Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 25 › Seite 198

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-07-31, Seite 198

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auf, um längere oder kürzere Zeit zu rasten, woraus später unter ihren fleißigen Händen Städtchen wurden, aus hölzernen Häusern erbaut. Ihre Handwerker und Ackerbauer griffen immer wieder gleich zu ihren Beschäftigungen. Deßungeachtet hatten sie auf diesem Zuge, und besonders im Sommer von 1846 viel zu leiden. Viele erlagen dem Mangel an Nahrungsmitteln und dem Sonnenbrande auf der nackten Steppe. Ungesunde Gegenden erzeugten auch Fieber und Scorbut. Noch jetzt bezeichnen deshalb hunderte von Gräbern den von ihnen eingeschlagenen Weg. Dennoch ließen sie den Muth nicht sinken. Auf gar verschiedene Weise wußte man sich zu stählen. Jeden Tag verwandte man mehrere Stunden auf allgemeine „Erbauung." Sobald der Abend sank, schwiegen alle gewöhnlichen Gespräche, geistliche (?) Lieder ertönten, und dann vernahm man das tausendstimmige Gemurmel ihres Gebets. Zum wenigsten eben so großen Trost schienen ihnen die kleinen Bälle, an denen auch die Apostel und Aeltesten der Kirche theilnahmen, und ein vollzähliges Musikchor, in England durch einen ihrer beredtesten Prediger gewonnen, zu gewähren. Letzteres, noch zeitig genug zur Tempelweihe eingetroffen, mußte jetzt an den Sonntagen auch die Stelle der Glocken vertreten, und mit Geigen, Flöten, Posaunen, Hörnern und Hoboen die Menge zusammenrufen. — Der Winter von '46 auf '47 war für diese Wanderung noch ein sehr harter. Vor Eintritt des Frühjahres aber machten sich 143 auserlesene Leute, mit 70 Wagen, geführt von Brigham Young selbst und von mehreren Gliedern des „hohen Rathes" zum letzten Mal auf, ihrem Ziel entgegen zu ziehen. Sie nahmen Ackergeräthschaften u. Korn, sonst aber wenig Gepäck mit und verließen sich hinsichtlich ihrer Nahrung ausschließlich auf ihre Büchsen, mit denen sie auch mehrere Anfälle umherstreifender Indianer zurückschlugen. Zur Zeit, wo die gewöhnliche Auswanderung nach Californien jetzt den Missouri erreicht, hatten sie bereits den Südpaß, eins der drei großen Thore im Felsengebirge hinter sich, und obgleich sie jetzt noch durch das Gebirge einen ungemein beschwerlichen Weg zu machen hatten, langten sie doch, ohne einen Mann verloren zu haben, rechtzeitig in der Gegend der Utah-Indianer an, wo sie sich an den ausnehmend fruchtbaren Ufern des großen Salzsees bleibend niederließen, um zeitig genug für die Erndte des nächsten Herbstes ihr Land zu bestellen, wozu der Boden zuvor förmlich eingesegnet wurde. Während des Sommers folgte ihnen der Haupttroß von etwa 4000 mit 566 Wagen. Im Herbst stieß ein Trupp zu ihnen gehörender Soldaten, die bei der Eroberung Californiens geholfen, zu ihnen. Bald darauf kamen Gesinnungsgenossen von den Eingebornen der Sandwichsinseln.

Im Frühling und Sommer '48 endlich zogen beinahe alle noch am Missouri verweilenden Mormonen in zahlreichen Trupps nach, so daß man im nächsten Jahre schon sich nach den Gesetzen der Ver. Staaten zu einem Territorium organisiren konnte. Seitdem ist die Einwanderung von den Staaten, wo jetzt nur noch wenige Mormonen sind, und anderen Theilen der Welt, besonders aus England, wo sie 1850 gegen 40,000 Glieder zählten, ohne Unterbrechung fortgeschritten, wie denen auch sonst ihre Geschichte seit dieser Niederlassung eine fast lückenlose Kette äußerlich glücklicher Ereignisse gewesen ist. Selbst das unter ihnen ausbrechende, die junge Colonie stark bedrohende Californien-Goldfieber mußte unter Leitung des „Propheten" der Gesammtheit Vortheil bringen, indem die auf einige Zeit Beurlaubten ihr gewonnenes Gold größtentheils zu dem Zwecke hergeben müssen, den Armen in England und Wales die Reise nach dem „neuen Jerusalem" zu ermöglichen.

Mit den benachbarten Indianern vertragen sich die „die Heiligen der letzten Tage" jetzt besser als im Anfang. Ihre erste Ansiedelung geschah auf den „Kriegsgründen" verschiedener Stämme, also auf neutralem, Niemand besonders zugehörigen Boden. Als sie sich aber weiter nach Norden und Süden ausbreiteten, glaubten die Indianer sich in ihren Eigenthumsrechten gekränkt, und besonders die Utah's suchten sich dieselben mit Gewalt zu wahren. 1850 wurde der Krieg gegen sie beschlossen, der zu Gunsten der Mormonen ausfiel. Eine Anzahl Gefangene, die letztere gemacht, wurde niedergemetzelt, als dieselben sich weigerten, die Waffen niederzulegen. Im nächsten Jahr hielt man einen nochmaligen Kriegszug gegen die Utah's für nöthig, der wieder zu Gunsten der Mormonen ausfiel. Die jetzt gemachten Gefangenen, meist Weiber und Kinder, ließen sich die gute Aufnahme zuerst wohlgefallen; als aber Versuch gemacht wurde, sie förmlich zu civilisiren, flohen sie ins Gebirg zurück.

Nach dem Buche Mormon sind die Indianer Nachkommen der Lamaniten, und ein zwar vom wahren Gott abgefallenes, entartetes, aber der Barmherzigkeit noch keineswegs ganz entrücktes Volk. Durch die „Heiligen der letzten Tage" einst bekehrt, werden sie wieder in ihr Erbe eingesetzt, ja in eine Nation von schönem Aeußeren und weißer Hautfarbe verwandelt werden. Bis jetzt scheint alles Predigen unter den Indianern nur einen Bruder eines Häuptlings, einen berüchtigten Pferdedieb, zur Mormonentaufe gebracht zu haben.

Die jetzige Hauptstadt der Mormonen, das neue Jerusalem, am Salzsee und dem „See Tiberias," sowie in der Nähe des „Jordan des Westens" gelegen, zählte im letzten Frühjahr ungefähr 12,000 Einwohner, nimmt einen Flächenraum von 4 Quadratmeilen ein, und ist mit ähnlichen Gebäuden versehen, als sie in Nauvoo besaßen. Auf der Universität, die besonders stark das Sprachstudium treibt, wird auch deutsch gelehrt, da man ohne Zweifel hofft, die Zeit werde aufhören, wo man in Deutschland, wie bis jetzt geschehen ist, von Obrigkeit wegen ihren Sendlingen das Predigen verwehrt. In der Mitte der Stadt ist ein gewaltiger Platz freigelassen, auf den man aus dem rothen Sandstein der Berge am Red Butte einen Tempel zu erbauen gedenkt, „größer und schöner, als die Welt einen gesehen, und nur dem an Glanz und Ausdehnung nachstehend, welchen die Kirche einst errichten wird, wenn Gott sein Volk nach Missouri heimführt, wo nach Josephs des Sehers Weissagung bei Independence, Jackson Co., das wahre Zion des tausendjährigen Reiches sich erheben soll." — Von dieser Muttercolonie haben sich in den letzten Jahren vier andere abgezweigt, und Städtchen, die rasch zunehmen, haben sich auf einer Linie von 200 Meilen Ausdehnung von Bor Elder Creek im Norden bis nach dem kleinen Salzsee im Süden, und von dort bis San Diego erhoben. Wo die Sinora Nevada sich wendet, ist ein Rancho gekauft, und in eine Station verwandelt worden, der bald mehrere folgen sollen, bis eine Kette von Posten bis an die Küste des stillen Meeres hergestellt ist, um so den Verkehr mit den „Gemeinden" auf den Sandwichsinseln zu erleichtern.

(Fortsetzung folgt.)

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von

Dr. Martin Luthers, des Mannes Gottes,

Leben und Thaten

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Mit dem Drucke dieses Büchleins wird jetzt begonnen. Dasselbe sollte eigentlich schon in diesem Monate erscheinen, allein mehrfache Umstände traten hindernd und hemmend ein. Doch wird nun die Herausgabe dieser Schrift mit allem Eifer betrieben, und wenn der Herr auch ferner seinen Segen dazu giebt, wird sie bis zum 25. September, dem Jubelfeste des Augsburger Religionsfriedens, in aller Händen sein. Demnach dürfte sich dieses Werkchen wohl zu einem Festgeschenke eignen. Denn an jenem Feste dankt die ev. lutherische Kirche dem HErrn, daß er sie so herrlich und wunderbar von der Tyrannei des Papstes und aller ihrer Bedränger erlöst und ihr das köstliche Kleinod völliger Religionsfreiheit geschenkt hat. Was ist natürlicher, als daß wir dann auch an den Mann Gottes gedenken, durch welchen den Völkern und auch uns das selige Licht des Evangeliums wieder aufgegangen ist? Es versteht sich von selbst, daß wir dann Gott loben und preisen auch für das Heil, die reine Lehre, die herrliche Freiheit, den so seligen Gnadentrost und für all' die unaussprechlichen Wohlthaten, welche Gott uns durch das glorreiche Werk der Reformation hat zu Theil werden lassen.

Nimmermehr können wir also des Mannes vergessen, welchen Gott zu seinem Werkzeuge erwählt hat, um uns aus dem babylonischen Gefängnisse des Papstthums heraus zu führen, und uns wieder in den Besitz der Heilsgüter zu setzen, die uns Christus erworben hat. Ach, wie schrecklich wäre unser Loos, wenn wir noch unter dem Joche des römischen Antichristen seufzen müßten! Niemand kann ja in der papistischen Lehre Frieden finden. Denn wenn einer auch alles thut, was ihm die römischen Priester zur Tilgung seiner Sünden empfehlen, wenn einer auch alle Heiligen anbetet, alles versucht mit Messen, Ohrenbeichten, Wallfahrten, Fasten, Ablaß und

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to rest for a longer or shorter time, out of which later, under their diligent hands, little towns arose, built of wooden houses. Their artisans and farmers always at once resumed their occupations. Nevertheless they had much to suffer on this march, and especially in the summer of 1846. Many succumbed to the want of provisions and to the sunstroke on the bare steppe. Unhealthy regions also bred fever and scurvy. Even now, therefore, hundreds of graves mark the way they took. Yet they did not let their courage sink. They knew how to steel themselves in quite various ways. Every day several hours were devoted to general "edification." As soon as evening fell, all ordinary conversation was silent, spiritual (?) songs resounded, and then one heard the thousand-voiced murmur of their prayer. At the very least as great a comfort seemed to be afforded them by the little balls, in which the apostles and elders of the church also took part, and by a full band of music, obtained in England through one of their most eloquent preachers. This latter, arrived in good time for the dedication of the temple, now had to take the place of the bells also on Sundays, and with fiddles, flutes, trombones, horns and hautboys to call the multitude together. — The winter of '46 to '47 was still a very hard one for this migration. Before the beginning of spring, however, 143 chosen men, with 70 wagons, led by Brigham Young himself and by several members of the "high council," set out for the last time to journey toward their goal. They took agricultural implements and grain, but otherwise little baggage, and as regards their food relied exclusively upon their rifles, with which they also repulsed several attacks of roving Indians. At the time when the ordinary emigration to California now reaches the Missouri, they had already left behind them the South Pass, one of the three great gates in the Rocky Mountains, and although they still had an uncommonly difficult way to make through the mountains, they arrived nevertheless in good season, without having lost a man, in the region of the Utah Indians, where they settled permanently on the exceedingly fertile shores of the Great Salt Lake, in order to put in their land in time for the harvest of the next autumn, for which purpose the ground was first formally blessed. During the summer the main body of about 4000 with 566 wagons followed them. In the autumn a company of soldiers belonging to them, who had helped in the conquest of California, joined them. Soon afterward came fellow-believers from the natives of the Sandwich Islands.

In the spring and summer of '48, finally, almost all the Mormons still tarrying on the Missouri followed in numerous companies, so that in the next year they could already organize themselves into a Territory according to the laws of the United States. Since then immigration has gone on without interruption from the States, where now only a few Mormons are left, and from other parts of the world, especially from England, where in 1850 they counted about 40,000 members, as indeed their history since this settlement has otherwise been an almost unbroken chain of outwardly fortunate events. Even the California gold fever, which broke out among them and greatly threatened the young colony, had to bring advantage to the whole body under the direction of the "prophet," in that those who were granted leave for a time must give up the greater part of the gold they won for the purpose of making it possible for the poor in England and Wales to make the journey to the "new Jerusalem."

With the neighboring Indians the "the Saints of the last days" now get along better than in the beginning. Their first settlement took place on the "war-grounds" of various tribes, that is, on neutral ground belonging to no one in particular. But when they spread farther to the north and south, the Indians believed their rights of property to be infringed, and especially the Utahs sought to preserve these by force. In 1850 war was resolved upon against them, which turned out to the advantage of the Mormons. A number of prisoners which the latter had taken was massacred when they refused to lay down their arms. In the next year another campaign against the Utahs was held to be necessary, which again turned out to the advantage of the Mormons. The prisoners now taken, mostly women and children, were at first well content with the good reception; but when an attempt was made to civilize them formally, they fled back to the mountains.

According to the Book of Mormon the Indians are descendants of the Lamanites, and a people indeed fallen away from the true God and degenerate, but by no means wholly removed from mercy. Once converted by the "Saints of the last days," they will be restored again to their inheritance, yes, transformed into a nation of beautiful appearance and white skin. Thus far all preaching among the Indians seems to have brought to Mormon baptism only a brother of a chief, a notorious horse-thief.

The present capital of the Mormons, the new Jerusalem, situated on the Salt Lake and the "Sea of Tiberias," and near the "Jordan of the West," numbered last spring about 12,000 inhabitants, occupies an area of 4 square miles, and is provided with buildings like those they possessed in Nauvoo. At the university, which pursues the study of languages with particular vigor, German also is taught, since they doubtless hope that the time will cease when in Germany, as has happened until now, their emissaries are forbidden by the authorities to preach. In the middle of the city a vast square is left free, upon which they purpose to build, of the red sandstone of the mountains at Red Butte, a temple, "greater and fairer than the world has seen, and yielding in splendor and extent only to that which the church will one day erect, when God leads His people home to Missouri, where, according to the prophecy of Joseph the Seer, near Independence, Jackson Co., the true Zion of the thousand years' kingdom is to arise." — From this mother colony four others have branched off in recent years, and little towns, which are rapidly increasing, have arisen along a line of 200 miles' extent, from Bor Elder Creek in the north to the little Salt Lake in the south, and from there to San Diego. Where the Sinora Nevada turns, a ranch has been bought and changed into a station, which several more are soon to follow, until a chain of posts is established to the shore of the Pacific Ocean, in order thus to facilitate intercourse with the "congregations" on the Sandwich Islands.

(To be continued.)

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The printing of this little book is now being begun. It should really have appeared already this month, but several circumstances intervened to hinder and delay it. Yet the publication of this work is now being pushed with all zeal, and if the Lord grants His blessing to it further, it will be in everyone's hands by the 25th of September, the jubilee of the Peace of Augsburg. This little work might therefore well be suitable as a festival gift. For on that festival the Ev. Lutheran Church thanks the LORD that He has so gloriously and wonderfully delivered her from the tyranny of the Pope and of all her oppressors, and has granted her the precious jewel of full freedom of religion. What is more natural than that we should then also think of the man of God through whom the blessed light of the Gospel has risen again to the nations and to us also? It goes without saying that we shall then praise and magnify God also for the salvation, the pure doctrine, the glorious liberty, the so blessed comfort of grace, and for all the unspeakable benefits which God has let fall to our share through the glorious work of the Reformation.

Nevermore, then, can we forget the man whom God chose as His instrument to lead us out of the Babylonian captivity of popery, and to set us again in possession of the goods of salvation which Christ has won for us. Ah, how dreadful would be our lot if we still had to sigh under the yoke of the Roman Antichrist! No one can find peace in the papistic doctrine. For though one do all that the Roman priests recommend him for the blotting out of his sins, though one worship all the saints, try everything with masses, ear-confessions, pilgrimages, fasts, indulgences and