Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 24 › Seite 187
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-07-17, Seite 187
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mittags anstatt der Kinderlehre dem gemeinen von dem ausnehmenden Werth des theuren Religionsfriedens keinen gesunden Begriff habenden Volk von dessen Vorzug und eigentlichem Absehen eine wohlbegreifliche Abbildung gemacht“ würde.
Im Churfürstenthum Sachsen feierte man das Jubiläum am Montag den 29. Sept.; daher denn, weil am Tage darauf das Michaelisfest fiel, jenes das Ansehen eines dreitägigen hohen Festes erhielt.
Im Hannoverischen war verordnet, daß „auf dem platten Lande und an den Orten, wo nur Ein Prediger stehet, am Nachmittag Kinderlehre gehalten und darin die Lehre von der christlichen Kirche abgehandelt“ würde. Wo am Tage vorher nicht Beichte zu halten wäre, sollte wenigstens eine Vorbereitungs-Vesper abgehalten werden. Am Schluß des Festes nach Sprechung des Segens sollte das Lied: Nun danket alle Gott ꝛc. „unter Trompeten- und Pauken- oder Posaunenschall, wo es gebräuchlich, gesungen und hernach nochmals dreimal mit allen Glocken geläutet und von den Thürmen musicirt werden.“
In Augsburg theilte man unter die Schuljugend ein liebliches Bild mit der Ueberschrift: „Jubel- und Friedensgemälde, genommen aus Matth. 8, 23., Marc. 4, 37. ffl., Luc. 8, 23. ffl.“ aus. Das Gemälde stellte die Kirche unter dem Bilde eines Schiffes auf ungestümen Meere dar, in welchem JEsus schläft und von seinen erschrockenen Jüngern aufgeweckt wird. Auf der rechten Seite steht: die Religion in Gestalt einer verschleierten Matrone, das Haupt mit Dornen gekrönt und Andachtsflammen ausstrahlend, am linken Arm ein angelehntes Kreuz, in der Hand ein Buch, auf dessen Schnitt „Evangelium“ zu lesen ist und woran zwei Sigille herabhangen, womit die Sacramente angezeigt sind, die zugleich durch Taufbecken mit Kanne und Kelch mit Hostie auf dem Buche als die Siegel des Evangeliums angedeutet sind. Ueber dem Buche erblickt man auf einem Felsen, woran „Christus“ geschrieben steht, eine erbaute Kirche, über welcher ein mit einem Stein beschwerter Palmbaum hervorragt. An dem rechten Arm hangen zwei Schlüssel, das Amt der Schlüssel anzuzeigen. Unten speit der Drache Feuer gegen die Kirche. Auf der linken Seite steht die Hoffnung in der Gestalt einer Jungfrau, die mit einem heiteren Antlitz auf das Schiff zeigt, auf dem Haupte eine Taube mit einem Oelblatt, ihren Anker auf den mit einer Glorie umkränzten Namen Gottes setzend mit der Inschrift Ps. 125, 1. und Ps. 121, 2. Ueber dem Schiff fliegt ein Engel mit einem flatternden Streifen, auf welchem man die Worte liest: „Tob noch so sehr, o tolles Meer, es bleibt doch unversehret.“ Unten befindet sich das mit einem Palmen- und Olivenzweig umgebene Stadtwappen mit der Unterschrift: „Reichsabschied dat. Augsburg den 25. Sept. 1555 und Hagg. 2, 10. Unter dem ganzen Tableau steht die erläuternde Beschreibung des Bildes in Versen. Uebrigens wurde seit dem Schluß des Westphälischen Friedens 1648 ein ähnliches Friedens-Bild in Augsburg alljährlich unter die Schulkinder vertheilt. In ähnlicher Weise ist auf dem Titelblatte des Erfurter „Denkmals der Jubelfeier“ der Religionsfriede bildlich dargestellt. Innerhalb einer Einfassung von Palmen- und Oelzweigen, in deren unteren Mitte ein Füllhorn liegt, sieht man die Arche Noah's, wie sie sich auf Ararat niedergelassen hat, auf welche die Taube mit dem Oelzweig zufliegt und über welcher die Sonne die Wolken durchbricht.
In Eimbeck im Hannoverischen läutete man das Fest schon früh um 4 Uhr ein und begann den ersten Festgottesdienst bereits früh um 5 Uhr, wobei die „mit Blumen, Laubwerk und mancherlei Vergoldungen anmuthig ausgeschmückte“ Kirche „von Lichtern hell illuminirt“ war. Nach Schluß des Nachmittagsgottesdienstes sang der Schülerchor von dem Thurm der Kirche zu St. Jacobi herab: „Ehr' sei Gott in der Höhe“ unter Instrumentalbegleitung; nach Beendigung jedes Verses wurden von den Wällen der Stadt herab die Kanonen gelöst und von der jungen Bürgerschaft aus dem kleinen Gewehr eine Salve gegeben und „solchergestalt dieses Fest mit den lebhaftesten Bezeugungen der Freude zum Lobe des Allerhöchsten für diesmal beschlossen.“ Fast ebenso war die ganze Jubelfeier in Freiberg in Sachsen.
In Erfurt zogen die Schulkinder beiderlei Geschlechts nicht nur in Prozession in und aus der Kirche, sondern nach dem Nachmittagsgottesdienste hielten auch die Prediger in den verschiedenen Schulen an die Kinder kurze Reden, worauf jedem Kinde ein Exemplar des „Erfurtischen Denkmals“ (einer Kinderschrift) und ein Gothaischer Jubelgroschen (eine für das Fest geschlagene Denkmünze) überreicht wurde.
In Halle an der Saale wurde bei Gelegenheit der Festfeier durch an den Kirchthüren ausgestellte Becken für die Armen gesammelt. Von Halle in Schwaben wird u. A. berichtet: „Nach der Mittagspredigt wurde die sämmtliche Schuljugend der fünf Classen des Gymnasiums, ingleichen der Catechetenschule und der sechs übrigen deutschen Schulen auf den, 50 Stufen hoch erhöhten, Kirchhof der Hauptkirche geführt und von derselben die Lieder: Allein Gott in der Höh ꝛc. Nun laßt uns Gott, den Herren ꝛc. Ach, bleib mit deiner Gnade ꝛc. unter dem Klang der Zinken und Posaunen abgesungen. Mit herzlicher Bewegung und untermengten Freudenthränen hat man bei so vielen hundert zarten Discantstimmen an die Worte der h. Schrift gedacht: Aus dem Munde der Unmündigen hast Du dir, o Gott, ein Lob zubereitet. Auf dem Land ist die Schuljugend ebenfalls auf die Kirchhöfe geführt und sind von derselben unter freiem Himmel ebenfalls jene Lieder abgesungen worden. Endlich wurde in der Abendkirche nach der Predigt der Lobgesang: HErr Gott, dich loben wir ꝛc. von den Alumnen vor dem Altar knieend und von der Gemeinde stehend unter Abfeuerung des groben Geschützes abgesungen und mit allen Glocken das hohe Fest in Stadt und Land ausgeläutet.“ Hier, in der Stadt des alten Brenz, wurde auch an dem Festtage auf dem Thurm der Hauptkirche Früh, Mittags und Abends „eine solenne Musik mit Trompeten und Pauken aufgeführt.“
In Meiningen zog die deutsche und lateinische Schule mit ihren Lehrern in Prozession in die Kirche, ihnen folgte in feierlichem Zuge der Stadtrath mit den Viertelsmeistern und der sämmtlichen Bürgerschaft. „Die in der Mitte des Chors placirten Mägdlein und Knaben der untern Klassen verrichteten das Festgebet kniend.“
In Nürnberg wurde u. A. durch die Schüler des Gymnasiums ein großer Redeaktus in deutscher Sprache gehalten, bei welchem eine ganze Schaar von Schülern zugleich auftrat und die Umstände und Bedeutung des Religionsfriedens in Form eines Gesprächs darlegte, nachdem der damalige Schulrector Jungendres eine Einleitungsrede gehalten über das Thema: Ob es einem Lande nachtheilig sei, mehr als Eine Religion darinnen zu dulden; was der Redner mit Angabe seiner Gründe verneinte.
In Erlangen nahmen selbst die Reformirten an der Jubelfestfeier Theil. Der damalige Markgräfliche Hofprediger Ganzenbach predigte über Jes. 26, 1—3. (welchen Text auch der berühmte Reform. Exeget Vitringa auf den Religionsfrieden deutet) und stellte „das theure Kleinod des Religionsfriedens oder die Glückseligkeit der Religions- und Gewissensfreiheit“ vor. In der Predigt heißt es u. A.: „Wir haben, m. G., dieses theure Kleinod der Religions- und Gewissensfreiheit auch in unserer kleinen Gemeinde bis auf diese Stunde erfreulichst genossen und vermöge der auf diesen Religionsfrieden sich gründenden Privilegien eine unbeschränkte freie Uebung unserer reformirten ev. Religion in diesem Lande und haben ein jeglicher, wenn er nur gewollt, unter seinem Weinstock und Feigenbaum ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Darum gebühret uns an diesem evangelischen Jubelfest auch Theil zu nehmen und mit zu singen: Wir haben eine feste Stadt“ ꝛc. Ein anderer reformirter Prediger, mit Namen Hollard, der an einer aus französischen Emigranten oder vielmehr Flüchtlingen bestehenden Gemeinde in Erlangen stand, schreibt in seiner Jubelpredigt: „Der HErr hat uns eine sichere Freistadt hier verschafft, wo wir seit 70 Jahren Gott ungestört dienen können. Dieß erfordert von uns, daß wir seine Gnade und Treue preisen und die Kennzeichen der befreiten wahren Kirche an uns nehmen.“
In Essen errichtete man durch die ganze Stadt Freuden- und Ehrenbogen und stellte Abends eine allgemeine Illumination an, wobei ein Haus, die „lutherische Wieme“ genannt, besonders bedacht wurde. Es war dies Haus zwar nichts als eine alte verfallene Hütte. Darin hatte aber ein Weber gewohnt, der, zur Erkenntniß der reinen evangelischen Lehre gekommen, im Jahre 1561 anfieng, in diesem Hause den kleinen Kindern Luthers Lieder beizubringen, womit er die erste Veranlassung zur Reformation in Essen gab. Zum Andenken an diese für die ganze Stadt so wichtige Begebenheit schmückte man daher das Haus mit einem Transparent (mit einem durchscheinenden von Lichtern erleuchteten Gemälde), welches den alten Schulmeister mit seinen, Luthers Lieder lernenden, Kindern darstellte und worunter folgende Reime in Lichtbuchstaben sich befanden:
English translation AI translation
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noon, instead of the catechization, a well-comprehensible picture of its preeminence and proper purpose be given to the common people, who have no sound conception of the exceeding worth of the precious Religious Peace."
In the Electorate of Saxony the jubilee was celebrated on Monday the 29th of Sept.; whence, because the Feast of St. Michael fell on the following day, it took on the appearance of a three-day high festival.
In the Hanoverian territory it was ordered that "in the country and in the places where there is only one preacher, catechization be held in the afternoon and the doctrine of the Christian Church be treated therein." Where confession was not to be held on the day before, at least a preparatory vespers should be held. At the close of the festival, after the pronouncing of the blessing, the hymn: Now thank we all our God, etc., was to be "sung, where it is customary, with trumpets and kettledrums or trombones, and thereafter rung three more times with all the bells and music made from the towers."
In Augsburg there was distributed among the school youth a lovely picture with the title: "Jubilee and Peace Painting, taken from Matth. 8, 23., Mark 4, 37. ff., Luke 8, 23. ff." The painting represented the Church under the image of a ship on a tempestuous sea, in which JESUS sleeps and is awakened by his frightened disciples. On the right side stands: Religion in the form of a veiled matron, her head crowned with thorns and radiating flames of devotion, on her left arm a leaning cross, in her hand a book, on whose edge "Evangelium" is to be read and from which two seals hang down, by which the Sacraments are indicated, which are likewise signified by a baptismal basin with ewer and a chalice with host on the book as the seals of the Gospel. Above the book one beholds, on a rock on which "Christus" is written, a church built, above which a palm tree weighted with a stone rises up. On her right arm hang two keys, to indicate the office of the keys. Below, the dragon spits fire against the Church. On the left side stands Hope in the form of a maiden, who with a cheerful countenance points to the ship, on her head a dove with an olive leaf, setting her anchor upon the name of God wreathed with a glory, with the inscription Ps. 125, 1. and Ps. 121, 2. Above the ship flies an angel with a fluttering streamer, on which one reads the words: "Rage on as you will, O raging sea, it remains yet unharmed." Below is the city coat of arms, surrounded by a palm and olive branch, with the inscription: "Imperial Recess dated Augsburg the 25th of Sept. 1555 and Hagg. 2, 10. Under the whole tableau stands the explanatory description of the picture in verses. Incidentally, since the close of the Peace of Westphalia in 1648 a similar Peace picture has been distributed annually among the school children in Augsburg. In like manner the Religious Peace is pictorially represented on the title page of the Erfurt "Denkmal der Jubelfeier." Within a border of palm and olive branches, in whose lower middle lies a horn of plenty, one sees the ark of Noah as it has settled down on Ararat, toward which the dove with the olive branch flies and over which the sun breaks through the clouds.
In Einbeck in the Hanoverian territory the festival was rung in as early as 4 o'clock in the morning, and the first festival service was begun already at 5 o'clock in the morning, the church being "pleasingly adorned with flowers, foliage and many kinds of gilding" and "brightly illuminated with lights." After the close of the afternoon service the school choir sang from the tower of the church of St. Jacobi: "Glory be to God on high," with instrumental accompaniment; after the end of each verse the cannon were fired from the ramparts of the city and a volley was given by the young citizens from small arms, and "in such manner this festival was concluded for this time with the liveliest expressions of joy to the praise of the Most High." Almost the same was the whole jubilee celebration in Freiberg in Saxony.
In Erfurt the school children of both sexes not only went in procession into and out of the church, but after the afternoon service the preachers in the various schools also gave the children short addresses, whereupon each child was handed a copy of the "Erfurtisches Denkmal" (a children's writing) and a Gotha jubilee groschen (a memorial coin struck for the festival).
In Halle on the Saale, on the occasion of the festival celebration, a collection was taken for the poor by basins set out at the church doors. Of Halle in Swabia it is reported among other things: "After the noon sermon the entire school youth of the five classes of the Gymnasium, likewise of the catechetical school and of the six other German schools, was led to the churchyard of the principal church, raised 50 steps high, and by them were sung the hymns: Allein Gott in der Höh, etc. Nun laßt uns Gott, den Herren, etc. Ach, bleib mit deiner Gnade, etc., to the sound of cornets and trombones. With hearty emotion and mingled tears of joy one thought, at so many hundreds of tender treble voices, of the words of Holy Scripture: Out of the mouth of babes and sucklings Thou hast perfected praise, O God. In the country the school youth were likewise led to the churchyards and by them those hymns were likewise sung under the open sky. Finally, in the evening church after the sermon the song of praise: Lord God, we praise Thee, etc., was sung by the alumni kneeling before the altar and by the congregation standing, under the firing of the heavy artillery, and with all the bells the high festival was rung out in city and country." Here, in the city of the old Brenz, there was also performed on the festival day, on the tower of the principal church, morning, noon and evening, "a solemn music with trumpets and kettledrums."
In Meiningen the German and Latin school with their teachers went in procession into the church, followed in solemn procession by the city council with the ward masters and the whole citizenry. "The little girls and boys of the lower classes, placed in the middle of the choir, offered the festival prayer kneeling."
In Nuremberg, among other things, a great oratorical act was held in the German language by the pupils of the Gymnasium, in which a whole company of pupils appeared together and set forth the circumstances and significance of the Religious Peace in the form of a dialogue, after the then school rector Jungendres had delivered an introductory address on the theme: Whether it is detrimental to a land to tolerate more than one religion therein; which the speaker answered in the negative, giving his reasons.
In Erlangen even the Reformed took part in the jubilee celebration. The then Margravial court preacher Ganzenbach preached on Is. 26, 1—3. (which text the renowned Reformed exegete Vitringa also interprets of the Religious Peace) and presented "the precious jewel of the Religious Peace, or the blessedness of liberty of religion and conscience." In the sermon it says among other things: "We have, my dear friends, enjoyed this precious jewel of liberty of religion and conscience also in our small congregation until this hour most gratifyingly, and by virtue of the privileges founded upon this Religious Peace an unrestricted free exercise of our Reformed Evangelical religion in this land, and every one, if only he had wished, under his vine and fig tree could lead a quiet and peaceable life in all godliness and honesty. Therefore it behooves us also to take part in this evangelical jubilee festival and to sing along: A mighty fortress," etc. Another Reformed preacher, by the name of Hollard, who served a congregation in Erlangen consisting of French emigrants or rather refugees, writes in his jubilee sermon: "The Lord has procured for us a safe refuge here, where for 70 years we have been able to serve God undisturbed. This demands of us that we praise His grace and faithfulness and take upon ourselves the marks of the liberated true Church."
In Essen arches of joy and honor were erected throughout the whole city, and in the evening a general illumination was held, in which a house called the "Lutheran Wieme" was especially remembered. This house was indeed nothing but an old dilapidated hut. But in it there had lived a weaver who, having come to the knowledge of the pure evangelical doctrine, began in the year 1561 to teach the little children Luther's hymns in this house, whereby he gave the first occasion for the Reformation in Essen. In remembrance of this event, so important for the whole city, they therefore adorned the house with a transparency (a translucent painting lighted from behind by lights), which represented the old schoolmaster with the children learning Luther's hymns, and beneath which the following rhymes appeared in letters of light: