Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 16, Nummer 24 › Seite 187

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juli 1860, Seite 187

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zauberei · Zauberei 3 · Zauberei 4

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über nicht nur nicht ärgern, sondern sich darüber

*

kann mich über solche Leute nicht genug verwun⸗
dern, denen das so anstößig ist, daß Luther so
viel vom Papst redet, der Meinung, solches sei
jetzt nicht mehr nöthig. O wenn solche Leute
doch das erkenneten, daß der Papst immer noch
der Erzfeind der Christenheit oder wie Luther sagt,
der „Erzhauptantichrist“ ist, wenn sie wüßten,
daß sie den Papst selbst im Busen tragen, und im
Herzen sitzen haben; dann würden sie sich dar-

herzlich freuen und dem lieben Gott auf den
Knieen dafür danken, daß dieser Gottesmann
die Schanze nicht allein aufführt, sondern auch
vor dem Feinde vertheidigt und uns so fleißig vor
denen warnet, die sie stürmen wollen.

Wer nun von deu Sekten die schlimmste ist,
kann ich Dir nint sagen. Ich möchte mit Luther
sprechen: „Wer sie auch sind, ich rechne sie alle
in einen Kuchen.“ Wer Ein Wort Gottes fur
unwesentlich hält, dem ist in Wahrheit keines
mehr heilig, der „fürchtet sich nicht mehr vor sei⸗
nem Wort.“ Siehe z. B. unsere amerikanischen
Lutheraner an, welche gerade die Lehre von den
Sacramenten für eine minderwichtige ausschreien,
darin man verschiedener Meinung sein könne und
nicht streiten solle; ist das nicht schändlich? Pau;
lus betheuert 1 Cor. 11., er habe es vom Herrn
empfangen, was er vom Abendmahl gelehrt, wie
er das Abendmahl gehalten, sagt, es sei des Herrn
Testament; sagt, nicht einmal eines Menschen
Testament solle man verändern, noch dazu thun,
und solche Menschen machen den Leuten einen
blauen Dunst vor Augen, fälschen und rauben
ihnen Christi Testament! Was sagst Du dazu?
Ist das etwas Gleichgultiges? Und doch wollen
sie noch Lutheraner heißen.

Doch ich fuͤrchte, mein Brief wird Dir zu lang,
darum will ich fur diesmal schließen und so
Gott will und es erwunscht sein sollte, näch⸗
stens meine Meinung, warum ich sie alle in
einen Kuchen nehme, Dir weiter mittheilen.
Indeß laß uns fleißig beten: Ach bleib bei uns,
Herr Jesu Christ ꝛc. Diesem Herrn Jesu be—
fiehlt Dich

Dein
X

Ob diejenigen unter die Zanberer zu rechnen

sind, welche durch gewisse Worte Krankheiten

heilen oder andere wunderbare Dinge her⸗
vorzubringen scheinen.

Uebersetzt aus Fr. Balduins (Superintendenten und Profes⸗
sors der Theologie in Wittenberg, gest. 1626) Tractatus de
Casibus conscientiae.

Antwort: Unter allen Ceremonien der Zaube⸗
rer und Zauberinnen ist nichts gewöhulicher, als
Worte. Daher finden sich im Pabstthum viele,
welche meinen, daß die Exorcisten mit gewissen
Worten, besonders mit dem Namen Jesu, Teufel
austreiben, weil diesen Buchstaben und diesem
Wortlaut Jesus eine Kraft, Teufel auszutreiben,
inwohne. Und wegen dieser Kraft, die sie den
Worten zuschreiben, glauben sie, sei es üublich,

den englischen Gruß und andere Gebete bald drei

bald fünfmal, bald funfzigmal und noch öfter zu

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widerholen, weil in dem Aussprechen der hei⸗
ligen Worte eine gewisse Kraft, der Seele zu hel⸗
fen, stecke. Die Worte aber, deren man sich be—
dient, sind verschiedener Art: 1. einige haben eine
Bedeutung, andere haben keine Bedeutung;
2. einige sind gute, andere böse Worte. Die bö⸗
sen sind gewisse Gebetlein, mit welchen die bösen
Geister zu Hulfe gerufen werden. Einige sind
gute Worte, wie z. B. der Name Jehovah, Jesus,
Vater, Sohn und heiliger Geist, oder der Name
der Jungfrau Maria, der zwölf Apostel, der drei
Könige und anderer Heiligen, die fünf Wunden
und das Leiden Christi, die sieben letzten Worte
Christi am Krenze, die Ueberschrift über das
Kreuz Christi, das Ave Maria, das Vater unser
u. s. w. Diese und ähnliche Worte sprechen sie
zuweilen über einen Kranken aus, zuweilen hän⸗
gen sie ein mit solchen Worten beschriebenes
Stück Papier oder Pergament um den Hals, be—
sonders das Evangelium Johannis, zuweilen
schreiben sie die Worte auf Brod und Butter und
lassen sie die Kranken, besonders die, welche von
tollen Hunden gebissen sind, verschlucken. Diese
Worte sprechen sie bisweilen mit lauter Stimme
aus, bisweilen und zwar häufiger murmeln sie sie.
Das sind die Künste derjenigen, welche durch
Worte Krankheiten heilen oder andere wunder—
bare Dinge auszurichten sich unterstehen. Ihre
Lügen müssen nun aufgedeckt werden, damit es
offenbar werde, sie üben sich nicht in freien, son⸗
dern vorwitzigen Künsten und werden deshalb
nicht mit Unrecht unter die Zauberer gezählt.
Zuerst also muß man wissen, daß die Worte

zwar Bezeichnungen der Sachen sind, aber daß

die Worte nicht eine Wirkung haben, wie die na⸗

türlichen Sachen eine naturliche Wirkung haben;

denn die Worte haben mit den Sachen nichts ge⸗
mein, sondern sind nur ein Schall, oder auf Pa-
pier geschriebene Buchstaben; daß sie aber diese
oder jene Sache bezeichnen, rühret von der Men-
schen Willkuͤr her. Daher ist auch eine Sprache
dem Menschen nicht von Natur eigen, obwohl
das Sprechen an sich natürlich ist, aber in dieser
oder jener Sprache reden, ist nicht natürlich, son⸗
dern ruhrt aus der Gewohnheit her, sonst wur⸗
den, wie alle Menschen ein und dieselbe Natur
haben, auch alle ein und die selbe Sprache haben,
und es würde eine so große Mannigfaltigkeit der
Sprachen in der Welt nicht gefunden werden.
Wenn nun die Worte an sich nichts bedeuten, so
können sie an sich und ihrem Wesen nach noch
weniger etwas bewirken und haben folglich auch
keine Kraft, eine Heilung hervorzubringen. Auch
hat die Einbildungskraft keine solche Wirkung,
daß durch Aussprechen einiger Worte von dem
Arzte oder dem Kranken, der aufmerksam darauf
hört, irgend eine Veränderung im Körper des
Kranken hervorgebracht werden könnte; sonst
wäre kein Grund vorhanden, warum nicht durch
jedwede, sondern nur durch gewisse, bestimmte
ausgesprochene und aufmerksam angehörte Worte
jene Wirkung hervor gebracht würde. Was fer⸗
ner unbekannte und bedeutungslose Worte betrifft,
wenn sie etwas wirken, so können sie es bloß durch
ein Bündniß mit einem bösen Geiste wirken.
Denn er ist der Urheber und Erfinder dieser un⸗
bekannten Worte, bei ihm bedeuten allerdings alle

jene Namen etwas, die für uns keine Bedeutung
baben. Sie haben also, wenn Gott es zuläßt,
eine Wirkung nicht aus einem natürlichen Grun—
de, sondern aus einer größeren Kraft, nämlich
aus einem Bündniß und Uebereinkommen des
Teufels mit demjenigen, welcher zuerst jene
Wissenschaft von ihm gelerut hat; ihn, sowie

alle diejenigen, welche nachmals diese Wissen⸗

schaft bewundern und ausüben, bezaubert der
Teufel so, daß sie meinen, es geschehe durch die
Worte, was vom Teufel selbst geschieht. Wenn
nun Worte der heiligen Schrift angefuhrt werden,
so haben auch diese keine Kraft, wunderbare
Dinge hervorzubringen, sondern es ist ein Miß⸗

brauch derselben von Seiten derer, welche, um

desto leichter unter dem Schein der Frömmigkeit
zu täuschen, sie zu dem Zwecke benutzen, zu wel⸗
chem sie von Seiten Gottes weder geredet, noch
geschrieben worden sind; denn vom Nutzen der
heiligen Schrift belehrt uns Paulus hinlänglich
1 Tim 3, 16., wo er dennoch keine Erwähnung
thut der Wirkung, welche sie bei Heilung von
Krankheiten haben soll. Wenn man daher lie⸗
set oder höret, daß gewisse wunderbare Dinge
durch Worte, die man ausgesprochen, oder an
den Hals gehängt hat, hervorgebracht worden
sind, so sind dies Märchen und satanische Blend⸗
werke.
che durch bloße Worte oder auch durch Schrift⸗
zeichen Krankheiten und wunderbare Dinge her⸗
vorzubringen sich vermessen, ohne es zu wissen, mit
dem Teufel Kurzweil treiben und in die Reihe
der Zauberer und Beschwörer gehören, welche
Gott in seinem Gesetz verflucht.
Sie wenden aber ein, um auch für fromm ge⸗
halten zu werden, auch Christus und die Apostel
hätten durch Worte Krankheiten geheilt und im
Namen Jesu Teufel ausgetrieben und Gott habe
an die Predigt seines Wortes seine Kraft gebun⸗
den, daher auch das Evangelium eine Kraft Got—
tes genannt werde, Röm. 1, 16. Dagegen muß
bemerkt werden, Gott hat in die Worte oder den
Schall der Buchstaben keineswegs eine naturliche

Daher zweifeln wir nicht, daß die, wel⸗

Kraft und Wirkung gelegt, also daß die Wirkung
von den Buchstaben oder Silben und dem Aus⸗

sprechen derselben abbinge, sondern das gepredigte

und mit Wundern bestätigte Wort ist das Werk⸗
zeug, durch welches Gott in uns wirksam ist und
daher beweiset es seine Wirkung nicht in allen,
was sonst geschehen müßte, wenn die Kraft und
Wirkung in den Buchstaben stäke, sondern nur in
denen, welche glaubeu. Der Name Jesu, in
welchem die Teufel ausgetrieben wurden, und in
welchem wir getauft werden, besteht nicht in den
Buchstaben und Silben, die wir lesen und hören,
sondern in der göttlichen Macht des Heilandes,
der in die Welt gekommen ist, die Werke de
Teufels zu zerstören, uns von unsern Sunden z
reinigen und in den Bund Gottes aufzunehmen
Es verhält sich auch mit dem, was Gott durch
sein Wort wirkt, ganz anders, als mit dem, was
Menschen wirken oder zu wirken versuchen. Got
hat durch sein Wort alles geschaffen, kein Mensch
kann durch ein Wort und wenn es selbst Gottes
Wort wäre, auch nur das kleinste Ding hervor⸗
bringen. Wie Gott durch sein Wort unsere Se⸗
ligkeit befördert oder auch Krankheiten geheil

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