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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. April 1861, Seite 133

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gehalt · Gottesdienſt. R · Staatsſchule

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wieder lassen Prediger auftre-
ten, die uns zum Teufel führen.“
(XNXIV, 132.)

Und ebendaselbst Kap. 48.:

„Ich habe auch gepredigt und geschrieben, daß
für allen Dingen sollt das Fürnehmste sein,
daß man die Pfarren und Schulen wohl ver⸗
sorgete. Aber da will Niemand an. Andern
Pfaffen und Mastbäuchen, die nichts thun
denn alle Unglück anrichten, gibt man übrig
genug. Was Gott dazu sagen wird, werden
wir auch einmal gewahr werden. Ich habe
oft gesagt, Gott achtet seine Gaben theuer und
werth; es hat ihn auch viel gestanden, seines
Sohns Blut daran gewandt, daß das Wort
möcht gepredigt werden, und seine Apostel aus⸗
gesandt würden. Darum denket er also: der
Schatz ist zu edel und gut, sie sind nicht werth,
daß sie ihn haben sollen; darum will ich meine
werthen Prediger selbst nähren. Drum gibt
er der tollen Welt nicht in Sinn, daß sie es
thäte, denn seinen Christen einem, zweien oder
dreien; die andern ließen wohl alle Prediger
auf einen Tag Hungers sterben. Es ist zu
edel und zu groß, sie sinds nicht werth, dem
Evangelio und seinen Predigern Ehre zu thun,
möchten sonst sagen, sie hättens verdient.
Also wird es bald wieder dahin
kommen, daß die rechten Predi⸗
ger ihr Amt müssen liegen lassen
und Handwerk lernen allein um
der Nahrung willen; so werden
sie das Wort verlieren durch
Gottes Zorn und Strafe; und
wiederum denen mit Haufen zu⸗
tragen, die ihnen Lügen und Ver⸗
führung predigen. Weil der Schatz
fürhanden ist, kehret sich Niemands dran;
wenn er hinweg ist, so siehet man erst zurück.
Darum muß es gehen, wie Christus sagt im
Johanne: Ich bin kommen in meines Vaters
Namen, und ihr nehmet mich nicht an; so
ein andrer wird in seinem Namen kommen,
den werdet ihr annehmen. Wir mögen Gott
danken, daß wir wissen, wie es musse also ge⸗
hen, und lassen die Welt zum Teufel laufen,
und uns deß trösten, daß wir ein Vater im
Himmel haben, der uns ernähren wird; kön⸗
nen wir nicht mehr, so arbeiten wir mit
den Händen, so sind wir entschuldigt. Es ist
uns nicht möglich zu predigen und kein Nah⸗
rung davon haben, ob es wohl St. Pau⸗
lus gethan hat; ist auch nicht vonnöthen.“
(XXXIV, 336 ꝛc.)

Ferner in seiner „Kirchenpostille“ am 7. Sonn-
tag nach Trin., Marci 8, 1—9.:

„Da rechte Pfarrer und Prediger so gehalten
werden, daß ihnen niemand nicht gönnet, und
dazu ihnen, was sie haben, von dem Maul hin⸗
weggenommen wird von der schändlichen un⸗
dankbaren Welt, Fürsten, Adel, Bürger und
Bauren, daß sie müssen mit ihrem armen Weib
und Kindern Noth leiden, und elende, ver⸗
stoßene Wittwen und Waisen nach ihnen
lassen; damit werden auch gar viel gutherzige
und feine geschickte Leute je läuger je mehr
abgeschrecket Pfarrer oder Prediger zu werden.

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Denn sonst alle Künste, Handwerk und Stände
dazu dienen, daß man sich Hungers und Ar⸗
muth erwehre; aber mit diesem Amt gehet
das Widerspiel, daß, wer es treulich will war⸗
ten, der muß sich in Gefahr und Armuth geben.
Daraus wird denn folgen Zerstörung
der Kirchen, daß die Pfarren ledig
steheen, die Predigtstühle ver⸗
säumt werden, oder werden wie⸗
der solche Prediger kommen, die
dannicht mit Treuen nach Gottes
Wort und Christi Reich trachten,
sonderndenken, wie siepredigen,
was die Leute gerne hören, da⸗
mit sie mögen dabei ohne Gefahr
bleiben, und wieder reich werden;
damit es abermal nicht gut wird.“
(XIII, 162. ꝛc.)

Und ebendaselbst am 5. Sonntag nach Epiphan.,

Col. 3, 12 — 18.:
„Die überdrüssigen faulen Geister werden es
(das Wort Gottes) bald müde und lassen die
Prediger dann gehen, wie sie gehen. So müs⸗
sen dieselben denn sich selbst nähren und ar⸗
beiten; damit bleibet denn Gottes Wort nach,
und wird dünne und seltsam; gleichwie Ne⸗
hem. 13, 10. klaget, daß die Leviten hätten
müssen Gottesdienst und den Tempel lassen
und auf das Land ziehen, weil sie vom Volk
keine Nahrung hatten, oder mußten falschen
Gottesdienst und Fabeln aufrichten, damit sie
das Volk verführeten, da wurden sie nicht al⸗
lein ernähret, sondern auch reich. Also ist es
auch in der Christenheit gangen: da man sich
schwer machte, fromme Bischöfe und Lehrer zu
halten (wie Augustinus auch klaget), mußten
sie entweder mit Arbeit sich nähren und Gottes
Wort lassen, oder den Jammer erdenken des
verdammten Gottesdiensts, der jetzt in aller
Welt gehet, davon sie nun große Herren in
der Welt worden sind. Also fähet es
jetzt auch an, weil das Evange⸗
lium ist wieder kommen, wird auch
also fort geschehen, daß man nun nicht
100 Gulden kann aufbringen, einen guten
Schulmeister oder Prediger zu bestellen, da
man vorhin 1000, ja unzählig Geld hat geben
zur Kirchen, Stiften, Messen, Vigilien u. dgl.,
bis daß Gott abermal die Undank⸗
barkeit strafe und lasse entweder
die Prediger gar abtreten und sich
sel b.st nähren, oder schicke andere
größere Irrthümer wieder über
sie, der sie wiederum betrüge um
Geld, Leib und Seele, weil sie
nicht haben wollen das Wort Got⸗
tes reichlich beiihnen wohnen lassen.“
(VIII, 83.)

Desgleichen in seiner „Auslegung des 6., 7. und

8. Cap. des Evang. Johannis:“

„Jetzunder hat Gott seine Gnade gegeben, daß
ein jeglich Dorf und Stadt das Evangelium
und seine eigene Pfarrherrn hat, und habens
umsonst, man darf ihnen nicht viel geben;
aber könnte man jetzt die Prediger lassen Hun⸗
gers sterben man thäts. Dazu helfen Bürger,
Baur und die vom Adel getreulich; man will

das Evangelium nicht mehr haben. Nu spricht
Christus: Ich gehe hinweg, wenn ihr mich
nicht wollet, so will ich euch andere Prediger
und Pfarrherrn schaffen, die für euch dienen
sollen. So auch, wenn wir werden ge⸗
storben sein, so werdet ihr einmal
einen frommen Prediger zu Rom
haben wollen und keinen finden, ja
man wird diejenigen 10 Ellen tief
aus der Erde graben undüber dem
Rücken tragen wollen, welche man
jetzt nicht leiden kann und ihnen
nicht gern ein Stück Brodts gibt;
da ein Edelmann, Bürger und Bauer seinen
Muthwillen an übet, wird man denn nach
ihm laufen, ihn suchen, gerne geben wollen,
arbeiten über alle Maßen, aber Niemand fin⸗
den. Ich habs oft gesagt, wills auch noch sa⸗
gen, auf daß ihrs nicht vergesset. Diese Stadt
Wittenberg hat jährlich den Mönchen mehr
denn 1000 Gulden gegeben, ohn was man
den Pfaffen gegeben hat. Es ist kein Dorf so
arm, das eins ins ander gerechnet nicht fünf,
sechs, acht oder zehen Gulden den Mönchen
und Pfaffen gegeben hätte Item, was hat

das Meßhalten gekostet und daß man Wall⸗

fahrt zu St. Jakob gelaufen ist! Das war alles
Christum gesucht; aber er war hinweg. — Nu,
Christus ist jetzt noch vorhanden; aber der Adel
spricht: Was frage ich darnach? wenn gleich
kein Prediger mehr vorhanden wäre, so weiß
ich wohl, daß man selig und gerecht werde durch
Christum: ich darf keines Predigers, ich weiß,
wie ich selig werden und Ehristum anrufen soll.
Wohlan, du wirsts wohl sehen, wie nütz und
Noth ein Prediger sein wird. Es wird so hei⸗
ßen: Ihr werdet mich suchen ꝛc. Wenn er doch
allein sagete: Ich gehe hinweg, das wäre noch
zu leiden; aber er spricht nicht: Ich gehe hin⸗
weg und ihr werdet Ruhe haben und zufrieden
URisntsondern er setzet dazu, daß, wenn er weg
ist, so heben wir allererst an, ihn zu suchen.
Das ist das Aergste: wenn das Evange⸗
lium hinweg ist, so folget das Su-
chen; und wenn die jetzigen lieben
Lehrer und Welt dahin ist, so wer⸗
den denn Pfarrherrn kommen, die
sie hundertmal mehr beschweren wer⸗
den, denen man auch mit großen
Werken und Unkostungen wird ge—⸗
horsam sein und folgen; aber es
wird vergeblich sein.“ (XLVIII,
318. 2c.) — ö

Dann in seinen „Tischreden“:

„Anno 38, den 10. Septembris ward zu Lochau
gesagt, wie daß im Bisthum Würzburg in die
500 reiche Pfarren wüste und ledig wären.
Da sprach Dr. M. Luther: Daraus wird nichts
Guts folgen! Bei uns wirds auch also
gehen in solcher Verachtung Gottes
Worts und desselben treuen Dienern.
Wenn ich jetzund wollte reich werden, so wollte
ich nicht predigen, sondern wollt ein Gaukler
werden und durch die Lande ziehen, da wollt'
ich mehr Zu seher und Geldes haben, denn jetzt
Zuhörer. Denn auch die Bauern sagten zu
den Visitatoren, die ihnen fürwarfen, weil sie

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