Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 20 › Seite 155
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 17. Mai 1859, Seite 155
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Austritt · Austritt 2 · Parochialgrenze 3
schreibet, euern Lehrern, nicht denen, die ihr euch
für eure eigne Person, eures Gefallens aussuchet
und erwählet, und darüber die euern verlasset;
sondern denen, die durch ordentlichen Beruf und
Gottes Schickung eure Lehrer und euch vorge—
stellt sind.
Fürs andere setzet er die Ursachen dazu, warum
solches geschehen soll, daß man den Lehrern ge—
horsam sein soll: einmal, spricht er, darum, daß
sie über eure Seelen wachen, darnach auch darum,
daß sie dafür, nämlich für eure Seelen und euch,
Rechenschaft und Antwort geben sollen.
Zum letzten setzet er auch Warnung des Scha⸗
dens halber, wo man sich dem Gehorsam ent⸗
ziehet und sich nicht strafen und lehren lassen will, dienern hinterlassen.
daß darüber die armen Prediger ihr Amt mit
Seufzen ausrichten müßen, so solls alsdann nicht
wohl gehen. Es soll den ungehorsamen Pfarr⸗
kindern ihr Muthwille nicht nütz sein, aller Scha—
den und Schuld des Verderbeus soll auf sie fal⸗
len, daß sie einen ungnädigen Gott, und dazu
ein beschwertes Gewissen darüber bekommen.
Philip. 2 schreibt St. Paulus, daß Epaphro⸗
ditus der Philipper eigner Apostel, das ist, ihr
Pfarrherr und zu ihnen gesandter Prediger sei,
und befiehlt ihnen, daß sie denselben im Herrn
aufnehmen mit allen Freuden und ihn in Ehren
halten sollen. Denn also schreibet er: Ich habe
es für nöthig angesehen, den Bruder Epaphrodi⸗
num zu euch zu senden, der mein Gehülfe und
Mitstreiter, und euer Apostel, und meiner Noth—
durft Diener ist u. s. w. So nehmet ihn nun
auf in dem Herrn, mit allen Freuden, und habet
solche in Ehren.
Titum 1 hebt er an und sagt, wie er Titun
habe zu Creta gelassen, darum, daß er vollends
ausrichten solle, das Paulus angefangen hatte,
nämlich die Städte mit Aeltesten, das ist, mit
Predigern und Kirchendienern versorgen, daß
eine jede Stadt mit einem frommen und sonderli⸗
chen Pfarrherrn und Prediger versehen sei, an
welchen sie sich halten, Gottes Wort lernen, und
schuldigen Gehorsam leisten mögen. Wie er
denn an demselbigen Orte beschreibet, wie ein
Prediger und Bischof geschickt sein solle, den man
zum Kirchenamte gebrauchen will.
Und zu solchen erzählten Sprüchen des Apostels
Paulus gehört die Lehre des Herrn Christi, in
welcher er den gebührlichen Gehorsam der Pfarr—
kinder gegen ihren Lehrer bestätiget und fordert,
und daneben anzeigt, daß der Ungehorsam und
Verachtung seiner Gesandten und treuen Kir—
chendiener große Sünde sei, die nicht allein die
geringe und arme Person des Kirchendieners an⸗
gehet; sondern die den Herrn Christum und sei⸗
nen himmlischen Vater mitberührt und schmähet.
Denn also lauten seine Worte Joh. 13. Matth.
10: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf;
und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf,
der mich gesandt hat. Lucä 10: Wer euch höret,
der höret mich; und wer euch verachtet, der ver⸗
achtet mich; wer aber mich verachtet, der ver—
achtet den, der mich gesandt hat. Und eben auf
diese Weise redet Gott davon 1 Sam. 8, da er
spricht: Sie haben nicht dich, sondern mich ver⸗
worfen.
Wie derhalben die erste Ursache Lehre und
Bericht gegeben, daß ein Pfarrherr mit gutem
Gewissen nicht weiter greifen kann, denn sich
sein Beruf erstrecket; also lehret und berichtet die
andere Ursache, daß gleicher Gestalt den Pfarr—
kindern beschwerlich und hochbedenklich vorfallen
will, sich ohne Noth von ihren ordentlichen Seel⸗
sorgern, mit welchen sie wohl und genugsam ver—
sehen, andern zuwenden, und ihnen gebotenen
und gebührlichen Gehorsam zu entziehen.
Die dritte Ursache: Gott befiehlt
einem jeden Prediger seine beson—
dere Gemeinde:
Diese gibt das harte und ernste Mandat Got-
tes durch den Propheten Ezechiel allen Kirchen⸗
Denn also stehet Ezechiel
3, 17. Du Menschenkind, ich habe dich zum
Wächter gesetzt über das Haus Israel, du sollst
aus meinem Munde das Wort hören, und sie
von meinetwegen warnen. Wenn ich dem Gott-
losen sage: Du mußt des Todes sterben; und
du warnest ihn nicht, und sagst es ihm nicht, da-
mit sich der Gottlose vor seinem gottlosen Wesen
hüte, auf daß er lebendig bleibe; so wird der
Gotllose um seiner Sünde willen sterben; aber
sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Wo
du aber den Gottlosen warnest, und er sich nicht
bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wegen;
so wird er um seiner Sünde willen sterben, aber
du hast deine Seele errettet.
Da höret man, welch ein Erust es unserm
lieben Gott ist um die treuliche Verrichtung des
Kirchenamtes, daß er anzeiget, wo seine Diener
werden untreu und unfleißig sein, daß er
also das Blut der Gottlosen von ihren Händen
und also ganz schwere Rechnung fordern will.
Und erstrecket sich solch ihr Amt nicht allein
im allgemeinen auf das ganze Volk, so ihm be⸗
fohlen ist, wie es etliche Generalisten gerne gedeutet
haben wollten, sondern auch insonderheit auf eine
jede Person unter demselben ihm befohlenen Pfarr⸗-
volke, daß ein jeglicher Kirchendiener auf eine
jede Person, so viel ihm möglich ist, und er immer
thun kann, getreulich sehe, sie lehre, vermahne
und strafe; wozu ihm der Herr Christus Matth.
18. den Weg weiset, und wie es hescheben solle,
berichtet.
Und muß gewißlich (der Pfarrherr) beides in
Hinsicht auf das Amt, daß dasselbe trenlich, in
gemein und insonderheit gefuhret werde, und in
Hinsicht auf das Volk, daß man nicht wissentlich
zu der Leute Sünden zusehe und schweige, Re⸗
chen schaft geben. Denn ja Niemand wissentlich
und mit gutem Gewissen nicht allein zu den ge⸗
meinen, sondern auch zu den sonderlichen Sün—
den einzelner Personen, die ihm befohlen sind,
zusehen und schweigen kann.
Und hat der getreue Erzhirte Jesus Christus
auch weiter nicht allein in gemein einen frommen
Hirten auf seine hundert Schafe sehen heißen, son⸗
dern, da eines aus denselben in die Irre gerathen
ist, weiset er mit seinem Exempel solches zu suchen,
und zurechte zu bringen.
Und hat von diesem einer aus den alten Leh—
rern, welcher das Zeugniß Gregors einführt, nicht
übel geredet, da er spricht: „Wenn du vorgestellt
wirst, wenn du eines Hirten Amt annimmst, so
fängst du an, nicht nur eine Seele allein, sondern
viel Seelen zu haben.
es, der also geredet:
der hat gleichso viel Seelen, als er Unterthanen
Der heilige Gregorius ist
Wer im Regimente sitzet,
hat. Derhalben ist am Tage, daß ein Prälat
oder Vorsteher der Kirche sich zu so viel Rech⸗
nungen vor dem Richterstuhle Christi verpflichtet,
so viel als er Seelen allhier in seine Verwahrung
genommen hat. Derwegen sei er vorsichtig, ge⸗
treu und klug, und sehe mit Bescheidenheit auf
sie alle, als auf seine einige und eigene Seele,
denn sie sind nun alle sein; denn wie viel ihrer
durch seinen Unfleiß verderben, für so viel Seelen
will der Herr das Blut von seiner Hand fordern.“
Doch wird hiemit einem Hirten und Seelsorger
für heimliche und unbewußte Sun den zu antwor⸗
ten und Rechenschaft zu geben nicht auferlegt;
denn solches wäre eine nnerträgliche Last: sondern
was von heimlichen Sünden geschieht, das wird
Gott richten. Allein die Hirten sollen recht zuse⸗
hen, daß sie vorsätzlich nicht blind seien, und da
nicht wachen und nicht sehen, da sie wohl sehen
könnten und billig sehen sollten.
Gleichwohl wie der Prophet, zu welchem Gott
die zuvor gesetzten und harten Worte redet, ein
genanntes und eigenes Volk hat, nämlich das
Volk Israel, dem er die Sünde verkundigen und
für welches er Rechenschaft geben mußz also kann
auch noch ein Pfarrherr nicht fuͤr die ganze Welt,
sondern für ein gewißes Volk, zu dem er berufen
ist, Rechenschaft geben und demselben Gottes
Wort und Willen, Strafe der Sünden und Ver—
mahnung zur Beßerung vortragen. Sonst würde
keinem Pfarrherrn möglich noch träglich sein, für
andere, die ihm nicht befohlen gewesen, Rechen—
schaft zu geben und an ihrem Blut und Verder—
ben schuldig zu werden. Und ist wahrlich ohne
dem schwer genng, einem geringen und kleinen
Hänflein wohl vorzustehen, in gemein und inson⸗
derheit auf die Leute zu sehen.
Daß also auch dieser Spruch gewaltig erzwin-
get, wie es einem Pfarrherrn nicht möglich ist,
fuͤr alle Menschen Rechenschaft zu geben; also
können ihm auch nicht alle Menschen, sondern
nicht mehr denn eine Gemeinde zu versorgen be⸗
fohlen sein; derselben soll er sich anmaßen, und
dieselbige soll auch bei ihm bleiben und seiner
Lehre und Unterweisung zum Guten gehorsamlich
folgen, und soll solcher Gehorsam von der ganzen
ihm befohlenen Gemeinde und einer jeden Person
geleistet werden.
Die vierte Ursache: solches er—
fordert die Beschreibung eines Pre—
digers.
Die Beschreibung eines rechtschaffenen Bischofs
und christlichen Pfarrers lautet also: Ein Bischof
oder Pfarrherr ist nun eine solche Person, die
ordentlicher Weise zu ihrem Amte gekommen und
berufen und dazu verordnet ist, daß sie das Kir⸗
chenamt erhalten helfe, und einer gewißen und
ihr zugetheilten und benannten Kirche oder Pfarr⸗
volke vorstehe, Gottes Wort predige, die Sa-
kramente nach des Herrn Christi Ordnung und
Befehl reiche und austheile; die auch Macht
habe nach der Apostel Befehl durch Gebet und
Auflegung der Hände zu ordiniren und die Kir⸗
chengerichte zu üben u. s. w.
In dieser Beschreibung ist nun das Stüick, da⸗
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