Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 25 › Seite 197

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-07-31, Seite 197

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Schlachthügel verbarg, wo er nach himmlischem Rathschlusse 1827 von Jos. Smith aufgefunden wurde.

Soweit das Lügengewebe über den Ursprung des Buches Mormon, das als solches auch alsbald überzeugend genug blosgelegt wurde, indem sich aufs unwidersprechlichste ergab, daß ein Helfershelfer Smiths, Sidney Rigdon, der damals in einer Druckerei arbeitete, sich das Manuscript eines Romans von Salomon Spalding in Ohio zugeeignet, worin letzterer die in Amerika weit verbreitete Meinung, die Indianer seien Nachkommen der verloren gegangenen zehn Stämme Israels, ausgesponnen hatte; und daß Rigdon in Gemeinschaft mit Smith dasselbe in ein Religionsbuch umgearbeitet, welchem dann alsbald die Aussprengung der Fabel von den aufgefundenen Platten folgte. Trotz dieser Entlarvung gelang es den Betrügern, sich vorerst einen kleinen Anhang zu verschaffen, indem Rigdon nach Ohio ging, hier im Städtchen Mentor als selbstgebackener Prediger eine Gemeinde um sich sammelte, der er zunächst das Erscheinen des tausendjährigen Reichs auf Erden (Chiliasmus) verkündete, und sie so zum Empfange Smiths und seiner neuen Lehre vorbereitete, daß letzterer, als er nun seinen Wohnsitz auch hierhin verlegte, mehrere Hunderte fand, die bereit waren, sich auf seine Gräuel taufen zu lassen. Der Mittelpunkt der „Kirche" wurde zunächst das Städchen Kirtland, O., welches jetzt den Namen Schinear erhielt. An Zeichen und ferneren Offenbarungen — des Teufels fehlte es natürlich auch nicht. Männer und Weiber weissagten, predigten und stöhnten um die Wette. Smith benutzte die Begeisterung: die meisten Männer wurden sogleich als Priester und Aelteste ausgesandt. Ihre Wirksamkeit blieb nicht ohne Erfolg: die Anhänger des falschen Propheten von Kirtland wuchsen von Hunderten zu Tausenden. Eine zweite Niederlassung bei Independence, Mo., wurde gegründet, die bald noch besser, als die erste gedieh und von der Smith weissagte, sie werde dereinst blühen, wie eine Rose in der Wüste. Indeß hatten sich zu den Mormonen, oder wie sie sich lieber selbst nennen „Latterday-Saints," das ist Heilige der letzten Tage, allerlei Pferdediebe, Falschmünzer ꝛc. gesellt. Zudem lehrte jetzt Smith, der Tag sei nicht fern, wo ihnen und den Indianern alles Land im Westen gehören solle, weil durch ihre Hand die Heiden, d. i. Nichtmormonen ausgetilgt werden müßten. Beides mißfiel ihren Nachbarn natürlich und man nöthigte die Mormonen, sich nach einem andern Bezirk zu wenden. Im Herbst 1839 erhob sich ein förmlicher kleiner Krieg gegen sie, zu welchem die Miliz des Staates aufgeboten wurde, in Folge dessen sie über den Mississippi nach Illinois abzogen. Die in Missouri gegen sie verübten Grausamkeiten, sowie ihre tüchtigen Arbeitskräfte bereiteten ihnen hier eine freundliche Aufnahme, und als ihnen jetzt aus allen Theilen der Welt, namentlich aus England große Massen neuer Anhänger zuströmten, entstand unter ihren Händen an einer vorher wüsten Stelle die schöne und große Stadt Nauvoo. Smith sowohl, als mehrere andere Führer entwickelten von nun an ein bedeutendes Ordnungsgeschick, in Folge dessen bald die Sumpfgegend entwässert und in reichtragende Mais- und Weizenfelder verwandelt, eine Menge tüchtiger Handwerker und Kaufleute herbeigezogen, eine Universität gegründet, eine wachsame Polizei und eine kleine, aber tüchtige Armee zur Vertheidigung gegen die noch immer drohenden Missourier errichtet, ein Rathhaus, eine Freimaurerhalle und ein großer Gasthof, zu dessen Wirth eine feierliche Offenbarung Mr. Smith, jr., bestimmte, erbaut wurde. Vor allem aber erregte der prachtvolle Tempel, den Smith vom Zehnten seiner Leute erbauen ließ, allgemeines Erstaunen. Es war dies ein 140 Fuß langes, 90 Fuß breites und 70 Fuß hohes Gebäude, welches ein Thurm von 170 Fuß überragte. Die Bauart war ein Gemisch griechischer, ägyptischer und florentinischer Kunst, mit eigenen Einfällen, die sich indessen in die Form göttlicher Befehle kleideten. Aus weißem, marmorähnlichen Kalkstein aufgeführt, kostete dieser Bau fast eine halbe Million Dollars.

So war denn binnen 14 Jahren das Mormonenthum zu einer bedeutenden Macht herangewachsen. Trotz, oder vielleicht auch mit in Folge vielfachen fleischlichen Kampfes gegen sie, hatte bis 1844 die neue „Kirche" etwa 100,000 Bekenner, die über die ganze Welt zerstreut waren, und unter denen sich zu unserem besonderen Schmerze auch viele frühere Lutheraner aus Holstein, Dänemark, Norwegen und vornemlich Schweden befinden; sie hatte zudem eine eigne Stadt gegründet, die innerhalb drei Jahren bereits 20,000 Einwohner zählte. Smith behauptete unter diesen ein beinahe unbeschränktes Ansehen, erwarb Reichthümer, wurde Bürgermeister von Nauvoo, General der 2000 Mann starken, aus den Zeughäusern des Staates bewaffneten Legion der Stadt, und hatte endlich sogar die Kühnheit, neben Clay und Calhoun als Anwerber um den Präsidentenstuhl der Vereinigten Staaten aufzutreten. Da aber rief der HErr diesem verruchten Bösewicht Sein: „Bis hierher und nicht weiter!" zu. Das Gedeihen der Sekte und ihr Hochmuth gegen die „Heiden" verdroß die Nachbarn. Zudem wollte schon damals verlauten, Smith und seine Apostel arbeiteten unter dem Vorwand eines göttlichen Befehls an Einführung der Vielweiberei, Frauen würden verführt und sonstige schändliche Ausschweifungen fänden unter ihnen statt. Eine Partei im Innern bestätigte diese Gerüchte, und eine Zeitung, der Expositor von Nauvoo, lieferte Beweise. Smith ließ die Presse dieses Blattes zerstören, wurde verklagt, und von der Miliz der benachbarten Counties mit Anwendung von Gewalt stark bedroht, als er sich weigerte, vor Gericht zu erscheinen. Um Blutvergießen zu verhüten, eilte der damalige Gouvernör von Illinois auf den Platz. Auf sein Versprechen, sie vor Gewaltthaten zu schützen übergaben sich ihm Smith, dessen Bruder Hyram, und die Apostel Richards und Taylor. Die Legion aber legte die Waffen nieder. Dies alles erreichte aber nicht den beabsichtigten Zweck: der Haß der Gegner wurde nicht gedämpft. Auf dem Wege nach dem County-Gefängniß in Cartage drang in Abwesenheit des Gouvernörs ein Haufe Vermummter in das Haus, worin die Gefangenen bewahrt wurden, überwältigte die Wache und erschoß Smith und seinen Bruder meuchelmörderisch.

Der Stifter des neuen amerikanischen Muhamedanismus war also nicht mehr. So wenig aber Muhameds Reich mit seinem Tode fiel, so wenig hatte mit Smiths Tode der Mormonismus sein Ende, oder auch nur den Wendepunkt seiner Macht gefunden. Rache nehmen für die Ermordung Smiths, würde geheißen haben, den Faden zu durchschneiden, an welchem das Schwert über den eignen Häuptern der Mormonen hing. Das wurde von ihren Führern wohl erkannt, die sie deshalb dringend zur Mäßigung und Ruhe ermahnten. An Smiths Stelle wurde aus der Zahl der zwölf Apostel Brigham Young zum Oberhaupte erwählt und so wurde denn unter diesem, seinen Vorgänger an Schlauheit und Ausdauer wohl noch übertreffenden Leiter der Tempelbau ꝛc. fortgeführt. Doch war die Erbitterung auf beiden Seiten so groß, daß sie im Herbst 1845 aufs neue in offene Feindseligkeit ausbrach. Die Leiter der Secte kamen jetzt zu der Ueberzeugung, daß in Illinois für sie und die Ihren keines Bleibens mehr sei, und nach allgemeiner Berathung gaben sie ihren Bedrängern das Versprechen, im Laufe des nächsten Jahrs über die Westgränze der Union auswandern zu wollen. Im Februar 1846 machte sich denn auch wirklich vorerst eine Kundschafterschaar als Vortrab auf, und nachdem dieser unter großen Beschwerden auf den einsamen Prarien Jowa's den obern Missouri erreicht und dort eine vorläufige Zeltstadt aufgeschlagen hatte, folgten einige Monate später in unabsehbaren Zügen von Wagen, Karren, Reitern und Fußgängern, die den besten Theil ihrer beweglichen Habe mit sich führten, die meisten übrigen Bewohner Nauvoo's nachdem sie zuvor ihren Tempel vollendet, und darin mit großer Pracht, unter Pauken- und Posaunenschall ihren Abschiedsgottesdienst gehalten. Nur wenige Tausende, denen es noch nicht gelungen, ihre liegenden Güter zu verkaufen, blieben einstweilen, um baldmöglichst zu folgen. Die Gegner sahen aber die Tempelweihe als einen Beweis an, daß diese Zurückbleibenden die Stadt zu behaupten gedächten und stellten deshalb im September einen Sturm auf Nauvoo an. Die Mormonen vertheidigten sich unter ihrem General Wells auf das Unerschrockenste gegen die mit Kanonen bewaffneten Angreifer, mußten aber doch endlich in einen Vertrag willigen, der sie zu sofortigem Abzug zwang, worauf die Stadt von den Siegern in Besitz genommen wurde. Seitdem liegt Nauvoo halbwüste. Die französischen Communisten unter Cabet, die sich 1849 hier ansiedelten, haben den alten Glanz nicht wieder herstellen können. Der Tempel insonderheit ist jetzt ein Trümmerhaufen, da er 1848 muthwillig in Brand gesteckt, bis auf die Mauern abbrannte, und diese bald darauf durch einen wüthenden Sturm vollends zerstört sind. Der goldene Engel aber, der, eine Posaune in der Hand die Thurmspitze des Tempels schmückte, befindet sich zur Zeit in Barnums Museum zu New-York.

Mittlerweile zogen die ausgewanderten Mormonen immer weiter nach Westen. An manchen Orten ihrer Reiseroute schlugen sie ihre Zeltlager

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battle-mound, where, according to a heavenly decree, it was found in 1827 by Jos. Smith.

So much for the web of lies concerning the origin of the Book of Mormon, which as such was soon exposed convincingly enough, since it was shown most irrefutably that an accomplice of Smith's, Sidney Rigdon, who at that time was working in a printing-office, had appropriated the manuscript of a romance by Solomon Spalding in Ohio, in which the latter had spun out the opinion widely held in America, that the Indians were descendants of the lost ten tribes of Israel; and that Rigdon, in company with Smith, had reworked it into a book of religion, upon which there soon followed the spreading abroad of the fable of the discovered plates. In spite of this exposure the impostors succeeded in gaining for themselves at first a small following, in that Rigdon went to Ohio, and in the little town of Mentor, as a self-made preacher, gathered a congregation about him, to whom he first proclaimed the appearing of the thousand years' kingdom on earth (Chiliasm), and so prepared them for the reception of Smith and his new doctrine, that the latter, when he now moved his residence hither also, found several hundreds who were ready to be baptized upon his abominations. The center of the "church" became at first the little town of Kirtland, O., which now received the name Shinar. Signs and further revelations — of the devil's making — were naturally not lacking either. Men and women prophesied, preached and groaned in competition. Smith made use of the enthusiasm: most of the men were at once sent out as priests and elders. Their labors did not remain without success: the adherents of the false prophet of Kirtland grew from hundreds to thousands. A second settlement was founded near Independence, Mo., which soon throve even better than the first, and of which Smith prophesied that it would one day blossom like a rose in the desert. Meanwhile there had joined themselves to the Mormons, or, as they prefer to call themselves, "Latter-day Saints," that is, Saints of the last days, all sorts of horse-thieves, counterfeiters, etc. Besides, Smith now taught that the day was not far off when all the land in the West should belong to them and the Indians, because by their hand the heathen, that is, non-Mormons, must be exterminated. Both of these naturally displeased their neighbors, and the Mormons were compelled to turn to another district. In the autumn of 1839 a regular little war was raised against them, for which the militia of the State was called out, in consequence of which they withdrew across the Mississippi into Illinois. The cruelties committed against them in Missouri, as well as their capable laborers, procured for them a friendly reception here, and when great masses of new adherents now streamed in to them from all parts of the world, particularly from England, there arose under their hands, on a place formerly waste, the fair and great city of Nauvoo. Smith, as well as several other leaders, developed from now on a considerable talent for order, in consequence of which the swampy region was soon drained and turned into richly bearing fields of corn and wheat, a number of capable artisans and merchants were drawn thither, a university was founded, a watchful police and a small but efficient army were set up for defense against the still threatening Missourians, and a town-hall, a Freemasons' hall and a large inn were built, to be the host of which a solemn revelation designated Mr. Smith, jr. Above all, however, the splendid temple, which Smith had built from the tithes of his people, aroused general astonishment. It was a building 140 feet long, 90 feet wide and 70 feet high, which a tower of 170 feet overtopped. Its style was a mixture of Greek, Egyptian and Florentine art, with original fancies which, however, clothed themselves in the form of divine commands. Built of white, marble-like limestone, this structure cost almost half a million dollars.

Thus within 14 years Mormonism had grown into a considerable power. In spite of, or perhaps also partly in consequence of, the manifold carnal warfare against them, the new "church" had by 1844 about 100,000 adherents, who were scattered over the whole world, and among whom, to our particular grief, there are also many former Lutherans from Holstein, Denmark, Norway and chiefly Sweden; it had moreover founded a city of its own, which within three years already counted 20,000 inhabitants. Smith maintained among these an almost unlimited authority, acquired riches, became mayor of Nauvoo, general of the city's Legion, 2000 men strong, armed from the arsenals of the State, and at last even had the boldness to come forward, beside Clay and Calhoun, as a candidate for the presidential chair of the United States. But then the LORD cried to this accursed villain His: "Hitherto shalt thou come, but no further!" The prospering of the sect and their arrogance toward the "heathen" vexed the neighbors. Besides, it was already being rumored then that Smith and his apostles were working, under the pretext of a divine command, at the introduction of polygamy, that women were being seduced, and that other shameful excesses were taking place among them. A party within confirmed these rumors, and a newspaper, the Expositor of Nauvoo, furnished proofs. Smith had the press of this paper destroyed, was prosecuted, and was sharply threatened with the use of force by the militia of the neighboring counties when he refused to appear before the court. To prevent bloodshed, the then governor of Illinois hastened to the place. Upon his promise to protect them from acts of violence, Smith, his brother Hyram, and the apostles Richards and Taylor gave themselves up to him. The Legion, however, laid down its arms. But all this did not attain the intended end: the hatred of the opponents was not quenched. On the way to the county jail at Cartage, in the absence of the governor, a crowd of masked men forced their way into the house in which the prisoners were kept, overpowered the guard, and shot Smith and his brother in murderous ambush.

The founder of the new American Mohammedanism was therefore no more. But as little as Mohammed's kingdom fell with his death, so little did Mormonism find its end, or even the turning-point of its power, with Smith's death. To take vengeance for Smith's murder would have meant to cut the thread by which the sword hung over the Mormons' own heads. This was well recognized by their leaders, who therefore urgently exhorted them to moderation and quiet. In Smith's place Brigham Young was chosen from the number of the twelve apostles as head, and so under this leader, who probably surpasses his predecessor in cunning and perseverance, the building of the temple, etc., was carried on. Yet the bitterness on both sides was so great that in the autumn of 1845 it broke out anew into open hostility. The leaders of the sect now came to the conviction that in Illinois there was no remaining any longer for them and theirs, and after general deliberation they gave their oppressors the promise that in the course of the next year they would emigrate beyond the western boundary of the Union. In February 1846 a company of scouts accordingly did actually set out first as an advance guard, and after this, under great hardships on the lonely prairies of Iowa, had reached the upper Missouri and had pitched a temporary tent-city there, there followed a few months later, in endless processions of wagons, carts, horsemen and footmen, who carried the best part of their movable goods with them, most of the remaining inhabitants of Nauvoo, after they had first completed their temple and held in it, with great splendor, amid the sound of kettle-drums and trombones, their farewell service. Only a few thousands, who had not yet succeeded in selling their real estate, remained for the time, in order to follow as soon as possible. The opponents, however, regarded the dedication of the temple as a proof that these who remained behind intended to hold the city, and therefore in September made an assault on Nauvoo. The Mormons defended themselves most fearlessly under their General Wells against the assailants armed with cannon, but had at last to consent to a treaty which compelled them to immediate departure, whereupon the city was taken possession of by the victors. Since then Nauvoo lies half desolate. The French Communists under Cabet, who settled here in 1849, have not been able to restore its former splendor. The temple especially is now a heap of ruins, since in 1848 it was wantonly set on fire and burned down to the walls, and these soon afterwards were completely destroyed by a raging storm. The golden angel, however, which, a trumpet in his hand, adorned the spire of the temple, is at present in Barnum's Museum in New-York.

Meanwhile the emigrated Mormons moved ever farther westward. At many places on their line of march they pitched their tents