Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 7 › Seite 54

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. November 1858, Seite 54

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Beruf des Paſtors · Ehe

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ö

Und wie denn die Schwärmer darinnen den
Ungläubigen ganz gleich sind, daß beide das tiefe
Verderben der menschlichen Natur nicht erkennen,
so sind namentlich die Bischöflichen Methodisten
und die denselben ganz nahe verwandten, sie aber
an Schwärmerei noch übertreffende „Evangelische
Gemeinschaft“ noch weiter gegangen, und lehren,
daß man schon in diesem Leben vollkommen
heilig werden könne, (vergl. Katechismus der
Bischöflichen Methodisten Kirche Fr. 58 ff., fer⸗
ner „die Glaubenslehre und Kirchenzucht⸗Ord⸗
nung der Eo. Gemeinschaft 1857 p. 82 Lehre
von der christlichen Vollkommenheit“), nicht etwa
der Meinung, daß wir, wenn wir Christum im
Glauben ergriffen haben, um seiner uns erwor⸗
benen Heiligkeit willen vor Gott gerecht, rein und
ganz heilig sind und erklärt werden, denn das
wäre recht und schriftgemäß; sondern so, daß der
neue Mensch den alten Menschen vollständig und
in allen Stücken überwunden, ja vernichtet habe,
daß man Gott von ganzem Herzen, von ganzer
Seele, von ganzem Gemüthe und aus allen
Kräften lieben könne, und unsern Nächsten als
uns selbst, mit einem Wort, daß man gar nicht
mehr sündige.

Wir lehren der hl. Schrift gemäß, daß die
Schuld und Strafe aller Sünden, sowie
auch der Erbsünde durch Christi Verdienst hin.
weggenommen sei, so daß der gläubige Christ,
wiewohl die ihm anklebende böse Lust auch bei
ihm noch sündlich ist, dennoch, weil er im Glau-
ben steht, von der Strafe derselben frei sei, d. h.
darum nicht verdammt werde. Sie dagegen leh⸗
ren wider die hl. Schrift, daß auch die Sünde
selbst aufgehoben sei, so daß einem Gläubigen
der naturliche Hang zum Bösen gar nicht mehr
Sünde sei, noch als solche vor Gott angesehen
werde.

Weil sie denn so übel von der Gnade halten
und ihnen die Heiligungsgabe alles ist, darob sie
die rechtfertigende Gnade Gottes übersehen haben,
so können sie selbstverständlich auch nur falsch
und verworren von den Gnadenmitteln lehren.
Ihnen ist ein Gnadenmittel das, wofür und
wodurch man sich die Gnade Gottes erwirbt.
Sie wissen gar nichts von einem objectiven (was
seinen Grund und Bestand in sich selbst hat)
Gnadenmittel, sie wissen nur von einem subjecti⸗
ven (persönlichen) Thun und sich Anstrengen,
Gnade zu erlangen, daher ihre Redensarten und
Ermahnungen an andere: „mußt probiren besser
zu thun; mußt beten und anhalten bis du Gnade
erlangst.“ Was ihnen nur immer zu einem gu⸗
ten, Gott wohlgefälligen Leben verhilft, ihnen
den Weg zeigt, sie ermuntert und unterstützt, das
ist ihnen ein Gnadenmittel. In demselben Sinn
betrachten sie auch das Wort und die Sakra⸗

mente, als Hülfsmittel, denen sie noch viele an⸗

dere hinzufügen, um so die Gnade desto gewisser
zu überkommen, und ihnen die Gnade erwerben und
erwirken, im tiefsten Grunde sie rechtfertigen sollen
um des gethanen Werkes willen. So führen
denn die Bischöflichen Methodisten in ihrem Ka⸗

techismus und in ihren „allgemeinen Regeln für

Mitglieder“ folgende als Gnadenmittel auf: „die
Kirche, das Predigtamt, die Sakramente,
das WortGottes, denöffentlichen Gottes⸗

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dienst, die Verkündigung des Wortes Gottes,
es werde solches gelesen oder ausgelegt, das For-⸗
schen in der Schrift, das Beten mit der Fa⸗
milie im Verborgenen, das Singen im Geist
und in der Wahrheit, das Fasten oder Ent⸗
haltung, die Klaßversammlungen
und Liebesfeste.“

Und in dieser Weise könnten sie ohne Zweifel
noch viel mehr aufführen, wenn es ihnen beliebte;
denn sie schließen fälschlich mit den Papisten, daß
das, was Gott gefällt, anch nothwendig die Per⸗
son ihm wohlgefällig macht, die es thut, und daß
es also die Gnade Gottes auf dieselbe herabziehe.

Weil sie denn solche falsche Lehren führen und
somit Wort und Sakrament mit in die Reihe der
von ihnen zu Gnadenmitteln gemachten Dinge
herabsetzen, der Mensch aber nicht durch die Hei⸗
ligung zur Rechtfertigung gelangt, sondern um-
gekehrt, so ist es klar, daß sie sich selbst der rech⸗
ten Gnadenmittel und ihres Segens beraubt
haben, und trotz der vielen Namen doch kein ei⸗
gentliches besitzen. Weil sie aber also Wort und
Sakrament neben ihre menschlichen Fundlein
setzen, so sieht man daraus ja wohl, daß sie dem⸗
selben keine höhere Kraft zutrauen, als die son⸗—
stige menschliche Rede auch hat, nämlich die der
moralischen Ueberzeugung, und von den Sakra⸗
menten bekennen sie ja auch anderweitig klar
genug, daß sie dieselben blos für äußerliche sicht⸗
bare Zeichen einer innern Rstlichen Gnade hal⸗
ten (Katechismus Fr. 9). —

So ist es deun nur zu offenbar daß, indem sie
die Gnade, die Gott durch die von ihm verord—
neten Gnadenmittel gibt, nicht erkennen, noch
dieselben nach seinem Sinne und Willen gebrau—
chen, auch zugleich eine so hohe Meinung von
ihren Mitteln haben, daß ihnen die göttlichen zu
suchen und zu erkennen nicht beikommt, daß sie
hiernach gar kein Gnadenmittel haben und auf
diese Weise auch keine Gnade erlangen.
Gleich wie einem Gefangenen die Gnade des
Königs nichts hilft, die ihm den Kerker oͤffnet,
wenn er nicht aus der geöffneten Thüre, als dem
Mittel, wodurch der König ihm seine Gnade an⸗
gedeihen läßt, hervorgeht; sonden sich lieber selbst
einen Ausweg durch die undurchdringliche Mauer
machen will. —

———
8——————

Die sogenannte lutherische Geueralsynode.

Die „unirt-evangelische Synode in Nord-Ame-
rika“, ein Gemisch von s. g. Neugläubigen und
Rationalisten, hat schon seit Jahren darnach ge⸗
trachtet, von einer andern Synode unter ihre
Flügel genommen zu werden. Bis vor kurzem hatte
sich aber keine Synode gefunden, welche sich da⸗
zu verstehen wollte, sich mit ihr zu befassen.
Selbst der unirte „Kirchenverein des Westens“
hatte die so dringend angebotene Bundesgenossen⸗
schaft sich höflichst verbeten, was gewiß viel sagen
will. Diese verschmähte Liebe hat denn die ge⸗
nannte „unirt-ev. Synode in Nord- Amerika“
in wahre Desperation gesetzt und endlich zu dem
Entschluß gebracht, — sich der urth. General⸗-
synode“ in die Arme zu werfen. Der Chicagoer
Prediger Hartmann, der Präsident jener

unirten Synode, erzählt dies selbst in einem an
seine Synode gerichteten Bericht, den wir im
„Hausfreund“ von 15. Aug. dieses Jahres abge⸗
druckt finden. Da nun die betreffenden Stellen
einen tiefen Blick in den kläglichen Zustand thun
lassen, in welchem sich die s. g. Generalsynode
befindet, so theilen wir dieselben zur Warnung
aller redlichu unerfahrenen Lutheraner hierdurch
mit.“ In dem Bericht Herrn Hartmanns
beißt es nehmlich u. A. also:

„Mit den zwei sich unirt nennenden Synoden
dieses Laundes uns zu verbinden ist eine Unmög⸗
lichkeit für uns, es sei denn, daß wir unsere
eigene Existenz aufgeben und uns als Körper
anflösen wollen. Sind aber die sich so nenenden
unirten Synoden die einzigen Vertreter der Union
und der wahrhaft unirten Principien in Nord⸗
Amerika? Ich sage: Nein! Es eristirt eine
große blühende Synode in diesem Lande, deren
Leiter geborne Amerikaner und einer ächten, ge⸗
sunden Union von Herzen zugethau sind; ich
meine —die Generalsynode. Sie hat sich
auf ihrer letzten Conferenz in Pennsylvanien
offen für die Grundsätze obiger Union erklärt und
wer daran noch zweifelt, dem gebe ich zu beden⸗
ken, daß schon deßbalb die General-Synode kei⸗
nen exclusiv lutherischen Standpunkt einnehmen
kann, weil sie wie keine andere den Verketzerungen

und Gehässigkeiten der Missourier ausgesetzt ist.

Es ist nicht zu leuguen, daß in Ihr puritanische,
methodistische und sogar exclusiv lutherische Ele-
mente vorkommen, allein sie sind wie1 — 10.
Die Leiter und Vertreter sind unirt.
Der Präsident der Generalsynode Rev. Dr.
Harkey, Professor in Springfield, hat in sei⸗
nem Olive Branch, in einem eigenen langen
Leitartikel und öffentlich in der Synodal⸗
Conferenz in Cedarville die obigen Grundsätze der
Union ausgesprochen und erklärt, daß sie
von der Generalsynode anerkannt
und praktisch durchgeführt werden.
Nach Jahrelanger Bekanntschaft mit diesem
Herrn und mit einigen andern hervorragenden
Mitgliedern besagter Corporation, nach gänzlichem
Scheitern an einer Verbindung mit dem Verein
des Westens habe ich in meinem Berichte an die
westl. Distrikts⸗Conferenz den Vorschlag gemacht
einen Delegaten Wechsel mit der Generalsynode
einzuleiten. Nach reifer Ueberlegung hat die
Conferenz mich beauftragt mit dem Präsidenten
der Generalsynode in Unterhandlung zu treten
und hat mir zum Anhaltspunkte folgende Instruk⸗
tionen gegeben:

1.) Zu erforschen, welche ein Geist in diesem
Theile der Generalsynode herrscht. ö
2.) Mit dem Hrn. Dr. Harkey, dem Präses
der Generalsynode zu Rath zu gehen ob uns kein

Hinderniß im Wege stände, wenn unsere Syno⸗
de sich in corpore an die Generalsynode zum Au-
schluß melden würde.

3.) Ob wir bei einem allenfallsigen Anschluß
das unirte Gesangbuch, den unirten Ca⸗-
techismus u. s. w. beibehalten könnten und ob

*) Wir gestehen gern, daß uns erst der „luth. Herold“
auf jenen Bericht aufmerksam gemacht hat, da derselbe in der
Zeit unserer Abwesenheit erschienen war und wir ihn daher
bis Bato übersehen haiten.

— —2MHh —V2

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