Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 26, Nummer 7 › Seite 53
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Dezember 1869, Seite 53
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 12
Der Lutheraner.
Es ist nicht wahr, daß „entstellte Berichte“
was Zweck und Leitung der Schule betrifft, ge—
druckt sind!! Es ist nicht wahr, daß der
„Anstoß“ gehoben ist, „unter welchem christliche
Gemüther in dieser Sache litten“?! Das alles
weiß Guntrum, Schabehorn und ein an—
derer Pastor ihrer Synode, der zugegen war, sehr
gut; das wissen Alle, die anwesend waren, —
as weiß der allwissende Gott, und wehe ihnen,
wenn es Der am jüngsten Tage ins Licht stellt!
Bei ihm kommt man mit Heuchelei und Unehrlich⸗
keit nicht durch; denn wer seine Missethat leugnet,
dem wird es nicht gelingen! Wie leicht hätte
doch die Synode die Wahrheit erfahren können,
wenn auch Schabehorn und Guntrum sie ver⸗
schwiegen und zu beschönigen suchten in der Sy⸗
node und im „Hausfreund“, welcher jene Ver⸗
handlung und Erklärung gebracht hat. Ist denn
jetzt wirklich die erste große Sünde, dieser Miß⸗
brauch des heiligen Namens Gottes, diese Ver⸗
leugnung Gottes und seines Wortes durch neue
Unwahrheit gut gemacht bei christlichen Ge—
müthern und — bei Gott? Wirklich?! — Was
müssen die Gemeindeglieder, die zugegen waren,
denken, wenn sie sehen, wie ihre Pastoren ihre
Sünde leugnen! Können solche Pastoren auch
mit dem Apostel Paulus sagen: „Folget mir, lie⸗
ben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln,
wie ihr uns habt zum Vorbilde“, (Phil. 3, 17.)2
It ferner damit das schreckliche Aergerniß ab⸗
gethan, das man der Welt, den Ungläubigen
gegeben hat? Oder hat man denselben kein
Aergerniß gegeben? Mußten dieselben gerade
nurch die Reden der Pastoren bei der Grundstein⸗
lezung nicht noch bestärkt werden in ihrem Un⸗
glauben und in ihrem Urtheil über die Christen,
die sie alle für Heuchler halten? „Irret euch
nicht, Gott läßt sich nicht spotten!“
Vorstehendes zu schreiben, hat Unterzeichneter
nicht gethan, weil man sich an ihm auf so ge—
meine Weise zu rächen suchte, daß man un⸗
gläubige Zeitungsschreiber (Juden!) in seine
Kirche schickte, vorgeblich seine Predigt nachzu—
schreiben, in Wahrheit aber, dieselbe zerrissen,
entstellt und lügenhaft verdreht wieder⸗
zugeben, den Geifer des bloßen Spottes eines
andern gar nicht gerechnet. Nein! Leute, die
zu solchen Mitteln greifen, kann er nur bedauern.
Sie können sich nur selbst schaden. Der treue
HEr IEsus, dem es mit keinem seiner Worte
ein Scherz ist, hat gesagt: „Selig seid ihr, wenn
euch die Menschen um meinetwillen schmähen und
verfolgen und reden allerlei Uebels wider euch, so
sie daran lügen“, Matth. 5, 11. „Wir wissen
aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge (auch
der Spott) zum Besten dienen“, Röm. 8, 28.
Und wer es nicht weiß noch glaubt, der soll es
erfahren! Das ist gewißlich wahr! A. W.
Zur kirchlichen Chronik.
Canzeltausch. In Betreff des Tausches
der Canzel mit einem Nicht-Lutheraner erklärt der
„Lutheran Visitor“ aus Süd⸗Carolina vom
10. November, daß er, durch traurige Erfahrung
belehrt, „geneigt sei, das Princip anzuerkennen,
und daß er nur dem Ertrem der Missourier Oppo⸗
sition mache.“ Das ist wenigstens ein Schritt
rückwärts auf die alten guten Wege, also vor⸗
wärts. Hoffentlich wird den lieben Männern
nach und nach auch darüber ein Licht aufgehen,
daß, was sie ein Ertrem nennen, die rechte Mitte
ist. Jetzt sehen sie so viel ein, daß ihre bisherige
„Liberalität destruetiv“ gewesen sei; endlich wer—
den sie wohl auch darüber klar werden, daß Can⸗
zelwechsel, auch wenn er nicht regelmäßig, sondern
gelegentlich stattfindet, was sie noch geschehen las—
sen wollen, wenn auch nicht so destructiv, doch
wider Gottes Ehre und das Heil der Seelen, also
wider das Gewissen, Sünde sei. W.
Error non desinit, ubi ineipit
d. i. Der Irrthum hört nicht da auf, wo er be—
ginnt, sondern ist fruchtbar und gebiert immer
mehr Irrthümer, wenn er mit Bewußtsein fest⸗
gehalten wird. Ein Beispiel hierzu gibt der
„Christliche Botschafter“ der s. g. Evangelischen
vom 17. November. Darin sucht ein Schreiber
zu beweisen, daß nach dem Bekenntniß der
Methodisten und Evangelischen der vollkommen
Wiedergeborne auch die Erbsünde los sei! Der
nächste Schritt, den diese „Heiligen“ noch zu thun
haben, ist, daß sie eine „unbefleckte Empfängniß“
ihrer Kinder lehren; wenigstens wären sie nicht
consequent, wenn sie diese Folgerung etwa aus
Scheu vor Papismus nicht machen wollten.
W.
„Eine protestantische Kloster⸗
geschichte.“ Unter dieser Ueberschrift ereifert
sich der „Katholische Glaubensbote“ aus Louis⸗
ville vom 17. November sehr darüber, daß man
einen Greuel todtschweigen zu wollen scheine,
der in der protestantischen Diakonissenanstalt zu
Friedrichsfelde bei Berlin vorgekommen sein soll.
Der „Glaubensbote“ sollte nach seinen Grund⸗
sätzen sich freuen, wenn solche Sachen vertuscht
werden. Denn wenn solche Sachen selbst in
protestantischen Diakonissen-Anstalten vorkommen,
die in mancher Beziehung den Nonnerieen der
Römischen nachgebildet sind, so sind solche Greuel,
namentlich wenn sie oft vorkommen, ein Beweis
überhaupt gegen das Klosterwesen mit seinem
Gelübde zeitweiliger oder gar gänzlicher Ehelosig⸗
keit, also ein Beweis in höherem Grade gegen
solche römische, als dergleichen s. g. protestantische
Anstalten. W.
Gewissensgelder nennt man hier solche,
welche Diebe, von ihrem Gewissen gefoltert, zurück
erstatten. Der „Christliche Botschafter“ schreibt:
„Der Gesammtbetrag der dem Schatz-Departe—
ment überlieferten Gelder (dieser Art) beläuft sich
auf 5113,981,81. Diese Summe würde in die
Millionen anschwellen, wenn alle Personen, die
die Regierung beschwindelt haben, sich Gewissens
halber gedrungen fühlten, die erschwindelten Gel⸗
der der Regierung zuzustellen. Mancher Nabob
müßte in solchem Fall seine stolze Equipage ver—
kaufen und per Pedes (zu Fuße) gehen und
manche Modedame müßte dann Armenleutetoilette
machen.“ Ja, wie mancher freute sich und freut
sich noch über den Krieg mit dem Süden, denn
der machte ihn reich; aber im Grunde war es
nicht der Krieg, sondern die großartige Dieberei,
wozu der Krieg den Contractoren und ihren Hel⸗
fershelfern Gelegenheit gab. W.
Abschaffung der Taufe. In dem Nürn⸗
berger „Anzeiger“ wird gemeldet, daß in der soge⸗
nannten „freien Gemeinde“ in Nürnberg die
Taufe gänzlich abgeschafft worden ist. Der Neu⸗
geborne wird nur durch den „Sprecher“ der Ge⸗
meinde, wie dieselbe ihren angeblichen Prediger
nennt, begrüßt und die Eltern zur Erziehung des
Kindes nach den Grundsätzen der freien Ge⸗
meinde ermahnt. Zu dieser Abschaffung der
Taufe kann man Nürnberg nur gratuliren;
denn wenn auch in den sogenannten freien Ge⸗
meinden die äußere Form der christlichen Taufe
beibehalten wird, so ist doch eine solche Handlung
in dem Haufen solcher erklärter Feinde des christ⸗
lichen Glaubens nichts weniger, als die christliche
Taufe. Wollte Gott, daß auch alle hiesigen so⸗
genannten freien Gemeinden den Taufritus eben⸗
falls abschafften, so würden nicht mehr so viele
getauft zu sein wähnen, die doch nicht getauft
sind! Aber, leider! behalten die elenden Vernunft⸗
pfaffen den Taufritus, theils um bei dem unwis—
senden Volke den Schein zu retten, daß ihre Ge⸗
meinden noch christliche seien, theils um sich ihre
Scheintaufen bezahlen zu lassen. W.
Wie wir aus dem Jowaischen Syno—
dalbericht ersehen, hat sich Herr Prof. G.
Fritschel auch vor seiner Synode wegen der
schmählichen Veröffentlichung jenes bekannten
Privatbriefes mit seiner verlogenen Einleitung zu
rechtfertigen gesucht. In Dubuque konnte der
Herr Professor auf die zweimal an ihn gerich—
tete Frage: ob der Student selbst ihm
den Brief übergeben habe, denn darauf
komme es an? auch nicht eine Sylbe antworten,
und verstummte gänzlich, bis ihm endlich sein
Bruder ganz bestürzt zurief: „Gottfried so schweig
doch nicht!“ Nun wird auch noch die, allen da—
mals Anwesenden gewiß überraschende Neuigkeit
mitgetheilt, daß Jemand in dieser Angelegenheit
dort einen Eid abgelegt haben soll. Wir möch⸗
ten G. F. alles Ernstes den guten Rath geben,
nicht zu fest aufzutreten, der Boden ist morsch.
Es könnten am Ende Zeugen-Erklärungen von
Jowaern erscheinen, ähnlich der in der letzten
Nummer des „Lutheraner“. — Wir haben bis
jetzt die Jowa-Synode mit den Fritschels noch
nicht identificirt. Es thut uns Leid, daß dieselbe
in diesem schmutzigen Stücke gemeinsame Sache
mit ihnen macht. —
„Winters warm, Sommers kalt.“
So stehts allerdings nicht im Kalender, aber im
„Christlichen Botschafter“ der Albrechtsleute; und
wahr ists auch. Diese meteorologische Merkwür⸗
digkeit haben wir, und der liebe Leser gewiß auch,
schon längst entdeckt, denn es ist ja weltbekannt,
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