Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 24, Nummer 20 › Seite 155

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juni 1868, Seite 155

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht

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zu Costnitz, wie die Kirchengeschichte berichtet,

auch 1000 feile Dirnen von auswärts her in
der Stadt eingefunden hatten, gereicht den
Herren vom Cölibat gewiß nicht zur Ehre, und
Herr Dr. W. selbst dürfte wohl zugestehen müssen,
daß die Geschichte des Cölibats das Material
zu einer chronique scandaleuse enthalte, die in
der ganzen Welt ihres Gleichen nicht hat. In
un sern Wäldern hier lebt ein Thier, welches
aus angebornem Naturtrieb alles, was es
fürchtet, es sei so rein und sanber als es wolle,
mit dem eignen stinkenden Aezwasser zu be⸗
spritzen und so stinkend zu machen sucht, wie es

selbst ist. Römische Theologen und Priester

sollten sich billig ein edleres Exempel zur Nach⸗
eiferung vor Augen gestellt sein lassen, als dies
berüchtigte Thier.

Der gelehrte Dr. W. treibt dies schmähliche
Spiel mit Dr. Luthers ehrlichem Namen be⸗
reits seit mehr als 25 Jahren, ohne dessen
müde geworden zu sein; aber dümmer ist er
dabei auch nicht geworden. Früher trieb er's
aber noch dazu mit einer solchen Frechheit,
Lügenhaftigkeit und Schamlosigkeit, daß ihm
Dr. Prof. Harleß 1844 in seiner Zeitschrift
zuzurufen sich gedrungen fühlte: „Einer maß—
losen Frechheit gegenüber den rechten Ton zu
treffen, ist dem, der seit Jahren zu des
alten Luthers Füßen sitzt, und sein Herz mit
immer wachsender Ehrfurcht vor diesem kern⸗
gesunden, christlich-deutschen Menschen füllt,
schwer. Schwer auch, weil man in dieses
Deutschen Schule lernt, ein „„Pfui dich mal
an““ der Lüge und Gesinnungslosigkeit, wo sie
sich finde, frei und laut entgegen zu rufen.
Dieses Pfui dich! sei es aber auch allein, was
wir aus voller indignirter Seele dem ungerech—
ten Manne, der sich einen Priester der allein⸗
seligmachenden Kirche nennt, für seine Sünde
entgegenhalten. Eine Vertheidigung Luthers
gegen das Lügengespinnst eines wuthentbrann—
ten Gehirns halten wir unter unsrer Würde.“
Seit jenen Tagen hat Dr. W. gelernt, ganze
Ladungen Verleumdungsmaterial als gefähr—
lichen Ballast über Bord zu werfen und durch
vollwichtige Lobeserhebungen zu ersetzen; aber
der Mann ist derselbe geblieben. Nach dem

Sprüchwort: „Jung gewohnt, alt gethan“,

verschmäht er es noch heute, mit Dr. Luthers
theologischen Schriften wider römische Satzung
und Abgötterei den Kampf aufzunehmen, und
setzt die altbeliebte Praxis fort, wenn auch mit
etwas mehr welschländischer Politur und Ver⸗
schlagenheit. Denn hat er früher wie eine
tollwüthige Hyäne das Grab des großen Tod—
ten aufgekratzt, ihm das würdige Todtenkleid
eines gesegneten Gedächtmisses herunter gezerrt,
ihn dann mit seinem Tollgiftgeifer besudelt und
schließlich in seiner Blöße dem deutschen Volke
gezeigt, so schleicht er jetzt nur noch wie eir
Fuchs um den todten Löwen herum, zufrieden,
wenn er einzelne Haare aus dessen reicher
Mähne heraus reißen und sie dem mitleidig
darüber lächelnden Publikum triumphirend
zeigen kann. Hat denn der arme Mann ganz
vergessen, daß „ein falscher Zeuge bleibt nicht
ungestraft und wer Lügen frech redet, wird
nicht entrinnen“ (Sprw. 19, 5.); und daß „es

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dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, und
darnach das Gericht“? (Ebr. 9, 27.)

Dr. W. macht uns durch seine Nachrichten
und Urtheile über Dr. Luther auch bekannt mit
papistischer Logik, die, wie sein Beispiel zeigt,
vor den halsbrechendsten Seiltänzer-Sprüngen
nicht zurückschreckt, und der Alles möglich zu
sein scheint. Nach Goites Wort kreuzigt ein
Mensch voll tiefer christlicher Frömmigkeit sein
Fleisch sammt seinen Lüsten und Begierden,
und einen Buben, der sich voll säuft und in
Unzucht lebt, nennt man einen Gottlosen.
Nach päbstlicher Logik soll dagegen ein Mann
voll tiefer christlicher Frömmigkeit ein versof—
fener geiler Bube sein und ein übel berüchtig—
ter Unfläther wird den frömmsten größesten
Männern beigezählt. Das reime, wer da will.
Daß diese Art Logik aber gut römisch ist, das
wird ein anderes Exempel zur Genüge bewei⸗
sen. Die Kirche Christi ist nach dem III. Ar⸗
tikel des Apostolischen Symbolums bekanntlich
„die Gemeinde der Heiligen“; zu ihr ge⸗
hört nach gesunder Logik natürlich kein Gott—
loser. (Joh. 15, 6. Röm. 8, 9.) Dem schnur⸗
stracks widersprechend lehrt das Pabstthum, daß
auch der ruchloseste Mensch nicht nur ein
Glied, sondern selbst das Oberhaupt der
Kirche und der sichtbare Statthalter Christi auf
Erden sein könne. Wie können nun solche
Bösewichte, wie Innocenz VIII. und vierzig
bis fünfzig ähnliche Päbste, die man nach
Gottes Wort Feinde des Kreuzes Christi,
Satansapostel u. s. w. nennen muß, Glieder
und selbst Oberhäupter der Kirche sein? Wie
kann das Pabstthum bei Seelengefahr gebie—
ten, daß man sie dafür halten, ehren, sie hören
und ihnen gehorsam sein soll? Zwar schreibt
Möhler, Pabst Alexander VI. sei „der Schluß—
stein des Ganzen, die Darsteilung der Einheit
aller Bischöfe, die Person gewordene Liebe
aller Gläubigen zu einander — aber Roderich
Lenzolo hätte die Thaten zu vertreten, die
wie Schlangengift die morali⸗
sche Weltordnung angefressen
haben“; aber womit will er das beweisen,
wie will er das reimen mit Gottes Wort?
Christus spricht: Meine Schafe hören meine
Stimme und folgen mir; einem Fremden fol⸗
gen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm,
denn sie kennen des Fremden Stimme nicht.
Wenn daher ein Pabst auch noch so ehrbar
lebte, aber nicht Gottes Wort rein, sondern
Abgötterei und gefährliche Irrlehre führte
(Offb. 13, 11.), wie könnten die Glieder der
Gemeinde der Heiligen, die nach dem III. Arti⸗
kel geglaubt werden muß, sich gebunden erachten,
ihn zu hören und ihm zu gehorchen? Christus
Matth. 7, 15., Paulus 2 Cor. 6, 14—18.,
und selbst Moses 5 Mos. 18, 22. warnen da⸗
vor bei Gefahr der ewigen Verdammniß.
Nach welcher Logik kann nun der Pabst von
sich rühmen, der Oberhirte der Kirche und der
einzige unfehlbare Ausleger der heil. Schrift
zu sein, und fordern, seine Auslegung unbe⸗
sehens anzunehmen, und gleichwohl, jene klaren
Schriftstellen mit Füßen tretend, gebieten
(Röm. geistl. Recht dist. 40. cap. 6.): „Wenn
ein Pabst gegen sein und das brüderliche Heil

nachlässig erfunden wird, unnütz und unachisam
in seinen Werken, und überdieß vom Guten
schweigend, was ihm und Allen mehr schadet;
nichtsdestoweniger unzählige Völker haufen—
weise mit sich zum ersten Eigenthum der Hölle
führt; so unterfange sich doch keiner der Sterb—
lichen, ihn wegen dieser Schuld zu taͤdeln, weil
derjenige von Niemand gerichtet werden darf,
der alle richten soll.“
muß also der frevelhafteste Verbrecher, dessen
Thaten „wie Schlangengift die moralische
Weltordnung angefressen haben“, wenn er
Pabst ist, allerheiligster Vater genannt und als

Nach päbstlicher Logik

Statthalter Christi auf Erden göttlich verehrt

werden. Mit gleicher satanischer Verblendung
haben auch die Heiden, die von Gott nichts
wissen, ihre zum Theil lasterhaften Helden zu
Göttern erhoben, dagegen ihre erdichteten Göt⸗

ter in ihr eignes Lasterleben herunter gezogen

und dergestalt eine Lasterhaftigkeit zur allge—

meinen Herrschaft gebracht, wie sie sonst nur

noch am päbstlichen Hofe in Rom zur vollen

Blüthe sich entfaltet hat. Röm. 1, 24—32.
(Fortsetzung folgt.)

Ein lutherisches Traͤktatunternehmen.

Herr A. Schlitt von Columbus, Ohio, hat
sich, laut seiner Ankündigung, vorgenommen,
halbmonatlich einen lutherischen Traktat „im
Sinne nach dem Bekenntniß der lutherischen
Kirche, ein Jahr lang erscheinen zu lassen.“
Gewiß ein löbliches Unternehmen, wenn es
auf rechte Weise ausgeführt wird! Denn wer
wollte es in Abrede stellen, daß durch Verbrei⸗
tung lutherischer Traktate, welche die reine
lutherische Lehre klar und bündig und populär
darstellten und behandelten, ein großer Segen
für die lutherische Kirche gewirkt werden könnte.
Sind ja doch die Sekten⸗und Schwärmerkirchen
darin so thätig und streuen den Samen ihrer
falschen Lehre weit und breit über das ganze
Land aus. Warum sollten wir Lutheraner
ihnen dieses Feld allein überlassen? Warum
sollten wir uns nicht auch rühren, den Samen
der reinen Lehre überall auszusäen, wo uns
der HErr eine Thür aufthut, auch auf die Ge⸗
fahr hin, daß mancher Same auf den Weg, den
Fels und mitten unter die Dornen fallen möchte.
Es würde gewiß auch da und dort Boden fin⸗
den, wo es aufgehen und unter Gottes Segen
Frucht bringen könnte zum ewigen Leben. Wir
meinen also, dieses Unternehmen sei zeitgemäß,
im rechten Sinne des Wortes, und heißen es
von Herzen willkommen.

Diese herauszugebenden Traktate sollten dann
aber auch, wie es des Herausgebers Absicht ist,
die reine lntherische Schriftlehre enthalten, dar⸗
stellen, aus der Schrift beweisen und gegen
Un⸗ und Falschgläubige vertheidigen. Auch
sollte die Form und Darstellung klar und popu⸗
lär und durchsichtig sein und in lutherischer
Waffenrüstung, auch im Aeußern, in Wort und
Ausdruck, einhergehen. Neue Lehre, Privat⸗
meinungen und auch das Kauderwälsch moder⸗
ner Theologie eignen sich nicht für einen luthe⸗
rischen Traktat für das Volk.

Herr A. Schlitt ist nun rüstig an's Werk ge⸗

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