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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 17. Mai 1859, Seite 159

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nicht gelingen, so wird die gewaltthätige Befeh-
dung der Ketzer gleichwohl fortgesetzt. „Die
religidbse Toleranz ist gottlos und
absurd“ lautet der orthodox-römische Grundsatz

(Perrone trail. theol. I, pag. 255 sq. p. 265

s.) Der Jesuit Maldonat eregesirt aus dem

Evangelium Lukas heraus: „Ketzer sind als Ver⸗
räther und Ueberläufer zu verbrennen.“

Papst

Paul III. verleiht durch eine Bulle vom 4. Juli!

1546 Allen vollkommenen Ablaß, welche zur Aus⸗
rottung der Lutheraner das Schwert ergreifen
(ek. Luenig, Specil. eceles. I. pag. 472 sq.)
Das furchtbare Strafverfahren, welches der
Romanismus gegen alle ihm erreichbaren Pro-—
testirende geübt hat, ist nichts als ein Folgesatz
jenes Rechtes der alleinseligmachenden Kirche an
jeden Ketzer. Es ist darum auch ganz consequent,
wenn der Papst kirchliche Dank- und Freudenfeste
wegen der Pariser Bluthochzeit anordnet (ob
deletos in Gallia veritatis et ecelesiae hostes)
und eine Medaille auf dieß Ereigniß schlagen
läßt. Diesen römischorthodoxen Principien ge—
genüber ist die Stimmung einzelner Katholiken
oder Zeitläufte ganz ohne Bedeutung. Die
päpstliche Kirche macht keine Concession. Der
ultramontane Kirchenrechtslehrer Philipps bemerkt
hanz im Geiste seiner Kirche, den Heiden und
Juden könne die römisch-katholische Kirche ertra⸗—
gen, aber nicht die Häresie. Zur Zeit freilich
können diese Grundsätze nur da und dann prak-
tisch werden, wo der Staat zu ihrer Ausfüh⸗
rung seinen Arm leiht. Unsere protestantischen
Missionsländer sind dardm in der günstigen Lage
noch nicht, alle Consequenzen der römischen Mis—
sionstheorie erfahren zu durfen. Die Propaganda
bezeichnet jedoch diese Gebiete als Missionsländer,
wo Ketzereien ungestraft herrschen, wo das
heil. Amt (die Inquisition) nicht geübt wird. —
„Straflosigkeit und Nicht-Inquisition, bemerkt
hierzu Mejer mit Recht, sind alle abnorme Zu—
stände und das Ziel der Mission ist deren Besei⸗
tigung.“

—*

(Eingesandt von G. Sch.)
Stand der Mission in Ostindien.

Ein Bericht des Missionars Caldwell, der kurz
vor Ausbruch des Aufstands geschrieben ist, ent⸗
hält folgende Angaben:

In der Stadt Madras, sagt er, sind mehr als
2600 bekehrte Indier, — verlassen wir aber die
Hauptstadt und ziehen nach Süden, so begegnet
uns noch eine weit größere Anzahl eingeborner
Christen. In der reichen und stark bevölkerten
Provinz Tangore besteht die vom sel. Schwarz
gegründete Mission der Gospel Propagation
Society mit mehr als 5000 Bekehrten und in
Tranquebar zählt die Missionsgemeinde, welche
von Leipziger Missionären bedient wird, an 2500
Seelen. Großen Schaden hat hier der Grund⸗
satz angerichtet, daß die Kaste mit dem Christen—
thum vereinbar und darum als Volksinstitut zu
wahren sei. Doch haben alle Missionsstationen
diese Idee aufgegeben, mit Ausnahme der Leipzi⸗
ger lutherischen. Bereits ist das Parochialsystem
in dieser Provinz eingeführt, Schulen und Semi⸗
narien brachten die besten Früchte und die Ge⸗

meinden erstarken sichtlich seit Abschaffung der
Kaste. Sie haben dadurch quantitativ entschie-
den gewonnen.

Weiter nach Suden in der Provinz Madura
hat die afrikanische Mission seit einigen Jahren
das Werk begonnen und ein Häuflein von nahe
5000 Gläubigen um sich gesammelt. Auch hat
die Gospel Propagation Society unter der
armen gedrückten Gebirgsbevölkerung einige
Gemeinden gegründet. In Malabar und Comara
arbeitet die Baseler Missionsgesellschaft. Die
Zahl ihrer bekehrten Kirchenglieder beläuft sich
auf 1600. — Weiter suͤdlich ist die Church
Missionary Society thätig in Travamore und
Cochin; die Zahl der Bekehrten beläuft sich dort
auf 2400. Weiter unten im Miml Lande hat
die London Missicnary Society ihr gesegnetes
Arbeitsfeld; die Zahl ihrer Bekehrten übersteigt
dort 18,000, die an innerem Leben und äußerer
Bethätigung keiner älteren Kirche nachstehen.
Ganz südlich ist das Tinnevelly Gebiet, eigent⸗
lich das Siegesgebiet der südindischen Missionen.
Zwei Gesellschaften haben dort zwanzig Missions-
districte gebildet; in 627 Ortschaften sind größere
oder kleinere Ansätze von Christengemeinden; an
42,000 Personen stehen unter der Arbeit; 26,000
sind getauft; 4800 sindCommunicanten; 10,000
Kinder besuchen die Schulen; 11 bekehrte Hindus
sind ordinirte Geistliche im Dienste der englischen
Kirche (bereits ist die Möglichkeit und zugleich
Nothwendigkeit in Anregung gebracht worden,
einen bekehrten Hindu zur bischöflichen Würde
über diese Gemeinden zu erheben). Und schon
liegt der Plan vor, inwiefern diese Kirchen we—
nigstens theilweise die Sorge für ihre eigenen
Kirchensysteme übernehmen, und dabei auch wie⸗
derum Ausgangspunkte für weitere Evangelisa-
tion werden können.

Der Unterricht ist bis jetzt nur in seinen An-
fängen, die Masse — der große Haufe liegt tief
in einen Polytheismus versunken, welcher sie mo⸗
ralisch erniedrigt. Ihr Zustand ist ganz geeignet
die Aufmerksamkeit des Philanthropen und des
Christen zu erwecken. Die große Idee, eine
Anzahl Evangelisten aus den Eingeborenen zu
erwecken, scheint noch das den Umständen Ent⸗
sprechendste zu sein und verspricht die besten
Resultate. Der europäische Missionär kann erst
nach Jahren die volle Gewalt und Gewandtheit
in den Eigenthümlichkeiten eines Idioms erlan⸗
gen, die ihn befähigt, sich mit Freiheit in der.
Sprache zu bewegen. Die unmittelbare Pre-
digt des Evangeliums sollte aber als ganz
besonders wichtig erscheinen. Viele der Missionäre
in Bombay machen während der kalten Jahres-
zeiten Touren in's Innere in Dörfer und Städte,
die außer halb aller Missionsthätigkeit liegen. Aber
diese Arbeiten entsprechen dem Bedürfniß keines⸗
wegs. Die Missionäre selbst sind des Jahres
über anstrengend mit dem Unterricht beschäftigt,
sie sind erschöpft, und wenn die kalte Jahreszeit
eintritt, wo die Schüler ihre Ferien bekommen,
gehen die Missionäre statt ebenfalls in die Ferien,
in die Districte, um dort zu predigen. Die
amerikanische Missionsgesellschaft hat ihr System
dahin abgeändert, daß sie ihre Missionäre statt
in die großen Städte, lieber in einzelne kleine

Ortschaften im Innern sendet, ob vielleicht diese
unter dem Segen des Herrn eher gewonnen wer⸗
den, und so den größeren Städten vorleuchten.
Denn, bemerkt unsere Quelle, in den großen
Städten, wo das Werk des Religionsunterrichts
Fortschritte macht, wird das aufwachsende Ge⸗

schlecht kaum mehr götzendienerisch sein. Schon
jetzt handelt es sich in den großen Städten nicht
mehr um die Frage: ob Götzendienst oder Chri⸗
stenthum, sondern (wie in Europa): ob Chri⸗
stenthum oder Weltsinn. Die Künste und Ge—
nüsse der Civilisation gehen mehr und mehr im
Schwange und die wohlhabenderen Schichten
mißachten auf vielfache Weise ihren alten Glau⸗
ben, dem sie nominell noch anhängen, weil e

ihnen vielfach diese Genüsse verkürzt. Und wun⸗
derbar, aber leicht erklärlich aus der Verkehrtheit
des unbekehrten Herzens, ist's anzusehen, wie sie
sich in ihrem Weltsinn doch ein Solatium schaffen
aus den Stücken ihres alten Glaubens, in denen
sie ein solches zu finden glauben. Es wird ein
neues Phänomen sein in der christlichen Welt,
wenn das Christenthum aus den einfachen Dorf⸗
gemeinden hinaus sich Weg bahnt in die erleuch⸗
teten Städte. Zu Anfang der christlichen Zeit
waren die Dörfler noch lang pagani, als die
Städtler bereits das Christenthum angenommen
hatten. Wenn es heute umgekehrt ist, so ent

spricht das ganz dem Gang der Dinge. Damals
war die Civilisation eine Frucht des Christen ⸗
thums; heute existirt die Civilisation unabhängig
vom Christenthum, denn man kan alle die For⸗
men und Genüsse der Civilisation besitzen, ohn

ein Christ zu sein.

Müukel's Zeitblatt vom 18. Februar d. J.

enthält folgende Anzeige:
Literatur.

Zeugniß aus der evangelisch⸗luthe
rischen Kirche Nord-Amerika's, i
Beantwortung der Frage: Warum hängen wi
so fest an der lutherischen Kirche? Nebst einem
kurzen Vorbericht über den Stand der lutherischen
Kirche daselbst. Hildesheim. Gersteuberg 1859.
8. S. 45.

Diese Flugschrift von Pastor H. Fick, der lu
therischen Kirche Nord-Amerika's ange hörig, mi
dem Vorberichte versehen, soll einerseits da
schnelle Wachsthum, aber den noch immer vor⸗
handenen Rothstand seiner Kirche, namentlich den
Mangel an Predigern, den hiesigen Brüdern an's
Herz legen; andererseits aber zeigen, daß die
nordamerik. Kirche auf dem guten Grunde unsers
Bekenntnisses ruht. Was das letztere betrifft, so
hat Fick das Vorwort zum 15. Jahrgang des
„Lutheraners,“ einer dortigen kirchlichen Zeit⸗
schrift, wieder abdrucken lassen, aus dem man
sehen wird, daß sich unsere amerik. Bruͤder des
rechten Weges wohl bewußt sind. Es ist ein sehr
einfaches und doch ein sehr gutes Bekenntniß,
welches Unterschied zwischen rechts und links weiß.
Wir unsrerseits können keinen größeren Wunsch
haben, als daß eine Kirche, die so viele Opfer
und Anstreugungen gekostet hat, im frenden nicht
eben sehr gunstigen Boden tiefe Wurzeln schla⸗
gen und den Nachkommen ohne Risse und Spal⸗

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