Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 24, Nummer 1 › Seite 7
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. September 1867, Seite 7
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften · Bekenntnisſchriſten 7 · Bekenntnisſchriften · Friede · Geburt Chriſti 3
oofe Arbeir!
stehen die Herrn Jowaer nicht unter einem
. solchen Consistorium, wie ihre Vorgänger in
Baden, sonst würden sie in die unangenehme
Nothwendigkeit versetzt sein, ihr mysteridses
Bekenntniß zu den Symbolen aufzugeben und
klar anzuzeigen, worin denn die Fortschritte
bestehen, an welchen sie als eine erklärtermaßen
„einer größeren Vollendung der ev. ⸗luth.
Kirche entgegenstrebende“ Synode bereits
angekommen seien. Zwar hat Herr Pastor
Deindörfer, wie wir gesehen haben, sich
der verdienstvollen Mühe unterzogen, die luthe—
rische Kirche größerer Vollendung entgegen zu
führen, und daher wirklich anzuzeigen, worin
die Symbole derselben vor dem hell aufge—
gangenen Lichte des neunzehnten Jahrhun—
derts nicht bestehen können, worin sie nehmlich
„unrichtig, zweifelhaft, mangelhaft“ u. s. w.
u. s. w. sind; allein da die Jowa-Synode diese
Entdeckungen nicht als solche indossirt hat, so
ist sie dennoch in ihrem früheren Helldunkel
geblieben. Auch Hr. Prof. F. macht in sei—
nem Aufsatze einen schüchternen Versuch wie—
der, einige irrige Stücke mehr, die er in den
Symbolen gefunden zu haben meint, namhaft
zu machen, z. B. zwei Stellen von dem Rechte
der Obrigkeit, diejenigen, welche den Katechis—
mus nicht lernen wollen, aus dem Lande zu
jagen und „darauf zu schauen, daß allerlei
Irrtbum weggethan und die Gewissen recht
unterrichtet werden“. (S. 350. und 339. der
Müllerschen Ansgabe); ferner die Stelle:
„Daß die Ceremonien allein zur Beleh—
rung der Einfältigen dienen sollen“ (S. 51.) —
allein dieser Versuch ist zu schüchtern, als daß
er das trübe Wasser zu klären geschickt sein
sollte, worin die Synode in Absicht auf das
Bekenntniß ihres Glaubens zu schwimmen vor—
gezogen hat. Hr. Prof. F. überläßt es nehm—
lich dem Scharfsinn des Lesers, zu entdecken,
ob er damit seine oder anderer Leute Zweifel
an der Richtigkeit jener Stellen vorgelegt habe.
Wenn unser Gegner schließlich, um seine
Theorie zu rechtfertigen und uns zu wider—
legen, daran erinnert, daß in der lutherischen
Kirche mehrere sonst unverdächtige Lehrer
3. B. eine Lehre vom Sonntage vor⸗
getragen haben, die nicht mit der Augsb. Con—
fession stimmt, so ist das in der That eine ge⸗
radezu alberne Instanz. Man überlege, was
das für ein Schluß ist: Mehrere sonst unver—
dächtige Theologen haben in dem einen oder
andern Puncte nicht in genaner Uebereinstim—
mung mit den Symbolen gelehrt; ergo sind
diese Punkte kein „wesentliches Stück des
Bekenntnisses“! Im gegenwärtigen Falle ist
vielmehr der gegentheilige Schluß richtig:
Da nehmlich fast alle die Theologen, welche
dergleichen heilsame Anordnung auch in andern ev. Ländern
gemacht würde, so würde das von großem Nutzen sein.
Manchem würde wohl die Lust, die symbolischen Bücher und
den in densetben angegebenen Lehrbegriff zu tadeln und zu
verwerfen, sehr benommen werden, wenn er schriftlich anzei⸗
gen sollte, was seit der Abfassung der symbolischen Schriften
in densetben genauer bestimmt, mehr aufgeklärt und durch
särkere Beweisgründe unternützt worden sei. Gewiß eine
welche manchen, die sich für weise halten,
ihren Eigendünkel beuehmen und zu einem heilsamen Selbst⸗
gefühl bringen würde.“ Und so schrieb Generalsuperinten⸗
dent Schneider noch Anno 1789!
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nicht richtig vom Sonntage gelehrt haben, dies
in der Meinung gethan haben, daß sich ihre
Lehre recht wohl mit der der Symbole reimen
lasse, und da sie sich daher bemüht haben, dies
zu ihrer Rechtfertigung ausführlich zu zeigen,
so haben sie damit zu erkennen gegeben, daß
sie auch die Stellen der Symbole für „sym-—
bolische Entscheidungen“ angesehen haben, in
welchen die Lehre vom Sonntage (in der
Angsb. Conf. und Apologie beiläufig, im
kleinen und großen Kate chismus ex instituto)
vorgelegt ist. — Nicht minder albern ist die
Alternative, die uns Hr. Prof. F. stellt: ent⸗
weder zu erklären, daß alle die lutherischen
Lehrer, welche jemals in irgend einem Puncte
von der in den Symbolen enthaltenen Lehre
abgewichen sind, sich des „Abfalls und Eid—
bruchs“ schuldig gemacht haben, oder zuzu—
gestehen, daß die Verpflichtung auf die symbo—
lischen Bücher die Erlaͤubniß gebe, in der und
jener Lehre von dem kirchlichen Bekenntniß ab⸗
zuweichen. Das faßt einen Schluß in sich,
wie diesen: Viele Christen haben die oder die
Sünde begangen; entweder sind also diese
Christen alle für aus der Gnade Gefallene zu
erklären, oder ist zuzugestehen, daß das Tauf—
gelübde nicht so zu verstehen sei, als ob man
damit dem Teufel und allen seinen Werken
und allem seinem Wesen entsagen solle,
sondern also, daß es darnach erlaubt sei, die
und jene Sünde doch zu thun. Wir haben
jedoch des Herrn Professors eigenthümliche
Logik schon so kennen gelernt, daß wir uns
nicht mehr wundern, wenn er sich in solchen
Argumentationen übt. Selbst Luthern
sollen wir nach dieser Logik entweder für einen
von den Symbolen Abgefallenen in den Bann
thun, oder zugestehen müssen, daß man von
Lehren der Symbole abzugehen das Recht
behalte, wenn man sich auch darauf verpflichtet
habe! und zwar darum, weil Luther behaupte,
Melanchthon habe in der Apologie „nicht mit
einem Ernste davon gehandelt“, wie Jakobus
mit Paulo zu vergleichen sei, daß also seine
Beweisführung nur ein Beweis ad hominem
sei, das heißt, ein Beweis, der sich nicht auf
die eigene, sondern auf des Gegners Annahme
stützt. Wer aus einer solchen Behauptung ein
Abweichen von der Lehre der Apologie
schließt, der verdient einen Doctorhut, um den
wenigstens wir ihn nicht beneiden.
Noch Eins. Die Krone setzt Herr Prof.
Fritschel seinen geharnischten Syllogismen
endlich offenbar damit auf, daß er uns nach—
weis't, wie wir mit unseren Grundsätzen von
der Bedeutung der Unterschreibung der Sym—
bole uns selbstaus der lutherischen
Kirche hinausthun sollen, indem
wir selbst in „Lehre und Wehre“ Band 8,
S. 215 die Lehre, daß die Jungfrau Maria
immer Jungfrau geblieben, unter die Lehren
gerechnet haben, die man unter allen Umständen
nach beiden Seiten hin dispuͤtiren könue; nun
sei aber diese Lehre von den Symbolen p. 299.
im lateinischen Texte gleichfalls klar wie die
Sonne bekannt! — Leider! können wir Herrn
Prof. Fritschel auch diese Krone, die er sich
seinem Haupte lassen. Wir Missourier habe
nehmlich wirklich jene Lehre, die nur ein theo—
logisches Problem ist, das sonst unter allen Um—
ständen nach beiden Seiten hin disputirt werden
kann, freiwillig aus aufrichtiger Ueberzeugung
angenommen, und bei unserer Verpflichtung
auf die Symbole wirklich mitunterschrieben, und
lehren daher auch diese Lehre unseren Gemein—
den, so oft wir uns dazu veranlaßt finden.
Oder hat unser Herr Gegner schon einen s. g.
Missourier getroffen, der gelehrt hätte, daß
Maria nach des HErrn Geburt noch mehr
Söhne geboren habe? Wenn wir nun aber
allerdings erwarten, daß derjenige, welcher die
symbolischen Bücher unterschreibt, auch die
Entscheidung jenes Problems, wie sie sich in
den Schmalkaldischen Artikeln findet, mitunter⸗
schreibe, so sind wir doch, wie schon bemerkt,
weit entfernt, denjenigen, welcher diese Eut—
scheidung bei seiner Unterschrift ausnehmen
würde, für einen untreuen Lutheraner anzu—
sehen und von der Gemeinschaft unserer Kirche
auszuschließen. Wohl möchte uns Herr Prof.
F. gern in den Geruch bringen, daß wir einen
solchen wahnsinnigen Fanatismus hegten; aber
leider! offenbar wider besseres Wissen und Ge⸗
wissen. Denn wohl haben wir immer behaup⸗
tet, daß sich die Verbindung auf die Symbole
auf alle darin enthaltenen Lehren beziehe; wohl
haben wir ferner ein so auf Schrauben gestell⸗
tes, zweideutiges, unehrliches Bekenntniß, wie
die Jowa-Synode beliebt hat, als ein offnes
Thor aller Ketzerei und Schwärmerei verwor⸗
fen: aber wo haben wir je behauptet, daß wir
den für keinen rechten Lutheraner erkennen und
ihm die brüderliche und kirchliche Gemeinschaft
versagen wollten oder könnten, der ehrlich sagt,
das oder das ist es, was ich in den Symbolen
nicht annehmen kann, wenn dies Dinge beträfe,
die das Fundament unseres lutherischen Glau—
bens nicht angehen. Nur ein gewissen⸗
loser Verleumder wird dies von
uns behaupten. Haben wir doch selbst
einen mit den Symbolen streitenden sogenann⸗
ten subtilen Chiliasmus, der das
Glaubensfundamentunangetastet
häßt, nicht zwar als eine in der
Kirche „offene Frage“ anerkennen,
aber dulden zu wollen, Herrn
Pastor Schieferdecker öffentlich
erklärt, und demselben feierlich bezeugt, daß
wir nur darum ihm wegen seines Chiliasmus
die Synodalgemeinschaft aufsagen müßten,
weil er bei demselben wichtige Artikel des all⸗
gemeinen christlichen Glaubens nicht ohne
Einschränkung glauben, lehren und bekennen
könne und wolle.
Wir schliehen unseren Aufsatz mit einer schon
früher unseren Gegnern vorgehaltenen Er—
klärung des alten August Pfeiffer, der
den Chiliasten die rechte Stellung zu den Sym—
bolen mit folgenden Worten bezeugt: „Auch
will das den Stich nicht halten, daß einige vor—
geben, man unterschreibe und beschwöre nicht
eben alle Worte oder minutias (Kleinigkeiten)
in den symbolischen Büchern. Denn ob zwar
die Unterschrift nicht geht auf mere eireum-
selbst aufgesetzt hat, nicht ganz unangetastet auf stantialia“ (auf das, was blos die Umstände
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