Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 16, Nummer 24 › Seite 190

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juli 1860, Seite 190

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Aus dem Aprilheft des Herrmannsburger
Missionsblatts.

Von Afrika sind noch immer keine Nachrichten
da, von der Kandaze auch nicht; wird da ge⸗
schwiegen, so mussen wir auch schweigen. Aber
viele Geruchte gehen umher, wie ich aus vielen
Briefen und Anfragen erfahre. Die Kandaze
soll ganz zertrümmert sein, nach andern soll nur
das Hintertheil zertrummert sein und die Mann-
schaft fährt mit dem Vordertheil durch das Meer
nach Hause, damit dort ein neues Hintertheil an-
gesetzt werden könne. In Afrika soll ein gewal⸗
tiger Kaffernkrieg alle Stationen niedergebrannt,
und die Missionare getödtet oder verjagt haben.
Ich weiß nithts dazu zu sagen, als dab die Ge⸗
ruchte laufen müssen so lange, bis Nachrich⸗
ten kommen. Bis dahin wollen wir den wal⸗
ten lassen, der im Regimente sitzt, und ohne den
kein Sperling vom Dach und kein Haar vom
Haupte fällt. Er wird es wohl machen, sein
Name sei gelobet jetzt und in Ewigkeit. Kann
ich nun keine Nachrichten von Afrika und vom
Schiffe mittheilen, weil keine da sind, so muß ich
etwas aͤnders erzählen. Da will ich erst einer
großen Gabe erwähnen, die mir neulich fur
die Mission gebracht wurde, die mich sehr bewegt
hat. Es kam ein Mädchen aus einem kleinen
Nachbardorfe und erzählte, in ihrem Hause sei
ein armer Handwerksbursche eingekehrt, dem man
ein Nachtlager gegeben habe und Speise und
Trank. In der Stube liegt ein Missionsblatt,
der Handwerksbursche liest darin bis zum Zu⸗
bettegehen. Am andern Morgen zieht er sieben
Pfennige hervor, das einzige Geld, welches er
gehabt hat, und bittet das Mädchen, diese Gabe
mir zu bringen, indem er mit Thränen in den Au⸗
gen sagt, er habe leider nicht mehr. Ich dankte
herzlich fur diese große Gabe, und bat Gott,
Er möge dem Handwerksburschen vergelten mit
himmlischem Segen in geistlichen Güͤtern die
Liebe, welche er den Heiden erwiesen hat. Noch
von vielen solchen lieblichen Gaben könnte ich
erzählen, von Kindergaben und Großvatergaben,
von Gaben der Reichen und der Armen, und von
schönen Briefen, die dabei waren, auch von un-
genannten Gaben, deren Empfang ich mit Buch-
staben im Missionsblatte bekannt machen sollte.
Ich will aber von allen diesen Gaben dem lie—
ben Gott erzählen, und Ihn um Segen für die
Geber bitten, im Missionsblatte aber still schwei⸗
gen, ich habe meine Grunde dazu. Auch die
Gabe des Handwerksburschen wurde ich ver⸗
schwiegen haben, wenn er nicht gleich den Mor-
gen weiter gereiset wäre und also gewiß dies
Missionsblatt nicht zu lesen bekommen wird.
Doch noch eine Missionsgabe muß ich erwähnen,
ich kann es auch, denn die lieben Geber sind nicht
mehr in dieser Welt. Ein junges Mädchen war
verlobt mit einem braven jungen Manne; beide
hatten den HErrn Jesum sehr lieb. Sie wohn-
ten weit von hier, wohl zwanzig bis dreißig Mei⸗
len, ich weiß die Entfernung nicht genau; beide
waren aus dem Bauernstand. Es kommt mir
oft vor, daß die Leute aus dem Bauernstande
mich herzlich lieb haben, ich weiß selbst nicht, wa⸗
rum? denn ich bete oft den Vers: An mir und mei⸗

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nem Leben u. s. w. Aber es tröstet mich oft, denn
mich dunkt, es geht daraus hervor, daß ich doch
wohl nicht ganz so stolz bin, als ich von den Leu⸗
ten, namentlich von Predigern oft gehalten werde
Gott gebe auch, daß ich immer kleiner und nie⸗
driger werde. Nun diese Braut hatte kurz nach
ihrer Verlobung ihren Bräutigam geberen, er
möge ihr doch den Gefallen thun, mit ihr hieher
zureisen, sie wollte gern, daß ich mit ihnen beten
und ihre Verlobung einsegnen möge. Er that es
ihr gern zu Gefallen. Und so kamen die beiden
eines Sonnabends an, wohnten der Beichte und
Sonntags dem Gottesdienste bei, und als Abends
um acht Uhr die Versammlung in meinem Hause
zu Ende war, traten sie beide zu mir in die Stube,
sagen, sie hätten sich in Jesu Namen und mit dem
Segen ihrer Eltern verlobt, und wären mir beson⸗
ders deshalb herzlich dankbar, daß ich einst in einer
Predigt, die sie gehört hätten, so heftig auf die
heimlichen Verlöbnisse gescholten hätte. Denn
sie hätten beide schon lange ein Auge auf einan⸗
der gehabt, und würden sich auch wohl, nach
der jetzt bei ihnen eingewucherten Sitte, als un-
dankbare Kinder heimlich mit einander verspro—
chen haben und dann erst hinterher zu den Eltern
gekommen sein, deren Einwilligung nachträglich
einzuholen. Nach jener Predigt aber hätten sie
eins gegen das andre still geschwiegen; aber setz⸗
ten sie hinzu, gewußt hätten sie es doch, daß sie sich
einander gut gewesen wären. Dann wäre der
Bräutigam erst ordentlich zu seinen Eltern ge⸗
gangen und hätte die um Rath gefragt. Und
als die mit seiner Wahl zufrieden gewesen wä—
ren, hätte er sich aufgemacht zu den Eltern der
Braut und hätte denen sein Herz offenbart. Und
als die auch wohl zufrieden gewesen wären, hätten
die ihre Tochter hereingerufen und der das Be—
gehren des Junglings mitgetheilt, und sie gefragt:
willst du mit diesem Manne ziehen? Da sei sie
seelenfroh gewesen, sagte die Braut, hätte auch
gar nicht gezimpert, sondern in Gegenwart ihrer
Eltern fröhlich ia gesagt, und die Eltern hätten
ihre Hände in einander gelegt, und dann wären
sie zu den Eltern des Bräntigams gegangen, und
die härten ein gleiches gethan. Ich konnte es
nicht lassen, und mußte beiden Brautleuten die
Wangen streicheln, und sagen: Kinder, so babt
ihr es recht gemacht, Gott segne euch! Ja, sagte
der Bräutigam, weil Sie da von Gottes Segen
sprechen, so wollte ich nur sagen, daß meine
Braut mich gebeten hat, wir wollten mit einan-
der zu Ihnen reisen, und Sie bitten, Sie sollten
mit uns einmal beten, und uns dann auch zu
un serer Verlobung einsegnen. Ich sehe, Kinder,
erwiderte ich ihnen, ihr habt euch einander herz⸗
lich lieb, und das freut mich; ich denke auch, da
ihr zu mir gekommen seid, daß ihr ehrliche
Brautleute seid und ehrliche Brautleute bleiben
wollt, um mit Gottes Segen in den Ehestand zu
treten. Aber eins müßt ihr mir noch sagen, hat
dennoch, da ihr euch einander lied habt, der
HErr Jesus den ersten Platz in euren Her—
zen, und soll auch den ersten Platz behalten?
Sie bejahten es; ich stellte sie aber auf die
Probe, indem ich sie fragte, wenn nun der
HErr Jesus einen von ihnen abriefe zur himm-

lischen Hochzeit, ehe sie noch irdische Hochzeit

gehalten hätten, ob sie dann auch nicht bloß
sagen wurden: ich muß zufrieden sein, sondern
ob sie von Herzensgrund ausrufen könnten: der
Name des HErrn sei hochge lobet! Da
sahen sie erst mich, und dann sich untereinander
ein wenig bedenklich an. Als ich aber sie daran
erinnerte, daß ja der HErr Jesus den ersten
Platz im Herzen haben solle, und daß doch wahr⸗
baftig bei dem himmlischen Bräutigam zu sein,
besser wäre als bei dem irdischen, da sagten sie
wenigstens: wir wollen's bedenken und recht
ernstlich zu dem HErrn darum beten. Die Braut
aber meinte hernach, man sage doch gar zu leicht
etwas, das nicht ganz wahr wäre, denn wenn es
ganz wahr wäre, das Jesus den ersten Platz
im Herzen hätte, so hätten sie bei der letzten Frage
doch nicht so bedenklich sein können. Wir kuie⸗
ten dann mit einander nieder, ich betete mit ihnen
und segnete sie dann zu ihrer Verlobung ein.
Ich wollte, daß solches Gebet und solche Einseg⸗
nung von dem Pastor mit allen Brautleuten ge⸗
schähe, die sich, wie es christliche Sitte ist, bi
ihm einfinden, um ihm gemeinschaftlich ihre
Verlobung anzuzeigen. Nachher erzählten se
mir noch, daß sie sich mit Gottes Hulfe bald zu
verheirathen gedächten, und wollten noch bei min
anfragen, wie sie es auf der Hochzeit halten
mußten. Es sei bei ihnen Sitte, daß Abends
vorher ein Polterabend gefeiert würde, daß die
Trauung im Hause wäre, daß Musik und Tanz
am Hochzeitsabende wäre. Ich bat sie aber recht
inbrunstig, keinen Polterabend zu feietn,
weder einen groben, noch einen feinen, sondern
den Abend im Kreise der Ihrigen mit Gottes
Wort und Gebet zu feiern, es sei schändlich, sich
in den Ehestand hineinzupoltern, das thäten dit
Heiden. Ferner sollten sie sich hubsch in der
Kirche trauen lassen, denn dahin gehöre die
Trauung; sich im Hause zu trauen lassen, wär
Verachtung der Kirche, und erst bei den Vot⸗
nehmen in den Städten uͤblich geworden, welche;
sich der Kirche schämten und etwas vor den an—
dern Leuten voraus haben wollten, dann sei es
freilich auch zu den vornehmen Banern gekon⸗
men, sie sollten deshalb den Kirchensegen aus
der Kirche holen. Da man übrigens nicht mi
Gott anfangen und mit dem Teufel schließen
könnte, so sollten sie Musik, Tanz, Kartenspil
und Sauferei ganz weglassen von der Hochhzel,
deshalb lieber eine kleine Hochzeit geben, nur
einen Tag Hochzeit halten, und ihren Pastoren
bitten, daß er zu ihnen käme, um sie aus Gotls .
Wort zu erbauen, und bei Tische sollten se
das öffentliche Tischgebet und die öffentliche

Dauksagung nicht vergessen, auch hubsch den

Gesang dabei singen: bis hieher hat mich Gont

gebracht, wie denn auch nachher geistliche, leb⸗
liche Lieder eine rechte Wurze der hochzeitlicen
Freude sei. Und wenn sie vielleicht unter ihren
nächsten Verwandten einige hätten, die wilde,)
leichtfertige Gesellen wären, und an einer chris⸗

lichen Hochzeitfrier keinen Gefallen hätten, s

sollten sie die gar nicht einladen, zu kommen;

denn in solchen Sachen mußte es nach dem allen

plattdeutschen Spruchwort gehen: wat Vaddet,

wat Frund! Als die lieben Leute Abschied nab⸗
men, versprachen sie mir, sie wollten meiner Wont

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