Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 26, Nummer 11 › Seite 85
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Februar 1870, Seite 85
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang
Der Lutheraner.
8⁵
Liebe an Missouri genug gethan, gibt er auch den
Freunden Missouri's, unsern Brüdern von der
Wisconsinsynode noch einen freundschaft—
lichen Fußtritt und zwar mit folgenden Worten:
„„Das Gemeinde-Blatt“ fällt auf einen Artikel
aus dem „Amerikanischen Agriculturisten“, den
wir ebenfalls auf der vierten Seite hatten, und
macht großes Wesen über Bilder einrahmen,
worauf sich dieser Auszug bezog. Man sollte
meinen, den Wisconsiner Predigern könnte eine
Belehrung über diesen Gegenstand nicht unwill⸗
kommen sein; denn sie sind alle so einfach und in
einem unionistischen Wesen erzogen, siedeln
aber um so rascher in den Bilderkram des
römischen Götzendienstes über und wer—
den doch in Verbindung mit den Missou⸗
riern viel auf Bilder halten müssen
u. s. w. — Endlich wird auch noch der „Luthe—
rischen Kirchenzeitung“ als „der dritten
Person in dieser sombolischen Dreieinig—
keit“ gedacht. — Man sieht aus dem Allen,
wie wundersam⸗chamäleonartig sich die Liebe des
„Kirchen-Freundes“ gestaltet, so bald sie von
Freünaurern, Methodisten u. s. w., sich denen
zuwendet, deren Namen er sich diebisch beilegt und
deren „Freund“ zu sein er heuchelt. Aus glü—
hendem Roth zärtlichster Verehrung und Protec—
tion wird urplötzlich ein graugelber Neid und
grasgrüner Haß, der sich in Schmähen und Lü⸗
gen Luft macht. Natürlicherweise gesteht er das
selbst nicht zu. Die unirte Liebe und Ehrlichkeit,
womit er andere betrügt, betrügt ihn selber und es
it wirklich possirlich, wie er in derselben No. 50
nach allen Ehr⸗ und Lieblosigkeiten schließlich
noch folgendes süßes Loblied auf seine weitbe—
rühmte Liebe und Liberalität singt. Es kann
gleichsan als Zierbändchen um obigen Blüthen—
strauß angesehen werden und lautet so: „Wenn
ein Blatt meint, wir wären lieberal gegen Alle,
nur nicht gegen „Altlutheraner“ und „Symbo—
listen“, so irrt er sich. Wir können auch denje—
nigen Theil unserer lieben Kirche, den man mit
dem Worte „altlutherisch“ bezeichnet, recht gut
dulden. Daß diese Parthei ein gutes Werk ge—
than hat, wollen wir nicht in Abrede stellen. Sie
thun ein Werk, das wir nicht. thun können“
(Warum nicht, wenn Ihr nur ehrlich werden
wollt). „Und wenn sie es auch alles thun könn—
ten, so daß uns gar keine Arbeit übrig bliebe in
der Kirche, so wollten wir uns gerne auf den
Fingerzeig unseres Gottes einem andern Berufe
widmen. Wir wollen auch den Missouri'rn
kein Hinderniß in den Weg legen. (11)
Die können ihren Standpunkt verfolgen und
sie, wie wir, sind nur dem Haupte der Kirche
Rechenschaft schuldig für die Treue, mit der wir
unser Amt verrichten“. (Wenn daran nur der
„Kirchen Freund“ recht oft und ernst gedenken
wollte.) „Wenn der HErr unserer nicht mehr
gebraucht in seiner streitenden Kirche, so wird er
uns schon das „bis hierher und nicht weiter“ ent⸗
gegenrufen. Aber er hat ein Werk für uns, fur
den „Kirchen-Frtund,“ (7) für die Deut⸗
schen auf dem Standpunkte der General—
synode. (2) Die Gemeinden schreien uns an um
Prediger von unserer Richtung. Wir haben un⸗
sere liebe Noth mit unsern eigenen und zur Ueber—
tretung des Zten Gebotes: ‚Du sollst nicht be—
gehren deines Nächsten Haus“ haben wir keine —
Veranlassung.“ — Wenn man noch daran
denkt, wie vor kaum einem Jahre der „Kirchen—
Freund“ mit der Frechheit eines Schacherjuden
auch unter den Lutheranern in St. Louis, seine
Subscribtionsjagd anstellte, so muß man beim
Lesen dieser höchst „liberalen“ Phrasen unwill—
kührlich an die Fabel vom Fuchs und den sauren
Trauben erinnert werden. Doch genug des Gu—
ten. Möge doch der „Kirchen-Freund“, der, wie
gesagt, nunmehr in Oswego, New Aork, erscheint,
im hitzigen Drange seiner Geschäftsmacherei nicht
vergessen, daß „ehrlich am längsten währt“
und daß der HErr unser Gott nicht nur von allen
unnützen Worten, sondern auch von allem
unnützen, verläumderischen, heuchlerischen und är—
gerlichen Geschreibsel Rechenschaft verlangen
wird. Möge er daher doch in dem neuen Jahre
von den alten bösen Erbstücken und Angewohn—
heiten, der Unlauterkeit und Ungerechtigkeit, ablas—
sen und ein ehrlicher „Kirchen-Freund“ werden!
Entweder sage er sich rund und offen von dem
Namen der lutherischen Kirche los, und fechte
dann als ein ehrlicher Feind gegen die treuen Be—
kenner der evangelisch-lutherischen Lehre — oder
er bekenne sich ebenso offen zu dem lutherischen
Bekenntniß, wie zu dem lutherischen Na—
men und vertrete dann nur die Wahrheit
gegen jeglichen Irrthum. Dabei kann man wohl
keine glänzende Geldgeschäfte machen,
aber sich ein gutes Gewissen bewahren. — So
wie der „Kirchen-Freund“ bisher stand und noch
steht, muß er bei Freund und Feind gleich ver—
ächtlich sein und es trifft ihn das göttliche Ur—
theil: „Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil
du aber lau bist, und weder kalt noch warm,
werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“
Offb. 3, 15. 16.
Leider läßt der „Kirchen-Freund“ wenig Hoff—
nung auf Besserung übrig. Schon in der ersten
Nummer des Lten Jahrgangs verfällt er gleich
wieder auf das alte Handwerk, und treibt mit dem
guten, schriftgemäßen, lutherischen Bekenntniß und
dessen Liebhabern seinen nichtswürdigen Spott.
In einem kleinen Artikel, betitelt: „Ist der Pabst
der Antichrist?“ heißt es unter Andern: „Zwar
bei einer — und allerdings durch ihre kategorisch—
apodictischen Orakelsprüche, Unfehlbarkeit bean—
spruchenden, daher mit dem heiligen Vater no-
lens volens verwandten — Parthei unserer
Kirche werden wir von Neuem durch die bloße
Geltendmachung dieser Frage als einer Offenen
in den Geruch der Ketzerei kommen, aber neyer
mind, wir gehören eben nicht zu den Unfehl—
baren. — Eine gewisse antichristliche Couleure
um das Pabstthum (und) was damit zusammen⸗
hängt, wird wohl ein Jeder von uns General⸗
fonodaltenten, entdecken, aber der persünliche Anti⸗
christ, hu! aus lauter Christenliebe möchte ich mich
doch nicht dazu entschließen. — Wohlan ihr Her⸗
ren Generalsynodalleute, das glauben wir wohl.
Viel leichter möchte eurer unirten Liebe der Ent—
schluß werden, dem allerunheiligsten Vater Pabst
den Pantoffel zu küssen. — Gott erbarme sich und
thue eure Augen auf! R.
Zur kirchlichen Chronik.
Gutes gerichtliches Urtheil. In Phi⸗
ladelphia hatte ein gewisser Levi Nia sein Ver⸗
mögen der „Gesellschaft der Ungläubigen in
Philadelphia“ vermacht. Das Ohergericht von
Pennsylvanien hat aber entschieden, daß das
Vermächtniß ungültig sei, weil eine solche Gesell⸗
schaft zur Zeit der Abfassung des Testamentes
nicht eristirt habe. Zugleich hat der Richter Herr
Scharwood auch erklärt, daß das Vermächtniß
jedenfalls ungültig gewesen sei, da es gegen die
Sittlichkeit und die Wohlfahrt des Staates sei.
Die Herrn Ungläubigen sind darüber natürlich sehr
aufgebracht und berufen sich auf die hier gewähr—
leisteee „Gewissensfreiheit“. Es ist das
aber sehr lächerlich. „Die Gesellschaft der Un⸗
gläubigen in Philadelphia“ ist eine Gesellschaft
von Atheisten oder Gottesleugnern. Nun ist aber
das Gewissen die Stimme Gottes im Menschen.
Somit kann der Atheist, der diese Stimme leug⸗
net und sie für eine bloße Einbildung von
Schwachköpfen erklärt, auch auf die hiesige Ge—
wissensfreiheit keinen Anspruch machen, ebenso
wenig wie die Affen, zu deren Geschlecht ja die
Ungläubigen nach ihrem eigenen Geständnisse
gehören wollen. Wohl ist es nöthig und recht,
auch die Atheisten in unserem Staate zu dulden,
wie unsere Vereinigten Staaten ja auch die
Affen dulden, aber greulich ist es, daß man hier
die gottlose Comödie aufführt, Atheisten schwören
zu lassen und ihnen das Bürgerrecht zu geben.
Das Bürgerrecht sollten sie noch weniger, als die
Affen, erhalten, da ein Atheist, ohne Gewissen,
wie er ist, wenn er nicht betrügt, es nur aus
Eigennutz unterläßt. Weil er an keinen Gott,
kein anderes Leben und keine ewige Vergeltung
glaubt, so ist seine ganze angebliche Moral: „Laß
dich nicht ertappen!“ Ein solches Subject kann
daher als Bürger oder gar als Beamter nur
schaden und den Fluch auf das Land bringen.
W.
Huß. Die New Horker „Katholische Kirchen⸗
zeitung“ enthält in ihrer Nummer vom 13. Ja⸗
nuar den Schluß der Geschichte des Conciliums
von Costnitz und des Märtyrertodes des seligen
Huß. Vergeblich sucht man aber darin auch nur
einen Schein von Rechtfertigung des blutdürstigen
Concils gegen die vom „Lutheraner“ (Nr. 8,) er—
hobene Beschuldigung, daß dasselbe sich mit dem
Blute jenes Zeugen Gottes befleckt habe. Die
„Katholische Kirchenzeitung“ kommt wieder mit
der alten lahme.n Ausrede, Huß sei nicht nach den
kirchlichen, sonnrern nach den weltlichen Rechten
jener Zeit verbrannt worden. Darauf aber, daß
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