Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 17, Nummer 8 › Seite 62
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. November 1860, Seite 62
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gottesdienſt. R · Loge 9 · Prieſtertum 2 · Taufe 58
O. Hunger aber, der den Titel eines Doktors
der Weltweisheit trägt, ein Glied der Ohio⸗
Synode, glaubte die Synode von Pennsylvanien
vertheidigen zu müssen. Die Ursache ist, weil er
meint, daß nicht nur die Taufe, sondern auch die
Predigt des Wortes Gottes, das h. Abendmahl,
die Absolution, der Segen bei der Copula-
tion u. s. w. seine Kraft erst bekomme von der
Ordination! So schreibt nehmlich Herr
Dr. Hunger in der Columbusser Kirchenzei⸗
tung vom 15. November:
„Daß die von Ketzern vollzogene Taufe, wenn
sie anders rechtmäßig ordinirt sind, gültig
ist, hat die Kirche allzeit gelehrt, weil die Ordi⸗
nation ein göttlicher Befehl ist, das Pre⸗
digtamt und die heiligen Sakramente nach dem
Bekenntniß der heiligen apostolischen katholischen
Kirche zu verwalten. . .
Das Ministerium von Pennsylvanien hat le⸗
diglich die Taufe, welche von Betrügern, die sich
als Prediger des Evangeliums ausgeben, aber
nicht durch die heilige Or dination als solche
bevollmächtigt sind, vollzogen wird, für ungültig
erklärt und daran thut dasselbe vollkommen recht
und es ist erfreulich, daß es ein in unserem Lande
und unter unsern Verhältnissen so nöthiges Ur⸗
theil klar und unumwunden ausgesprochen hat.
Nur hätte das Ehrwürdige Ministerium dies
nicht auf die Taufe allein beschränken, sondern
folgerichtig von allen angeblich kirchlichen Hand⸗
lungen solcher Betrüger aussprechen sollen.
Denn wenn ein solcher predigt und selbst,
wenn er die Wahrheit predigen sollte, so
wirkt doch der heilige Geist nicht
durch solche Predigt; wenn er tauft, so
thut er es nicht im Namen und Befehl Got-
tes, tauft also gar nicht; wenn er die
Worte des Segens spricht, so spricht Gott
nicht durch ihn; wenn er absolvirt,
so ist es nicht Gottes Absolution; wenn
er die Ehe schließt, so segnet nicht der
Herr aus Zion; wenn er Abendmahl
hält, so ist es nichts als räuberischer
Frevel am Heiligthum. Kurz, was
er spricht und thut ist nichts als
leerer Schall und wesenlose Form,
nicht blos ohne Kraft und Segen zum Leben, son⸗
dern auch ihm selbst und de nen, welche ihm
folgen zur Verdammniß.
Die Gnadenmittel wirken nicht
durch sich selbst, wir können sie auch
nicht weder aus dem Himmel, noch
aus der Schrift selbst holen, sondern
Gott hat Apostel, Propheten, Evangelisten, Hir⸗
ten und Lehrer gesetzt als Botschafter an
seiner Statt und Haushalter über seine Geheim⸗
nisse; denn Niemand nimmt ihm selbst die Ehre,
sondern der berufen ist von Gott, wie auch
Aaron, woraus folgt, daß, wer sich aus Eitelkeit
oder um schändlichen Gewinnstes willen das
Predigtamt unberufen anmaßt, nicht Gottes Werk
treibt, also auch nicht den Segen mittheilen kann,
den Gott durch's Amt spendet. Von der Noth⸗
taufe und sonstigen Fällen der Noth zu reden, ist
hier nicht am Platze.“) .
*) Es ist sehr klug, daß Hr. Hunger von der Laien⸗Nothtaufe
nicht reden will. Denn wenn er die Laien⸗Nothtaufe nicht
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In der Kirche gilt in dieser Beziehung, was
auch im Staate gilt. Will Jemand ein gil⸗
tiges Dokument, sei es Testament, Vollmacht
oder Kaufbrief ausstellen, so genügt es nicht, daß
irgend Jemand ein solches schreibt und wenn es
auch genau nach der Form des Gesetzes gemacht
wäre und Siegel und Unterschrift trüge, sondern
es wäre null und nichtig und wird als Betrug
angesehen, wenn ein Anderer, als der dazu be⸗
vollmächtigte Beamte es ausgefertigt hat.“
Die seinsollenden Beweise für diese nur in Buf⸗
falo erhörten Sätze, welche der Doctor der Welt⸗
weisheit, Hr. P. Hun ger beibringt, lassen wir
weg, weil wir nicht Lust haben, gegen so offen⸗
bare Irrlehre einen Streit anzufangen. Jedes
lutherische gut geschulte Schulkind weiß, wie es
solche mehr als papistische Lehre anzu⸗
sehen hat. — Uebrigens thut es uns doch leid,
daß das Geschreibsel Hrn. Hunger's in die Co-
lumbusser Kirchenzeitung so willig aufgenommen
worden ist.x) Wir wissen wohl, daß Hr. Prof.
Lehmann kein formelles Recht hatte, die Ein⸗
sendung zurückzuweisen, da die Kirchenzeitung
Organ der Ohio-Synode ist, zu der Hr. Hunger
gehört. Aber wie traurig ist es, wenn eine lu⸗
therische“ Synode in einem offenbar noch so
unirten Zustande sich befindet, daß der Irr⸗
thum, ja die offenbarste Ketzerei in ihren Orga⸗
nen sich breit zu machen das Recht hat! Der
gegenwärtige Fall sollte und könnte wohl der
Ohio-Synode die Angen über ihren Lehr⸗ und
Bekenntnißstand eröffnen.
Aus Böhmen. Im böhmischen Riesenge⸗
birge ist eine kirchliche Bewegung bemerkbar.
Die Bewohner des katholischen Dorfes Spalow
bei Semil (4 Stunden von Krischlitz) sind vom
Pabstthum abgefallen und es sind bereits 60 Per⸗
sonen gesetzlich zur evang.-luth. Kirche übergetre⸗
ten und haben sich der lutherischen Gemeinde
in Krischlitz einverleiben lassen. Die Bewohner
eines zweiten Dorfes Bitouchow sind soeben im
Begriffe, denselben Schritt zu thun. Dies ge⸗
schieht in einer rein päbstlichen Gegend. Ist
das nicht ein Wunder von dem HErrn? Jeden
Sonntag wandern diese Leute mit Weibern und
Kindern in die vier Stunden entfernte luth
Kirche nach Krischlitz. Sie waren in den Pfarr-
ort Boskow eingepfarrt. Dies ist ein Wall⸗
fahrtsort mit einem Marienbilde, wohin jährlich
viele Katholiken wallfahrten. Als sie zu ihrem
Pfarrer nach Boskow kamen, um ihren Uebertritt
gesetzlich anzuzeigen, wurden sie von den katholi⸗
schen Bewohnern Boskow's mit den Worten
freundlich empfangen: „Gott stärke euch, lie ben
Leute, in eurem Vorhaben; seid muthig und ver⸗
trauet Gott; wir werden euch nachfolgen.“ —
Petersburg (Rußland). Hier leben 60—
wider die allgemeine Praxis der ganzen Kirche auf Erden
verwerfen will, so ist damit von ihm selbst sein ganzes
Geschreibsel widerlegt. (Der Luth.)
*) Hr. Dr. Hunger hatte selbst Sorge, daß die Einsen⸗
dung von dem Redacteur ungünstig aufgenommen werden
werde. Der Redacteur aber erkennt „mit Freuden an, daß
der geschätzte Verfasser in ruhigem Ton und würdiger Haltung
den Gegenstand behandelt.“ Ja, er ermuntert den Schreiber
mit den Worten: „Er schreibe also nur fröhlich fort; wir
wollen ihm in demselben Geiste antworten.“ Wenn das
nicht Unionismus ist, so wissen wir nicht, was Unionismus
sein soll. D. Red. d. L.
70,000 Deutsche in 6 lutherischen und 3 refor-
mirten Kirchspielen. Jede Gemeinde hat eine
Bibelgesellschaft, da das alte Gesetz gegen Bibel-
hausiren thatsächlich aufgehoben ist.
Der neue Messias der Juden. In
einer hiesigen jüdischen Zeitung mit Namen De⸗
borah schreibt ein regelmäßiger Correspondent
aus Deutschland an den Redacteur: „Gott er⸗
halte den Kaiser (Napoleon); er ist ein Mes⸗
sias der Juden. Wäre ich ein Rabbiner,
wie du es bist, ich würde an jedem Sabbath für
ihn den Hanosen Toshuah sagen.“ Was werden
hierzu die Christen sagen, welche an eine allge⸗
meine Judenbekehrung glauben und Napoleon
für den Antichrist halten? ö
Unterthantreue der römischen
Geistlichkeit. Mit herzlicher Billigung be⸗
richtet der papistische „Wahrheitsfreund“ von
Cincinnati in der Nummer vom 8. November:
„Die französischen Bischöfe und die Geistlichkeit
vertheidigen unerschrocken die Sache des Pabstes
in Hirtenbriefen und Predigten und flehen die
Rache des Himmels auf die Eindringlinge in das
Gebiet des Pabstes herab und stoßen Ver⸗
wünschungen gegen den Kaiser (Na⸗
poleon) aus.“ Pred. 10. 20.
Aufforderung zu einer neuen ge⸗
heimen Gesellschaft. Eine solche finden
wir in dem „Wahrheitsfreund“ (sollte heißen:
„Pabstfreund“) vom 8. Nov. Da schreibt der
Redacteur, beunruhigt durch die Nachricht von
der argen Klemme, in der sich der heilige Vater
Pabst befindet: „Die geheimen Gesell—
schaften in Italien u. s. w. berathen sich nicht
auf offenem Markte und hängen ihre Taktik, ihre
Kriegspläne nicht an die große Glocke. Anch
wir können es bei der Vertheidi⸗
gung unserer theuersten Güter
(denn es handelt sich hier um die weltliche
Herrschaft Vater Pabsts!) so machen.. Aber
dann geben wir ja den Gegnern der katholischen
Kirche gerade Stoff, uns anzugreifen und zu la⸗
stern, wenn wir in Katakomden (in unterirdi⸗
schen Begräbnißhöhlen) handeln, so wirft ein
blinder Achselträger ein. Freund! lautet die
Antwort: Die Zeit zu solchen Scrupeln ist vor⸗
bei. Die Gegenwart verlangt Entschiedenheit.
Du verstehst nicht, was Krieg bedentet. — Wir
sind 200 Millionen. Wir bilden die Mehrzahl
der christlichen Erdbewohner. Was kümmern
wir uns um das Urtheil der ganzen nicht⸗katho⸗
lischen Welt, wenn die Pflicht uns gebietet, das
göttliche Gesetz, die Wahrheit, unsern hl. Glau⸗
ben, unsere Kirche,“ (das ist) „den hl. Vater zu
vertheidigen? — Katholiken! Von Rom ergeht
der Ruf an uns. — Der Pabst appellirt an die
katholischen Völker der Erde. Auf! Hand an's
Werk, Gott will es!“ — In derselben Nummer
wird ein Brief Eduard Everett's über die Ge⸗
fährlichkeit der geheimen Gesellschaften im Aus⸗
zuge lobend mitgetheilt. Welche Heuchelei!
Aber es ist ja Grundsatz der Jesuiten: Der
Zweck heiligt die Mittel.
Die preußisch-lutherische Kirche.
Der Generalsynode dieser Kirche, die in diesem
Jahre zu Breslau gehalten werden sollte, sahen
alle, die an dem Gedeihen dieser Kirche Theil
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