Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 14 › Seite 106

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Februar 1859, Seite 106

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bann 9 · Ehe 8 · Erziehung 18 · Gemeindeſchule

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ZFb. —⁵

das ungöttliche Wesen und diekweltlichen Lüste
und züchtig, gerecht und gottselig zu leben in die⸗
ser Welt?

Fuͤrwahr, solche wahrhaft christlich gesinnte
Eltern möchten unter den kirchlichen Amerikanern
englischer, deutscher und anderer Zunge wohl
nur sehr wenige zu finden sein; und leider möch⸗
ten an diesem Mangel die Prediger durchschnitt-
lich große Schuld tragen, da sie sich meist be⸗
gnügen, den geistlichen, mitunter auch politischen
speechmaker zu machen, für das Wachsthum

ihrer Gemeinde menschlich zu werben, auf gut!
schwärmerisch Gebetsversammlungen ohne be⸗

stimmten Zweck zu halten, in politischen Parthei⸗

kämpfen auch eine Figur zu spielen, gelegentlich
ihre Partheihändel auf die Kanzel zu bringen, in
unberufener Vielgeschäftigkeit eine gute Zeit zu—
verderben und im besten Falle nur auf pietistisch⸗

gesetzliche Weise an den Seelen ihrer Gemeinde⸗
glieder zu handthieren.
der That, mehr oder minder geistliche Geschäfts⸗
leute zu sein, die, je nach ihrem besondern
Miethscontrakte mit ihrer Gemeinde, für jähr⸗
lich so und so viel, die und die kirchlichen Dienste
leisten. Und diesen fällt es nicht von Ferne ein,
daß sie an Jung und Alt Väͤter in Christo sein
sollen, um theils, nach Anleitung göttlichen

Wortes, die Eltern zu wahrhaft christlicher Er⸗
ziehung ihrer Kinder erst selbst in Gottes Wort

zu erziehen, theile die schulfähigen Kinder selber
entweder zu unterrichten, oder doch im Zusam⸗
menwirken mit den Eltern, für Errichtung und
Erhaltung christlicher Gemeindeschulen Sorge zu
tragen.

Bei dem so allgemein verbreiteten Mangel
solcher Prediger und Seelsorger, die auf die
Anbahnung und Gestaltung christlicher Lehre
und Zucht im Hause, Schule und Kirche unleug⸗
bar eine segensreiche und nachhaltige Einwirkung
üben würden, und bei dem Ueberfluß solcher
geistlicher speechmaker, die mit ihren eigenen
Kindern nach landesüblicher Unsitte und stracks
wider die Anweisung der heil. Schrift handeln, ist
es denn kein Wunder, wenn von dieser Seite

Die meisten scheinen in⸗

fürchten und lieben, und ihnen gehorchen, also
daß es z. B. einer achtzehnjährigen, also bür⸗
gerlich volljährigen Tochter, nicht einfallen wüͤr ⸗
de, eine heimliche Werbung eines jungen Ge⸗
sellen anzunehmen, sondern sie würde ihn damit
an ihre Eltern weisen, denen, nach göttlicher
Ordnung und natürlichen Rechten, wie es ja
auch bei den Heiden geschieht, das Recht und die
Macht zusteht, ihre Tochter auf geziemende
Weise zur Ehe auszugeben; und wiederum
würde ein junger lediger Mann, wenngleich auch
er das Alter der bürgerlichen Volljährigkeit er⸗
reicht hätte, keine junge Dirne freien, ohne den
Rath und die Einwilligung seiner Eltern einzu⸗
holen, und die Eltern beider Theile, eben als
christliche, würden hiebei alle gebührende Sorg-
falt anwenden, über die christliche Gesinnung,
berufliche Tüchtigkeit, zupassende Gemüthsart
und häusliche Tugenden des noch unbekannten
Theils bei christlichen und urtheilsfähigen Leu⸗
ten zuvor möglichst gründliche Erkundigungen
einzuziehen, ehe sie ibre Einwilligung gäben.

Wo aber findet diese christliche und löbliche
Sitte statt unter englischen und deutschen Ameri⸗—
kanern und unter den bereits amerikanisirten
Deutschen, und zwar auch unter solchen die in
einem kirchlichen Verbande stehen?

Fürwahr, sie möchte selten zu finden sein.
Statt dessen begegnet man fast überall der herr⸗
schenden Unsitte und dem Widerspruch gegen die
göttliche Ordnung in seinem Worte, daß die El⸗
terumit,
jährigkeit ihren Kindern völlige Freiheit lassen,
ehelich zu werden, mit wem sie wollen; und
wiederum diese versprechen sich unter einander,
ohne die Eltern auch nur um Rath zu fragen,

geschweige ihre Einwilligung zu begehren, wie sie

denn meist mit ihrer gesetzlichen Majorennität
das elterliche Haus nur als eine Art hoarding-
bu anzu sehen pflegen und unter den edlenPenn-

sylvaniern es herrschender Gebrauch ist, daß her⸗

aunn“ und „die alte Frau“ nennen,

her für die Verbesserung der Kinderzucht nichts dsicherlich nicht als Zeichen der Hochachtung, son⸗

Heilsames geschieht; und eben so wenig geschieht
von diesen Predigern etwas dafür, daß sie die
herangewachsene Jugend beiderlei Geschlechts
aus Gottes Wort unterwiesen, wie auf gottge⸗
fällige Weise eine christliche Ehe zu schließen und
zu führen sei, und welchen wichtigen Beruf und
Amt auch die Eltern beider Theile hierbei hätten.
Denn es ist offenbar und am Tage, daß die
durchschnittlich leichtfertige Schließung der Ehe
hier zu Lande, auch eine Hauptursache der ver⸗
derbten Kinderzucht ist, wie wiederum diese
Kinderzucht solche Eheschließung mit erzeugt.
Wenn nämlich die Eltern, und ich meine damit

nicht allein die kirchlosen, von der Würde und

Hoheit ihres göttlichen Berufs für die christliche
Erziehung ihrer Kinder kräftig durchdrungen
wären, und sie auf oben angedeutete Weise von
Kindesbeinen an in der Zucht und Vermah⸗-
nung zum Herrn aufgezogen und diese stetiglich
mit treuer Fürbitte begleitet hätten: so würden
durchschnittlich die also erzogenen Kinder, auch
nach dem vierten Gebot ihre Eltern ehren d. i.

ern eher als Zeichen der Verachtung.

as meist entscheidet, falls nicht etwa der?

große Gott Mammon das Bündniß stiftete.

Da lassen sich die Augen der fleischlichgesinnten;
jungen Gesellen etwa einnehmen durch ein halb.

schwindsüchtiges Kreidegesicht und wespenartige
Gestalt (beides als nothwendige Erfordernisse!

einer amerikanischen weiblichen Schönheit), durch—

eine geschmackvolle Kleidung nach modernem Un⸗

geschmack und Schönfratzerei, durch ein affectir·

stalten und aus Allerweltswisserei -Büchern
und derartigen Zeitschriften zusammengeklaubt,

ger schmachtenden Liebeslieder.
ein junger amerikanischer Fant dieser Fulle von
Liebreiz, Schönheit und Bildung widerstehen;

um solche Göttinn nicht alsbald zur Dame sei⸗

e

nes Herzens zu erwählen und als praktischer
Amerikaner flugs zur Ehe zu schreiten? — Daß
freilich nach wenigen Wochen dieser künstlichen
Berauschung eine fade Ernüchterung folgt, daß
die bezaubernde Göttin sich in eine ganz gewöhn⸗
liche Tochter Eva's verwandelt, der nichts fehlt,
Als alle häuslichen Tugenden und die an nichts
mehr Ueberfluß hat, als an der Kunst, dem
Manne zur Beschaffung ihrer Kleiderpracht,
Schmucksachen, kostbaren Einrichtung n. s. w.
das Geld aus dem Beutel zu ziehen — das ist
ja freilich eine verdrießliche Sache, darein sich
aber der freie Sohn Amerika's, als an eine her⸗

koͤmmliche Sammtpantoffel-Herrschaft gewöhnt,
mit möglichstem Phlegma ganz gut zu schicken
weiß; denn daß das Weib dem Manne, nach

christlicher und deutscher Sitte, eine ihm unter⸗

thänige Gehülfin, eine eben so haushälterische
als gastfreie Verwalterin seines Hauswesens,
eine traute Freundin und Genossin häuslicher
Freuden, eine weise Erzieherin ihrer gemeinsa⸗

smen Kinder, eine treue Mitbeterin und Fürbit⸗

terin, eine verständige Rathgeberin in allerlei
häuslichen Angelegenheiten, eine freundliche

ja sogar vor der bürgerlichen Voll⸗

jangewachsene Söhne und Töchter ihre betagten;
Eltern, statt: Vater und Mutter, „deu alten—

„Sie (Er) gefällt meinen Augen“ das ist es,

tes Schwänzen und Trippeln im Gange, durcht
hohles und leeres Geschwätz oberflächlicher Valb
bildung, auf französirenden Erziehungs- An⸗

durch das Klimpern einiger Walzer auf dem
Klavier und das Singen oder Girren einiz
Wie könnte dg

Trösterin in seinem mancherlei Berufskrenz, eine
wohlthätige Helferin dieser und jener Armen oder
Betrübten sein sollte — davon hat ein amerika—
nischer Ehemann, nach hergebrachtem Style,
kaum eine Ahnung.

Einen anderen Geschmack aber haben durch-
schnittlich die jungen ladies von sweet sixtéeen
und darüber, in Hinsicht auf ihre Freier. Mit
löblicher Klugheit und schlauer Berechnung
sehen sie weniger auf männliche Schönheit und
Würde, feste Haltung und Charakter, Berufs—
tüchtigkeit, oder wirkliche Bildung, sondern erstens,
darauf, ob er Geld genug habe oder erwerbe, um
alle ihre Launen und Lüste in Kleidung, Schmuck,
Gastereien und allerlei andern kostspieligen Er-
götzlichkeiten ohne Unterlaß, Zwang und Ein—
schränkung zu befriedigen und zweitens, ob er
hinreichendes Phlegma oder Fügsamkeit und lan⸗
desübliche Devotion gegen alle Unarten des
schönen Geschlechts besitze, um voraussichtlich
auch dann ein gehorsamer Ehemann zu bleiben,
wenn sie mehr begehre, als sein Beutel zu leisten
vermöge, und sie auch dann liebenswürdig und
interessant zu finden, wenn sie daruͤber zuͤrne,
schmolle und ungeberdig sei.

Werden nun, herrschender Weise, die Ehen
also geschlossen und geführt, wie soeben kuürzlich
dargethan, und zwar nicht blos in den begüter⸗
ten Schichten der Gesellschaft, sondern mehr
oder weniger auch in den minder bemittelten, —
denn hier zu Lande ist, schon wegen der demokra⸗
tischen Verfassung des bürgerlichen Gemeinwe—
sens und wegen des Hinwegfallens einer kasten-
artigen Abgrenzung verschiedener Stände, auch
in allerlei Sitte oder Unsitte keine solche Ver⸗
schiedenheit in den z. B. nach Reichthum oder
Bildung Unterschiedenen —wie muß es da folge⸗
richtig mit der Erziehung der aus solcher Ehe
entsprossenen Kinder bestellt sein? —

Natürlich überaus kläglich und bedauerlich und
stracks im Widerspruch gegen Gottes Wort und
gegen die oben angezeigte wahrhaft christliche Er⸗

ziehungsweise.

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