Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 25 › Seite 195
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-07-31, Seite 195
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zu verbinden, a. im Leiblichen, äußerliche Sicherheit, mannigfaltiger Segen und Friede, b. im Geistlichen, Religionsfreiheit.“ Merkwürdig ist der Schluß der Predigt, in welchem der Festprediger seinen Zuhörern gewisse Zweifel, die sich ihm aufdrangen, entdeckt. Es heißt darin: „Der erste Zweifel ist: wird auch der Nachkömmling noch das reine Wort Gottes haben und im Lichte des Evangeliums wandeln? Oder werden Finsterniß und Dunkel der Irrthümer die Sonne der Wahrheit aus diesen Grenzen vertreiben? — Erschrecket ihr vor dieser seltsamen Zweifelsfrage, meine Freunde, und zürnet ihr fast auf den Urheber derselben: so muß ich zu meiner gerechten Vertheidigung sagen, daß ich hinlänglichen Grund dazu habe, und daß derselbe vielleicht in eurem eigenen Verhalten mit zu suchen ist. Ach! ihr sehet selbst, wie wenig man jetzt bei Hohen und Niedrigen mehr auf Religion und Glauben achtet, ja, wie man das beinahe für Thorheiten ausschreien will, was den Bekennern des Evangeliums Gut und Blut gekostet hat. Wie viele sind nicht heutzutage derer, welchen eine jede Religion gleichgültig ist, sie mag Gott oder den Satan, Mahomed oder den Pabst zum Urheber haben! wie wenig liegt den meisten daran, daß vor 200 Jahren ein Religionsfriede zur Unterstützung der nöthigen Gewissensfreiheit gestiftet worden, nachdem sie sich unselig beredet haben, daß man entweder ohne alle Religion oder in allen Religionen selig werden könne! Sagt, was fehlt einem solchen Menschen noch zum völligen Uebergang in das Reich des Antichrists? Nichts, in Wahrheit nichts außer eine kleine Hoffnung zeitlicher Vortheile an Ehre, Geld und Gut. Zeiget ihm nur dieselben von ferne, er wird sich weiter kein Bedenken machen, Religion und Glauben zu den Füßen Baals niederzulegen und mit den grimmigsten Feinden des Evangeliums eine ewige Gemeinschaft aufzurichten. Setzet man noch hinzu, daß überhaupt die Verachtung des Wortes Gottes und der heiligen Sacramente von Tage zu Tage mehr einreißet und die öffentlichen Gottesdienste entweder versäumet oder ohne Andacht abgewartet, auch sonsten die Sorge für die Seligkeit von den meisten außer Augen gesetzt wird, so läßt sichs allerdings noch fragen: Wird auch der Nachkömmling das Wort Gottes noch rein und lauter haben? Wird er noch im Lichte des Evangeliums wandeln? Wer die Drohungen Gottes wider diejenigen Städte und Länder weiß, wo man seines heiligen Worts nebst anderen Wohlthaten von Ihm nicht mehr achtet; wer sich erinnert, daß auf die verschmähete Langmuth Gottes eine desto strengere Gerechtigkeit folgen soll: dem muß für unsere Nachkommen bange werden. Denn an ihnen muß Gott die Missethat der Väter bis ins dritte und vierte Glied heimsuchen. Der erste evangelische Pfarrherr zu Gotha, Friedrich Myconius, hat in seiner kurzen Reformationsgeschichte die bedenklichen Worte geschrieben: „„Ach! ewiger Gott, wie hat es so viel Mühe, Hebens, Tragens, Reisens, Rathschlagens, Unkosten, Gut und unschuldiges Blut gekostet, ehe man Dein liebes Kind wiederum aus Egypten in unser gelobtes Land gebracht, das ist, Dein reines Wort, Sacrament und Dienst in der Kirche aufgerichtet hat! — und es werden es unsere Nachkommen so liederlich vergessen und verachten!““ Was für ein Geist der Weissagung muß den frommen Gottesgelehrten belebt haben? Welche heimliche Ahndung hat ihm wohl die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts schon damals so deutlich vorgebildet, daß seine Feder mit so vieler Dreistigkeit zu unserer Beschämung jetztgemeldete Klage hat niederschreiben können: Und es werden es die Nachkommen so liederlich vergessen und verachten!? Mir sind jedesmal bei Lesung dieser Worte die Thränen in die Augen gefallen. Jetzo aber demüthige ich mich vor dem Gott des Friedens im Namen JEsu Christi und bitte ihn flehentlich, er wolle doch alle Inwohner dieser Stadt und des ganzen Landes zu wahren evangelischen Christen machen, welche die himmlische Lehre JEsu mit Herz und Mund bekennen, und ihren Glauben durch einen gottseligen Wandel in der That beweisen mögen, damit sein Zorn nicht den gerechten Schluß fassen müsse, den Leuchter seines Wortes nicht von seiner Stätte zu stoßen. Der andere Zweifel ist: wird man aber auch nach 100 Jahren dergleichen Religionsfriedensfest wieder feiern können? Man siehet ja die Zahl der evangelischen Bekenner von Zeit zu Zeit abnehmen. Die Hohen der Erde, die Häupter der Länder verlassen einer nach dem anderen unsere Kirche, und bald dürfte es scheinen, als werde Gott bei den Schilden auf Erden nicht mehr erhöhet sein. So man aber das thut am grünen Holze, was will am dürren werden? Dieser Zweifel wird in der guten Absicht vorgebracht, um euch, die ihr den HErrn fürchtet und eure Seligkeit mit Furcht und Zittern schaffet, zum herzlichen Vertrauen auf Gott in Absicht auf die nöthige Religionserhaltung zu führen. Euer Heiland hat betheuert, es würden zwar Erde und Himmel, aber nicht sein Wort vergehen. Seine Apostel setzen hinzu, daß nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel gewaltige, nicht viel Edle dem Rufe Gottes und dem Lichte des Evangelii folgen würden. Es gewinne also unter den Hohen der Erde ein Demas nach dem andern die Welt lieb und verlasse JEsum Christum; es werde das sichtbare Gnadenreich des Heilandes vor menschlichen Augen noch so gering; es empöre sich die ganze Welt wider JEsum und seine Bekenner: dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind; denn Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie wohl bleiben; Gott hilft ihr frühe. Dennoch wird Gott einen Saamen haben, der ihm dienet, bis der Mond nimmer sein wird. Dennoch wird ein Jerusalem und Zion übrig bleiben, welches seinen Gott, als den Herrn der Wahrheit und des Friedens, mit Herz und Mund loben und preisen wird.“ — So weit der theure Löw. Möge sein Wort als ein edles Saamenkorn, das jetzt wieder auf unser Herzensland geworfen wird, darin aufgehen und Frucht bringen! —
Zu Regensburg stellte der dasige Pastor A. W. Grimm auf Grund von Jer. 33, 9. vor: „den theuren Religionsfrieden als eine höchst preiswürdige Wohlthat Gottes, 1. was für eine große und vielfältige Wohlthat uns durch den Religionsfrieden wiederfahren sei, und 2. wie wir diese Wohlthat nicht als ein Werk der Menschen, sondern als Gottes erkennen und preisen sollen.“ *)
*) Wir können uns nicht genug wundern, daß Herr Past. Dr. Petri in seinem Zeitblatt vom 31. März dieses Jahres unter Anderem dieses als Grund angibt, warum er gegen die Feier des Religionsfriedensfestes ist: „Die Kirche kommt in Gefahr über Thaten zu jubiliren, welche sie nicht gethan hat.“ Wir meinen, Gefahr sei gerade nur dann, wenn die Kirche über Thaten jubilirt, die sie gethan zu haben vermeint. Sind nicht alle Feste der Kirche Feste des Jubels über Gottes Thaten?
Zu Frankfurt am Mayn trug der dasige berühmte gottselige Senior Ministerii Dr. J. Philipp Fresenius über Psalm 147, 12—15. Folgendes vor: „Das Lobopfer, welches die Gläubigen ihrem Gott bringen für den Religionsfrieden; 1. wer lobet Gott dafür? 2. wen loben sie? 3. wie loben sie? und 4. warum loben sie?“ Im Eingang sagt Fresenius: „Der Religionsfriede, welcher vor 200 Jahren gestiftet worden ist und dessen Gedächtniß wir an dem heutigen Tage feierlich begehen, ist von sehr großer Wichtigkeit. Dieser Friede ist 1. wichtig, wenn wir uns erinnern an die vorhergehenden Dinge. Es ging vorher die Reformation der Kirche .. Es ging vorher ein sehr gefährlicher Krieg, welcher von Anfang den Evangelischen den Untergang drohte .. Es gingen vorher manche Verfolgungen um des Evangelii willen .. Es ist der Friede 2. sehr wichtig, wenn wir ihn selbst betrachten. Er entstand in der größten Eilfertigkeit, wenn man seinen ersten Grund erwägt, der in dem Passauischen Vertrag gelegt worden. Wie die Ruthe Aarons in einer Nacht grünte, blühte und Früchte trug, so dieser Friede. Er entstand wider aller Menschen Vermuthen. Niemand konnte sichs einbilden, daß die erbitterten Gemüther so bald würden besänftigt werden. Allein, ehe man sichs versah, so war der Friede da, zu einem deutlichen Merkmal, daß er von der Hand des Allmächtigen geschenkt worden. Er entstand mit beiderseitiger Einwilligung der streitenden Theile. Die herzlenkende Kraft Gottes lenkte es, daß endlich ein Theil den Frieden so stark suchte und ebenso willig beförderte, als der andere. Sonderlich ist aber dieser Friede merkwürdig, weil er zu einem dauernden Reichsgrundgesetz gemacht worden ist, vermöge dessen unsere Religion nicht nur geduldet ist, sondern gleiche Rechte und Freiheiten hat. Sie ist nicht nur rechtmäßig in Ansehung der göttlichen Gebote, nach welchen auch in den größten Verfolgungen die wahre Religion rechtmäßig bleibt; sondern auch in Ansehung der Reichsgesetze. Endlich ist dieser Friede 3. sehr wichtig in Ansehung seiner herrlichen Folgen. Es folgte darauf eine äußerliche Ruhe .. Es folgte darauf die Gewissensfreiheit. Wir dürfen nun Gott frei, öffentlich dienen und unsern Glauben bekennen, sowohl schriftlich als mündlich. Mußten vorher die Bekenner des Evangelii größtentheils im Verborgenen Gott dienen, so wurde ihr
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to unite, a. in bodily things, outward security, manifold blessing and peace, b. in spiritual things, freedom of religion." Remarkable is the conclusion of the sermon, in which the festival preacher discloses to his hearers certain doubts which pressed themselves upon him. It says therein: "The first doubt is: will also the posterity still have the pure Word of God and walk in the light of the Gospel? Or will darkness and gloom of errors drive the sun of truth out of these borders? — If you are startled at this strange question of doubt, my friends, and are almost angry at the author of it: then I must say in my just defense that I have sufficient ground for it, and that the same is perhaps to be sought also in your own conduct. Ah! you see for yourselves how little people now, among high and low, any more heed religion and faith, yea, how they almost want to cry down as follies what has cost the confessors of the Gospel goods and blood. How many there are nowadays to whom every religion is a matter of indifference, whether it have God or Satan, Mohammed or the Pope for its author! how little it concerns most of them that 200 years ago a religious peace was established for the support of the needful freedom of conscience, since they have unhappily persuaded themselves that one can be saved either without any religion or in all religions! Tell me, what is still lacking in such a man for the complete passage into the kingdom of Antichrist? Nothing, in truth nothing, except a small hope of temporal advantages in honor, money and goods. Show him these only from afar, and he will make no further scruple to lay down religion and faith at the feet of Baal and to set up an eternal fellowship with the grimmest enemies of the Gospel. If one adds further that in general the contempt of the Word of God and of the holy Sacraments increases from day to day, and the public services of God are either neglected or attended without devotion, and also otherwise the care for salvation is set out of sight by most, then it may indeed still be asked: Will also the posterity have the Word of God still pure and unadulterated? Will it still walk in the light of the Gospel? He who knows the threatenings of God against those cities and lands where His holy Word, together with other benefits from Him, is no longer regarded; who remembers that upon the despised long-suffering of God a so much the sterner justice shall follow: he must become anxious for our posterity. For upon them God must visit the iniquity of the fathers unto the third and fourth generation. The first evangelical pastor at Gotha, Frederick Myconius, in his short history of the Reformation wrote the weighty words: "Ah! eternal God, how much toil, lifting, bearing, journeying, counsel-taking, expense, goods and innocent blood it has cost before Thy dear child was brought again out of Egypt into our promised land, that is, before Thy pure Word, Sacrament and service was set up in the Church! — and our posterity shall so lightly forget and despise it!" What a spirit of prophecy must have animated the pious divine! What secret presentiment must have so clearly pictured to him the middle of the eighteenth century even then, that his pen with so great boldness, to our shame, could write down the lament just mentioned: And the posterity shall so lightly forget and despise it!? Every time at the reading of these words the tears have fallen into my eyes. But now I humble myself before the God of peace in the name of JESUS Christ and beseech Him imploringly that He would make all the inhabitants of this city and of the whole land into true evangelical Christians, who confess the heavenly doctrine of JESUS with heart and mouth, and may prove their faith by a godly walk in deed, so that His wrath may not have to draw the just conclusion not to remove the candlestick of His Word out of its place. The other doubt is: will one, however, also after 100 years be able again to celebrate such a festival of the religious peace? One sees indeed the number of evangelical confessors decrease from time to time. The great ones of the earth, the heads of the lands, forsake our Church one after the other, and soon it might seem as if God were no more exalted among the shields of the earth. But if this is done in the green tree, what shall be done in the dry? This doubt is brought forward with the good intention of leading you, who fear the LORD and work out your salvation with fear and trembling, to a hearty trust in God with regard to the needful preservation of religion. Your Savior has affirmed that heaven and earth would indeed pass away, but not His Word. His Apostles add that not many wise men after the flesh, not many mighty, not many noble would follow the call of God and the light of the Gospel. Let, then, among the great ones of the earth one Demas after another love the world and forsake JESUS Christ; let the visible kingdom of grace of the Savior become ever so small before human eyes; let the whole world rise up against JESUS and His confessors: nevertheless the city of God shall remain right merry with her little wells, where the holy habitations of the Most High are; for God is in the midst of her, therefore she shall remain; God helps her early. Nevertheless God will have a seed that serves Him, till the moon be no more. Nevertheless a Jerusalem and Zion shall remain, which shall praise and extol its God, as the Lord of truth and of peace, with heart and mouth." — So far the dear Löw. May his word, as a noble seed-corn that is now cast again upon the soil of our hearts, spring up therein and bring forth fruit! —
At Regensburg the pastor there, A. W. Grimm, set forth on the basis of Jer. 33, 9.: "the precious religious peace as a most praiseworthy benefit of God, 1. what a great and manifold benefit has befallen us through the religious peace, and 2. how we should recognize and praise this benefit not as a work of men but as God's." *)
*) We cannot wonder enough that Mr. Past. Dr. Petri in his Zeitblatt of the 31st of March of this year gives, among other things, this as the reason why he is against the celebration of the festival of the religious peace: "The Church comes into danger of rejoicing over deeds which she has not done." We think there is danger precisely only then when the Church rejoices over deeds which she imagines she has done. Are not all festivals of the Church festivals of rejoicing over God's deeds?
At Frankfurt on the Main the renowned, godly Senior of the Ministerium there, Dr. J. Philipp Fresenius, delivered the following on Psalm 147, 12—15.: "The Sacrifice of Praise which the Believers Bring to Their God for the Religious Peace; 1. who praises God for it? 2. whom do they praise? 3. how do they praise? and 4. why do they praise?" In the introduction Fresenius says: "The religious peace, which was established 200 years ago and whose memorial we celebrate solemnly on this present day, is of very great importance. This peace is 1. important when we remember the things that went before. The Reformation of the Church went before .. A very dangerous war went before, which from the beginning threatened destruction to the Evangelicals .. Many persecutions went before for the Gospel's sake .. The peace is 2. very important when we consider it itself. It arose in the greatest haste, if one considers its first ground, which was laid in the Treaty of Passau. As the rod of Aaron in one night budded, blossomed and bore fruit, so this peace. It arose contrary to all men's expectation. No one could imagine that the embittered minds would so soon be appeased. But before one knew it the peace was there, as a plain token that it was granted by the hand of the Almighty. It arose with the mutual consent of the contending parties. The heart-turning power of God so ordered it that at last one party sought the peace as strongly and promoted it as willingly as the other. Especially, however, this peace is remarkable because it has been made a lasting fundamental law of the Empire, by virtue of which our religion is not only tolerated but has equal rights and liberties. It is not only lawful with regard to the divine commandments, according to which even in the greatest persecutions the true religion remains lawful; but also with regard to the laws of the Empire. Finally this peace is 3. very important with regard to its glorious consequences. There followed upon it an outward quiet .. There followed upon it freedom of conscience. We may now serve God freely, publicly, and confess our faith, both in writing and orally. If the confessors of the Gospel before had for the most part to serve God in secret, then their