Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 17, Nummer 4 › Seite 28

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Oktober 1860, Seite 28

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gottesdienſt. R

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(Eingesandt.)
Luthervereiu.)

Als ich, von meiner Erholungsreise von
Deutschland zurückgekehrt, hier unterweges in
einer meiner fruͤheren Gemeinden nach der Pre⸗
digt vermelden hörte, es habe sich in der Missouri⸗
Synode ein Lutherverein gebildet, so hüpfte
mein Herz vor Freuden. Denn ich habe, Gott
sei Lob und Dank, selbst erfahren, welchen Se—
gen man durch das Lesen der Luthersschriften
hat, und muß Calvin hierin beistimmen, daß
man auf einer Seite in Luthers Schriften mehr
Geist und Kraft findet, als in ganzen Büchern
anderer Lehrer. So habe ich's auf meiner Reise
in Deutschland an so vielen sonst lieben Pfarrern
und Schullehrern erfahren können, daß ihnen der
Gebrauch der Schriften Luthers fehlt; und hier zu
Lande nennt sich so Mancher „lutherischer Pfar⸗
rer“, und besitzt leider die kostbaren, jetzt so billi—
gen Werke (auch nur zu oft die darin enthaltene
koͤstliche Lehre) nicht. Man sagt: dem gemeinen Volk
seien die Werke Luthers zu kostspielig; mag wohl
sein, vielleicht auch oft nicht. Die Auszüge seien
mangelhaft; ist wahr, wenn ich z. B. Zimmer-
mann's „Geist aus Luthers Schriften,“
Vents „Auswahl für das Bedürf⸗
niß der Zeit;“ Goßners „Aus zug
aus Luther's Schriften,“ ansehe und
mit Luthers Werken vergleiche. Aber nun soll
ein Werk für's Volk erscheinen, das nicht zu
theuer, und gewiß zureichend und un⸗
verändert ist; es soll wohl das bisherige
Geschnitzel weit überbieten; und was wäre sehn⸗
licher zu wünschen, als daß unser lieber Herr
Jesus Gedeihen zum Heraus geben und
recht viel willige Herzen zum Anschaffen
scheuken möchte! Jeder lutherische Christ sollte
es besitzen, um selbst zu prüfen, welche Schätze
unsere Kirche hat. Und glaube mir nur, lieber
Mitchrist: es liegt mehr in Luthers Schriften,
als du ahnst und bezahlen kannst. Jetzt wirst
du nach und nach hören und bewundern, welcher
Geist in diesem Luther war; wirst neugierig for⸗
schen, wie rein, schlagend, klardeutlich und gründ⸗
lich er die Glaubensartikel erklärt; wie köstlich er
z. B. einzelne Stücke der heil. Schrift erklärt, als
z. B. das erste Buch Mose, die Bußpsalmien, die
meisten Propheten, die Kernkapitel aus dem
Evangelio Johannes u. a. m. Du wirst dich
wundern, wie rein er die Lehre von der heiligen
Taufe, Schlüsselamt (oder Beichte), heil. Abend⸗
mahl (sonderlich, daß die Worte: „das ist mein
Leib“ noch feste stehen), vom Bann, Wucher, von
der Sünde in den heiligen Geist, Zauberei u. s. w.

hinstellt; und wenn Gott die Welt noch lange

stehen läßt und der Lutherverein nicht lahm wird,
so werden auch Luthers Briefe, Tischreden, Lieder
und anderes mehr ans Licht kommen.

O ihr Deutschen! der Markt ist vor der Thür,
sammelt, sammelt, sammelt!!! — Wollte wohl
auch noch einen Rath geben in Bezug auf das
Le sen dieser jetzt ausgehenden Luthersschriften;
nämlich, daß man sie nicht ins Schweißtuch hulle,
und besorge, sie möchten schmutzig werden, son⸗

*) Diese früher, aus Versehen zurückgebliebene Einsen⸗

dung wird hoffentlich noch jetzt mit Nutzen gelesen werden. [IEsum Christum, unsern lieben HErrn u. s. w. IEsum Christum, den Gekreuzigten und Verherr⸗

men.

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dern daß man sie so lese, daß Weib und Kind,
Knecht und Magd, und was zum Hausgesinde
gehört, auch etwas davon hören können. Die
beste Zeit hiezu ist wohl Mittags am Tisch nach der
Mahlzeit, da noch Alles beisammen sitzt, und be⸗
sonders der Landmann gerne ein wenig rastet.
Und wenn ich ein Gemeindeglied wäre, so ließe
ich meinem Pfarrer keine Ruhe, bis er jede Wo⸗
che einen Abend hiezu spendete, und es würden

sich wohl einige Freunde finden, die beiwohnten.

Es würde sich bei solchem gemeinschaftlichen Le⸗
sen so Manches zwischen den Zeilen finden; so
Mancher sich veranlaßt finden, Auskunft zu ver-
langen; und somit würden unsere Luthersschrif⸗
ten in's Haus, Gedächtniß, Herz und Leben kom⸗
Dies mein Rath; allein laßt uns weiter
hören, welchen Rath der vertraute Freund Lu-
thers, Herr Nicolaus von Amsdorf, den
18. Febr. 1555 „seinem lieben Fürsten
Joh. Friedrich und allen frommen
Christen und Heiligen auf Erden“
gibt. Er schreibt: „Obwohl der liebe heilige
Mann Gottes oft gewünscht und begehrt hat, daß
seine Bücher untergehen sollten, und Jedermann
zur lebendigen Quell und Brunnen der heiligen
Schrift (darum er allein geschrieben und alles
gethan hat) zu lesen bewegt und getrieben wüͤrde,
so müssen wir doch mehr darauf sehen und achten,
was der christlichen Kirche nütz und noth ist,
denn auf seinen Wunsch und Willen.

Denn das weiß ich fürwahr, daß seit St.
Pauli Zeit seines Gleichen auf Erden nicht kom⸗
men ist, der die heilige Schrift mit solchem Ernst,
Geist und Verstand erkläret und ausgelegt, und
alle Irrthümer, falsche Lehren und Ketzereien,
sonderlich die erste und letzte, auch die ärgste und
schädlichste Ketzerei, so je auf Erden kommen ist;
daß gute Werke zur Seligkeit von
Nöthen sind, durch Gottes Wort so gewal⸗
tig widerlegt und umgestoßen hat, als eben die ser
unser lieber Dr. M. Lutherus, heiligen Gedächt⸗
nisses. Auch nie keiner kommen ist noch kommen
wird, der die Artikel unsres heiligen christlichen
Glaubens und die beiden Sacramente, so Chri-
stus unser lieber Herr und Heiland gestiftet, ein⸗
gesetzt und uns zu halten befohlen hat, so deut⸗
lich, herrlich und gewiß durch Gottes Wort, und
sonderlich vom Abeudmahl wider Zwingli und
seinen Anhang gewaltiglich gegründet und be⸗
währet hat, als Er.

Derohalben, was für Nutzen und From⸗-
men bringen wird, Dr. M. Luthers Bücher zu
lesen, will ich die Leser selbst erfahren lassen.
So gibt's und zeigt's auch die That an ihr selbst,
wie man sagt: Das Werklobt seinen
Meister. Denn vor Dr. Luther's Zeiten hat
Niemand gewußt, auch die besten und heiligsten
Mönche selbst nicht, wie man der Sünden sollt
los gen Himmel kommen und selig werden. Der—
halben denn ein Jeder einen eigenen Weg gesucht
und erwählet, dadurch er Gnade hat erlangen
wollen, daß er selig würde. Aber von Dr. M.
Luther seligen Gedächtniß, haben wir, Gottlob,
nun viel anders gelernt, nämlich, daß nicht mehr
denn ein einiger Weg und Mittel ist, Gnade und
Seligkeit zu erlangen, nämlich der Glaube an

Und wenn wir sonst keinen Nutz noch Frommen
aus Dr. M. Luthers, heiligen Gedächtniß, Bü⸗
cher hätten, denn dieses oben angezeigte Stuck, so
sollten wir doch seine Bücher lieb und werth hal⸗
ten, und aus unsern Händen nimmermehr kom⸗
men lassen.

Nun sind über das in Dr. Martini, seligen
Gedächtniß, Bücher, wie auch oben gemeldet,
alle Artikel unseres christlichen Glaubens so deut⸗
lich und gewiß erkläret, daß auch die Pforten der
Höllen mit allen ihren Schuppen und Gliedern
dawider nichts sagen noch aufbringen können;
so unwidersprechlich hat er sie mit Gottes Wort ge⸗
gründet, bewiesen und bewähret. Und sonder⸗
lich diese drei Artikel, daß drei Personen
in einem göttlichen Wesen sind;
item, daß Jesus Christus wahrer
Gott und Mensch ist, und die Lehre
von der Rechtfertigung. Dazu mag
man auch rechnen die Offen barung des
Antichristen zu Rom. Diese Artikel unsres
heiligen christlichen Glaubens hat kein Doctor,
seit die Christenheit nach der Apostel Zeit gestan⸗
den, so deutlich aus der Schrift erklärt, bewiesen,
be festigt und gegründet, als Er 3darum auch
se ine Bücher mit aller Welt Gut
und Geld nicht zu bezahlen sind.
Dafür wir Gott nimmermehr genug danken kön⸗
nen, daß er diesen Mann, sein auserwähltes
Rüstzeug, Or.Martinum, aus sonderlicher Gnade
erweckt und der deutschen Nation gegeben hat.

Darum will ich diese Bücher Dr. Martin Lu⸗
thers, des heiligen Mannes und treuen Dieners
Jesu Christi, nicht den Sternguckern, so aus
Sternen weissagen, wie es den Leuten gehen soll,
sondern den Frommen und einfältigen Christen
mit Ernst, Bedacht und Fleiß zu lesen befohlen
haben.

Auf daß nun solcher theure, große und un
aussprechliche Schatz der Bücher Dr. Luthers
der Kirche nicht entwandt noch unterdruckt oder
verloren, sondern bei einander bleiben und erhal⸗
ten werde, auch nicht durch fremder Bücher Zu⸗
satz mit menschlicher Weisheit besudelt, geändert
und verfälscht werde, so sind diese Bücher Dr.
Lutheri ganz rein und unverfälscht, darinnen
nichts zugethan oder darein gemischet ist, sondern
wie sie der liebe Mann Gottes selbst geschrieben,
gelesen oder gepredigt hat, von Wort zu Wort,
um unserer Nachkommen willen, zu drucken be⸗
fohlen worden.“ (Vorrede zur Jenaischen Aus⸗
gabe.)

Eines der vielen Zeugnisse des Dr. Hieron.
Weller über Luthers Schriften lautet also: „Lu-
therus hat gewußt, in allerlei Angst, Noth, Un⸗
fall, Widerwärtigkeit und Anfechtung meisterlich
zu rathen und zu trösten, und in dem Stücke über⸗
trifft er weit alle Lehrer in der Christenheit, so je
gewesen sind, oder kommen mögen; welches er
nicht hätte thun können, wo er nicht einen so rei⸗
chen Geist gehabt und so viel Sturmwinde und
Mordstöße vom Tenfel erlitten hätte.“

Und in Benj. Lindners Ausgabe der Briefe
Luthers sagt die Vorrede: „Luthers Schriften
preisen den Elenden und Armen, den Mühseligen
und Beladenen, den Blöden und Bekümmerten

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