Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 16, Nummer 24 › Seite 188

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juli 1860, Seite 188

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht · Zauberei · Luthers Schriften. —

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hat, so hat er sich nicht an gewisse Worte oder
bestimmte Silben gebunden, sondern er bedienn
sich solcher Worte, die seinen Willen ausdrucken,
welcher Art sie auch sein mögen; die Zauberer
aber bedienen sich gewisser und bestimmter Worte,
um ihre Werke hervorzubringen, welche weder
von Gott sind, noch mit Gottes Willen überein—
stimmen Gott handelt durch sein Wort mit ver⸗
nünftigen Creaturen und im Allgemeinen pflegen
wir leblose Dinge nicht mit Worten anzureden,
sondern nur diejenigen welche hören undauf irgend
eine Weise den Sinn der Worte vernehmen kön⸗
nen. Die Zauberer dagegen reden mit ihreu
Worten auch leblose Dinge an, beschwören das
Feuer, daß es nicht brenne, das Eisen, daß es
nicht verwunde, vermessen sich Blitze und Sturm-
winde zu bedräuen. Dieses alles hat mit dem
Gebrauch der Worte des Herrn nichts gemein.
Da nun die Worte von Natur jene Kraft, Dinge
hervorzubringen oder zu verwandeln, nicht haben,
darum folgt, daß die Wirkung, wenn sie zuwei⸗
len eine haben, von einer größeren Macht her—
kommt, entweder von Gott oder vom Tenfel.
Von Gott kommt sie, wenn das, was nach seinem
Willen geschieht, von ihm erbeten wird; auf diese
Weise haben die Propheten und Apostel mit An-
rufung des Namens Gottes Wunder gethan, in⸗
dem Gott in ihnen und durch sie wirkte. Die
Zauberer aber rufen mit ihren Worten, Zauber—
sormeln und Beschwörungen nicht Gott an, ob⸗
gleich sie sich gewisser aus der heiligen Schrift
genommener Gebete bedienen, weil sie nicht nach
Gottes Willen beten, denn sie suchen Sachen her⸗
vorzubringen, welche Gott keineswegs gefallen,
auch wenden sie Gebräuche, Geberden und Zei.
chen an, wodurch Gott beleidigt, gelästert oder
verspottet wird. Daher rufen sie vielmehr den
Teufel an, dem auch die Wirkungen, welche sie
hervorbringen, zugeschrieben werden mussen. Aus
diesem Grunde soll jeder Fromme solche Künste
verabscheuen.

*

—

(Eingesandt von Past. Hoppe.)
Sprüchwörter in Luthers Schriften.

(Fortsetzung.)
10. Gott ist der Schälke Gott.

In Gottes Namen hebt sich alles

Unglück an.

Die schändlichsten Buben verdecken ihre Bos-
he it mit dem Scheine des Rechtes und, wo eg
in ihren Kram paßt, berufen sich auf Gott den
HErrn, indem sie seinen heiligen Namen miß—
brauchen. Selbstgelaufene Prediger, Lugenleh⸗
rer, schmücken ihr Treiben mit dem Vorgeben der
Liebe, ihre Lehre mit Gottes Worte, durch Ver⸗
kehrung desselben. Darnm soll ein Christ ler.
nen, rechte Lehrer von falschen Propheten, wahr⸗
haftige Gottseligkeit von gleißender Heuchelei, und
rechten Brauch der heil. Schrift von lästerlicher
Verdrehung zu unterscheiden, damit er nicht
verfuhrt und um Leben und Seligkeit betrogen
werde.

Luth. Ww. 13, 201 f. „Derhalben ist es
wahr, wie man saget, die heilige Schrift sei ein
Ketzerbuch, das ist, ein solch Buch, deß sich die

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Ketzer am meisten anmaßen. Denn kein ander
vissen auch kein anders zu rühmen, und ist noch
nie keine Ketzerei so arg oder so grob gewesen, die

zudecken. Gleichwie man auch saget: Gott ist
der Schälke Gott, darum, daß sich der größte
Haufe in der Welt des Gottes annimmt: nicht

daß ihre Schalkheit von ihm sei, oder ihm ge⸗
falle, sondern daß sie seines heiligen Namens
also mißbrauchen. Also muß die heil. Schrift ein
Ketzerbuch sein, nicht, daß es ihre Schuld sei,
sondern der Buben, die ihr so schändlich mißbrau⸗
chen. Desgleichen pflegt man zu sagen im Sprüch⸗
wort: In Gottes Namen hebt sich alles Unglück
an; das ist auch wahr. Ei, sprichst du, so will ich
Gottes Namen nicht brauchen, und mich dafür
hüten? Was ist das geredet? Was kann der
Name dazu, welcher darum da ist, daß ich selig
werde? Die Buben und Schälke wird er wohl
finden. Also ist die Bibel ein Ketzerbuch: aber
darum will ich sie nicht hinwerfen, sondern desto
mehr darinnen studieren und lesen, daß ich mich
vor der Andern Mißbrauch wisse zu hüten.

So sei nun jeglicher geschickt und gerüstet, daß
er sich nicht so leichtlich lasse verfuhren mit dem
scheinenden Vorgeben der falschen Lehrer, ob sie
dir gleich auch die Schrift wollen mit einführen,
denn es liegen gewiß reißende Wölfe darunter.
Und wenn du meinest, sie speisen und sättigen
dich, so zerreißen sie, würgen und fressen dich.
Aber dieß wird niemand so bald urtheilen oder
richten können, denn mit geistlichen Augen. Der
Pöbel und gemeine Mann thut es nicht; der
größte Haͤufe verachtet das Evangelium, sind un—
dankbar, und das kleinste Häuflein nimmt es an,
und kann es spüren. Und ist hie der größte und
schwerste Streit, daß man mit Schrift wider
Schrift streiten soll, einem das Schwert abschla—
gen, und ihm zuvor kommen, die Wehre aus der
Hand reißen, und mit seinem eigenen Schwert
erwürgen; welches niemand thut, denn wer mit
dem heiligen Geist erleuchtet ist, daß er diesen
Schalk sehe.“

11. Es krümmet sich balde, was da
willeine Hacke werden.

Urit mature, quod vult urtica manere. (Es
brennt frühe, was ein Feuerbrand bleiben will.)
Dem Scheider wird gemeiniglich
das Beste da von.

Mancher will dem Regen entlau⸗
fen undfällt gar in's Wasser.

Bei einem Christen zeigen sich bald die Früchte
des Glaubens. Gott allein die Ehre, das ist die
einzige Richtschnur der Lehre, des Glaubens und
des Lebens, von der nichts abgelassen und nach⸗
gegeben werden kann. Sonst aber sollen wir
gern weichen und mit Hintenansetzung unseres
Rechtes Alles thun, wodurch der Zwietracht ge⸗
wehrt und der Friede erhalten und befördert wer⸗
den kann. Aber darauf müͤssen wir uns gefaßt
machen, daß solcher Wandel in der Liebe uns
von der Welt schlechten Dank und Lohn bringen,
und Gefahr der Nahrnng, der Ehre, des Leibes
und Lebens gewiß nicht ausbleiben werde.

Luth. Ww. 35, 48, „Als der erschlagene Ae-

Buch ist, daß sie so viel mißbrauchen, ja, sie
anders zankten, da wollte er sie auch vertragen

sich nicht mit der Schrift hätte wollen flicken und

gypter in dem Sande bescharret war, und Moses

sah, daß zween hebräische Männer sich mit ein⸗

und sein Amt ansrichten, als ein Regent und
Herr der Kinder von Israel, der da seinem Volk
vorstehen sollte mit Gericht und Gerechtigkeit, sie
schützen und beschirmen, daß ein gemeiner Land-
friede erhalten würde, damit die Frommen ge⸗
ehret, die Bösen gestraft werden möchten; ist
Scheidemann, will dem Unschuldigen nicht lassen
Unrecht geschehen: fähet Moses derhalben sein
Amt zeitlich an, daß er will ein Heerführer des
jüdischen Volkes sein, unterfänget sich bald seines
Amts und Gewalt.
krümmet sichs bald, was da will eine Hacke wer⸗

den. Item: Urit mature, quom vult urtica
manere. Er lässet sich sehen, daß er ihr Herr

und Helfer sein sollte, welchen Gott geschickt
hätte den Kindern von Israel.

Wie gehets nun Mose über dem, daß er dem
unschuldigen Hebräer helfen will? Er will Schei⸗
der sein, und durfte wohl Scheidemanns⸗Theil
bekommen; wie man denn pflegt im Spruchwort
zu sagen: Dem Scheider wird gemeigiglich das
Beste davon, sie werden gerne geschlagen; also
wird auch dieser Hebräer, Moses Bruder, des
guten Mose Verräther. Er spricht zu ihm: Willst
du mich auch erschlagen wie den Aegypter? Und

bringets vor den König Pharao, welcher Mose!

nachtrachtet, daß er ihn umbrächte. Pharao
hätte dem Mose den Hals abgehauen als einem
Todtschläger, hätte er ihn bekommen, muß also
Moses fliehen vor dem Pharao; das ist Moses
Lohn und Trankgeld, darum daß er den königlichen
Hof verlassen, und sich zu seinen Brudern gesellet
hat, und will sie aus Aegypten fuhren. Da schelten
sie ihn einen Mörder, und kömmt durch sie in
Gefahr Leibes und Lebens. Er wollte bei den
abgöttischen Aegyptern in großem Reichthum und
Herrlichkeit nicht bleiben am königlichen Hofe,

Denn wie man saget, so

und fällt unter die undankbaren, boshaftigen

Israeliten, an denen kein Dank zu erstehen ist.

Also gehets in der Welt, daß Mancher dem
Regen will entlaufen, und fallet gar ins Wasser.
Aber diese Undankbarkeit der Welt soll uns nicht
abschrecken, Andern Gutes zu thun. Es gehet
Christen nicht anders in der Welt, Wohlthat wird
ihnen mit Uebelthat vergolten. So folget auch
gemeiniglich Gefährlichkeit, Verfolgung, Jammer
und Noth, Armuth und Verachtung, Verjagung
und allerlei Elend allen denen, die da Gott dienen
wollen, und ihres Berufes, Standes und Amts
getreulich warten. Denn da Moses sein Amt
allhie ausrichtet, und dem Untergedruückten hilft,
so muß er drüber Leibes und Lebens vor dem
Könige Pharao nicht sicher sein. Aber Gott ist

mit ihm in diesem Exilio, und er enthält sich
im Lande Midian, wohnet unter den Unbekann⸗

ten, und krieget da Weib und Kind.“

Luth. Ww. 61, 399. „Von Einigkeit zu ma⸗
chen, gab der Herr D. M. Luther, als er zu
Eisleben handelte zwischen den Grafen von
Mansf ld, so sehr uneins waren, dieses Gleich-⸗
niß und sprach: „Wenn man einen Baum mit
viel knörrigen Aesten und Zweigen hätte abge⸗
hauen, und man wollt ihn in ein Haus oder in
eine Stube bringen, da muß man ihn nicht vorn

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