Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 26, Nummer 7 › Seite 55
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Dezember 1869, Seite 55
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen 3
Der Zulheraner.
gellum zu predigen, kehrte ein Kaufmann, der
dent Cvangelio sich zugewendet, in einem
onenkloster ein. Die Priorin, eine gottselige
NTau, bekümmert sich, welche Partei denn Recht
habe, und wie sie könne selig werden; endlich
spkficht sie: „Ich weiß wohl, was ich thun will;
ich will weder päbstlich, noch lutherisch sein, son⸗
dern eine Christin. Drum, liebe Schwestern und
Inngfrauen, leset mir die Historie vom Leiden
und Sterben des HErrn IEsu vor, wenn ich
werde sterben, durch alle vier Evangelisten Mat—
thäus, Marcus, Lucas und Johannes. Diese
Historien sind geschrieben, ehe der Pabst und
Luther sind jung geworden; aus diesen Worten
sol sich mein Herz trösten.“ Da sprach der
Kaufmtann: „Glück auf, ehrwürdige Frau, ihr
seid lutherisch geworden, durch und durch
evangelisch, und habt unsere Lebens⸗ und
Sterbekunst.“
Ein Beispiel für Solche, denen der
Kirchweg zu weit ist. Als die Hugenot⸗
Hten von den Katholiken in Frankreich so hart
verfolgt wurden, wanderten viele Tausende nach
„Amerika aus. Unter anderen ließen sich auch
1703 viele Familien derselben in Rochelle,
zwanzig Meilen nördlich von New Nork, nieder.
In letzterer Stadt war ihre nächste Kirche. Ihr
Land hatten sie unter Bedingungen angenommen,
die Männer, Weiber und Kinder nöthigten, scharf
an der Arbeit zu sein, wenn es sie ernähren sollte.
Dennoch wollten sie keinen Sonntag den Gottes—
dienst versäumen. Sie arbeiteten deshalb bis
Sonnabend Abend, wanderten in der Nacht nach
Rew Zork, besuchten Sonntags zweimal die
Kirche und gingen in der folgenden Nacht wieder
zurük, um Montags bei ihrer Arbeit sein zu
köͤnnen! Und doch schrieben sie nach Frankreich
Briefe, die voll Lobes der Privilegien waren,
welche sie in Amerika genossen. (Baird's Reli⸗
gion in Amnerika, 159.)
Er hat seinen Engeln Befehl gegeben über
dir, daß sie dich behüten.
Es war an einem Donnerstag, den 21. Juni
1866, ich hatte nach beendetem Schulunterricht
noch eine Stunde Musikunterricht ertheilt und
unterhielt mich eben mit meiner am Fenster
nähenden Frau und meiner gerade anwesenden
Mutter, die Kinder spielten im geräumigen Hofe,
da wird plötzlich die Thür unserer Parterrewoh⸗
nung aufgerissen, ein Mann erscheint mit den
raschen Worten: „Haben Sie ein Kind auf dem
Dache?“ Wir eilen, zum Tode erschreckt, hinaus,
meine Frau mit dem Manne die Treppe hinauf,
ich zunächst in den Hof, wo ich nichts wahrneh—
men konnte, dann auf die Straße, da — da steht
die schnell angesammelte Menschenmenge und
schaut händeringend nach der Höhe des Daches—
und oben sitzt aufrecht in der Dachrinne, vier
Stockwerke hoch, mein Kind, ein Knäblein von
zwei Jahren. Mit seinen blauen Aeuglein schante
es ruhig auf die Menschen herab, während der
Wind mit den blonden Löckchen spielte. Ein
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Theil der Männer stand bereit, das Kind mit den gen konnte, so haben wir drei Gemeinden, die
Armen aufzufangen, ein Nachbar spannte mit mir Gemeinden in Peru, Nochester und North Grove,
ein schnell herbeigeschafftes Deckbett aus. Einige
Frauen fielen in Ohnmacht, einige weinten, sogar
einzelne Feuerrufe wurden in der Bestürzung aus⸗
gestoßen. Mein Blick war nur nach oben gerich—
tet, den Fall jeden Augenblick erwartend. Als
das Kindlein mich, den Vater, erblickte, öffnete es
den Mund und sprach, was jedoch wegen der
Höhe nicht verstanden werden konnte, langte mit
den Aermchen nach mir, blieb aber, wie von un⸗
sichtbarer Hand gehalten, auf dem Rande des
Daches sitzen. In der Zeit war der obengenannte
Mann, der das Kind von einer andern Straße
aus zuerst erblickt hatte, mit meiner Frau an dem
Dachfenster angekommen, vor dem das Knäblein
in der Rinne saß. Auf den ruhig gesprochenen
Zuruf: „Komm, mein Kind!“ erhob sich dasselbe,
stieg vorsichtig das Dach hinan,
rettenden Armen erlangt und hereingezogen wer—
den konnte. Fest umschlang es mit seinen Aerm—
chen den Hals der Mutter. Von unten sah man
das Köpfchen des Kindes verschwinden und von
entfernter stehenden Leuten erschallte bald der
Ruf: „Es ist gerettet!“ — Wie von einer schwe—
ren Last befreit, eilte ich, Dankesworte im Herzen
und auf den Lippen, hinauf zu meinem geretteten:
Kinde. Ich fand es ruhig, als wäre nichts ge—
schehen, mit Pferdchen spielend, während' meine
Frau, dem Schrecken erlegen, auf einem Stuhle
ruhte. Die untenstehende, zu Hunderten ange⸗
wachsene Menschenmenge rief unterdeß nach dem
Kinde; ich trug es hinab und zeigte es der jubeln⸗
den Menge. — Wie aber kam das Kind auf die
gefährliche Höhe? Kurze Zeit zuvor war es noch
in der Stube gewesen, hatte dann mit den Ge—
schwistern im Hofe gespielt. Das Dienstmädchen
der Hausbesitzerin, das den Bodenraum reinigte,
hatte es unbefugterweise mit hinauf genommen
und war wieder weggegangen, um Wasser zu
holen. Zum Unglück befand sich eine Blumen-⸗
treppe an einem der Dachfenster. Das Kind steigt
hinauf und stürzt, nach einem Reifen langend,
hinaus, umschlägt sich das Dach hinunter und
bleibt in der Rinne liegen, von wo es sich nach
einer Weile erhebt und sitzen bleibt. — Wer hielt
das Kindlein auf vom todbringenden Sturze?
Wer hielt es mit unsichtbaren Händen am Rande
des Abgrundes? Wer gab dem Kinde Ruhe, daß
es nicht durch Bewegung das Gleichgewicht ver—
lor und über den schmalen Rand der Rinne hin⸗
abstürzte? Er hat Seinen Engeln Befehl
gegeben über dir, daß sie dich behüten
auf allen deinen Wegen: daß sie dich
auf den Händen tragen und du deinen
Fuß nicht an einen Stein stoßest.
(Pilger aus Sachsen.)
Kirchliche Nachrichten.
Nachdem unter dem Gnadenbeistand des lieben
Gottes meine Parochie zu sechs Gemeinden her—
angewachsen war und ich trotz eines Hilfspredi—
gers die Leute nach Nothdurft nicht mehr verfor—
Gemeinde zu Zanesville, O., unter Beistand des
welche Gemeinden zusammen etwa 85 Familien
zählen, zu einer eigenen Pfarrei abgezweigt. Der
treue Gott hat in seiner großen Liebe uns auch
einen bewährten Diener Seiner Kirche, nämlich
Herrn Pastor J. Strieter, bisher in Aurora, Ill.,
wirksam, für diese neue Parochie geschenkt. Seine
Einführung habe ich dann gestern, als am 21sten
Sonntag nach Trinitatis, im Auftrag unseres
Ehrw. Herrn Präses Schwan, hier in Peru voll⸗
zogen.
Der HErr segne den Hirten und die Heerde
um Seines Namens willen. Anen.
Peru, den 18. Oct. 1869. J. H. Jor.
Adresse: Rev. J. Strieter, Peru, Ind.
Am 21. Sonntag nach Trinitatis wurde Herr
Pastor H. Schmidt, der einen ordentlichen Beruf
von der St. Petri-Gemeinde in Schaumburg,
Cook Co., Ill, erhalten und mit Bewilligung sei⸗
bis es von den! ner früheren Gemeinde angenommen hatte, von
dem Unterzeichneten eingeführt.
Der HErr gebe ihm Mund und Weisheit!
Addison, Ill., den 10. Nov. 1869.
A. Francke.
Nachdem Herr Pastor P. Brand einen ordent⸗
lichen Beruf von der ev.⸗lutherischen Dreieinigkeits⸗
Gemeinde in Washington, D. C., erhalten“ und
mit Bewilligung seiner bisherigen Gemeinde in
Buffalo angenommen, ist derselbe am 25. Sonn⸗
tag nach Trin., den 14. November, im Auftrage.
des hochwürdigen Präsidiums östlichen Districts
vom Unterzeichneten in sein neues Amt eingeführt
worden.
Der HErr verleihe Seinem Diener Gnade, daß
er durch die lautere Predigt des Evangeliums
viele Seelen fürs Himmelreich gewinne !.
Cl. Stürken.
Adresse: Rev. P. Brand,
Cor. of E& Fourth Sts., Washington, D. C.
Nachdem Herr Pastor Herm. Krebs einen Beruf
an die ev.⸗lutherischen Immanuels-Gemeinde un⸗
geänderter Augsb. Conf. zu Tonawanda, Erie Co.,
N. R., mit Bewilligung seiner früheren Gemeinde!
angenommen hatte, ist derselbe im Auftrag des
ehrwürdigen Herrn Präses C. Groß von dem Un⸗
terzeichneten unter Assistenz der Herren Pastoren
W. Weinbach und Johannes Walther am 25sten
Sonntag nach Trin. feierlich in sein neues Amt
eingeführt worden.
Der HErr setze diesen Seinen Diener zum Se⸗
gen für Viele und verleihe auch seiner lieben Ge—
meinde, daß sie, nachdem sie sich aus den Stricken
der Union losgerissen hat, hinfort am Bekenntniß
unserer theuren lutherischen Kirche wolle festhallen,
dem Evangelio gemäß wandeln und im Glauben
bis an's Ende verharren durch IEsum Christum.
Amen. C. J. Renz.
Adresse: Rev. Herm. Krebs,
Tonawanda, Erie Co., N. V.
Herr Pastor „H. G. Crämer, bisher Hülfs⸗
prediger an der Gemeinde des Herrn Pastors F.
Wyneken zu Cleveland, O., wurde im Auftrage
des ehrwürdigen Präses mittleren Districts am
21. Sonntag nach Trin. in der Dreieinigkeits⸗
Herrn Pastors Horst durch den Unterzeichneten
eingeführt.
Gottes Segen sei mit ihm und seiner Gemeinde!
Man adressire gütigst demgemäß.
K. Mees.
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