Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 24 › Seite 187

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. August 1867, Seite 187

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verennmieſchriſten 8

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Jowa und Pfarrer Löhe vorhandene Unter—
schied besteht also darin, daß, obwohl beide den
historischen Sinn der angeführten Sym-
bolstellen recht wohl kennen, doch nur Löhe
seine Bedenken dagegen eingesteht, während
Jowa sich mit einer unlogisch-grammatischen
Auslegung zu helfen sucht, um bei allen seinen
widersymbolischen Lehren hier doch für ortho—
dox zu gehen.

Wir wiederholen es daher: gegen die Auf—
stellung der Regel von Seiten Jowa's, man
müsse die Symbole historisch auslegen, sind
wir nicht darum aufgetreten, weil wir eine
historische Auslegung überhaupt verwürfen —
das kann kein Mensch bei gesunden Sinnen —,
sondern weil das Verfahren Jowa's bei seiner
Auslegung zeigte, daß diese Synode unter
bistorischer Auffassung etwas ganz anderes,
als was sonst damit angezeigt wird, verstehe
und daß sie unter dem Mantel einer histori⸗
schen Auffassung den dogmatischen Ge—
halt aus den Symbolen herausnehmen, oder
doch den letzteren für blos historisich wahr
und zum Mit-Bekennen nicht verbindlich er⸗
klären wolle; wie denn die Jowa-Synode ihre
historischte Auffassung der „vorwiegend
dogmatischen“ anusdrücklich entgegenstellt.“)
Was unter anderem zu einer wirklichen,
wahren „historischen Anffafsung“
der Augsb. Confession gehöre, sagt die Con—
eordienformel, wenn es darin heißt:
„Dieweil denn Dr. Lirther der vornehmste
Lehrer der Kirchen, S0 sich zur Augsb. Con⸗
fessiont bekennen, zu halten ist, als dessen ganze
Lehre, Summa und Inhalt in den Artikeln

ö vielermeldter Augsb. Confession verfasset und

dem Kaiser Carolo V.übergeben: so kann und
soll mehrgedachter Augsb. Confession eigent—
licher Verstand und Meinung aus keines an—
dern, denn aus Dr. Luthers Lehr- und
Streit-Schriften eigentlicher und besser ge—
nommen werden.“ (Wiederholung des 7. Art.)
Dies gilt natürlich auch von den Schmalkaldi—
schen Artikein. Was sagen nun die Herrn
Jowaer hiezu?!
Daß gerade die Jowaer nichts von einer
wahrhaft „historischen Auffassung“
der Symbole wisseu wollen, ist hiernach so hell
wie die Sonne; es zu bekennen, hierzu gehört
nicht eben viel Aufrichtigkeit, da alle Welt es
sieht. T)

*) Bekanntlich haben einst auch die Rationalisten die
„historische Auffassung“ der heil. Schrift auf das entschie⸗
denste betont. Was sie aber damit wollten, wurde bald nur
zu klar — die Bibel aus der Bibel hinaus erklären.

) Im Jahre 1860 hielt Prof. S. Fritschel in einer
Pastoralconferenz zu Neuendettels au einen Vortrag, worin
er sich nach dem Correspondenzblatt des Pfarrers Stirner,
eines Ohrenzeugen und Löheaners, also ausließ: „Was die
kirchliche Stellung anlangt, so sei die Jowa-Synode Trägerin
einer bestimmten kirchlichen Richtung, durch die sie sich von
Missouri und Buffalo gleich sehr unterscheide. Beide wollten
im Grunde nichts anderes, als eine Repristination der luthe⸗
rischen Kirche des 16. und 17. Jahrhunderts, indem Missouri
den Ton auf die Lehre — Buffalo auf das irchen⸗
regiment lege, während Jowa dagegen den Fortschritt
auf dem Grunde des geschichtlich Gewordenen anstrebe.
Dies gebe sich auch kund dadurch, daß die Synode den so⸗
genannten Chiliasmus oder den biblischen Realismus“
(sehr schön ausgedrückt!) „anf dem Gebiete der Weissagung
zulasse.“ Wir haben also in der Lehre das historische,
dit Jowaer das fortschrittliche Lutherthum!

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Doch wir gehen nun weiter.

Unter andern haben wir auch das als verdäch⸗
tig zurückgewiesen, daß Jowa schreibt: „Sym-
bolische Geltung hat, was die
Symbole symbolisch feststellen
wollen.“ Daran etwas auszusetzen, findet
Hr. Prof. F. höchst seltsam. Er schreibt:
„Wir meinen vielmehr unserseits, Jedermann
sehe ein, daß unser Standpunkt ein streng con⸗
fessioneller se, wenn bei uns das symbolische
Geltung hat, was die Symbole symbolisch
feststellen wollen. Wenigstens sind wir dann
streng confessionell im Sinne der Bekenntniß—
schriften und damit doch jedenfalls der luth.
Kirche selbst.“ Für gedankenlose Leser, auf
welche unser Gegner allein zu speeuliren scheint,
mag dies allerdings recht schön klingen; wie
es einst für gedankenlose Lutheraner recht schön
klang, als die heimlichen Zwinglianer zur
gründlichen Beilegung des Abendmahls-—
Streites den Rath gaben: „Gläube den
Leib, den Christus meinet.“ Wit
aber damit, so schön es manchem in die Ohren
klang, rein gar nichts gesagt war, so ist
auch damit rein gar nichts gesagt, wenn
die Jowa-Synode das Bekenntniß thut:
„Symbolische Geltung hat, was die
Symbole symbolisch feststellen
wollen.“ Auf diese Antworten ist man
wieder so klug, als vor der' Fragt. Freilich
muß man den Leib glauben, deu Christus
meimt;, aber die Frage ist ja eben diese,
welch es. denn dieser Leib sei, den Christus
meint. „So,; hat ja freilich auch symbolische
Geltüng, was die Symbole symbolisch fest—
stellen wollen; aber die Frage ist ja eben
auch hier diese, was sie denn symbolisch fest—
stellen wollen. Wenn daher das nicht heißt
„Mum! Mum! sagen,“ so wissen wir nicht,
was dies bedeute. Zwar setzen die Herrn
Jowaer hinzu: „Und das liegt in jedem Ar-
tikel für den, der ihn im Lichte der Historie
lies't, auf platter Hand.“ So wahr dies aber
nach unserem Grundsatze ist, nach welchem
alles symbolisch ist, was zum Lehrgehalt der
symbolischen Bücher gehöre, so unwahr wird
dieser Satz, im Sinne unserer Gegmner ver—
standen, welche, wie wir im Folgenden weit—
läuftiger nachweisen werden, darüber, was die
Symbole symbolisch feststellen wollen, weder
mit sich selbst, noch mit ihren Autoritäten
stimmen, sondern mit deuselben hierüber in
nicht zu lösendem gegenseitigen Widerstreite
stehen. Wir erinnern hier nur noch an das,
was Luther von jenen heimlichen Zwing—
lianern schreibt, die, um für Lutheraner zu
gelten, sagten: „Glaube den Leib, den Christus
meint.“ Er schreibt: „Ist's ein redhicher
Schwärmer, der aufrichtig mit dir handeln
will, der wird dir also sagen, er reiche dir
eitel Brod und Wein, dabei du sollst
denken und glauben den Leib und Blut
Christi ꝛec. Ist's aber der Gaukler einer,
die unter dem Hütlein spielen, so wird er
mum mum sagen, und den Brei im Maul
umher werfen, und also geifern: Ei, es ist
genug, daß duglaubest den Leib,
den Christus meinet! Das heißt

denn fein geantwortet und Urkund
gegeben der Hoffnung, so in uns
ist, wie St. Petrus lehret 1. Ep. 3, 17.. Was
soll doch das schreckliche Ganukelspiel sein? da⸗
rin ⸗sie das Volk wollen lehren, und sagen
ihnen doch nichts, sondern weisen sie ins finstre
Loch, und sprechen: Glaube, was Christus
meinet! Was aber Christus meinet, wollen
sie nicht sagen, denn sie fürchten, wo sie es
sagen sollten, würde alle Welt sprechen: Das
meinet Christus nichst, sondern du selbst
meinest es.“ (Warnnngsschrift an die zu
Frankfurt ꝛc. XVII, 2440— 42.) —

Zuletzt sucht nun Prof. F. noch folgende
Aufstellung seiner Synode zu vertheidigen:
„Da unsere Bekenntnißschriften zum Theil nicht
blos die einfachen Resultate des kirchlichen
Kampfes, das heißt, nicht blos die bekennenden
Sätze und verwerfenden Gegensätze enthalten,
sondern dieselben auch erläutern, begründen
und vertheidigen: so ist allerdings ein Unter⸗
schied zu machen zwischen Wesent⸗
lichem und Uuwesentlichem in diesen
Schriften. Eigentliches Bekenntniß,

die Gewissen bindende norma docendi, können

blos die thetischen und ankithe⸗
tischen Entscheidungen sein, welche

jeder Artikel der Lüge und dem Irrthum ge⸗;

genüber ausspricht und festhält:Dagegen
kaͤnn nicht jede Beweisführung, jede Eiläute—
rung ꝛc., die eigentlich in einer Bekenntniß⸗

denden Glaubeussatz gemacht werden.“

Hiegegen behaupteten wir, daß durch diest
Einschränkungen bei dem Bekenntniß zu den
Symbolen „ein bedeutender Theil des Lehr-—
gehaltes der Symbole davon ausge—
schlossenn ist.“ Wir müssen gestehen, wir
haben uns wiederum nicht versehen, daß die
Herrn Jowaer dies leugnen würden, und doch
thut es Hr. Prof. Fritschel. Anstatt aber einen
Gegenbeweis zu führen, also zu zeigen, daß
seine Synode mit ihm keinen Theil oder auch
nur bedeutenden Theil des Lehrgehaltes der
Symbole ausschließe, führt er vielmehr Stellen
aus den Schriften älterer Theologen an, welche
ebenfalls gelehrt haben sollen, daß das rechte Be—
kenntniß zu den Symbolen „blos“ die darin vor⸗
kommenden „bekennenden Sätze und verwerfen⸗
den Gegensätze“ oder „blos die thetischen und
antithetischen Entscheidungen“ in sich schließe!
Heißt das nicht, der Frage, um die es sich han—
delt, ausweichen? Heißt das nicht, anstatt
kämpfen, Staub aufwerfen, um sich dem Geg⸗
ner unsichtbar zu machen? Wer wird hier nicht
an die Weise des Tintenfisches erinnert, der,
wenn er Gefahr sieht, gefangen zu werden, das
Wasser trübt?

Wir fragen, kann derjenigeleugnen, daß er
einen bedeutenden Theil des Lehrgehaltes der.
Symbole von seinem Bekenntniß zu denselben
ausschließt, der ausdrücklich sagt, daß „eigent⸗
liches Bekenntniß, dit Gewissen bindende nor-
ma decendinbios die thetischen und antithe⸗
tischen Entscheidungen, blos die bekennenden
Sätze und verwerfenden Gegensätze“ derselben
seien, als die „Resultate des kirchlichen Kam—
pfes“? daß aber in den Symbolen „nicht

—
—

*

2*.

schrift Aceidens ist, zu einem die Gewissen bin⸗“

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