Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 26, Nummer 7 › Seite 54
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Dezember 1869, Seite 54
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang
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Der Lutheraner.
daß die Secten im Winter ungeheuer heißblutig
und, verhältnißmäßig, im Sommer sehr eisklum⸗
pig sind. Weil aber die Sectenleutlein uns ge⸗
waltig zanken, und es leugnen, wenn wir so etwas
sagen, so wollen wir den „Botschafter“ es selbst
sagen lassen. Er schreibt: „Was ist die Ursache,
daß in den Gemeinden während des Sommers
der Ernst und Eifer so schwach und die heilige
Inbrunst erloschen ist? Sind nicht die
Prediger zum Theil schuld daran? Wo ist der
Eifer, der im Winter auf und unter der Kanzel
von den Predigern an den Tag gelegt wurde?
Tragen wir, ihr lieben Amtsbrüder, unsere Pre⸗
digten mit dem Nachdruck und in dem Geist des
Glaubens im Sommer vor, wie es im Winter
bei verlängerten Versammlungen geschieht?
Erwarten wir von unsern Vorträgen im Som-
mer so viel plötzlichen Erfolg, als es im Winter
der Fall ist? Ist es nicht Thatsache, daß viele
Prediger in ihrem Eifer im Sommer auch erkal⸗
ten? Im Winter sind die meisten Predigten so
angeordnet und werden in solcher Weise vorge—
tragen, daß Gläubige und Ungläubige fühlen,
daß es uns Ernst ist. In beredten Worten wird
im Winter der Sünder ermahnt, zu JEsu zu
kommen und ohne Verzug sein Heil zu schaffen;
der Gläubige wird mit einem wahren Feuereifer
aufgefordert, die Heiligung von ganzem Herzen
zu suchen, im Sommer hört man aber auf man⸗
chen Kanzeln von solchen dringenden, ernsten,
eifrigen Ermahnungen wenig. Tert und Thema
sind dann so gewählt, daß man unmittelbaren
Erfolg gar nicht erwarten kann. Das ist
ein ehrliches aber trauriges Bekenntniß; und
demnach wäre für den methodistischen Eifer der
beste und sicherste Ort zwischen „Greenland's
icy mountains.“ Da nun aber unser Heiland
seine Jünger mit der Predigt des Evangeliums
„in alle Welt“ hinaus sandte, und da der
Apostel das „Auhalten“ damit zu jeder Zeit be⸗
fiehlt, so ist es offenbar, daß die Sectenleute mit
ihrem Winter-Christenthum weder Beruf
noch Recht zum Predigtamt haben.
(Luth. K.⸗Ztg.)
Zur Beurtheilung A. v. Humboldt's.
„Ich gestehe, es ist für mich eins der widerwär⸗
tigsten Bilder unserer an widerwärtigen Bildern
so reichen Literaturgeschichte, mir den greisen
Humboldt zu denken, wie er den Tag über am
Hofe kammerherrt oder — kammerdienert, und
dann Abends zu Freund Varnhagen eilt, um
über die Leute zu spotten und zu lästern, deren
Höfling er gerade noch mit Beeiferung gespielt!
hat.
recht die feige Autoritätsmichelei und die kleinliche
Parteibornirtheit des liberalen Philisterthums,
wenn man Humboldt's Aeußerung gegen Varn⸗
Es kennzeichnet, sag' ich unverhohlen, so
hagen: „Mit meinen Impietäten mögen Sie nach
meinem Hinscheiden walten und schalten; Wahr—
heit ist man im Leben nur denen schuldig, die
man tief achtet“ — nicht als das zu erkennen und
zu benennen wagt, was es war und ist, als eine
Gemeinheit.
Also falls man niemand achtet,
darf man jedermann belügen? Und dieselben
liberalen Philister, welche diese jesuitische Falsch—
heit bewundernswerth finden, schreien über den
Jesuitismus der verschiedenen Kirchen!“ — So
schreibt der sehr liberale Prof. Dr. Johs. Scherr
in seiner Schrift „Blücher. Seine Zeit und sein
Leben“ (2. Aufl. Leipzig 1865). S. 524.
Ein recht liebevolles Urtheil über
unsere Synode und deren Gemeinde
in Buffalo, N. N., läßt sich der sogenannte
„Lutherische Kirchenfreund“ von einem seiner
geehrten Herren Correspondenten Namens Pick
zustecken. Dieser gute Herr Pick beschreibt in
No. 41 die lutherischen Kirchen zu Buffalo und
spricht sich auf unsere dortige Gemeinde kom⸗—
mend, so aus: „Aus Grabaus Kirche ist eine
andere hervorgegangen. Wie der Prediger heißt,
weiß ich nicht, nur so viel glaube ich, daß selbige
Gemeinde zu den Missouriern gehört und Trau⸗—
ben kann man nicht gut von den Dornen lesen.“
— Ach, ein edler Baum, der Urtheile, wie dies
Pick'sche, zu seinen süßesten Früchten zählt! R.
Etwas von den römischen Jesuiten.
Bekanntlich thun die Römischen zuweilen süß
selbst mit den Lutheranern, wenn sie nämlich der
Meinung sind, daß sie durch Süßthun ihre Zwecke
erreichen können. Hat doch selbst jenes „seelen⸗
gute“ Geschöpf zu Rom, der Pabst Pius die Pro—
testanten zum Concil eingeladen. Aber der Päbst—
lichen eigentliche Gesinnung ist eine ganz andere,
davon einige Beispiele. Pabst Urban VIII.
sagte z. B. in seiner „Nachtmahlsbulle“ im Jahre
1627: „Wir verbannen und verfluchen
von wegen Gottes des allmächtigen Vaters, des
Sohnes und des heil. Geistes und auf das An-
sehen der seligen Apostel Petrus und Paulus und
vermöge unseres eigenen alle Husiten, Wiklefiten,
Lutheraner ꝛ. — Ueber Luther schreibt der
Jesuit Orlandimus (Hist. societatis Jesuita-
rum, 1620. VI, 59.): „Gott vernichtete dieses
Scheusal, diesen Säemamn zahlloser Uebel, die⸗
sen wahrhaften Antichristen. Ich mag das Un—
geheuer nicht nach seinem Namen bezeichnen.
Jener Verräther des katholischen Glaubens,
Klosterflüchtling und Urheber aller Ketzereien,
jener von Gott und den Menschen verabscheute
Lasterbube wurde im 28sten Jahre des Abfalls,
nachdem er unmäßig gezecht und seine gewöhn⸗
lichen Witze gerissen hatte, in der Nacht von plötz⸗
licher Krankheit überfallen und dahingerafft. Da
fuhr die verruchte Seele von dannen, ein
Leckerbissen für den Satan, dessen Bauch sich an
dergleichen Speise ersättigt““ — In Böhmen
und Ungarn mußten die von den Jesuiten abtrün⸗
nig gemachten Lutheraner ein Glaubensbekenntniß
ablegen, darin es unter andern Artikel 6. heißt:
„Wir bekennen und betheuern, daß den Papst
als heiligstem Vater, von Allen und in Allem
ohne Ausnahme gehorcht werden muß, und daß
die, welche seinen Bestimmungen zuwider handeln,
daß solche Ketzer nicht allein mit Feuer verbrannt,
sondern auch nach Leib und Seele der Hölle über—
geben werden müssen.“ Art. 20: „Wir bekennen,
daß die römische Lehre die katholische, reine, gött⸗
liche, seligmachende, alte und wahre sei, die evan—
gelische aber die falsche, irrige, gottes läster—
liche, verfluchte, ketzerische, verdammliche,
aufrührerische, gottkose, ersonnene und erdich—
tete . . . . Wir nennen verflucht unsere Eltern, die
uns in jenem ketzerischen Glauben erziehen, wit
verfluchen auch die, welche uns in dem römisch—
katholischen Glauben irre gemacht haben, ebenso
jene Führer, welche uns den verfluchten Kelch
gereicht haben!“ Art. 22: „Wir schwören auch,
daß wir, so lange ein Blutstropfen in unsern
Adern fließt, jene verfluchte evangelische (lutheri⸗
sche) Lehre auf jede Art, heimlich und offen, mit
List () und Gewalt, mit Wort und That, auch
selbst mit dim Schwert verfolgen wollen.“
(Mohnike, römisch-katholische Glaubensbekennt⸗
nisse. Greifswalde 1822, S. 98. ff.) In den
damals aufgestellten „Ungarischen Fluchformu⸗
lare“ mußte besonders noch Folgendes über dem
Papst bekannt werden: „Wir bekennen, daß der
römische Papst das Haupt der Kirche ist und
nicht irren kann.“ . . .. „Wir bekennen und
sind dessen gewiß, daß der römische Papst der
Stellvertreter Christi ist und volle Gewalt hat,
allen Menschen, je nach seinem Willen,
die Sünden zu erlassen, zu behalten, in die
Hölle zu verstoßen und zu excommuniciren.“
Vermischtes.
Lutherthum unter dem Pabstthum.
1
Im Jahre 1463 war in Leipzig ein solch
schreckliches Sterben, daß daselbst über 8000
Menschen und darunter im Pauliner-Kloster
allein 99 Mönche dem Tode erlagen. Zu der
Zeit lebte ein alter Mönch, mit Namen Mar⸗
tinus Drentzigk, welcher dem Abte auf die
Frage, wodurch er vermeinte, einen gnädigen
Gott zu haben, antwortete: „Lieber Vater, ich
bin sehr ungelehrt, doch habe ich eine Gewohnheit
gehabt, daß, wenn die andern Brüder gesungen,
ich unterdes einen Theil vom Leiden und Sterben
Christi vor mich genommen, dasselbe herzlich be—
trachtet, und meinem Erlöser und Seligmacher für
sein theures Verdienst inbrünstiglich Dank gesagt.
An dessen Gerechtigkeit und Genugthuung für
der ganzen Welt Sünde will ich allein gedenken,
meine Gerechtigkeit und guten Werke halte ich
aber für Koth auf der Gassen gegen den ewigen
Schatz, den mir mein HErr Christus erworben
hat.“
Als der Abt dies trostreiche Bekenntniß hörte,
gingen ihm die Augen über. Er tröstete den
Mönch und sprach zu ihm: „Lieber Bruder, du
hast einen guten Grund deiner Seligkeit, und
weil du auf die Gerechtigkeit deines Heilandes
dich inniglich verlässest, wird deine Hoffnung nicht
zu Schanden werden.“ — Auf dieses Bekenntniß
ist der Mönch sanft und selig in Gott verschieden.
2.
Zur Zeit, da man wieder anhub, das Evan⸗
—
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