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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. August 1855, Seite 1

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang

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Herausgegeben von der Deutsehen Ev. Luther. Synode von
geg

„Gottes Mort und Xuthers & ehr berg

——

Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.

——

ehet nun und nimmermehr.“

Missouri, Ohio und andern Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrg. 12.

St. Louis, Mo., den 28. August.1855.

No. 1.

„Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jähr⸗
lichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Underschreiber, welche den⸗
selben vorausbezahlen und das Pöstgeld zu tragen haben. — In St. Lonis wird jede einzelne

Nummer für 5 Cents verkauft.

anher zu senden.

Nur dic Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur,
alle andern aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten,
unter der Addresse: Mr. P. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.,

—

Vorwort des Redakteurs
zum zwölften Jahrgang des „Lutheraner.“

Haben wir je bei dem Beginn eines neuen Jahr⸗
gangs des lieben „Lutheraner“ Ursache gehabt
Gott frendig zu loben und zu preisen, so ist es
gewiß dießmal der Fall, da wir nun die erste
Nummer des zwölften Jahrgangs ausgehen lassen.
Gott hat Großes an uns gethan; deß sind wir
fröhlich! Längere Zeit haben diejenigen, in de⸗
ren Namen der „Lutheraner“ ausgeht, den schwe⸗
ren Verdacht auf sich werfen lassen müssen, als
verfolgten sie eine neue besondere „Richtung“, die
man am liebsten, um uns zu einer Sekte zu stem-
peln, die „Missourische“ genannt hat. Aber siehe!
Gott, der es wohl wußte, daß wir nichts Eigenes
und Neues aufrichten, sondern nur das Alte,
Bewährte festhalten wollen, hat es gnädiglich so
gefügt, daß es immer klarer und offenbarer ge—
worden ist vor aller Welt: wir wollen nichts,
als treu bei dem Glauben, bei der Lehre und bei
dem Bekenntniß unserer theuren evangelisch-lu⸗

Lehr offenbar gemacht, unsere Gegner können,
oder wollen vielmehr, sich nicht mehr ohne Rück⸗
halt zu den Symbolen unserer Kirche bekennen;
sie sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß, wenn
die Symbole alles, was sie enthalten, richtig vor⸗

gestellt haben, sie, unsere Gegner, in nicht weuig
wichtigen Punkten irrig gewesen sind; sie fangen

daher an, manche schüchterner, manche freier und
muthiger, die Behauptung auszusprechen, die sym⸗
bolischen Bücher seien auch nicht ohne mancherlei
Fehler und Unklarheiten, sie bedürfen hie und da

einer Berichtigung, man müsse sie, wenn man sie
noch unterschreiben wolle und solle, nach der
Schrift erklären; das heißt aber dann eben nichts
anderes, als, man müsse ihnen aus der Schrift ei;
nen besseren und richtigeren Sinn geben und un⸗
terlegen, als sie haben sollen. Uns hingegen hat
Gott in die freilich hoch verantwortliche, aber für

einen Lutheraner, der es aus inniger Ueberzeu⸗

gung ist, über alles gün stige Stellung versetzt, daß
wir die Reinheit und vollkommene Uebereinstim⸗
mung unserer kirchlichen Bekenntnisse mit der hei⸗
ligen Schrift vertreten und dafür den nun inner⸗
halb unserer Kirche ausgebrochenen Kampf auf⸗
nehmen und auskämpfen müssen.

Eine hoffnungsvollere Stellung hätte uns und
unserem lieben „Lutheraner“ Gott nicht anweisen
können. Mit Freude und gestärkter Zuversicht
blicken wir in die Zuknuft.
serer Kirche, ihr theuerwerthes Bekenntniß vor.
antragend, treten wir in das neue Jahr unseres
Blättleins fröhlich hinein und rufen allen unsern

Gegnern mit Jesaias zu: „Rüstet euch und gebet
therischen Kirche verbleiben. Gott hat es mehr und

doch die Flucht; Lieber, rüstet euch, und gebet
doch die Flucht. Beschließet einen Rath, und
werde nichts darans. Beredet euch, und es be—
stehe nicht; denn hier ist Immanuel!“ Jes. 8,
9. 10. Ohne Zagen schließen wir uns dem
großen, in viel Tausend Gliedern bereits im
Himmel angekommenen, Zuge an, in welchem,
einen Martin Luther an der Spitze, einst ein Jo⸗
hannes Brenz, ein Martin Chemnitz, ein Jacob
Andreä, ein Johann und Paul Gerhard, ein
Johann Arndt, ein Heinrich Müller und tausend
und aber tausend andere trene Lehrer, zum Theil

—
—

Das Palladinm un⸗

Lehrer der ganzen Christenheit, gestanden ha⸗
ben, treu der Fahne des reinen Bekenntnisses un⸗
serer Kirche folgend.

Dieser unser Muth kommt nicht aus fleischli⸗
cher Sicherheit, nicht aus Vertrauen auf unsere
Klugheit, Wissenschaft oder Treue. Wir erken⸗
nen in tiefster Demuth, daß wir nichts sind,
nichts vermögen und aller erfahrenen göttlichen
Gnade und Wohlthaten durchaus unwürdig sind.
Aber wir wissen auch, daß es Gottes Weise ist,
damit Er allein alle Ehre habe, daß er bei der
Austheilung seiner Gnaden nicht auf Würdigkeit
sehe, daß man daher seine eigene Unwürdigkeit
sich nicht bewegen und verleiten lassen dürfe, die
Gaben zu verleugnen, deren der HErr in Seiner
freien Barmherzigkeit uns gewürdigt hat. Wenn
wir auf uns sehen, ergreift uns allerdings die
Sorge, daß wir alles mit einander verderben
werden; aber wir sehen von uns ab und sehen,
demüthig um Hülfe, Erleuchtung und Leitung
bittend, auf den, welcher „dem Müden Kraft
gibt, und Stärke genug dem Unvermögenden.“
Denn „die Kuaben werden müde und matt, und
die Jünglinge fallen. Aber die auf den HErrn
harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren
mit Flügeln, wie Adler, daß sie laufen und nicht
matt werden, daß sie wandeln und nicht müde
werden.“ Jes. 40, 29—31. Wir schen ab von
eigener Weisheit, weil wir keine habeu, und se⸗
hen auf die ewige Wahrheit Gottes, die nicht
weir erhalten wollen, sondern zu der wir uns be⸗
kennen, damit sie uns erhalte in dieser letzten
betrübten verführungsvollen Zeit; denn wir wis⸗
sen und glauben in von Gott gewirkter Ueber⸗

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