Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 17, Nummer 4 › Seite 29
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Oktober 1860, Seite 29
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gottesdienſt. R
lichten, seine Gerechtigkeit, Gnade und Heil, die
gesammten Schätze des Evangelii, und was nur
zur Gnade des neuen Bundes gehören mag, un⸗
gemein herzlich an. Diese erwecken und ermun—
tern solche Seelen zum einfältigen und lautern
Glauben, und zeigen, wie man dazu kommen
könne; ja diese sind vollkommen nach dem Ge⸗
schmack solcher Hungrigen und Heilsbegierigen,
sintemal sie ihnen den geradesten Weg weisen,
wie sie die Stillung ihres Verlangens überkom-
men und zu rechter Ruhe gelangen sollen. Und
es hat die Erfahrung voriger und jetziger
Zeiten gezeiget, daß einfältige und sehr un-
wissend gewesene, aber erweckt gewordene
Seelen, durch Lesen der Schriften Luthers
den Segen erlangt, danß ihnen ein rechtes
eicht aufgegangen, die Wege des
Glaubens zu verstehen, Christus
lebendig kennen und ihnergreifen
zu lernen; wofür der Name des HErrn ge⸗
priesen sei.“
Fr. Besel.
Das Altenburger Bibelwerk.
Schon in der zweiten Nummer des gegenwär⸗
tigen Jahrgangs des „Lutheraner“ hat Herr Pa⸗
stor Schaller den lieben Lesern die frohe Kunde
gebracht, daß endlich der von so vielen lang—
ersehnte erste Band des sogenannten Alten-—
burger Bibelwerkes erschienen sei, und
uber den Inhalt und die Ausstattung dieses Ban-
des das Nöthige berichtet, auch diejenigen, welche
schon das früher erschienene Altenburger Neue
Testament haben, an die hohen Vorzüge und
au die außerordeutliche Nutzbarkeit desselben er-
innert, die sie ohne Zweifel aus dem Gebrauche
desselben erkannt und erfahren haben.
Wir können jedoch nicht umhin, unsere Leser
noch einmal an dieses herrliche Werk zu erinnern,
namentlich diejenigen, welche es noch nicht be⸗
stzen.
Als vor vier Jahren, im Jahre 1856, zunächst
das Neue Testament des Altenburger Bi⸗
belwerkes gedruckt werden sollte, ließen wir
ein Flugblatt drucken, in welchem wir unter An-
derem Nachricht über die Beschaffenheit des Wer;
les fuür diejenigen gaben, die es noch nicht kennen.
Um solcher Leser willen wird es nicht überflüssig
sein, wenn wir das, was wir bierüͤber damals
geschrieben haben, hier wieder abdrucken lassen.
Es ist Folgendes:
„Jenen Beroensern gereicht es zu ewigem Lobe,
daß ihuen der heilige Geist selbst das Zeugniß
gibt: „Sie waren die Edelsten unter denen zu
Thessalonich; die nahmen das Wort auf ganz
williglich, und forschten täglich in der
Schrift, ob sichs also hielte.“ Apostg. 17, 11.
Damit hat aber auch zugleich der heilige Geist
selbst, wie an vielen andern Orten, bezeugt, daß
einem Christen Nichts so nothwendig und so heil⸗
sam ist, als vor Allem fleißig, und zwar täglich,
in der heiligen Schrift selbst zu lesen und forschen.
Ale die theuren Gottesmänner, welche zur Er⸗
bauuug der Christenheit allerlei gottselige Schrif⸗
ten herausgegeben haben, haben daher hiermit
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die Christen keineswegs dazu anleiten wollen,
anstatt in dem heiligen Bibelbuch selbst, allein in
menschlichen Büchern ihre Erbauung zu suchen.
Vielmehr haben alle rechtschaffenen Gottesge-
lehrten ihre Schriften eben nur dazu geschrieben,
die Christen durch dieselben in das Buch aller
Bücher, in die Bibel selbst, zu treiben. Als da⸗
ber einst der Mann Gottes Luther den ersten
Theil seiner Kirchenpostille hatte ausgehen lassen,
schrieb er am Schlusse desselben: „Hinein, hinein,
liebe Christen! und lasset mein und aller Lehrer
Auslegung nur ein Gerüst sein zum rechten Ban,
daß wir dasbloße, lautere Wort Got⸗
tes selbst fassen, schmecken, und da
bleiben; denn da wohnt Gott allein in Zion.“
So begierig jedoch alle wahren Christen sind, den
Rath Gottes zu ihrer Seligkeit aus der Quelle
selbst zu schöpfen, so lassen sich doch, wie am
Tage ist, uicht Wenige davon deßwegen vielfach
abhalten, weil sie bei vielen Stellen auf die
Frage: „Verstehest du auch, was du liesest?“
mit dem Kämmerer aus Mohrenland antworten
müssen: „Wie kann ich, so mich nicht Jemand
anleitet?“ Apostg. 8, 30. 31.
Und gewiß, mancher Hausvater möchte wohl
gern täglich die Seinigen um seinen Tisch ver⸗
sammeln und ihnen das theure Wort Gottes
immer und immer wieder von Anfang bis zu
Ende vorlesen; aber es ist ihm leid, daß es ihm
an einer Bibel fehlt, in welcher zugleich eine An-
leitung enthalten ist, das Gelesene auch zu ver⸗
stehen und heilsamlich anzuwenden.
Es gibt jedoch, Gott sei Lob! eine Bibelaus-
gabe, in welcher ein frommer Christ Alles, was
er sich zu diesem Zweck nur wünschen kann, bei⸗
sammen findet. Es ist dieß nämlich das soge⸗
nannte Altenburger Bibelwerk. Es
heißt das Altenburger darnm, weil es von
dem seligen Geueralsuperintendenten des Her⸗
zogthums Sachsen-Altenburg, Ur. Johann
Christfried Sagittarius (dem Heraus⸗
geber der Altenburgischen Ausgabe der Werke
Luthers), zusammengestellt worden und in der
Stadt Altenburg im Jahre 1676 das erste Mal
im Druck erschienen ist. Dieses Bibelwerk ent⸗
hält erstlich die ganze heilige Schrift Alten und
Neuen Testamentes nebst den Apokryphen nach
der Uebersetzung Dr. Martin Luthers, sammt
dessen so werthvollen Randglossen und wahrhaft
goldenen Vorreden zu den meisten Büchern der
Schrift. ö
Außerdem findet sich in die ser Bibel 1. vor
jedem Capitel eine besondere Vor⸗
rede. Diese Vorreden haben den Zweck, den
Leser oder Zuhörer zum Lesen oder Anhören des
folgenden Capitels vor zubereiten, aufzuwecken und
zu ermuntern, damit es mit rechter Andacht und
zum Segen geschehe. Es stammen diese Vor⸗
reden vor jedem einzelnen Capitel von einem
alten gottseligen Prediger zu Breslau, mit Na⸗
men Franziscus Vierling, der dieselben
im Jahre 1569 herausgegeben hat. Ferner fin⸗
den sich in dieser Bibel 2. noch nach jedem
Capitel die Summarien“ von dem be⸗
kannten Freund und Mitarbeiter Luthers, Veit
Dietrich, weiland Prediger zu Nürnberg,
welcher dieselben zum Alten Testament im Jahre
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1540 und zum Neuen Testament im Jahre
1544 herausgegeben hat. Die „Summarien“
sind so beschaffen, daß sie in der Summa den
Inhalt des verlesenen Capitels angeben, von den
darin vorgekommenen schwer zu verstehenden
Stellen die Auslegung geben und den Leser an⸗
weisen, wie er das Gelesene zu seiner Seligkeit
anzuwenden habe. Oft sind auch die Capitel,
wenn sie etwas länger sind, in mehrere Abschnitte
eingetheilt, und dann hat jeder Abschnitt auch
seine besondere Vorrede und sein besonderes
Summarinm.
Da der selige Luther schon vorher Sum-
marien über den Psalter herausgegeben hatte, so
hat Veit Dietrich keine neuen ausgearbeitet, son⸗
dern diese Lutherschen Summarien über jeden
Psalter aufgenommen. Endlich findet sich 3. in
dieser Bibel hinter jedem Capitel oder Capitel⸗
abschnitt auch noch ein kurzes Votum oder Ge—
betlein von dem obengenannten Franzis-
cus Vierling. Es gibt zwar noch viele
andere herrliche deutsche Bibelwerke mit gründ⸗
licher Auslegung, worunter ohne Zweifel das
sogenannte Weimarische Bibelwerk, was Voll⸗
ständigkeit und Gründlichkeit betrifft, das vor⸗
trefflichste ist; allein alle anderen, und auch das
Weimarische, sind so beschaffen, daß sie nicht gut
vorgelesen werden, und die Einfältigen sich nicht
immer wohl hineinfinden können, indem sie meist
abgebrochene Erklärungen der einzelnen Worte
und Sprüche enthalten. Das Altenburger Bi⸗-
belwerk hingegen ist so eingerichtet, daß man
Alles, die Vorrede, das Capitel, das Summa⸗
rium und endlich das Gebetlein ohne Unter-⸗
brechung lesen kann, und doch auf diesem Wege
zum rechten Verständniß und heilsamen Gebrauch
des betreffenden Theiles des Wortes Gottes an-
geleitet und unter der gnädigen Wirkung des hei⸗
ligen Geistes auch dazu gebracht wird. Alles
bloß für Gelehrte Nöthige ist weggelassen, immer
auf die Hauptsache hingewiesen und namentlich
auf die Erbauung das Absehen gerichtet. Auf
diese Weise ist die ganze heilige Schrift auch dem
Einfältigsten so zugerichtet, daß er darin wie in
einem schönen Paradiese lustwandeln und von
jedem Capitel wie von einem Baum des Lebens
die süßesten Früchte pflücken kann; und damit
hat nun insonderheit jeder Hausvater das aller⸗
köstlichste Mittel, wenn er nur deutsch lesen kann,
täglich den allerschönsten, erbaulichsten Haus⸗
gottesdienst zu halten. Jede Vorrede mit ihrem
Capitel, Summarium und Schlußgebet enthält
eine so berrliche Haus- und Familienpredigt, daß
ein Hausvater die Seinigen täglich nicht reichli⸗
cher und besser mit gesunder geistlicher Speise
versorgen kann, als wenn er täglich etwa des
Morgens und des Abends ihnen einen solchen
Abschnitt vorliest.
Das Bedürfniß eines solchen Buches fühlend,
haben schon seit einer Reihe von Jahren mehrere
eifrige Liebhaber der Bibel hie und da, welchen
das Altenburger Bibelwerk bekannt war, den
Wunsch ausgesprochen, daß dasselbe wieder auf⸗
gelegt und den hiesigen Christen wieder in die
Hände gegeben werden möchte. So hat sich
denn endlich der hiesige deutsche evangelisch-lu⸗
therische Central⸗Bibelverein im Namen Gottes
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