im Auftrag des Herrn Vicepräses Past. J. F. Bünger von dem Unterzeichneten feierlich in sein Amt eingeführt. Der barmherzige Gott wolle dem lieben Bruder an diesem Orte reichen Segen im heil. Amte verleihen zu Seines Namens Ruhm und Preis.
St. Louis, den 17. Juli 1855.
G. Schaller.
Am 17. Juni, Dom. II. p. Trin., wurde Herr Pastor H. Bauer im Auftrage des Präsidiums bei seiner Gemeinde in Dutchmanspoint, Cook Co., Ill., von Herrn Pastor H. Wunder unter Assistenz Herrn Pastor Brauers eingeführt.
(Eingesandt.)
Kircheinweihung.
Am dritten Sonntage nach Trinitatis (am Tage St. Johannis des Täufers) hatte die hiesige deutsche ev.-luth. Gemeinde ungeänderter Augsburgischer Confession die Freude, ihr neuerbautes St. Johanneskirchlein, das 40 Fuß lang und 26 breit ist, einweihen zu können. Gegenwärtig und thätig waren außer dem Pastor der Gemeinde, Wagner, die Pastoren Wyneken — allgemeiner Präses der Synode von Missouri ꝛc., welcher auch zugleich als Visitator erschien — Lochner und Geyer. Letzterer redete einige herzliche Worte vor der Kirchthüre, Herr Präses Wyneken hielt die Vormittagspredigt über das Kirchweih-Evangelium und Herr Pastor Lochner predigte Nachmittags über das Evangelium am Tage St. Johannis des Täufers. Die beiden Predigten waren sehr lehrreich und erbaulich; Gott segne sie dauerhaft an den Herzen der Zuhörer. Die Fest- und Feierlichkeit überhaupt war im Ganzen ähnlich, wie sie der liebe Leser schon oft und ausführlich in diesem Blatt angezeigt gefunden hat. Außer den vielen auswärtigen Glaubensgenossen beehrte uns auch mit seinem Besuche das Sängerchor aus Herrn Pastor Geyers Gemeinde, welches unter Anleitung des Herrn Schullehrers Wetzel uns mit mehreren Gesangstücken erfreute.
Wir freuen uns herzlich, nun ein eigenes Kirchlein zu haben, in welchem nicht nur alle Zuhörer Platz finden, sondern darin wir auch ohne Furcht unsere Gottesdienste halten können. Beides war bei dem früheren Locale, einem kleinen englischen Schulhause, daselbst uns am zweiten Sonntage nach Ostern während des Frühgottesdienstes der Fußboden einbrach, nicht der Fall. Daß wir damals nicht alle in den Keller hineinstürzten, war Gottes wunderbare Hand, die allein das Ganze hielte, wie wir nach Untersuchung des Fehlers allzu deutlich erkennen mußten.
Lob, Preis und Dank sei dem, dem allein alle Ehre gebührt! Derselbe wolle die Predigt Seines Wortes auch in diesem Kirchlein stets unverfälscht erhalten und reichlich segnen. Amen.
Watertown 1855.
A. Wagner.
English translation AI translation
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(For the Lutheraner.)
An Exhortation to Thanks, Humility and New Zeal.
In the April number of this year of the Pittsburgh Missionary, in an article headed "the Old Lutherans in the United States," honorable mention is made of our Synod, the Synod of Missouri, Ohio and other States. It says therein among other things: "The growth of this Synod has not its equal in the history of our Church. Not many years ago some hundreds of Germans with six or seven pastors landed in two ships in New Orleans, and went to St. Louis, where they settled and founded a few small colonies in the neighborhood. A little more than eight years ago a synod was formed out of these and some other preachers in Ohio and Indiana, and already this young communion numbers 122 synodical members, has two theological seminaries — one in Fort Wayne, the other in St. Louis — a college at the latter place, some eighty congregational schools, a successful mission among the Michigan Indians, and two periodicals, both of which are well edited and have a considerable circle of readers. — The Lutheran Standard contains a notice of the last Synodal Report of the Synod of Missouri etc. An important circumstance in their organization is this, that the General President devotes his whole time and strength to the welfare of the Synod, and is constantly occupied with visiting the congregations, with the inspection of the schools and with attending the annual meetings of the District Synods. An excellent arrangement, which deserves to be introduced elsewhere also, and promises very gratifying results." The kind reader sees from this how our Synod, not only in our own eyes but also in those of others, stands there like a great fruit-tree, stretching its branches already over the United States, blessed and tended by God. And as often as we think of it, or are reminded of it, it cannot be otherwise than that our heart is filled with thanks toward God, the Lord, who has poured out His blessing upon us, with humility toward the All-merciful, who in our unworthiness has not cast us off, and toward the Almighty, who has been mighty in the weak, and with the renewed resolve to devote our whole life to Him: to live to Him, to die to Him.
Secret Societies.
From an extract, which appeared in the "Luth. Herold," from the proceedings of the Ev. Luth. Western District Synod of Ohio and adjoining States, which assembled from the 1st to the 5th of June 1855 in Germantown, Montgomery Co., Ohio, we select the following:
"A copy of the improved Book of Concord published by the Brothers Henkel in New-Market. In accordance with the proposal of the committee appointed to examine this book, it was resolved: that the Brothers Henkel have again laid us under hearty obligation of thanks by the publication of this new improved edition of the Book of Concord, and that we also earnestly recommend it to our members.
The Lutheran Immanuel's Congregation in Germantown presented a memorial concerning secret societies, and, trusting in the Synod's love of justice, asked for reconsideration and withdrawal of the resolution adopted by the General Synod at Thompson Township on the 13th of June 1854: "in future to admit no one into our connection who belongs to secret societies." The committee appointed to report on this memorial, consisting of the pastors J. Leist, J. Hursch, J. Weimer, and the delegates J. Leist, J. Schnepp, P. Weber, reported in favor of the petitioners and moved, on the strength of the assertion that great harm would accrue to the Lutheran Church from the execution of that resolution, as experience had already proved, the repeal of the same, as well as the enforcement of the resolution adopted by this body at Dayton, according to which the brethren are admonished not to join any societies whose principles are contrary to the spirit of the Evangelical Lutheran Church. In connection with this demand the committee likewise requested that the course of the "Lutheran Herald" be disapproved, inasmuch as it admitted only such articles by which secret societies were put in a bad light, but rejected others, and so discord and divisions were called forth; it therefore moved the following resolution: that, so long as the "Herald" continues in the above manner, we could no longer recommend it to our congregations.
This subject called forth an earnest and warm debate, conducted however with Christian love, which took up almost a whole day and ended in this, that in place of the resolutions proposed by the committee the following substitute was moved: Whereas, with regard to the resolution to which the above memorial refers, serious doubts prevail among some brethren as to its constitutionality and inner correctness; and whereas it is moreover of the highest importance that time for thorough examination be given to all members, especially in such cases; therefore be it resolved: that the delegates to be appointed to the next session of the General Synod are hereby instructed to move the reconsideration of the resolution in question in that Synod and especially to examine thoroughly its constitutionality and inner correctness.
This proposal was adopted as a resolution, in that, after a roll-call of the voting members was moved, it was found that 28 votes were cast for it, but 14 against.
Church News.
Whereas Mr. Pastor F. Besel, hitherto preacher of the Ev. Luth. congregation at Staunton, Madison Co., Ill., had received and accepted a call as permanent pastor from the Ev. Luth. congregation near Ridgley, near Edwardsville, Madison Co., Ills., which he had formerly already served from Staunton as a filial congregation, he was solemnly installed in his office on the second Sunday after Trinity, by commission of the Vice-President, Pastor J. F. Bünger, by the undersigned. May the merciful God grant the dear brother at this place rich blessing in the holy office, to the glory and praise of His name.
St. Louis, July 17, 1855.
G. Schaller.
On the 17th of June, Dom. II. p. Trin., Pastor H. Bauer was installed, by commission of the Presidium, in his congregation at Dutchmanspoint, Cook Co., Ill., by Pastor H. Wunder, assisted by Pastor Brauer.
(Communicated.)
Dedication of a Church.
On the third Sunday after Trinity (on the day of St. John the Baptist) the German Ev. Luth. congregation of the unaltered Augsburg Confession here had the joy of being able to dedicate its newly built little St. John's church, which is 40 feet long and 26 wide. Present and active, besides the pastor of the congregation, Wagner, were the Pastors Wyneken — General President of the Synod of Missouri etc., who appeared at the same time as visitor — Lochner and Geyer. The last-named spoke a few hearty words before the church door, President Wyneken held the forenoon sermon on the Gospel for the dedication of a church, and Pastor Lochner preached in the afternoon on the Gospel for the day of St. John the Baptist. The two sermons were very instructive and edifying; God bless them lastingly in the hearts of the hearers. The festival and solemnity in general was in the whole similar to what the dear reader has already often and fully found reported in this paper. Besides the many fellow-believers from abroad, the singing choir from Pastor Geyer's congregation also honored us with its visit, which under the direction of Mr. Schoolteacher Wetzel delighted us with several pieces of song.
We rejoice heartily to have now a little church of our own, in which not only all the hearers find room, but in which we can also hold our divine services without fear. Both were not the case in the former place, a small English school-house, where, on the second Sunday after Easter, during the early service, the floor gave way under us. That we did not all fall into the cellar at that time was God's wonderful hand, which alone held the whole, as we were obliged to recognize all too plainly after examination of the defect.
Praise, honor and thanks be to Him to whom alone all glory is due! May He preserve the preaching of His Word in this little church also ever unadulterated, and bless it abundantly. Amen.
Watertown 1855.
A. Wagner.